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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-02-16 · 22 (16.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
22 (16.2.1929)
Date
1929-02-16
Page
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- 286 - hnujfv geborgen geblieben. Ietzl jinb sie J^rei wild und eine leichte Beute aller Verführung.' Besonders aber wird die Erringung einer noch so bescheidenen Selbständigkeit in der Großstadt immer mehr eine Unmöglichkeit. Ter Kleinbetrieb in in der Kleinstadt obne Warenhäuser und «Großbetrieb noch lebensfähig. In der Großstadt in er de» Großbetrieben gegenüber nicht kon .kurrenzsähig. Ter Traum des jüdischen Lehr liHfl-, sich nach den Lehrjahren und der Reise täiigkeit zu „etablieren", ist in der Großstadt Nicht -u verwirklichen. Tas Privarbankge.rerbe ist hier berriis verschivunden, und die kaufmännischen Kleinbeiriebe und die sogenannten Engrosgeschäfte lind im Absterben, sie kämpfen einen ungleichen Kampf gegen die Großbetriebe, welche entweder selbst fabrizieren oder ihre Geschäfte mit den Fabrikanten selbst abschließen. In den .Klein slädien ist den jungen Leuten der Aufstieg zur Selbständigkeit mir einiger Aus ichk auf Erfolg m5g lief). In der Großstadt ist ihr Schicksal nach einigen Jahren als Angestellte: der Abstieg zur Agentur. ^choii aus diesen Gründen sollte sich die indische Jugend mehr als bisher, vor allem aber die Großstadtjugend, der mittleren Beamten lausbalm zuwenden. Ter Tienst bei der Post und der Eisenbahn, in den städtischen und staatlichen Geschäftsstellen, in Steuer und Wobl-ahrts ämtern bietet deine ein ausreichendes geachtetes und infolge der Pensionsberechtigung auch ge sichertes Fortkommen. Ein falsches Vorurteil hält noch immer die Juden vor dem Eintritt in die Beamtenlausbadn fern. Tie Wenigen, die sich ibr gewidmet, könne» nur von guten Er sabrungen berichten. Tie so oft empfohlene Um schicktung der jüdischen Jugend sollte sich beson ders mit der Frage beschäsiigen, wie die jüdische männliche pnd weibliche Jugend,der Beamten iiiurfcaliti zugesüdrr wird. Ter Besuch der Vor bereitungsschulen aus die mittlere Beamtenlauf bah» ist in jedem Falle dem jungen jüdischen Mrnsckien dringend zu empfehlen. A.lein die Sicherung durch die Penftonsberechiiriing lann gae nicht hoch genug beivertet werden. Reben Handwerk und Industrie ist diese Lausbdiin zur Ablenkung von dein durch die Wirtschasisoer hällnisse so erschwerten kanimännischen Berufe lebhaft anzuraleu. Tas Problem der Berufswahl heißt: den richtigen Mann an die richtige stelle bringen ^uid nn Interesse der Volkskraft Begabung und Bb hihignng richtig auswerien. Tie deutsche Iu aorot: Fl»cht St» »»» So»«». (Kotnommcn mit Genobimffunr de« Vorlage« J. Kauffraunn, Frankfurt a. M., dem soeben in der Reihe der Jüd. Jarendbucheref der Großloffe für Deutschland VIII U. O. B.B. ar- «rbieneneo Bändchen „Bilder zur Bibel" (Erzvater) von Arthur Galliner. Preis broschiert Xk. 2.50. in Ganzleinen pt>. Mk. 3.50.) deuheist ist in ihrer einseitigen Bevorzugung des kaufmännischen Berufes bei der Berufswahl der Heranwachsenden Jugend auf einem falschen Wege. Eltern und Erzieher sollten vorsichtig die Zeichen der Zeit beachten. Gedankenlosigkeit ist hier eine Sünde gegen daS eigene Kind und gegen die Gesamtheit. Tie drohende Proletari sic runo der deutschen Judenheit ist sch in ke'.n Schreckgespenst mehr, sie ist eine furchtbare ernste Tatsache, gegen die Maßregeln an der Zeit sind. Aber nicht nur Eltern und Erzieher, sonder» jeder jüdische Mensch hat hier die Pflicht an seinem Teile gegen (Erscheinungen ^u arsek'», die eine ernste Gefährdung des Judentums und der Judenheit bedeuten. Tie Berufswahl ist nach gerade, eine Berufsnot geworden. Rot'lehrt über nicht nur bete», sondern bricht auch Eisen. Tie Berussnol unserer jüdischen Jugend forder^-einen Aber so erfreulich es ist, daß junge Leute sich diesem Berufe gewidmet haben, so sehr steht auch hier der Kapitalmangel der Gründung eines eigenen Heimes im Wege. Einen Weg hat der deutsche Jude bei seiner Berufswahl bis heute jedoch nicht beschritten, welcher einzig und allein der Ehenot Abhilfe schaffen kann: im mittleren Beamtenstand, in Post und Eisenbahn, im Finanzwesen, in der Verwaltungsrarriere sind bis heute gar keine Juden vertreten. Wenn wir le'en, daß irgend ein Jupe Landgerichtsdirektor oder sonst ein hoher Beamter geworden ist, so macht diese Schwalbe noch keinen Sommer. Nicht darum muß es uns zu tun sein, daß einige Juden in hohe Stellungen einrücken, sondern darum, daß die Jude» in großer Anzahl in mittlere Beamtenstellen einrücken. Tann genügen einige Tausend Mark Mitgift für die Einrichtung; ein jeden zum