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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-04-16 · 2 (16.4.1929) · p. Seite 22

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
2 (16.4.1929)
Date
1929-04-16
Page
Seite 22 (sequence 2)
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t werden wollte, die ersten Ä) Jahre seines Lebens gelvidmet hatte. Es kam deshalb nicht selten vor, dast man sich mit religiösen Anfragen an ihn wandte. Wenn er nun auch gutachtliche Aeuße Zungen prinzipiell ablehnte, so sah er sich doch in einzelnen Fällen von allgemeinerem Interesse zu längeren und bedeutungsvollen Ausführungen veranlaßt, die in seinem Nachlasse erbalten ge blieben sind und über die ich in seiner Biographie zusammenhängend berichten werde. Nur der Hraunschweigcr Falt sei seiner besonderen Ak nwlität wegen herausgegriffen. Ter Jude G. G wa, mit einer Protestantin verheiratet. Tie reli giös indifferenten Eltern wollten ihren neuge borenen .«naben konfessionslos heranwachsen lassen. aber die beiden Großmütter reklamierten das Kind für ihre Konfession. Ter mit Lazarus befreundete G. G. bat nun diesen um seine An s,ckn. Es ist von außerordentlichem Werte, die 'Gründe kennen zu lernen, ivelche Lazarus, de» nammaligen Worijülirer der Reform des Juden tun.es, zu per bestimmten Forderung südrren, den «naben i» die jüdische Gemeinschaft aufnchmen zn lassen. Ich gebe in Folgendem feine Ausfüb > ungen ivorkgeireu ,r jeder. Berlin, den I I. Februar!8-it. . . Tu rerlangen auch meinen ausfübrlichen Ra: kvrgen tteber.r eiiuug des «indes an eine reli giöie Gemeinschaft: das ist ein Fall, wo kein freund ieine Meinung aus irgend welchen ««runden zurückbaltcn darf. Aber ausführlich könnte de«. Rai natürlich .nur in Bezug aus die Gründe werden, welche ibn unterstützen sollen: dies offenbar wünschen 2ie desbalb, um zu sehen, ob inein Rai auch ausgenommen zu werden ver Iiienl. Allein es ist schriftlich kaum möglich, am wenigsten in ciuc.ni Briese, und vielleicht nur in ei«,er längere» wechselnden «orrespondenz. Tenn argen jeden («rund, den ich etwa anfübre, läßt iich gclviß etwas ein.venden, so daß er nicht sicher und inil («eioißtieil ivjrki aus die Ueberzeugung, ande-rerseils glaube ick, würde es irabrscheinlick aui meiner Seite gegen die Einivciidung wieder envas zu replizieren geben , man tann eben alle die Motive »ich, so aussübren, wie es wün ichenswerr ist. («tauben Sie aber nicht, lieber Freund, daß dies eine Schanze ist, hinter welche ich mich zurückziebe, um Ihre Bitte -dennoch ab zuschlagen und mich - gegen jedes Verargen zu decken. Vielmebr will ich Ihnen von ganz aufrich tigstem Kerzen nach reiflicher Ueberlegung ,.obne Bornrle:!", so iveil ich dessen irgend mächtig, meine Ansicht sage», für welche aber, wie gesagt, niebr Motive noch in mejnem Innern sind, als ich liier aufichreibeu kann. Ja Sie können in itval'rbeil denken, daß dies meine feste Ueberzeu guiig ist. ivelche ick gegen alte Angriffe zu ver leidigen mich im Stande glaube, wenigstens inso iveii, daß ich selbst und wer irgend aus meinem Standpunkt stellet, nicht erschüttert würden. Sic sollen also zivar Nichts zlrischen den Zeilen tk>en. ioobl aber vor denselben sich eine reifliche Ueberlegung. u a ch denselben eine rubige und riistige Ueberzeugung vorstellen, die in meiner Scele leben. Ich oerio.