Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 23 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
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gründet, bis sie sich entschlossen, eine eigene Organisation zur Zusammenfassung ihrer Hilfskräfte zu schassen. Allerdings gab es bereits in der Alsiance Jsraölite Universelle eine derartige Lr gauisalion. Aber der französische Einfluß war so stark, daß es deutschen Juden unerträglich war, in ihr zu arbeite». Nach dem Borbild der engli'chen und amerikanische» Juden begründeten ir 1911 unter ausdrücklicher Zustimmung de^ Auswärtigen Amtes den deutschen Hilfsurteilt. Leine elften syührer waren James Siinon und Tr. Paul Nathan. Alle Parteien und Richtungen des deutschen Judentums leisteten freudige Mitarbeit, sodaß die Leistungen des Hilfsvereins vor dem Kriege geradezu bewun ~ dernswert erscheinen müssen. Ter Hilfsverein stellte sich drei Hauptaufgaben: Hilfe den ver folgten Glaubeiisbrüt)»'rtt im Osten zu leinen, die Auswanderung nach den überseeischen Ländern zu vrgani'ieren und ein Schulwerk in Palästina und der Türkei zu begründen, in dem der deutsche freist neben den jüdischen zu seinem Rechte kommen sollte. Tas .Hilfswerk des .Hilfsvrreins wurde durch den .Nrieg jäh unterbrochen. Allerdings wandte er vorerst noch seine Anteilnahme den Ervrovriierten und de» .striegswai'e t und der Her steilung der Verbindung der Juden des Ostens mit ihren amerikanischen Angehörigen zu, bi? er durch den Zusammenbruch des deutschen Vaterlandes - 304 - und den wirtschaftlichen Niedergang, zur Untätigkeit verurteilt wurde. Die dadurch entstandene Lücke ward aber überall 'so lebhaft empfunden, daß der Ruf nach einem Neuaufleben seiner Hilfstätigkeit allgemein wurde. So erstand der Hilfsverein zu neuem Leben. Ter wachsende Turchwandererslrom aus dem Osten erforderte dringlich eine Organisaltm; die mannigfachen Nöte der GlaubensbMdec des Ostens verlangten dringlich die deutsche Mithilfe. War es aber nicht doch ein Unrecht, der Not im eigenen Baterlande gegenüber Geldmittel für das Aus ^and herzugeben? Ter Vortragende wies nach, daß das in Teutschland ausgebrachte Geld nur scheinbar der deutschen Wirtschaft entzogen ward. Tas Geld für die Durchwanderer blieb ungekürzt in Teutschland. Für das Geld, das wir ins Ausland gesandt, wach» deutsche Exportware ein gekauft, die den guten Ruf deutscher Arbeit ins Ausland getragen. Tie Studenten, die in Teutfch land studierten, fins die besten Werber für die deutsche Kultur im Auslande geworden. Turch die Mitarbeit und Hilfeleistung trat aber vor allem diol deutsche Judenheit ebenbürtig neben die ausländische und wirkte so für die Achtung des deutschen Namens außerhalb des deutschen Va terlandes. Auch das Palästinaausbauwerk wird durch die Hilfsvereinsarbeit nicht beeinträchtigt, da Palästina ja außerstande ist, allen heimatlosen Juden ein Batorland zu werden. Schließlich kennt glücklicherweise die Nächstenliebe keine Landesgrenze». Es ist eine Ehrenaufgabe der deutschen Juden, ihre bedeutsamste Hilfsorganisation auszubauen, sodaß sie wieder unser Stolz und eine Ehre des deutschen Namens wich. Gewiß kann die deutsche Judenheit nicht mehr so viel leisten wie vor den: Kriege. Das enthebt aber die deutsche» Juden nicht chrer sittlichen Verpflichtung, ihren bedürftigen Glaubensbrüdern Hilfe zu bieten. Gleichsam die plastische Anwendung die'es iiea listischen Programms zeigten die Lihtbilder, die der Generalsekretär des Vereins, Tr. Mark Wischnitzer, vorführte und anregend erläuterte. Diese Bilder illustrierten die rier Hauptbetätigungen des derzeitigen Hilfswerkes des Vereins: di: Auswandererhilfe, das Schulwerk, die Waisenhilfe und das neue russische Sicklungswerk. Die Haupt tätigkeit des Hilfsvereins liegt zurzeit in der Auswandererfürsorge. 1927 hatte der Verein 38 000 Auswanderern, darunter vielen Nichtjuden, seine Hilfe gewährt. Besonders fesselnd waren die Bilder des russischen Siedlungswerkes, das heute bereite 165 000 Menschen umfaßt, die sich als Ackerbauer betä.igen. Tr. Wischnitze: verstand es, die Bilder ausgezeichnet zu erklären und an sie bedeutsame Ausblicke anzuschließen. So war der Abend eine gelungene Darstellung wft ge- :jiiiiiMiiiiiiimiiiiiiiiiiitiiiiimiiiiiiiiiiiiitiiiiMiiiiiiiiiiiimtiitiiiiiiiiiimiii£ 1 Modenhaus | Stuttgart, Fürstenstr.1 i Gegenüber der Hauptpost, am Schloßplatz | Bekanntes Einkaufs-Haus für gediegene | Damenbekleidung und Wäsche, mit leistungs- | | fähigen Spezial-Abteilungen. Strümpfe, sei- | dene Unterwäsche, Trikotagen, Schürzen, | Badewäsche, Strickwaren usw. 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