Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 23 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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Jude ist voraussetzlidzu allen Verbrachen ganeigt und bereit.) Die Zeit ist lichter, die Herzen sind milder geworden. Aber ein Stückchen Judenhaß ist überall zurückgeblieben und — wird Zurückbleiben, solange das Kind in der Religionsstund: hört, daß die Juden Christus gekreuzigt haben, solange nicht der Tod Christi mit dem dej Sokrates auf gleiche Linie gestellt wird. Deshalb hat aber auch jeder Jude die Doppelpflichi, sich und mit sich seine Religionsgenossenschaft vo>: denr Verdacht zu befreien, der in den Augen de> Pöbels — und der erstreckt sich hoch hinaus — letzterer anhaftet. Und das kann er nicht durch feige-- Zurückhalten, noch weniger durch anmaßlicheö Hervortreten, sondern nur durch unbefangene-, gewissenhaftes, pslichtgetreueS Handein. Es ist nicht leicht, Jude zu fein und als Jude unter Christen zu leben. Es war Verhältnismäßig bequemer, als Kammerknecht und als Schutzjude in früheren Jahrhunderten mit dem Jndenzeichen behaftet im Ghetto fern von den Christen zu leben, als heutzutage mit und unter ihnen. Ter Gesichtskreis war eben ein beschränkter. die Gegensätze stärker, die Trennung die Regel: kan, eine Reibung, so wuchs sie freilich sosort zu einer Verfolgung auf Leben und Tod. Anders heutzutage. Unsre christlichen Mitbürger kommen uns freundschaftlich und freundlich entgegen. Wir sind in fortwährender geistiger, gemütlicher, geselliger Verbindung mit ihnen. Wer möchte da tauschen, wer sich nicht freuen ob dieses glücklichen Wandels der Zeiten? Aber mit den lagtäelichen Berührungen mehren sich auch dir empfindlichen Reibungen. Hier gilt eS nun, Klugheit und Einsicht walten zu lassen. Tu weißt er schon von der frühesten Schulzeit her, tvelch eine Stelle der „Jude" im Schimpf Wörterbuche spielt. „Jude" das war der Gruß, mit dem Tich Schulkameraden empfingen und der 'in manchen Variationen Tich auf Deinem Tchulgange begleitet hat auf Teinem Lebens gange begleiten wird. Indes, er hat Tir weder in der Schule ge schadet, noch >vird er Dir un Leben nachteilig sein. Er hat nicht gehindert. Dir in der Schule die Liebe und Zufriedenheit Deiner christlichen Lchrer zu . erwerben und Dir so manchen Freund und guten Bekannten unter Deinen christlichen Mitschüler,- zu gewinnen. Auch unter denen, die zuerst müschimpsten. Wir haben eben damals iricht alles auf die Goldwagc gelegt Und als Du mir zum erstenmal weinend von der Beschimpfung erzähltest, habe ich Dir gesagt^ „Mein Sohn, laß sie schim psen, Tu darfst es Dir zur Ehre rechnen, Jude zu sein, führe Dich nur immer danach auf." Wenn jeder so dächte, wenn auch im bürger lich'n Leben die Empsindelei abnähme, mit der man jedcn solchen schlechten Witz auf seiten der Inden uermerlt, dann würden wir uns gesellschaftlich wohler fühlen: Abrr auch dieses Ueberfehen und UeberhSrcn — eine unter Umständen sehr wichtige gesellschaftlick:! Tugend hat seine Grenze. Wo man die Absichtlichkeit merkt, wo der Jude beschimpft werden soll, wo es nicht bloße Lust am Necken und Aufziehe. ist, sondern wirklich Bosheit und Gehäsfipkeir: da ist der Jude ei» Feigling, der