Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 17 (1.12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
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I wwä JSatoiftott (ggcelfior ZMMWMWMMWMMAMIlWMMMMWM Religionsstifter besaß die innere Freiheit, er beruft sich aber nicht auf sie. Für die Masse der Menschheit aber heißt die Frage: Wie darf ich mich den objektiven Werten hingeben? Nur in allerpersönlichsten. Dingen ist eine Freiheit möglich. Durch die gegebene äußere Form und Bindung bleibt die Gemeinschaft vor Zersplitterung bewahrt, und durch die inneren Impulse, die der Einzelne in die Gemeinschaft trägt, wird die Gemeinschaft eine lebensvolle. Buber kann den Begriff „Religiöses Genie" nicht gelten lassen. Den Unterschied zwischen Ausnahmemenschen und uns darf man nicht überschätzen. Vom Propheten bis zu uns sind nur Abstufungen. Der Religionsstister, und damit hat Büber sicherlich Recht, meint nicht Religion, sondern das Reich Gottes. Die Tat des Religionsslifters ist das Aufsprengen der Herzen für das Reich Gottes. Der subjektiv Religiöse meint aber dasselbe. Im Grunde ist also subjektive Religiosität und objektive religiöse Form auf denselben Renner: auf das Tendieren zum Gottesreich zu bringen. Tie Geschichte lehnt ab oder erkennt an, aber das Werturteil der Geschichte besteht nach seiner Meinung nicht zu Recht. Nicht die Wirkung ist der Wertmesser einer Tat. Die Wirkung hängt ja nur zu oft von der Umgebung ab. Buber wendet sich hierauf in einer Einzeldarlegung nochmals der Klärung des Themas „Form und Freiheit" zu. Er bringt ein Beispiel aus der Geschichte Israels. Die Propheten haben das Opfer, die Form, umgestoßen. Ja, Jeremia wagte in Gottes Namen zu sagen: diese Gebote habe ich euch nicht geboten. Für ihn war Umstossen und Erfüllen dasselbe. Eine Läuterung der Form ist oft notwendig. Sie will die überlebte, unpersönlich gewordene Form erneuern. Hefele wirst hier mit Recht ein: Wenn die eine Form fällt, muß eine neue Form entstehen. Tenn Form ist für die Gesamtheit notwendig. Buber streifte dann noch das orthodoxe und das liberale Judentum. Er selbst hält es mit keiner Partei. Eine liberale Einstellung aus Unkenntnis und Unwissenheit des Inhalts und der Formen kann er nicht gelten lassen. Das Zeitgewissen, das Zeitgemäße ist stets mitbestimmend für die Form. Wie weit die gebotene Form gehalten werden muß, darüber entscheidet letzten Endes das Innere, die Ganzheit des Menschen. .V. Ü. Wozu ein Chanukkaleuchter dienen kann. Ein Schwabenstreich erzählt von Johanna Dach, Mäh ringen. In der guten alten Zeit gab es in vielen Orten Männer, die durch chren guten Humor sich den Namen „Spaßmacher" erwarben. Der von Groß und Klein gekannte, von allen geliebte und verehrte Spaßmacher, von dem ich erzählen will, hieß ,chas rote Herschle", war von mittelgroßer Figur, sein gutmütiges Gesicht war von einem roten Backenbart umrahmt, sein Haupt zierte ebenfalls rotes Haar. Die blauen Augen blickten treuherzig in die Welt, und um die vollen Lippen spielte meistens ein stohes Lächeln. Herschle Mandelstein trieb einen kleinen Hausierhandel, von dessen Erwerb er sich und seine Frau „Haiele" ehrlich und redlich ernährte. Er war ein ganz kluger Kopf, gab den Bauersleuten manche» guten Rat, wofür diese aus Dankbarkeit ihm von seinen Kurzworen abkausten. Wer weiß, wenn sein Vater, der selige Reb Bär Mandelstein, die Mittel gchabt hätte, Herschle gute Schulen besuchen zu lassen, was noch tüchttges aus chm geworden wäre. Herschle aber war mtt seinem Lose zufrieden und erzählte heiter und lustig seine Schnurren und Witze und machte auch hiedurch sein Geschäft. Es war ein heißer Sommernachmittag. Kein Wölkchen trübte den klarblauen HimmA. Blumen und Gräser