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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-12-16 · 18 (16.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
18 (16.12.1928)
Date
1928-12-16
Page
[Seite] (sequence 5)
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— 233 — spekulative Abwege gerät wir denken an die manchmal säst ungeheuerlich «»mutende psychoanalytische Bibelstellen-Srklärung — in diesem Moment wird sie selbst das. was sie« bekämpft: Hypothese und Illus» s i o». - Der Bortrag von Dr. Bauer selbst war Nar und inhaltsvoll — vielleicht aber auch für die Mehr zahl der Hörer, von denen man eine Beherrschung der pst.chcanalytischen Terminologie doch nicht erwarten konnte, etwas zu schwer Jedensall« konnte aber der aufmerksame Hörer aus Grund dieses Bortrages sich seine Meinung über die Psychoanalyse bilden —- und das ist auch Gewinn. »für psychoanalytischen Wissenschaft kann man nach Ansicht Dr. Bauers nur aus dem Krankenzimmer heraus Stellung nehmen. Eine ganze Reihe von me dizinischen Fällen läßt einwandfrei erkennen, daü die Krankheit sowohl wie die charakterielle Beranlagung durch da« menschliche Unterbewußtsein bedingt werden. Ausgabe der Psychoanalyse ist es nun, die „verdrängten" Konflikte zu reproduzieren, da« heißt, sie dem Jndi vidi,um wieder bewußt und dadurch unwirksam zu machen. Schon in frühester Jugend des Menschen kön neu Wunsches die mit lebendigen Kräften nicht erfüllt wurden, in« Uiilerbewußiseiii verdrängt und dort fixiert werden. Die Summe der Beldrängungen und der Gra du« der Abreaktion dieser Wünsche und Konflikte stellen, insreale Bewußtsein projiziert, den Charas t e r dar. Rach Freud bildet sich der Charakter in drei Perioden au«, die psychoanalytisch wieder erschlossen werden können. An Hand eines sehr instrukliven Beispiels zeigte nun Dr. Bauer, wie infantile« Bergeisen zum Kol lektiv Bergessen werden kann. Wie das Häckel'sche bio genetische Grundgesetz vom werdenden Individuum aus aus die Biogenese seiner Ahnenreihe schließt, so gehl auch die Psychoanalyse vom Kollcktivkonslikt auf die Psychogenes« zurück. Aus die Religion' übertragen heißt dies: Das religiöse Symptom birgt die Rückkehr zum Jnsantilismu«, stellt einen Rückschlag in die Psyche der Ahnenreihe dar. Religion ist eine Reu rose — eine pathologische Angelegenheit, die, wie jeder andere „Fall", psychoanalytisch „geheilt" luerdcn kann. Wie eingangs schon erwähnt, versucht die Psycho analyse auch Bibel stellen zu erklären. Tr. Bauer gab hierfür ein Beispiel aus dem Buche Hosca. Darnach ist dieses Prophrtenbuch nichts andeie» als die Identifikation der Eheschicksale Hoseas mit den „Geschicken" Gottes um sein Bolk Israel. Freud« analytische Erklärung der kollektiven Religiosität geht von dem urreligiösen Totem- und Tabu kult au« unter Heranziehung und Verwertung biogenetischer Faktoren. Eine Parallelisierung tolemistischer Erscheinungen mit christlichen und jüdischen jkultsormeii deckt die geistigen Wurzeln der letzteren aus, löst die „Kolnidre ^.oblematik", da« Geheimnis de« (Goldenen Kalbe«, die Gesetzgebung am Sinai so einfach wie die mystischen Zeremonien der katholischen Kirche. Ebenso einfach sind die sich hierau« ergebe,idc» Schlüsse: die Religion ist eine Illusion, eine neurotische Erscheinung — ein „ableitbarer Traum", an dessen Stelle Freud eine „neue Sachlichkeit" setzen will. Diese zielt einzig und allein aus da« Diesseits ab, predigt einen gesunden Rationalismus und erstrebt unter Ausschaltung (lies „Heilung") der Religion, für deren Wert nur die Gebrauchssorm entscheidend ist, eine soziale Güterverteilung. Tr. Bauer schloß mit einer Kritik der Psychoanalyse, die sich gegen die Einfachheit ihrer Theorie und ge gen die Thee richtete, daß alle psychischen Phäno mene inhaltlich zusammenhängen. Alle« in allem sieht er aber in der psychoanalytischen Methode einen großen Fortschritt. An da« mit großem Beifall ausgenommene Resera.' schloß sich eine rege Diskussion an. Es sprachen Ober lehrer Metzger, Ludwigsburg. Lehrer Weil, Eß lingcn, und Hans Sternheim. In einem Schluß wort nahm Tr. Bauer zu den Ausführungen der Tis kussionSredner Stellung und erntete nochmals lebhaften Beifall. H. St. Stuttgart. Berthold Auerbach Berein. Ter für den lü. Dezember d». Js. angesctzle t. Heimabeno des B.A.B. findet