sich ruhig dabci verhielte, der »ich, entweder ein scharfes Wo« der Zurechtweisung bercithäite oder mindestens sich aus einer solchen Gesell schait unter Angabe des Grundes ent feinte. Nach diefri.i Grundsätze habe ich de» „Fliegen den Blättern", als sie unmittelbar nach dem Kriege die Stirn hatten, einen jüdischen Sol baten, der seinem christlichen Hauptmann das Leben gerettet, eine ordinäre Judenftatze un) eine noch wei: gemeinere Schachergesinnung in bezug auf da- Eiserne Kreuz anzudichten, meine Meinung frei und offen erklärt. Die Lächer lichkeite» einzelner Juden mag man rügen, mit Witz und Spott verfolgen. Aber wo Bosheit und Haß austauchen, da ist entschiedenes Auftreten unsre Pflicht. Und der rechtschaffene Christ wird uns das nicht verargen, im Gegenteil, es von uns derlangen. Stuttgart Königstr. 35 »oedpart. Grotte KanslauKlion Gemälde alter und moderner Meister (da- .runter C. Spitzweg), Porzellane, Fayencen, Klbinkunstgegenstände, Broncen, Möbel, Teppiche, Farbstiche, Kupferstiche, (Württ Städteansichten), japan^Farbholzschnitte. so- -wie eine Autographensammlung aus dem Nachlaß des Herrn St^atsrat Dr. Karl von Schönhardt, Privatier Selz u. a. Ausstellung: Freilag 15. Marz, Samstag-16. März 10-1 und 3-6 Uhr — Sonntag, 17. März 11—1 Uhr Versteigerung: Dienstag—Donnerstag 19.— 21. März je von 10 Uhr ab. ’ Paul Hartmann Otto Greiner Galerie niod. u alter Meister Kunsthändler Telefon'21421 | Ich möchte gern, mit dem Wunsche schließen, : daß Tir Derartiges: die Unterscheidung zwischen! leichter, unbeachtet zu lassender Anspielung und böslicher Verletzung sowie die Zurückweisung dieser letzteren erspart bleiben möge wenn ich - nicht voraussehen müßte, daß Tein Geschlecht noch lange nicht die messianische Zeit erleben wird, in der es, keinen Glaubensstreit und fei nen Glaubenshaß mehr geben wird. 1 Aber dies beständige Postenstehen, diese vorsichtige Haltung soll Tir die Heiterkeit Deiner Jugend, die Innigkeit Teines Anschlusses an Freunde und Bekannte, auch an solche christlichen Glaubens, nicht trübe». Prüfe und wähle ^Deinen Umgang, sei treu und hingebend den Freunden, heiter mit den Heiteren, nicht Kopfhänger, nicht Schwärmer. Immer aber behalte vor Augen und im Herzen: ich bin ein Jude und ich will e s b l e i b e n. Graphologe Stuttgart, HauptstBHnrstraBn SB, II, r. Gibt bei Einsendung einer Schriftprobe Auskunft Ober Charakter, Fähigkeiten, Seelenleben. Charakterskizze M. 3.-, Analyse M. 5.- ■ min swter iNsaradeMai »HU u Ul aus ta MnsatMei a Spitzen Gardinen u. Vorhangstoffe Blusen u. Wäsche * SPITZENHAUS TIEFENTHAL/^ HALLE KÖNIGSTRASSE 49 Diese Baus-Slandnhr mit abgesperrtem Gehäuse, Eiche In" jeder beliebigen Parbf und erstkl. Prflzislonswerk liefern wir WMT unter Preis direkt ab Fabrik bei Barzahlung franko gegen franko 8 Tage zur Probe ii. schriftlicher Garantie mit 4/4 Westminstcr-Gloiken- Gongschlag.Mk. IM;— inlt'V,Stund bini-bam Glockenschlag .Hk. ISO.— Auch gegen bequeme Ratenzahlung bis zu 10 Monatsraten. Bitte besichtigen Sic unsere Fabrik oder vorüber zahlreiche TOB. langen Sie unsem Katalog Haas‘Stand- und Wanduhr — Viele Anerkennungsschreiben — m-l» Jeiiia“ G. m. b. 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