Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 23 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
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der Ttaatskirche j*igtn, wohin die Politisierung der Religion führt. Der mißglückte Versuch der Theokratie im jüdischen Volk ist für sie besonders lehrreich. Buber geht auf dieses Beispiel weiter ein. In den biblisch«^ Büchern der Richter und des La muel wird der Versuch geschildert, das Gottes königtum auf Erden aufzurichlen. Aber dieser Versuch artet in Anarchie bzw. in Tyrannei aus. Die Enttäuschung über das Mißglücken der Theo kratte schafft die messianische Sehnsucht nach einem idealen unirdischen König, der im Namen Gottes waltet. Der Versuch der Theorie einer Theokratie in christlicher Zeit ist die civitas bei deS Augustin. Ihm erscheint der weltliche Ltaat als das Reich Satans, von dem die Welt erlöst werden soll. Es verfällt der Ver-ammnis; der Rest wird erlöst. Augustins civitas bei ist also der Versuch einer Erlösung durch Reduktton. Bäuerle geht nun auf die Versuche ei», Ltaat und Kirche zu einen. Das lutherische Christentum, in dem der Landesfürst Landesbischof ist, unterliegt der Politik. Calvins Gegenreformation versagt, Cromwells Versuch mißglückt. Ter Quä kerstaat William Penns, der Jesuitenstaat Para guay, die religiösen politischen Parteien der Ge genwart versuchen die Uebertragung der religiö sen Grundsätze auf die Polittk. Aber ihre Konsequenz ist Intoleranz: die rechtgläubige Partei schließt die andersgläubige aus. Unter den Wirkungen der Verbindung von Religion und Politik hat am schwersten die Schule gelitten. Buber: Tie Schule darf weder dem Staat noch der Kirche ausgeliefert werden. Die falschen Mittel beider gefährden sie. Sie muß ihr eigenes Recht haben. Allerdings ist die freie Schule zur Ttandesschule entartet. Bäuerle findet im Einfluß der Familie das Gegenmittel gegen den übermächtigen Einftuß de- Staates und der Kirche aus die Schule. Die Familie wird ihre Kinder der Schulform zuführen, die ihrem religiösen und politischen Bewußtsein entspricht. Allerdings werden dadurch die Eltern ihre Kinder frühzeitig binden. Es wäre religiös, auf jeden Zwang zu verzichten. - 303 - Buber: Der religiöse Mensch ist also der in der Konkretheit steheitde, der demütig bereit ist zu erklären, daß es keine grundsätzliche abstrakt« Entscheidung gibt. Bäuerle zieht am Ende das Ergebnis der Aussprache: Das Religiöse ist aus der Politik nicht auszuscheiden. Es ist im Wachsen begriffen. Aber die Kirche ist nicht mehr' der verpflichtende Ausdruck des religiösen Lebens. Botn Standpunkt der Religion wie vom Standpunkt der Politik ist die Formbildung beider bedenklich. Ter Staat muß aufhören, Religion zu prägen; die Kirche muß aufhören, Politik zu treiben. Ter Staat darf die Religion nicht als politische Angelegenheit bedachte». Ter Weg zur Gemeinschaft heißt: Hefa Mbren Feind, nimm ihn ernst! Buber ergänzt .dieses Schlußwort dahin: Ter religiöse Mensch soll in die Politik eintreten, ohne ihren Gefahren zu erliegen. Sein Grundsatz laute: Für die Wahrheit gegen die Lüge! Die Vielheit der gegebenen Gebilde soll übereint werden durch eine überparteiliche überstaatliche Organisation, yne Konstituierung der Völker, die zueinander wie Menschenbrüder treten. Dann fällt der Zwang, und an Stelle von Kirche und Staat entsteht die umfassende Gottesgemeinschaft der Völker. Aktuelle Probleme der jüdischen Wanderung, Siedlung und Jugendfürsorge. „Wir habe» allen Grund, auf den Hilssverein der deutschen Juden stolz zu sein; es muß eine (Hre für jeden bewußten deutschen Juden sein, dem Hilfsverein anzugehören und für ihn zu wirken." Dieser Ausspruch, ryit dem der Brr sammlungslciter im Namen des Ortsausschusses des Hilfsvereins derdeutschen Juden den Per sammlungsabend im Oberen Museum am Sams tag, den l6. Februar, schloß, war aus dem Empfinden der großen Zuhörerschaft, die sich zu der Versammlung eingefunden, gesprochen. Rach den Begrüßungsworten, mit -denen Stadt rabbiner Tr. Rieger die Versammlung willkom- ^CHEVROLET DER NEUE Jetzt ZYLINDER IST DAI Sie erhalten für Ihr Geld bei Chevrolet den größten Gegenwert. 5 Sitzer Limousine,*2 türlg nur RM. 43*5- und dabei ein 6 Zylinder 1929 also Cbcvrolcl 6 Besichtigen Sie den großen Wagen STUTTGART KONIGSTRASSE 3 men hieß, entwickelte der Redner des Abends, Rabbiner Tr.'Bärwald aus München, ein pat kendes Bild der Geschichte und der Entwicklung des Hilfsvereins..Er verstand es in meistechaster Weise seipe Zuhörer in das große Hilfswert einzuführen und sie gleichzeitig für die Mitarbeit zu begeistern. Er ging von der Biographie Tr. Nathans von Feder aus, dem die ser den Titel „Politik und Humanität" gegeben und bezeichnete diese beides als das Programm d^s Hilssvereins. Er erzählte, wie die deutschen Juden zur Linderung der Katastrophen ihrer östlichen Brüder ursprünglich Hilsskommittes ge Für die Feiertage _ noe by im TOMOR Die Handelmilch-Pffianzenbutter- Margarine mit der roten Slogolmark« Vollkommenster Ersatz fQ. Butler. l'Qr Milch- und llcisclisprlsen verwendbar. Hergestellt unter Aufsicht Sr. EhrwDrden Herrn Rabbiner Dr. Wolf, Köln a. Hh. Alleinige Fabrikanten i Van den Bergh’s Margarine-Ges. m. b. Abt Sana, Cleve Man achte. auf den Namen fTOMOR', um vor Nachahmungen sicher tu sein PREISWERT formewschOw Vs ■qrösstes 0 8CHILDKNECHT 4 CIE. STUTTSART i \ B&ckerei Conditorei und Cofl ftrs u*s Stuttgart am Friedriduplaiz Fcratprcteer 216 M Stets frisch liefern wir frei ins Haus: Torten, Kuchen, Kränze Teegebäck, Konfekt Creme - und Eisspeisen J. G. HUSS FRIB DHOFSTR. Nr. 4 FERNSPRECHER 2S881 Ausführung sämtlicher MALER- UND ♦ DEKORATIONS-ARBEITEN W€CO ff Sdiuhbesohl-Anstalt Inhaber: HEINR. DIETZ ff I besohlt Ihre Schuhe mit In. 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