Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 1 (1.4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 14)
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16 Pko+o Ift-ildeTiVi ^T UTTfl RT KÖM »ranJ STUTTGART KÖMIG5TR. 1 0 babe:- zwei Brüder zwei Aecker nebeneinander, der eine Bruder in reich und hat viele minder, der andere Bruder in. arm und hat keine minder. Sie haben heute am Tage geerntet und Karben gebunden und jetzt in der Nacht steht der arme Bnider ani untern Ende seines Ackers und denkt: mein Bruder in zwar reich, aber er hat so viel .linder, ich will ihm von meinen Karben geben. Ter reiche Bruder neht am oberen Ende seines Ackers und denkt: Ich habe zwar viele linder, aber mein Bruder in so arm, ich will ihm von, meinen Karben geben. Keh' hinaus und du wirst sehen, lönig Salomo ging hinaus und da sah er, wie der eine Bruder am oberen Ende Karben herüber schob und der andere Bruder am un rern Ende Karden hinüber schob. lönig Salomo hat die Aecker erworben und daraus den Tempel erbaut. linder, merkt euch das: Aus Krund und Boden der Kescbiviüerliebe in der Temvel Iion erbaut worden. Mein lung'ier Bruder Julius lvar als Arzt nack: Amerika ausgewaudert. Er schrieb der Mut 1er oit, er werde ihr etwas schicken. Ta er das , Bersprocheu oft wiederholte, schrieb chm die Mut ler einen Bries. Sie konnte nicht in deutscher Schrist schreiben, sie schrieb deutsch mit^ hebräi ~ scheu Buchstaben. --- r Ter Brief lautete ungesähr: Liebe: Sohn Julius! Tu schreibst mir, daß du mir wa.- schicken willst. Ich wi l dir ein Naat ie! io nannte sie eine Parabel, erzählen: Es wac einmal ein lönig, der ring mit seinem 5?."'naat aus die Jagd. Aus einem Berge liest er i,L eine Mabh.sti Herrichten und da sah er einen >.',rlen im Tal bei seiner Herde. Ter lönig ichickre einen Hoibedienien zu dem Hirten, er solle komm»« und mit dem lönig speisen. Ter Hirte > liest sagen, er bedanke sich recht schön, könne aber heule nicku kommen, denn er habe heule Jan lag. Ta schickt» der lönig wieder und liest sagen, soll, neure eimt und morgen fasten, und da . liest de. Hirre sagen-, der lönig soll mir als gewiß versprechen, dast ich morgen noch leben iverde. Tein, getreue Mutter Enel Eine iviineersauie .'--eschichie, deren Ursache die Mlitiee war, hak sie njchl mehr erlebt, aber sie . mag dock: erzählt werden. Ein Brndersohi! der Mutter, der das Metzger Handwerk erlernt haue, war nach Amerika ausgewandert und ieit vielen Jahren verschollen. Eincs Tages aber erschien fr im Torse und be wies, dast er so wohlhabend als wohltätig sei. Ter Vetter war ein kräftiger Mann. Er sprach sehr wenig und halte eine Art spanisch vornehme Haltung, denn er kam aus dem spanischen Ame rika, er -wollte die Heimat noch einmal sehen und sie auch seiner Frau -zeigen. Tiese war eine dnnleljarbige lreolin von schwachem Körperbau, und wenn der Pener ihr sagte: „Manuela, dieser Mgnn, die-'e Frau ist so und so mit mir ver wandt", dann umarmte und küstre Manuela den Borgestellien und weinle dazu, indem sie anzeigle, dast sic leider keine andere Sprache als spanisch verstehe. Eine-- Tages sagte mir der Beiter: „Ja, es ist mir gewist hart, dast ich meine Eltern nicht mehr am Leben getroffen habe, aber fast ebenso hart ist ermir, dast deine Mutter nicht mehr lebt, denn ihr verdanke ich mein Schicksal. Tu weitzt, mein Baier war der Bruder deiner Mutter, und als ich zur Auswanderung gerüstet von El ' lern und Geschwistern begleitet, ^n deinem Elternhaus vorüberkam, und deiner Mutter Lebe- : wohl sagen wollte, ries sie mich ins Haus, legte mir mit eineni Segensspruch die Hand aus den Kops, dann gab sie mir etwas in Papier Kewickeltes und Versiegeltes und sagte: ,Heb das gut aus, Sssne es nicht, sondern gib es da, wo du bleiben willst, dem ersten Armen, der dir begegnet und dich um eine Kabe anspricht. Beobachte das fest, und es wird dir gut gehen." Unterwegs erklärte der Lehrer, der mich auch begleitete, daß diese Mitgabe eine alte Sitte sei, die ebenso fein gefühlt, als klug ausgedacht ist, denn wer eine Kabe bei sich trägt, die zur Wohltat bestimmt ist, wird damit ein Sendbote des Kuten, und die bösen Mächte haben keine Kewalt