Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 16 (16.11.1928)
- Date
- 1928-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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tionnten in unserer Zeit den religiösen Maß stab anlegt. Ter Perlauf der Unterredung, bei der Michel, tvobl aus akustischen Gründen, nach dem er gemerkt batte, daß seine stimme nicht bis zu den hintersten Reihen der Hörer zu dringen vermochte, im wesentlichen Buber die Führung überließ und ' seine eigenen Einwände und Formulierungen aus geschickte Fragen be schränkte, ergab Uebereinstimmung beider in dev Erkeuutui», daß die heutige Anbetung der R a t i o n als Selbstzweck recht eigentlich Götzendienst ist. Wohl erkennt Buber legitimen Wille» zum Glück de» Volke» an, dann nämlich, wenn dieser Wille als T i e n st, als Gotte» Austrag empfunden wird, des wirklichen Gor te» natürlich, nicht eines zum Götzen erhobenen Machtwillens irgendeiner Ration. Zwilchen der von Michel angeführten konstruiert christlichen Auffassung Tolstois, der um des Wachsens des Reiches Gottes willen jedes nationale Unglück begrüßt, eine Haltung, die Buber wohl für das persönliche Leben des Ein zelnen. aber nie im Hinblick auf Tritte, auf die Familie, auf das Volk zuläßt und für möglich hält, und der tragisch heidnischen des doch ganz vom Ehristentuw erfüllten Tostojewski. der im Weltgeschehen einen ewigen Kampf der Rational göne'r untereinander sieht, zeigt Buber als die religiös wirkliche Haltung die der Pro vbereii aus, die de» höchsten Auftrag auch über das Unglück der Ration stellen, so. sehr sie es be jammern, s i e bejahen das Leiden nicht als sol che», sondern um des Wohls des Volkes willen. T i e ii st b e w » ß t i e i n, das ganze Leben um fassend, Tienst am Volk als Tienst an Gon er füllend, ist der legitime Rationalis m n s, den unsere verirrte Zeit von den Propbe vbeteii lernen müßte, solange die Rationen an der falschen selbstvergötterung kranken und diesen »ranklieitszustand für normal halten, gibt es feine wahren Völker als Glieder einer echten Menschheit, demnach auch keine Möglichkeit ei ne» wirklichen Völkerbundes. Hinaus ilUiren ans der Heilloi'igkeit des heutigen Znstan des kann nur der wiederenvachende Gläube an den Tienst, vor dem, da er auf das Einende Höchste bezogen ist, alle kleinen und großen Ego iimen, also auch die nationalen, versinken. Wohl nicht eigentlich als seine persönliche Riissaisung, sondern anscheinend mehr um Bu bei zu einer klaren Formulierung herauszusordern, stellte Michel die schon früher 'in einem Aufsatz im „Fudeu" von ihm vertretene These ans von der jüdischen U Überbewertung des Lebens der Ration, im sinne der von Buber selbst gekennzeichneten Vergötterung des nario »alen Gedanken». Er bezog sich dabei aus den von jüdischer seile E. V. Zeitung auch als veinlick emptundenen satz: „Tu sollst alle Böl ker ireisen" und auf die angeblich von Gott dem sazil durch samnel besohlene grausame Kriegs sührung der Eroberungszcit. Bubers Antwort war ein Wagnis, aber sie führte aus eine liefe ' Erkenntnis des Wesens des Religiösen bin, die er selber als wesentliches Ergebnis seiner bishe .eigen Lebensarbeit bezeichnet: stellen, wie die von Mickiel angeführten, deuten auf ein „Miß verstehen «Voiles" im biblischen Bericht. Aber nur ein ganz aus Gon eingestelltes Volk kann f o irren, ein Volk, das jede Begebenheit feines Lebens als Tie n st empfindet der, in Zeiten der Abkehr, Tienst am Widergöttlichen sein mag 200 - nur ein solches Volk aber auch kann aus der Verfehlung solchen Irrens (z. B. beim goldenen Kalb) heraus