nicht stall. Dafür spricht Lberrechnungsrat Meyer über das Thema: „Zur Bibelkeitil" (S. Inserat Seite 231). Stuttgart. Bortrag Tr. Rudolf H a l l o K a i - sel. „Sinaischrist und heilige Schrift" in der Boll verjammtung de« Berein« Jüdisches Lehrhau- Stuttgart. Wie in den vergangenen Jahren wurde auch in diesem Jahre die am 9. Dezember stattfindende Vollversammlung des Berein» Jüdisches Lehrhaus durch einen wisien schaftlichcn Bortrag cingeleitet, den der Archäologe Tr. Hallo übernommen hatte. Er berichtete einleitend über die Jnschrifttaseln, welche Flinder« Pctrie in den Malachitgruben des Sinaigebirges gesunden. Sie waren mit unbekannten Schristzcichen bedeckt, deren Entzisse rung der Engländer Gardener, der deutsche Aegyptologc Sethe und der Alterumsforschrr Robert Eisler versuch Freude •m Geschenk im Offenbacher Lederwaren OSKAR BECKER _ RottMIllltimlH 3 CHARLOTTENSTR. 2 b. d. K&Blgitrmaae ten. Da« größte Aufsehen erregten di» Lesungen der In schristtaseln durch Professor Hubert Grimme.Münster, der auf den Tafeln den Ramen de« Mose finden wollte -und dazu die Geschichte der Errettung de« Mose durch die Königstochter, die Erzählung von dem brennenden Tornbusch und viele« mehr. Allerdings mußte Grimme erfahren, daß seine Entzifferungen begründetem Zweifel begegneten, so daß er seine ersten Lesungen selbst als irrig preisgab. Er erfuhr jedoch die Genugtuung, daß zwei seiner Ergebnisse a»erkannt wurden, daß die Schriflzeichen Buchstaben, und daß die Worte, die sie darstcllttn, aus einer Sprache stammen, die dem Hebräi scheu verwandt oder mindesten» sehr nahe steht., Ter Fund bedeutete nicht« Geringere« als die erste Entdek kung ße« Uebcrgang« von den Hieroglyphen zur Buch stabenschrift. Nicht weniger bedeutsam 'und für die bis hcrige Bibelkritik vernichtend war -der Fund dadurch, daß durch ihn hebräische Worte und Texte aus dem Jahre lökX) vor unserer Zeitrechnung nachgcwiesen waren, während man bis dahin geleugnet halte, daß cs eine hebräische Schrift und Sprache in sp srühersZcit ge geben hat. Ter Fund ist aber auch in anderer Hinsicht außerordentlich wertroil. Er beweist, daß alle de kannten Schriftsystemc aus die hebräisch semitischen Schiiflzeichen zurückgche». Tie hebräische Schrift ist also die Mutter aller jetzt verbreiteten - Schriftarten. Dadurch, daß die bekannten Schriftsystemc zuerst oder doch vorherrschend für die llcbcrsetzung der Bibel in die cutlprecheuoe Sprache Verwendung gesunden, ist die hebräische Schrift zugleich für alle der Träger eine« heiligen Inhalts geworden. Reben dieser äuße ren Beeinflussung durch die> Sinaischrisl steht aber der unvergleichliche Inhalt der heiligen Schrift selbst. Sie ist trotz aller Parallelen im assyrischen, dadn ionischen und ägyptischen Schrifttum allen unähnlich und in ihren Eigenwerten unvergleichlich. Tie Untcrsnchung dieses eigentlichen inneren Werte« der Bibel ist noch zu leisten. Einen wichtige» Beitrag ,^u ihrer Erkenntnis und zum Verständnis ihrer Unvergleich lichkeit hat soeben noch Franz Rosenzweig in einer Für die langen WINTER¬ ABENDE eine erstklassige Radio-Anlage mit vollständig naturgetreuer Wiedergabe von Sprache u. Musik. Solche Gerate führe Ich Ihnen unverbindlich in -Ihrem Helm vor. 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Stuttgart, Sdiulstr. 17 Telephon 24257—59 und 25644 45 * Gegründet 1868 An- und Verkauf von Haus- und Grundbesitz jn Stadt und Land / Gewährung und Vermittlung von Hypothekengeldern / Vermittlung der Miete von Wohn- und Geschäftsräumen / Übernahme von Hausverwaltungen /Versicherungen / Ausführung aller bankmäßigen Geschäfte / Beteiligungen /Geschäftsverkäufe/Annahme von Anzeigen f. alle Zeitungen In der Geschäftsleilung seit 1884 J. PFEIFFER, beeidigter Sachverständiger für Grundbesitz Hypotheken, Wohnungen CONDITOREI UND BÄCKEREI Ctirtsdao Zlnsscr * SlulhJarl SdriegetiaBe 57 a, Telefoa «171s Llefenug sgmtlMier Backwaren Kaffe«, na« Teegebick SPBZ I ALITÄTi FriedrfakaAoifer Zwieback, eelbatgeaMcfcte Eleraadela J SK. £80/3 <Witme tSpesialgesdiöfifür feine ^Landarbeiten Stuttgart, Qostslrafe 7 Tstitjon 22414 ÖKabeth Ardea IJ 25 Oi- P crhöJTTich bei Drogerie und Parfflmerie R. v. Mindcn's Nacht. Inh.: FRlTZ BOHN STUTTGART, K&nigstraße 10A. FERNSPRECHER SA. 20287

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