Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 16 (16.11.1928)
- Date
- 1928-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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- 198 - ■ 3 an fl er den weihevollen „Boruch'habo" mit klangvoller Stimme und erntete, wie Frau Zip perl, dankbaren Beifall. Tie hierauf folgende Be grüßungsansprache des I. Vorsitzenden, Siegfried »ahn, lieft so recht erkennen, wie sehr die Israel. Relijstons Gesellschaft mit allen ver Hunden ist, die ihre Tatkraft und,religiöse lieber zeugung in den Tienü des Vereins gestellt ha be». Ter Redner würdigte mit warmen Worten die großen Verdienste des früheren Rabbiners, Tr. Ansbacher, und des jetzigen geistlichen Füh rers der Gemeinde, Rabbiner Tr. Bamberger, und forderte die Jugend auf, wie bisher die Tkora in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stet len. Er begrüßte sodann den Präsidenten des ■ -ok Lberrais, Regierungsral Tr. Nördlin g c r, den Vertreter der Jsr. Landesversammlung, R. A. Tr. W o l f, den' Vertreter des Stadtrab binais, Stadtrabbiner Tr. Rieger, den Vorstand des Jsr. Porsteheramts, Arthur Effing er, die Herren Rabbiner Tr. E f r a M u n k, Berlin, und Tr. A n s b a ch e r, Lehrer Sulzba ch e i, die die Reise nicht gescheut hatten, um an der Stätte ihres früheren Wirkens das Jubelfest iniltubegehen. sodann hieß er den früheren Vor stand der -Gemeinde, »onsul Weinschel, Rab -iner Tr. »ahn. Mergentheim, Tr. Mich a l s k n, Karlsruhe, und die übrigen Vertre tma Df; Stuttgarter und auswärtigen Crgani saiionrn herzlich willkommen. Er dankte noch be sonders per Israel. Gemeinde Stuttgart, die ein prachtvolles Waschgerät als Festgabe gestiftet haue und rühmte das gute, dem Gesamtwohl dienende Einvernehmen zwischen den beiden Ge meinden. Turch die Gabe eines Vtirgliedes der Israel.'Religionsgesetlschasl wie wir erfahren ist Tavid Ra id an, Cannstatt, der hochher Ege Spender ist die so brennende Betlokal Frage des Vereins zum Teil gelöst worden. Ihm wie den Frauen, die den Thora Schrein mit einem neuen Vorhang geschmückt halten, dankte _ bei Redner aufs herzlichste- Mit dem echt jüdi scheu G-»ß „Scholaum aleichem ' schloß Vorstand Siegfried »ahn seine erhebende Ansprache Rach ihm ergriif Rabbiner Tr. Bamberger das Won und zeichnete die wechselnden Geschicke Da. Ganeinde in trefflichen Worten. Tie Israel Religionsgesellschaft Stuttgart wurde am 15 Juni 1*78 gegründet. Tas 25jährige Stislungs fest wurde zwar verspätet, aber deshalb nicht minder freudig am Purim 5<>6!) gefeiert. Vor der '.Gründung des Vereins bestand schon in Stuttgart ein gesepestreucs Minjan, über dessen Zusammen ietzung aber keine Unterlagen vorhanden sind Im Jahre 11*11 bestand die Israel- Religionsge sellschast aus ll Mitgliedern, heute umfaßt sie Familien. Rabbiner Tr. Bambergers Festrede gipielle in einem eindrucksvollen Bekenntnis zum zesepestreuen Judentum und in der Aufforde liing, alle »rä'le zu betätigen, um dem Namen Gones eine würdige Wohnung zu verschaffen. Rach einem »lavieroor»rag von Frau Zipp e r i ,,E»lr' Acre" und .^iaprioecioso" zwei ebenialls feinfühlig gestatteten »omposiiionen von Alerander v. Felitz hielt Rabbiner Tr. Esro M a n k, Berlin, einen Vortrag über „» u l t u r a u s i e g und T r a d i t i o n s l r e u e", der von oer Fcstversammlung mit größtem Interesse ausgenommen wurde. Wenn der Redner einlei lend bemerkte, daß er »ach Erhalt des offiziellen Programms über die Wahl seines Themas einen „gelinden Schrecken" verspürte, so durfte er in "der bis zum letzten Wort gespannt lauschenden .Hörerschaft den besten Beweis dafür erblicken, daß er daran recht getan halte, „vor der Freude nach echt jüdischer Art den 3la tw ftloannoM« t« 3rrwfalna. Ernst zu grüßen". Rabbiner Tr. Munk zeigte mit klaren Worten das Wesen der Kultur auf, die er als die „Pflege des Ackerbodens des menschlichen Geistes" definierte. Kultur ist Lbjekt und Lubjckt, Wirkung und Ursache, Triebkraft und Ergebnis. Bald tritt sie als Gefchaf fenes, bald als organisch Gewordenes