Mitkämpfer gegen die bestehenden fester Grund für eine anständige Lebenshaltung ist — _r. ... :r* ___t_ _w cv/i_-n. _ schaden auf. Tue jeder feine Pflicht, dann ist die Berufsnot zu beheben und die Berufswahl wird rin Segen für die Gesamtheit. Die jüdische Ehenot. . Von Max Stern, Niederstetten. schon vor dein Kriege war die Versorgung unserer jüdischen Töchter außerordentlich schiver. seil den, Kriegsende wäre es falsch, nur von einer jüdischen Ehenot zu sprechen. Auch die Mädchen anderei Konsessionen finden nur schwer eine Versorgung. Aber nnter uns Juden ist die Ehenot karanrophal geworden. Es i't jammervoll, >vie viele unserer besten Mädchen, anmutig und rüchiig, brav und charaktervoll, altern müssen, ohne daß ein Mann sie zur Frau begehrt. Es in gar nichj erst nötig, eine Statistik aufzustellen. Wer in Stadt. und Land in feinem Kreise um, sich sieht, findet diese Tatsache bewahrheitkt. Frei-' sagen, das freie Leben des Junggesellen veranlaßt die jungen Mäiiner der Ehe fern zu bleiben. Biel mehr ist es meistens die Furcht, finanziell nicht den Erfordernissen der Ehe gewachsen zu sein, welche, viele brave Jünglinge der Ehe fernhält. Tie Struktur des jüdischen Berufslebens ist dadurch gekennzeichnet, daß fast alle Juden dem Äaufmannsstand angehören. Und zwar dem freien Kaufmannsstande. Ihr Bemühen in anderen Be rufen unterzukommen, ist bis jetzt an der Pha lanx antisemitischer Verwaltungen unserer größten Jndustriewerke gescheitert. Auch als kaufmännische Beamte finden sie in der Industrie den gleichen lich ist das Land noch weit schlimmer daran. Te^n Widerstand, und leider sehen unsere in der Wirt dort fehlt es an jüdischen heiratsfähigen Man nern überhaupt, und den Mädchen geht jeber persönlicher Verkehr ab, welcher sie der Ehe zu führen könnte. __^Sie Ursachen der jüdischen Ehenot liegen klar zurage. Ter stärkste Feind der jüdischen Ehe ist die in wachsendem Maße Platz greifende Misch ehe. Viele unserer jungen Männer sind so dem Judentum verloren gegangen. Aber der schlimmste Feind ist die Not des Mittelstandes. Es ist falsch, und es hieße den Charakter unserer jun -gen Männer ungerecht herabsetzen, wollte man fchast führenden Juden diesem Unheil tatenlos zu. Ter freie Kaufmann braucht aber zur Selb ständigmachung ein gewisse; Kapital; die Kapitalbildung ist schwer, und die Zeit seitdem Kriege auch zu kurz, um dem Mittelstand eine nennenswerte Kapitalbildung ermöglicht zu haben. So stehen hier die Jungfrauen dort die Jünglingk und beide können nicht zusammen kommen. Es ist, um neue Heiratsmöglichkeiten zu schas sen, also nötig, die Berufsstruktur zu ändern. Nach der landwirtschaftlichen Seite hin sind mit wechselndem Erfolge Versuche gemacht worden. erworben, und für das Alter ist gesorgt, ohne. daß es nötig ist, große Kapitalien zurückzu legen. Wenn die großen jüdischen Organisationen nicht diesen Weg zur Berussumschichtung beschrei len, bleibl alles, was sie sonst unternehmen, Theorie. Unser kaufmännischer Mittelstand wird, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse sich nicht bessern, Aussichten dazu sind gar keine vorhanden» immer mchr verarmen, immer mehr zum Proletariat herabsinken. Nur durch Herausnahme eines Teils des Nachwuchses und dessen Unterbringung in einfachen Beamtenberusen kann der Not gesteuert werden. Ich erwähnte schon, daß viele junge Männer der Ehr fernbleiben, weil sie fürchten, den geldlichen Anforderungen der Ehe nicht gewachsen zu sein. Wenn das Wort auch hart ist, muß es gesagt werden, daß viele jungen jüdischen Mädchen durch zu große Ansprüche sesbst zu diesen Befürchtungen beitragen. An Schmuck, Kleidung und Wohnung werden allgemein zu große Anforderungen gestellt, und bis ein junger Mann die Hochzeit hinter sich hat, ist schon ein kleines Vermögen verausgabt. Ich sage nicht, daß nicht auch nichtjüdische Mädchen diese Ansprüche machen, sie tun dies erst oft nach der Eheschließung; aber die jüdischen Mädchens müssen zuerst der Not der Zeit Rechnung tragen und dadurch, daß sie von vornherein und für alle Zeit ein einfaches, bescheidenes Leben gelobe», unsere Junggesellen zur Ehe ermutigen. — Falsch wäre es natürlich, nur den Mädchen bzw. Frauen die Schuch an der teuren Lebenshaltung zuzuschieben. Auch die jungen Männer haben sich eine gesteigerte aL'nmniiiiimii iiiiinmmimmiwniHnnw—wwHmiHiiiiimiwniHiHiii HiitmimiiiHimiflHiinimi iiimin uitHHmtiu SCHIEDMAYER Ptanofortafabrlk v. J. u. P. Bohtadmaytr STUTTGART, Neckarstrasse 12« iok* uinohaMH« FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM MISTE TAUSOH STIMMUNGEN BEQUEME TEILZAHLUNGEN PwntorMhar aas 4i/«a innHiiimiMiitHiHwiifimimi PRIX MfM

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