-ge zunächst Ibre Gedan ke.l. Si> stellen zwischen zwei ortbodoren Schwie germülier». Bon beiden und deren Wünschen müssen Sic. meiii Freund, als Mann unberührt bleiven. nicht bloß, weil beide in -ihrem Gegen ianc Hc plus und minus sich ausheben, beide n>-- Großinütler gleiche Geltung verdienen, son der» wist! beide keinen Einfluß haben dür f e n, beide handeln und fordern nicht auS Gründe», sondern aus Neigungen, angeerbte festgewurzelte Meinung, beide haben Recht sür sich, keine von beiden hat ein Recht, e:waS von Ihnen zu fordern, zu wünschen. Sie mögen nun selbst indifferent dagegen sein oder nicht; immer dürfen Sie aus der Indifferenz nicht heraus treten, um dem Wunsche einer von beiden Frauen zu genügen. Es gilt eine Bestimmung über ein «ind der folgenden Generation, da darf höchstens die jetzige, nicht die vorige (also - 22 —! dritte vom Kinde) entscheiden; zumal, dies wiederhole ich, wenn deren Entscheidung durchaus nicht als aus vorurteilsfreier Erwägung hervorgegangen anzusehen ist. Je natürlicher der Wunsch auf beiden Seiten ist, desto weniger j Grund kann er sein. Ich gehe soweit zu behaup-! ten, daß wenn eine von beiden Müttern (was! Gott noch lange verhüten wolle) zu den Seligen : gehörte, auch dann der alleinstehende Wunsch j auf Einer Seite Sie nicht bestimmen dürfe. Hier j über genug. Ihnen und Ihrer Frau ist beides ziemlich j gleichgültig, und dennoch möchte Ihre Frau das! Kind dem Judentum« nicht überwiesen sehen. So lange noch lächerliche Vorurteile daran kleben und . die Stellung im Staate eine freiere ist. Wohlan!! Wenn es Ihnen beiden an und für sich als eine Aeußerlichkeit gleichgültig ist, so ist es notwendig, daß Sie das Kind beschneiden lassen. Denn darauf rechnen, daß sich das Kind später einmal aus eigenen Wunsch beschneiden lasse, ist durchaus unwahrscheinlich, somit versperren Sie mit die ser Unterlassung dem Kinde die Pforte zum Judentum, Tagegen aber kann ein beschnittener Mensch sich immer noch ohne alle Hemmung und Hindernis zum Protestantismus bekennen. Ter Unterschied, daß es dann ein getaufter -Jude ist, sonst aber ein reiner Christ, kann durchaus ebenfalls nicht ge.ken, denn die lächerlichen Vorurteile haften an dem Sohn des Jud e n, ob er zu 6 Wochen oder 20 Jahren gerauft ist. Also: die freiere Stellung ver Christen im Staate kann der Neugeborene sich immer erwerben durch einen späteren Uebertritt; die Vorurteile aber schüttelt er durch eine jetzige Taufe ganz und gar durchaus nicht ab. Temnach wäre gegen das Beschneiden von Seilen Ihrer Frau nur noch Folgendes einzuwendcn: wenn Ihr Kind Jude wird und später dem Iudenrume mit wirklicher Ueberzeugung anhängend bleibt, dann würde ihm die freiere Stellung im Staate entgehen. Allein bedenken Sie wohl, mein teurer Freund, und auch Ihre Frau möge die-.- reichlich bedenken, was Sie eigentlich wollen: das Glück Ihres Kindes. Nun gehört die freie Stellung im Staale zuweilen zu diesem Glücke, bat manchen Einfluß darauf. Aber ich bitte Sie, welch ein Minimum von Glück ist in dieser Stellung möglich gemacht. Bedenken Sie, wie viel Tausende und Abertausende von Faktoren dazu gehören, ehr das Produkt herauskommt, ein glücklicher Mensch. Wie ivenig bedeutet dies Eine, was Sir für das Kind tun wollen. Sind nicht Tausende von Juden, selbst wo ihnen iveniger Rechte gegönnt sind als in Braunschweig, glück licher als Millionen Christen mit ihrer freien Stellung? Ist diese nicht ein Zähler, wozu das Schicksal erst den Nenner macht, und der in vielen Fällen eine Million sein kann? Was heißt es überhaupt: Eltern wollen sür das Glück eines Kindes sorgen, vollends durch ein solches Ele ment, dain tausend Fällen nicht Einmal zur Anwendung kommt, und wo es dazu kommt, noch lange kein Glück bedeutet? Gesetzt es läge in Ihrer Hand, dem Kinde durch die protestantische Taufe nicht nur die Möglichkeit zu irgend einem Amte im Staate, sondern schon