in Erscheinung immer aber hat die Kultur im Erhaltungs und Geselligkeitstrieb des Menschen letzte Ursache. Einst befriedigte der Mensch seine Le bensbedürsnisse aus schlichteste Weise. Heute ist das ganze Leben kompliziert geworden und automatisch geregelt. Tie Technik beherrscht die mo derne Zeit. Ueberall ist Fortschritt, überall Höchstmaß von Entwicklung. Aber in dieser vertikal geschichteten Kultur, an die die Menschheit glaubte, rust Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes" zur Besinnung auf. Er zeigt, wie die Kultur nichts weiter als die Erscheinungsform einer Entwicklung ist, die, wenn sie aus der Höhe steht, schon wieder von einer anderen Kultur abgelöst und damit zum Untergang verurteilt wird. Was lebt z. B. von der hellenischen Kultur noch? Ist die Maschine ein Ausdruck für die Größe der menschlichen Seele? „Kraft und Schönheit" sind die Symptome der moderen Kultur, »rast und Schönheit allein waren die kulturellen Forderungen des Hellenismus, gegen den die Makkabäer mit jüdischen Kulturwillen kämpften. Heute steht das Judentum an derselben Schweife. Niemand glaubt heute mehr an die Botschaft des Darwinismus und wieviele jüdische Seelen sind gerade durch Tarwin unserer Gemeinschaft verloren gegangen! Aber trotzdem ist der Weg für uns nicht frei geworden. Irrungen des menschlichen Geistes sind notwendig, damit wir immer ein klein wenig näher der Wahrheit kommen. Ter Jude schätzt die Kultur nur, wenn sic der Sittlichkeit Magd sein will. Gott sagt uns, :was Sittlichkeit ist. Auch die Tradition erkennt den Ewigkeitswert des Geistigen im Körperlichen und vom Judentum aus wollen wir lernen, die Güter der Kultur und der Natur zu würdigen. Aber nur der ersteigt den Berg der Kultur, der sittlich rein ist. Treu im Glauben der Väter, offenen Auges, ringend mit allen Kräften unserer Seele um die Erkenntnis so werden wir emporsteigen! Mit einem Glückwunsch für die weitere segensreiche Arbeit der Israel. Religionsgesellschaft schloß Rabbiner Dr. Munk seinen von tiefer religiöser Ueberzeugung durchglühten Bortrag und wurde durch stürmischen Beifall geehrt. — Bei dem sich anschließenden Festessen, das von der Pension Agulnik schmackhaft zubereitet wurde, ergriffen das Wort: Stadtrabbiner Dr. Rieger für den Israel. Oberrat und das Stadtrabbinat, Bericht de- Israelitische« Fürsorgeamtes über de« Mo«ar Oktober Sprechstunde« der Fürsorgerin: M««.,. [ „m 9!4_,,Hn*. Mittwoch, Freitag nachm, von 3—5 Uhr Das Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat Oktober unter Mitwirkung der angeschloffenen Wohltäligkeit-verrine folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen ..X 1007.12 Einmalige Unterstützungen. 432.62 Gesundheit-- und Erholungsfürsorge . . „ 381.79 Anstaltsfürsorge. 376.03 AasbUdungsbeihilfe. 32.— Durchreisende. 237.56 An 26 Erwachsene und 5 Kinder wurden insgesamt 103 Kleidungs- und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt das Fürsorgeamt Mk. 55.— von: Frau Klara Edenfeld. Frau Lina Freudenthal, Jahrzeitspende, Herrn und Frau Julius Guggenheimer anläßlich ihrer Silberhochzeit und Frau Luc» Levi. Zur Winterfürsorge sind Geldgaben eingegangen von: Friedr. Alexander, Ingo Alexander, I. Bauer & Co. Dr. Lothar Deffauer, DreisuS & Lehmann. GlsaS & Co. Ernst Engländer, Walter Engländer, Julius Fader, I. Feigenheimer, MoseS Flegeuheimer, Max Fuchs. Hanum & Schwarz, Heumann & Brandt. Dr. Caesar Hirsch. Fritz Hirsch, Heinrich Hirsch, Wilh. SeitteleS B. <S 6. Lämml«, Mor. Lieblich. Loeb & Werthrtmer, L. Joseph L Co.. »ebr. Levi, Import, Mar. Markiewicz, Mendel & Levy, Komm.-Rat Marx, Neu & Grünwald, Komm.-Rat Alb. MooS, Hermann MooS, Edgar Pick.' Eharl. Roseubusch, «ertha Sichel, H. Sußmann, L. Sußmann. Jul. Sondheimer, I. Scheuer & Co.. Rechtsanwalt Schweizer, Dr. Ludwig Well, PH. Weil L Co. Hugo Schack. i Das Israel. Fürsorgeamt dankt allen gütigen Spendern auch an dieser Stelle nochmalherzlich. MODEWAREN SEIDENSTOFFE STROMPFE NEUHEITEN IMNIR BKI STUTTGART MODEWAREN »SEIDENSTOFFE WIIHEIMSIAU M AtlENSTRASSE