eine Vertiefung, ein Wachsen fet nes Gottesbildes erfahren. Nicht in ihren g e - ,'chichtlichen Einzelinhalten, sondern in ihrem W e g liegt die Wahrheit einer Religion. Taher die jüdische Polarität tiefste Abkehr und innigste Verbundenheit und die jüdisch« Aizf fassung des Bösen als „schale des Guten", des Versagens als Antrieb zu religiöser Vertiefung. An dieser stelle hätte man gerne die Ansicht der beiden Männer über das „auserwählte Volk" kenilengelernt, schon weil anzunehmen war, daß sie in diesem Punkt auseinanderginge. Bubers Antwort streifte freilich den Mittelpunkt auch dieses Problems, wenn er sagte, für den Juden sei das Leben nicht, wie etwa für die persische und verwandte Ausfassungen, ein Widerstreit zwi scheu Licht und Finsternis, sondern, im Ersül len wie im Versagen, im „Guten" wie im „Bösen", G e s p r ä ch zwischen Gott und Men'ch. Ter Mensch weiß nie, wo und wie Gott ihm ent gegentrikt, ihn anrusrnd und ein Tun als Ant wärt heischend. Ties ist gemeint, wenn Gott zu Mose sagt: „Zch werde dasein, als der ich dai'ein werde". In einer anschließenden Aussprache in enge Bankcommandite Siegmond Wall muntr. stmtart «ifetMnh N Ulks LaUwttt) IH|gr. fl L M. 21144 (JiImmMw) Klrtw tljOTlalf briai. hml wtMbda Mpukn. viliM. Wafetoad laMul-Irtiti rem Kreis wurden als Beispiele für legitimen Ra tionalismus von Michel Hölderlin, von Buber Lagarde angeführt, für verirrt negative Haltung zur Nation Wilhelm Förster, der nicht aus der wirklichen Situation heraus, sondern unter Verschiebung der Timensionen dem eigenen Volk gegenübertrete. Auch andere aufgetauchte Fragen, so die der im öffentlichen Gespräch nicht erörterten Wechselwirkung bestimmter Religion und bestimmten Volkstums, und die nach dem Wesen der Offenbarung kamen zur spräche und wenig j stens teilweise zur Klärung, j Ter Verlauf und die Aufnahme dieses ersten Versuches cines öffentlichen Zwiegespräches über : religiöse Gegenstände darf das Lehrhaus ermu i tigen, ihn fortzusetzen. TaS zweite Gespräch über : „Form und Freiheit" (Religion und /Autorität)! wird Buber mit dem Katholiken Hermann He- I fele zusammenführen. L. M. Aus den Gemeinden Württembergs. 3liiftq«rt. Sitzung des Vorsteheramtes am NI. CftoVr: Aach einer nichlöffcntlichen Verhandlung über die Anstellung des zweiten Rabbiners wuide in üüfiitlid.tr sitznng die Eingabe Hugo Tavidfohn und («lenaven vom A>. Mai 1028 betreffend die Wiedcreiniührung des Tallis beim Gottesdienste und die isegcneingabe der stuitganer Lrtsgrupoc für das liberale Judentum vom Juli behandelt. Als Be rickuerstatter der Gottesdienstkommiiiion stellte stadlrab biner Tr. Rieger zunächst die Beurteilung dieser Uom Million der beiden Angaben durch die Kommiiiion dar. Es in irrig, dast das Verbot des Tallir aus einer Zeit stamme, in der versucht worden, den jüdischen Gottes dienst dem christlichen, anzugleickicn. Tas Verbot ist viel medr. aus der damaligen Reformbewegung heraus ent standen. Auch die Angabe, da» das Verbot des Tallis einen Gewin'enS-wang bedeutet, kann nicht aufrecht er ballen weiden, da denjenigen itzemcindcgenoiien, die mit dem Tallis beten wollen, in Stuttgart reichlich ltzelegcn heil geboten ist, diesem Bedürfnis zu entsprechen. Ta gegen ist die Behauptung der Eingabe TavidsohnS, dast das Verbot den stamm der Gotteshausbcsucher an Werktagen und sabbathen trifft, berechtigt, da ge rade die regelmästigen Gotteshausbcsucher die Unterzeich »er der Eingabe sind. Auch die Angaben der Gegen eingabc bedürfen in wesentlichen Teilen einer Richtig stellung. so entspricht es nicht der Tatsache, dast das 