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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-02-01 · 21 (1.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
21 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
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Babi sagte: „Es darf niemand da hinaufgehen, der noch nicht konfirmiert ist. Da droben sind als Rat!en ver'.leidete Schedim" (Gespenster). Ich schauderte noch mehr, aber ich erzählte bald alles, was ich erfahren, meinem Kameraden, dem .Herzle. Eines Mittags, es war ein heller Sonntag, kam der Herzle und rief: „Lauf tapfer! -Komm, ich Hab" gehört, der krumme Mayerle trägt alte Gebe bücher auf den Synagogenspeicher. 41 Komm, wir schleichen ihm nach, du bist doch nicht feig und fürch est dich?" Ich fürchtete mich allerdings, ging aber doch mit. Barfuß, wie wir waren, konnten wir unhörbar hinterdrein schleichen und der Synagogendiener, ein kleines buckliges Männchen, keuchte so laut, daß er das Knarren der Trepp« nicht hörte. An der Türe klopfte das krumme Mayerle zuerst mit dem Schlüssel dreimal an und sprach ein uns unverständliches Gebet. Es rasch.l!e drinnen, wie wenn der Wind die Baumblätter aüfwirbelt. Die Tür ging auf und da lag alles voll Papier. Zerfallene Einbände mit Messingbunkeln crschie neu wie sich deckende und blinzelnde Kobolde, die am Boden lauerten. Das Mayerle sprach nochmals ein Gebet — jetzt muß einer von uns aufgeschrien haben. Ich weiß nicht, wars der Herzle oder ich. Der Mayerle schrie um Hilfe, wir aber waren schlecht genug, davon zu rennen und rannten fort bis hinaus in den Wald, ohne uns darum zu kümmern, was aus dem Mayerle geworden. Später hörten wir, daß der Mayerle halbtot herunterkam und erzählte, cs seien wirk liche Gespenster dagewesen, die hätten einen Lärm gemacht, wie 1000 Trommler. Nie in seinem Leben gehe er mehr allein auf den Synagogen speicher, nicht wenn man ihm das Schloßgut dafür schenkte. Mich dauerte das Mayerle, ich wollte ihm bekennen, daß wir hinter ihm ge wesen. Aber der Herzle duldete es nicht und schalt mich, daß ich nichts für mich behalten könne, was mir leider geblieben ist bis auf den heutigen Tag. --- - 275 - Eine hebräische Druckerei in 3snh. Bo» Rabbiner De. Schweizer, Horb. Tie zahlreichen Wintersportler, die in diesen Tagen die ehemalige Reichsstadt Jsny im Allgäu aufsuchen um dort dem Sli Kult ^u huldigen, ahnen nicht, daß die reizend gelegene Me tropole des württrmbrrgi'chen Allgäus einst der Sitz einer hervorragenden hebräischen Druckerei gewesen ist. Allerdings erfreute sich dieselbe nur eines verhältnismäßig kurzen Daseins. Kein geringerer als der berühmte jüdische Sprachforscher Elias Levita, der Lehrer hochgestellter geistlicher find weltlicher' Persönlichkeiten, war es, der hier aus schwäbischem Boden seine weitverbreiteten hebräischen Werke und noch viele andece jüdisch religiöse Bücher drucken ließ. Elias Levita wurde am 8. Februar 1477 als der Sohn des Ascher Hclevi in Neustadt an der Aisch geboren Widrige Schicksale haben ihn w:it umher getrieben, bis er als armseliger wandernder Judenlehrer nach Italien kam. Hier machte er sich allmählich durch seine bewunderten Schriften als einer der größten Kenner der hebräi scheu Sprachen, als einen denkenden Sprach forscher, einen scharfsinnigen Kritiker bekannt. Zunächst faßte Levita in der italienischen Stadt Padua Fuß, wo die hebräische Sprachwissenschaft bereit eine Heimstätte besaß. Er war der erste deutsche Jude, der als Lehrer der hebräischen Sprache zu Padua auftrat. Die Plünderung Paduas führte ihn über Venedig nach der Weltstadt Rom. Hier nahm ihn der General der Augustinerordens Egidio von Biterbo in sein Kloster und ließ sich von ihm im Hebräischen un terrichten. Doch war es nicht bloß das Verhältnis eines Schülers zu seinem Lehrer, das hier zwischen dem Kirchenfürsten und dem jüdischen Lehrmei ster zutage trat, es bildete sich ein unlösbarer Freundschaftsbund zwischen beiden, der so start war, daß der später zum Kardinal erho- Tri+srkWr! Dorf isf Jwvwfur-Auswrlaurf! bis 8. Februar bene Egidio von Biterbo.dem gelehrten Elias Levita mit seiner Familie zehn Jahre lang den Lebensunterhalt gewährte, während andererseits Levita seinem Gönner und Schüler, der in die jüdische Literatur verliebt war, nicht nur die Kenntnis der hebräischen Sprache bei brachte, sondern auch' den Eingang zur Kabbala-Wissenschast zeigte. Levita darf sich den Ruhm zuschreiben, daß die von ihm ausgestreute Frucht auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Ter Kardinal hatte nicht vergebens bei ihm jüdische Literatur studiert. Aehn- Auch Sie sollten es sich merken, (laß Waschen und Bleichen zweckmäßig nacheinander und nicht gleichzeitig ausgeführt wird. 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