über chn. Ich vergast natürlich bald dies wie anderes. Ich kam in die neue Welt. Es ging mir schlecht Ich ließ mich als Soldat in Mexiko anwerben; wollte ich abtt erzählen, was ich erlebt habe, ich würde in Tagen nicht fertig. Ich dessertierte mit vier andern Deutschen, Wir bemächtigten uns eines Kanoe und fuhren einen Strom hinunter - ich weist den Namen nicht , aber das Boot schlug um, wir stürzten alle ins Wasser. Was aus meinen Kameraden geworden ist, weiß ich nicht; ich rettete mich ans Land, wanderte Tage lang in tiefem Elend durch die Wälder, kniete vor den Hütten der Wilden nieder und legte beide Hände zusammen, ich erhielt Speise und Trank. Ich - kam an's Meer und verdingte mich als Schiffskoch. Ich kam nach Buenos-Aires, ich fand keine Arbeit, verzweifelnd ging ich durch die Straßen; da sprach mich ein Bettler um eine Gabe an, und jetzt fiel mir wieder die Milgabe deiner Mutter ein; ich fand sie noch und bchändigte sie dem Bettler. Plötzlich entstand ein großer Auflauf, der Bettle: zeigte den Umstehenden, was ich ihm geschenkt, es war ein Biertrldukaten. Er brachte mir das Geld wieder, ich hätte mich wohl geirrt, ich verneinte. Ein mit zwei stattlichen Pferden bespannter Wagen fuhr heran. Im Wagen saß eine vornchm aussehender Mann. Er stieg^ aus und fragte, was da vorgche, und ich erzählte ihm alles; er fand es chrenhaft, daß ich in meiner Not die Mitgabe nicht für mich verwendet habe und als ich ihm auf feine Frage erklärte, daß ich als Koch einen Tienst gesucht habe, eigentlich aberdas Metzgerhandwerk gelernt hätte, lächelte er und sagte, da käme ich an den rechten Mann, i Er selber war der Besitzer des größten Schlacht Hauses und wenn ich dir sagen würde, wieviel Ochsen und' Rinder und Schafe täglich da ge» schlachtet werden, würdest du es für Prahlerei halten. Kurzum, der Mann nimmt mich in sein Haus, und Manuela ist seine Tochter, ich wurde der Schwiegersohn. Nun denke dir die Freude deiner Mutter, wenn ich chr das alles hätte erzählen können! Ja, daß meine Eltern tot sind, ist hart, aber daß deine Mutter tot ist, ist es mir nicht minder. Und nun schließlich noch die Geschichte des Jörg-Toni. Jörg-Toni war ein angeschener Mann und wac Heiligenpfleger, das ist Verwalter des Kirchenguts. Der Jörg-Toni war ein besonderer Freund meiner Eltern und schnupfte gern aus der silbernen Dose meines Vaters und besprach dabei die Welchändel. Von diesem Jörg Toni könnte ich viel erzählen, ich will aber hier vorerst nur eine kleine Anekdote berichten. Es war im Torfe bereits bekannt, daß ich früher geschrieben hatte-, da kam der Jörg-Toni zu meiner Mutter und sagte chr: „Eitel, ich Hab dich fragen wollen, ich Hab' ein Enkele, das ist einer der Besten in der Schule, der ist gar gut köpfet (hat einen guten Kopf), jetzt, wie ist's? Nimmt dein Berthele nicht auch einen Lchrbuben an?" Ein andermal und viel früher hatte meine Mutter dein Jörg-Toni einen guten Rat geben können. Am Psingsttag kommt der Jörg-Toni in un ser Haus und sagt: „Hat man je so was erlebt' Jetzt ait Pfingsten hat's geschneit und die Zwetsch genbäume stchen in der Blust (Blüte). Ich komme eben aus deni Adler und die Mannen, die mit mir dort gewesen sind, sind alle hinaus und schütteln den Schnee von den Bäumen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Was meint chr?" Ter Pater zuckte die Achseln,' die Mutter aber sagte: „Jörg-Toni, wenn man den Schnee ab HEILBRONN ■ FRIT7 ^FFI kaiserstr. is ■ ri\l 1 // JCErL FERNSPR. 667 > Feine Schreibwaren J Elegante Lederwaren Kunstgew. Gegenstände 5 Sämtliche Büro - Artikel Bruckmann-Besiedce c »9^ Trauringe Alpina-Uhren IMIIItlltllllHIIIIIfllliflilRtUttlllllllilllMllltlllllllll Herren' Unterwäsche jeder Art Herren-Socken Sport-Strümpfe ln nur guten Qualitäten zu billigsten Preisen Cdiopf'Fendiel Sfilmerstrafc« 66 iiitiniintiiifffHiinuiiiiHniiiHiiiitiiittiiiitiiiifiitti FICKARTZ ■tutlidi geprüfter Optiker Nur das Beste zu billigsten Preisen KUlanrpl. Ecke Kakeretr. l Fernsprecher Nr. 436 j iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiininniii Rob. Hehner Uhren d. Goldwaren Reparaturen Heilbronn a. 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