ein hohes Amt selber zu verschaffen, verbrieft und versiegelt,' könnten Sie dann behaupten, zu dem Glücke des Kindes schon etwas getan zu haben? Wohl kann ein Amt der Boden des Glückes, das Fundament dazu sein; aber tausend andere Berufsarten, welche dem Juden frei stehen, können dies ganz eben so sehr. Also die freie Stellung im Staate ist von gar keinem Gewicht. Tie lächerlichen Vorurteile aber, welche der Knabe zu erdulden haben wird, wenn er beschnitten wird und infolge dessen Jude bleibt? („Infolge dessen" ist ohnehin sehr zweifelhaft und eine spätere selbständige Taufe hat keinerlei Art von Schwierigkeit.) Ich glaube, die Vorurteile gegen den christlichen Sohn eines Juden sind indessen ebenso schlimm, ich denke, sogar schlimmer, öfter unan- Rabbiner Dr. A«erbach •er Munumt« MMir Nt Otsttgtarier •rarinSe. genehmer hervortretend, als gegen den jüdischen Sohn eines Juden. Hier will ich sogleich anmerken, daß ein ungeheurer Unterschied zwischen Juden und Christen gerade in Bezug auf das Vorurteil stattfindet. Lassen Sie ihren Sohn Jude werden, so wird er von allen Juden, selbst den orthodoxesten, keinerlei Vorurteil zu erdulden haben dafür, daß er der Sohn einer christlichen Mutter ist; wohl aber wenn er Christ wird, alles was jeder Jude zu fühlen haben, weil er Sohn eines Juden ist. Ich bin kein Ideologe und hege keine sanguinische Hoffnungen; doch bin ich überzeugt, daß man in 20 Jahren (zu der Zeit, da Ihr Sohn mit Gottes Hilfe reif zu einem Manne sein wird) das Judentum und die Juden gerade um dieser wahrhaften Toleranz willen hochschätzen wird. Noch bemerken Sie: Ob eine christliche Mutter jüdische Kinder erziehen kann? Ich frage: sind neun Zehntel der (deutschen) jüdischen Frauen zumal aus der Klasse, aus welcher Sie geheiratet hätten, denn jüdische Mütter? Sind diese geeignet, Juden zu erziehen? Nein! Doch werden es Juden durch das Judentum. Ihre Frau tvird für die Erziehung Ihres Knaben vielleicht nicht weniger tun, als manche Frau eines heutigen Rabbinen, sie hat aber auch nichts dafür zu tun jetzt, wo nicht die Gewohnheit der Zeremonien gepflanzt, sondern der Geist im Kampfe der öffentlichen Meinungen gebildet werden soll. Und dann: Ihre Frau kann keinen jüdischen Knaben erziehen, zugegeben, aber Sie können noch viel weniger protestantische erziehen. Bericht des Israelitische« Fürsorgeamtes über den Monat Mürz Sprechstanden der Fürsorgerin: Eonntag.^Monwg. Dienstag, } ,°rm. 9J4_ll% Uhr Mittwoch, Freitag nachm, von 3—5 Uhr DaS Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat März ISA unter Mitwirkung der angeschlofsenen WohltätigkeitSoereine folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen.M 1003.78 Einmalige Unterstützungen. 523.08 Winterfürsorge. 760.08 Gesundheit-- und Erholungsfürsorge . . „ 72.60 Anstaltsfürsorge. 85.— Durchreisende. 224.40 An 20 Erwachsene und 3 Kinder wurden insgesamt 63 Kleidung?« und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt da- Fürsorgeamt Mk. 97.— von: Herr» Dr. G. Löwenstein, jun 16. März. Herrn Karl Merzbacher, anl. de< HinscheidenS seiner Frau, N. N., Fra« Reiyenberg, Nürnberg, anl. de« 80. Geburtstageihrer Mutter, Frau Bertha Rosenfeld. Purimsprnde. MW» IlllWIllHWIIIIIIIIIIffl WIill»IMWIIIIIWII»M SCHIEDMAYER PtanofortMabclk v. J. u. P. (ohtodmayw STUTTGART, Neckarstrasse 12, Kok« uirtchmm FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM MIETE TAUSCH STIMMUNGEN BEQUEME TEILZAHLUNGEN Pcmcpraolwr ae«-41/48 nMnmmMmmniwniiiamimiiitiiHinmwmnmiwmittiiiiiitMfiiniiiiiiiniiotHiiiiiimiiiiTHiiii uniiiiiinimiiHii«nmn

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