Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 2 (16.4.1929)
- Date
- 1929-04-16
- Page
- Seite 21 (sequence 1)
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Wer ihn! aber eindeutig umgrenzen will, erkennt erst seine Dunkelheiten. In den Feierstunden des Lebens ahne:, wir, daß eS neben dem Greifbaren, Meß baren. Substantiellen ringsum in der Welt etwas Unwägbares, Unmeßbares, Wirklich-Unwirkliches gibt. Wir spüren dann die geheimnisvolle Verbundenheit mit dem 'Ewigen, wir hören dann den Herzton der Ewigkeit, wir atmen dann die Höhenluft der Religion. Religion ist kein System von Wahrheiten, keine Kette von Glaubenssätzen, keine Summe von Vorschriften. Sie sind eine Schöpfung des Menschengeistes, sein Versuch, das Göttliche in menschliche Denk- und Lebensformen zu fassen. Reli gion ist mehr:, das innere Einswerden mit dem Göttlichen und das Leben im Bewußtsein dieses Ewigen. Religion ist die Antwort auf das f Fragen der Seele. Darum ist Religion kein Glauben, sondern ein Wissen, kein Schnen, sondern ein Erleben, kein Suchen, sondern ein Finden. In der Religion sind wir alle Propheten, Schauende, Wissende, Gotterlebende (2. Mose 19, 6). Gott offenbart sich und wir schauen; Gott redet J~ und wir hören. Was auch die Menschen als Gott erkannt haben, war ihr allerpersönlichstes Erlebnis.. Niemals haben sie gesagt: das ist Gott, immer: das ist mein Gott. USZUG AUS AEGYPTEN jn So sengend lag Aegyptens Sonne nie at)f Mensch und Tier Wie an dem Tag, da Israel das Land dir Knechtschaft Zukunftsfroh verließ ... c ) Viel tausend Wagen, Männer, Frauen^Kinder, Ziehn mühsam durch den ausgedörrten Sand Ins Reich der Freiheit und der Menschenwürde. Erhob'nen Auges schleppt der Greis sich] fort Gestützt vom Sohn mit arbeitsharten Hapden Die Mutter drückt den Säugling an die fernst Und freudig lallt das Kind im Glockeniän Des strömenden Getiers ... > Unendlich ist der Zug, unendlich’ ist die Freude, Ein einziges Gebet, ein gotterfülltes Heu\e Schwingt in den Seelen aller, die da zielen ... Frei! Frei! Frei! |i Nun atmet, Lungen, dieser Freiheit Wonnen, Ihr Glieder redet euch in der Wanderung Kraft, Ihr Augen strahlt im Freudeglanz der Sinnen Frei seid ihr, frei, durch Gott, der Wundeft schafft! O eile Fuss, wirf ab die harte Fron; ’ Trag' hin ein Volk, das sich der Herr &pahlt, Nun halte Arm, was Gott dir gab zurntohn — Ihr Brüder, von der Arbeitslast zerquält,} Stimmt an dem Ewigen ein Lied \ Dehn ihr seid frei! ■ I Aber Religion vermittelt nur eine leise Berührung mit dem Göttlichen. Ter Mensch ist mit dem Irdischen zu eng verhaftet, um mehr als den Augenblick des Gotterlebens zu ertragen. Darum liegt die Gefahr allzunahe, daß Religion sich verflüchtigt wie ein Lied vertönt, wie Erregung verzittert, wie der Traum verflattert. Da schasst Religiosität die zarten, Fühlfäden der menschlichen Beziehungen zu dem Göttlichen. Religiosität ist aber nicht nur die Technik der Religion, nicht nur das Mittel zu ihrer Vergegenwärtigung und Verlebendigung. Sie ist tat- , gewordene Religion. Das ist die Tragödie der Religiosität, daß sie zur Reliquie aus dem Al-! tarschreiu wird, daß sie mechanisiert