senkten ihre Köpfe, getroffen von den sengenden Strahlen der Sonne. Die ganze Natur lechzte nach Regen. Kein Lüftchen .regte sich. Schleppenden Schrittes kam der mit Staub bedeckte, mtt einem großen Korb beladene Wanderer des Weges daher. Es war unser Herschle Mandelstein. Bon Zeit zu Zett setzte er den Korb zur Erde, wischte sich mit seinem alten Taschentuch den triefenden Schweiß von der Stirne, um dann seine Wanderung wieder fortzusetzen. Endlich winkte dort die Kirchturmspitze des Dörfchens. Und nur noch wenige Minuten, und Mandelstein trat in das Wirtshaus zum „Löwen" ein, wo er ein bekannter und gern gr sehencr Gast war. Die behäbige Löwenwirttn kam chm freundlich entgegen. Nur wenige Gäste waren im Wirtszimmer. „So, Herschle, machts Euch nur bequem", redete chn die Wirtin an, „den Korb herunter. Gelt heut machts heiß?" „Ja! Ja!", keuchte unser Gast. „Und Eure unausstehlichen Fliegen, die Ihr da habt", begann Herschle, indem er sich vergeblich gegen die chm lästigen Mücken wehrte, die chn wie aus Berabrttmng umschwirrten, „die g'salle mer net so arg". „Da habt Ihr recht, Mandelstein", entgegnete ein Bauer, „Löwenwirttn, da müßt Ihr Euch beim Herschle Rat hole, was da zu mache is dagege." „Ja, Herschle", nahm die Wirtin die Rede auf, „soll Euer Schade net sein, wenn Ihr mir helfen könnt, daß ich die Fliegen 'nausbring'. Alles, was ich dagegen tu, nütz^ nichts." „Na, so laß mich zuerst doch ein wenig ausruhen", begann lächelnd Mandelstein, uqd der Schalk blitzte ihm aus den Augen. „Wenn ich was getrunken und gegessen Hab', dann reden wir miteinander." Als Herschele sich an einem guten Glas Bier und an zwei dicken langen Broten erquickt hatte, ries er die Wirttn und begann: „Scht, Ihr wollt so klug sein und wißt das net e mal, was ich Euch jetzt sage? Wenn ich meinem Haiele den Cha nukkaleuchter anzünd', seht Ihr in meiner Stub' keine einzig« Fliege." — „Was? Ist das wahr?" „Freilich, Löwenwirttn, Ihr wißt doch, was ein Dhanukkileuchter ist?" „Natürlich weiß ich das. Es wohnt hier ja auch Jude. Na, Herschle, so e leichtes Mittel", rief die Wirtin hocherfreut und dachte weiter nicht darüber nach und kaufte dem Hausierer aus Dankbarkeit etwas Ware ab. Als derselbe gesättigt und befriedigt die Wirtschaft verließ, ertönte hinter ihm die Stimme der Wirtin: „Herschle, is das au wahr, was Ihr gesagt habt vom Chanukkaleuchter?" „Ob's wahr ist", sagte schmunzelnd Mandelstein, „net um hundert Gulde könnt' ich in meiner Stub' e Flieg kriege!" Kaum war der Hausierer fort, schickte die Wirtin zu ihrem Nachbar Nathan Rosenstein, er möchte chr doch seinen Chanukkaleuchter senden. Rosenstein glaubte, es handle sich um eine Verhöhnung und gab den Leuchter nicht her. Da ging die Wirtin, die auf freundschaftlichem Fuße mit ihrem Nachbar stand, selbst zu ihm hin, er zähtte ihn, alles und bat ihn, ihr doch den Leuchter auf einige Stunden zu geben, damit sie durch das Anbrennen desselben die lästigen un zähligcn Fliegen los werde. Rosenstein verstand sofort des roten Herschles Ulk. Um aber die Wirtin von der Richttgkeit der Sache zu überzeugen, holte er seinen Chanukkaleuchter, und durch Zufall nannte auch er unzählige Fliegen sein eigen. Er brannte die Lichter an. Natürlich zog die Flamme die Mücken an, aber von einem Vertilgen war keine Spur, höchstens, wenn sich eine der Flamme zu schr näherte. Das Gesumme HEILBRONN |v JULIUS NÄGELE MSCHOKOLADENHAUS |k HEILBRONN a. N. M Ktlienlr. 22, Telefon 1866 V Kaffee / Tee und Kakao ■ VD1T7 CCCI KA1SERSTR. 18 ■ risll« 3LLL FERNSPR. 667 ■ Feine Schreibwaren ■ Elegante Lederwaren > Kanstgew. Gegenstände ■ Sämtliche Büro-Artikel Sldwrcr’sihc Apotheke LUDWIG SÜNDER Hdlbroui a. N. 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