1801 erlassene Verbot niemals Anstoß erregt habe. Tat fachlich mußte 1883 das Anlegen des Tallis den zur Tbora Gerufenen gestattet werden. Tagegcn fei es be dentiam, dast in der Gcgeneingabe mit der Spaltung der Gemeinde und der Gründung einer Reformgcmeinde gedroht wird. Auch der Eventualantrag, dast, falls der An trag Tavidsohns angenommen iverde, von der liberalen Lrtsgruppc der Antrag gestellt werde, fakultativ zu ge stanen, unbedeckten Hauptes zu beten, ist geeignet, den Frieden und die Eintracht der ltzemeindc zu gefährden. Tie Sommiifion habe keine Entichließung in der Angelegenheit gefaßt, sie könne nur von drei Vorschlägen belichten, deren Weiterbehandlung der Versammlung überlasten werden must. Ter erste Vorschlag gehe dahin, die ganze shnagogcnordnung von 1838 einer zeitgemäße» Turchiicht zu unterziehen. Rach dem zweiten Vorschlag soll den Liberalen gestattet sein, ohne Tallis zur Thora zu treten. Ein dritter Vorschlag geht dahin, dast ein be soliderer sabbathmorgengottcsdicnst mit dem Tallis im kleinen Betsaal staltsinden soll, aus den dann der Haupt gottesdienst in der «vnagogc folgen soll. Ter Bericht erstatter hofft und wünscht, dast die Angelegenheit sried lich erörtert und zu einem die Einheit der Gemeinde nicht störenden Ergebnis führt. Tr. Flegenheimer chezwci feit die Zuständigkeit des VorstcheramleS in dieser Frage. Rach 8 l der Verfassung ist das Vorstehcraml zu nächst an den hcutigen Zustand gebunden. Tagcgen ist nach tf ül die LandeSvcrfammlung in diesen Fragen zu ständig. Tie Eingabe ist also mangels Zuständigkeit den Antragstellern zurückzugeben. Tagegen vertritt Tr. Tänzer die Anschauung der Zuständigkeit des Porstehcramtes, zumal die Gottesdienstordnung von I8tzl rechtlich anzu fechten ist, da die Gutheißung von «eiten des Mini steriums nicht erfolgt ist. Rach längeren Verhandlungen, an denen sich Rothschild, Meyer, Wolf und die' beiden Zuristen beteiligen, wird mit 6 gegen 5 stimmen ein Antrag Flegenheimer angenommen, daß die Entscheidung der Landesversammlung überlassen wild, ohne dast das Vorsteheramt üch befürwortend oder ablehnend äußert. Hieraus erstattete Rothschild de» Bericht dcS K leinen Re tes. Für die durch Erdbeben geschädigten bulgarischen Juden wird «ine spende von 100 Mark bewilligt. Ter Beilrilt zur «oncinogeselli'chajt wird erklärt, lieber eine Ehrengabe an Rabbiner Tr. Cohn-Ulm lvird berichtet- Tie Mieter von «ynagogcnplätzen sollen alljährlich bis zum 15. Februar angefragt werden, ob sie ihre «qna gogenplätze behalten wollen. Ter Kinderchor, der sich an den hohen Feiertagen sehr gut bewährt hat, soll weiter ausgebaut werden. Karten zu den »inderplätzen im Mä» nerraum sollen sortan nur Knaben' gegeben werden. Tcm Verein Linas Hazedck ist ein zinsfreies Tarlehen zur Teckung seiner Berpslichtungen gewährt worden. Mit einer Reihe weiterer Mitteilungen wird die Sitzung ge schlossen. E.&M. RICHNOWSKY Eberhardstr. 23 / Gegr. 1994 Haus für Gelegenheitskäufe ln Brillanten / Parten Bold- und Sflbarwaran Neuzeitlich« Tapeten Stoffe / Teppiche y Lienhardt Stoitiart- Lii<c*stn6(7- EduCaimrstr. Koch^-Adler* PHOENIX -Schnellnäher - H i . Ö Spezialmaschinen f. Gewerbe u. Indnstrie/Zick-Zeck- Schnellnfiher / 3000 Stiche pro Minute leistend / Probeweise Lieferung kosten). Kupfer* Co., SlulUtarf Gartenstrabe 19 / Telephon 61085 für die Trikot-, Kleideru. Wfische- Indastrie / 3-4000 Stiche pro Minute leistend /'Probeweise Lieferung kosten!. Kopf er* Co., Stuttgart Gartenstrabe 19 / Telephon 61085 Barenu. Damcnsdinetdcrei J. 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