zur Form ' erstarrt. Mizwaus zerichaus kawwonoh: Reli- * giositat ohne Religion ist Scheinheiligkcit, mechanische Religiosität ist Heuchelei. Sie muß von , Religion durchblutet und vergeistigt sein, damit in der Religiosität die Religion Erlebnis wird. Darum werden die Bräuche in Israel in der heiligen Schrift ^.Erinnerungen": Motoren, Weckmittel der Religion, oder „Symbole": Verlebendigungen der Religion genannt. Nur im lebendigen Zusammenhänge und in steter Wechselseitigkeit könne.« sie chre heiligende Wirkung üben. Die Handlung weckt Religion, und die Religion wird wirkende Kraft. Eine nur gedankliche Religion verflüchtigt sich, eine nur geübte erstarrt und verdorrt. Die klassische Verbindung von Religion und Religiosität ist das Peßachfest. Unter den Festen Israels ist keines mit so zahlreichen Satzungen verbunden wie dieses. Bei keinem lag also die Gsfahr so nahe, daß es zur Werkheiligkeit erstarrte. Das aber ist das Wundervolle des Pes-! ' ' Unübersehbar walzt der Zug sich durch dpe Lande Und Moses zieht voran. Der Hüter seine^ Volks Zeigt treu den Weg durch Sonnenbrand Und windumtoste Nächte — Er schreitet wie von Gottes Hand getragen, Au) seiner Stirne flammt der Wille Israel s. Noch ferne ist der Wand’rer Feierstunde, Da auch vom Geiste ihre Fesseln gleiten |.. Doch wie sie durch Aegyptens Wüsten schreiten, Wir kt jeder Schritt am heiligen Gottesbm de HANS STERNHEIM sochrituals, daß cs von den Festideen durchleuchtet ist und allezeit für Israel gelebte Religion bedeutet hat. Das Festgesetz war nichts Totes, cs wirkte Leben, lebendige Religion, Leben in Gott. Was von den« einen Gesetze der heiligen Sck:rist, den Schausäden, gesagt ist: ,chaß, wenn ihr s:e seht, ihr an alle Gottesgebote gedenkt und sie übt", galt auch von ihnen. Es geht uns bei ihnen wie beim Aufblick zur Thora, die im Gottesdienst hochgehoben, die Seelen zur Höhe zwingt. Sie gebest dem Feste den besonderen Rhythmus, das eigene Pathos, die heilige Melodie. „Und wenn dich dein Kind fragt", und du ihm beim. Brauche von den Tagen der Vorzeit erzählst, dann werden sie geradezu Offenbarungen. Das ist der geheimnisvolle Zauber des Festes und seines Rituals. Möge es auch in diesem Jahre sein;heiliges Endziel wirken; Verlebendigung der Religion durch Religiosität! Moritz Lazarus über Kinder aus Mische heu. Don Rad biner Dr. A. Tänzer-Göppingen. m Tie Mische s schen Gegenn a jüdischer Zuki aus' solchen Gemeinschaft Mangel relij klärende Fol^e frühzeitig sch ten, in denen das Verbot d So z. B. schtz schweig, mit hatte. Bon i logie, war ner der Quijl> war, deren i hn, bei e bildet eine ernste Sorge der jüdi rt, die verhängnisvolle Bedrohung nft. Nicht zuletzt wegen der Kinder Ehen, die fast immer der jüdischen verloren gehen. Diese nur aus dem gsösen Empfindens bei Juden zu ererscheinung der Mischehe zeigte sich in den einzelnen deutschen Staaschon vor dem Gesetze v. I. 1869 r Mischehe aufgehoben worden war. n 1854 in einem Falle in Braun em sich Moritz Lazarus zu befassen dem Begründer der Bölkerpsychoännt, daß er ein vorzüglicher Kenlenschriften der jüdischen Religion ntensivstem Studium er, der Rabbiner 1*1.-i... --