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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-03-01 · 23 (1.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
23 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
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Der Abend ho/ dem Hilfsverein zu seinen vielen alten Freunden eine erfreuliche Anzahl neuer Anhänger geworben. Möge es ihm gelingen, sein menschenfreundliches Werk weiter zu fördern und auszubauen k Leffing und der Gedanke der Humanität. Dortrag von Dr. Theodor Heu ft im Derein zur Abwehr des Antisemitismus. Es war tatsächlich eine Feierstunde, zu der die hiesige Ortsgruppe des. Abwehrvereins eingeladen hatte, eine Feierstunde, die über den Alltag und das Alltagsgezänk die große Hörer schaft weit hinaushob und ihr bleibende An regungen vermittelte. In geistvoller Weise und in einer kunstvollen plastischen Darstellungsweise verstand es der Rejdner, ein scharf umrissenes Bild der Wirksamkeit Lessings für den Lieg der Humanität zu entwerfen. Er schilderte einleitend das wechselnde Licht, in dem die Menschheit das Wirken Lessings gesehen. Im Zeitbewußtsein lebte er als der Meister der Aufklärung; die Romantiker sahen in ihm den dämonischen Kämpfer; eine spätere Zeit belrachtete chn als Exponenten des Preußentums; für die Gegenwart ist er der Denker und Dichter der Humanität. Er steht in vielen Dingen gegen die Zeit, in der er lebt; aber er wandelt sie, er befreit die deutsche Seele, indem er sie der Humanität erschließt. Gleichzeitig ist er der größte , deutsche Prosaiker seit Luther. Er erweitert das . deutsche Sprachvermögen und lehrt den deut- ' schen Menschen anmutiger und zugleich tiefer zu sprechen. Er gibt dem Theater neue Regeln, indem er es humanisiert; er schafft der Bühne ein neues Publikum, das Verständnis dem ngiten Theater entgegenbringt. Auch seine Gelehrsamkeit ist humane Wissenschaft, sie ist ritterlich, kämpft gegen Vorurteile, öffnet neue Ausblicke. Der Ausdruck seiner Humanität ist schon das kleine Lustspiel „Die Juden", mit dem der zwanzigjährige Lessing gewiß in einem künstlerisch unbedeutenden Werke zeitgeschichtlich bedeutsam hervortritt. Für diese zeitgeschichtliche Rolle kennzeichnend ist die Aussprache, die sich an dieses Lustspiel in den Göttingischen Gelehrten Anzeigen anschließt. Zum ersten Male wird hier von der Bühne aus Humanität der Menschheit gegenüber allen Menschheitsgemeinschasten gepredigt. Daß es dem Dichter mit dieser. Gesinnung heiliger Ernst gewesen, beweist seine innige Freund - -3Q5- Naft-, Reparatur' fiesdiätf feiner Sdiultwaren Jos. Oblinger Schuhmacher- Meister HohenheimerstraSe 4 ELISABETH SCHÄDIE SCHICKITRASSE — empfiehlt sich als DAMENSCHNEIDERIN unter Zusicherung pünktlicher u. geschmackvoller Arbeit bet billigster Berechnung ACInlna Bau- und Höbe lach reinere! ■ aialOll Kunstgewerbl. 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Seine Freimau rergesprächc sind die geistige Vorbereitung zu seiner reifsten Leistung „Nathan der Weise", in dem der Gedanke de; Humanismus in der dent. schen Geistesgeschichte seinen vollendeten Ausdruck gesunden hat. Hier ist Toleranz nicht mehr nur Duldung und noch weniger oberflächliche Freigeisterei. Der „Nathan" darf geradezu als ein Teil der Geschichte der deutschen Frömmigkeit charakterisiert werden. So hat Lessing das Bild des geistigen Deutschlands nmgewaick>elt und dem deutschen Volke geossenbart, daß Liebe das Ziel alles KampseS und die Bestimmung alles Ringens sein soll. Lessing ist der innerlich freie Mensch, in dem sich gesunde Nüchternheit mit frommer Ehrfurcht paart, der glaubt an die Liebe als Erfüllung und als Bestimmung der Menschheit. , Lebhafter andauernder Beifall danste dem Red ner für seine kernige und künstlerisch vollendete Darstellung. Stad.psarrer. E. Lamparter gab diesem Danke beredten Ausdruck. Er ergänzte die Ausführungen des Redners dahin, daß Lessing heute ein Führer im Kampfe gegen den Antisemitismus sein würde. Sein Kampf ge gen die Unduldsamkeit ist eine ernste Mahnung an das Gewissest unserer Zeit. | '<W h WH Stuttgart. X i c 3 t a t i ft i t des religiösen Lebens der Inden Württembergs 1927. Tie Statistik des religiösen Lebens der Jude» Würtlem bergs, die soeben vom Israelitischen Obcrrat verösfent licht wird, bietet auch sür das Jahr 1927 nur zu reichen (Srund zu ernster Nachdenklichkeit. Es wirkt wie eine Tragödie, daß der unsaftbar niedrigen Zahl von 104 (124 im Vorjahre!) jüdischen Geburten in diesem Jahre 165 (156 im Vorjahre!) Todesfälle gegen überstehen. Es starben also in Württemberg im Jahre. 1927 um 55 Prozent mehr Juden, als hier in diesem Jahre geboren wurden. Wenn dieser Zahlenver hältnis bleibt, dann ist das. Aussterben der Juden Wärt tcmbergs einenicht mehr auszuhaltendc Tatsache. Ebenso ernst ist es, daß in 'Württemberg neben 50 (6H im Vorjahre!) rein jüdischen Ehen 15 (22 im Bor l jahre!) Mischehen geschlossen wurden. Heber' 30 Pro zeit! der geschlossenen Ehen waren also Mischehen. Es ist sür den .Einsluft der Großstadt bezeichnend, dast alle diese Mischehen ,in Stuttgart und im Ve zirk von Stuttgart geschlossen worden sind, sodast hier die Zahl der Mischehen 15 gegenüber 22 reinjüdischen Ehen beträgt! Es ist nicht weniger bezeichnend, dast in Stuttgart im Berichtsjahre 18 (im Vorjahre 7) jüdische Per sonen aus dem Judentum ausgetreten sind, während hier nur 1 (im Vorjahre 3) nichtjüdische Person in das Judentum ausgenommen worden ist. Auch Zahlen offenbaren Schicksale! Stuttgart. Als erster Redner im neuen^Programm des Berthold Auerbach-Vereins sprach am 19 Februar Konsul Max Straus über „Jean Jaurc-s, sein Leben, seine geistige und po litis che Tätigkei t". Mit bekannter Bildhaftigkeit, hervorragend in Sprache und Auibau seines The-— CANNSTATT Caf6 ©tfitoeitfharöt IMARKTSTR. 24 / TELEFON Nr. 50012 EIGENE KONDITOREI Pünktlicher Versand nach auswlrts Paul Mauser^ Canusiaif Spezial-Gesdiait für Hussteuer-Hrtlkel Wilhelmstr. 18/20 - Telefon 50099 Anfertigung kompl. Aussteuern ln eigener Werkstatte Handelsschule Belsbarfh, Cannsfafl WUhelmstraSe 20 / Fernsprecher SA. 50868 Besteht seit SS Jahren M CANNSTATT KAelgstr. 41 / TeL SIS 14 empfiehlt »eine eigenen Fabrikate SpazlcnMMKc/SlMlisdünac/Kcparalv J

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