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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-11-01 · 15 (1.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
15 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
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net dezenten Farbenzusammenstellung ungemein stimmungsvoll wirkendes Chorsenster. Auch das Verhältnis des Vereins zu dem 1780 gegründeten Bruderverein Chewra- Thalmud Thora und dem 1838, errichteten Franenverein war jederzeit ein gutes. Heute unterstützen diese 3 Vereine sich gegenseitig in der Erfüllung ihrer sozialen und religiösen Ziele n»d geben durch ihr reges Eigenleben Ansporn zu immer segensvollecer Betätigung in Gemeinde und Gemeinschaft. Zum Schlüsse seien mir noch einige Personalangaben gestattet, die jedoch bei dem lükkenhaften Urkunden Material und dem vollständigen Mangel an jedwerer Charakterisierung der Vereinsorgane in diesen Urkunden keinerlei An sprach auf Vollständigkeit erheben wollen. Die Seele der Bruderschaft waren zweifelsohne seit Pereinsgründung die jeweiligen Gemeinde kabbiner. Es wären hier auszuzählen: . Jakob Bär ans Feliheim s. A. bis 1760, Rabbiner Lämmle s. A. bis 1804 Rabbiner David Levi s. A. bis 1824 Rabbiner Lehmann s. A. bis 1825, Rabbiner Was ecmann s. A. bis 1835, Rabbiner Kansman» s. A. bis 185,2 Rabbiner Wälder s. A. bis 1876 Rabbiner Kahn f. A. bis 1802 Rabbiner Tr. Einstein bis 1894 jetzt in Landau (Pfalz) und seit dieser Zeit Rab biner Tr. Treitel. Neben den Rabbineen stand der zweite Gaboi, ein Gemeindemitglied, das die Kassenstelle ver sehen hat und nicht selten durch seine überaus zielbewußte und organisatorische Straft die Per einsleitnng praktisch und faktisch in Händen hielt. AlS solche werden häufig genannt: Banrch Lämmle und Leiser ben Jehudo Ein stein, die Verfasser der hebräischen Statuten von 1819, Reb Jakob Laupheimer, Simon Adler und Moses Rosenthal. 185 Als die auf allen Gemeindegebieten fühlbare ordnende und organisierende Hand des Rabbiner Wälder s. A. den Verein im Jahre 1858 mit den neurevidierten Statuten auch einen zeitge mäßen Vereins-Ansschuß gab, ragten aus den jeweiligen Ausschußmitgliedern auch wieder einige Führergestalten hervor. Ost genannk werden in den Protokollen: David LSwenthal, Simon Wols Strauß der energische Vorbeter und Tal mudist —, Drechsler Emanuel L. Einstein der Bereinsordner in den Lernnächten , Kürsch »er Moritz Einstein der rührige Ordner bei Kranken- und Todesfällen und vor allem die Kassierfamilie Henmann. Schon der Großvater Hirsch Heumann brachte nach den Akten der Chewra besonderes Interesse entgegen; dessen Sohn Jmannel Heumann führte in anerkannt guter Weise die Kassengeschäfte von 1858 bi» 1896 und seit dieser Zeit leitet dessen Sohn, Heinrich Heumann, nunmehr ein 77jähtiger, der Familientradition getreu dieses Amt mit gleicher Gewissenhaftigkeit, Trene und Selbstlosigkeit. An der Spitze des heutigen Ausschusses steht als Ehrenmitglied und Senior, der hoch ehrwürdige Rabbiner a. T. Tr. L. Treitel, der trotz seiner 83 Jahre mit jugendlicher Beqei'te rung und heiligem Feuer das Vereinsschifflein steuert urft» mit Patriarchenwürde seine Legrvor träge leitet. Ihm treu zur Seite steht der schon oben genannte Kassier Heinrich Henmann iind außerdem die Herren Jonas Weil, Siegfried Kurz und der Verfasser diese; Berichts. Als Ehrenmitglied zählt der Verein auch den großen Phklantroxe», unsren hochverehrten Lands mann Earl Lämmle Reivyork. Möge der Verein mit Gottes Hilfe und Segen auch weiterhin ebenso hilssbercite Männer, wackere Führer und treue Mitglieder finden, wie die oben genannten, zu deren ehrendem Andenken diese Zeile» geschrieben worden sind. W. KAHN, Laupheim. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Wie a» anderer «teile dieser Nummer schon milgeteilt, sindet am II. November d. Js. eine freier aus Anlaß des öt, jährigen Bestehens der Israelitischen R e I i fl i o lt » » W e 11 f d) a f t E.B, Stuttgart, statt. Wir machen auf diese bemerkensun-rtc Verunstaltung, zu der die Mitglieder der Israel. ,ReligionSgemeinde Stuttgart herzlich eingeladen sind, besondets auscherkiam. Ein gut geivähltes Programm, das, neben künstlerischen Tarbietungen, einen Bortrag des bekannten Rabbiners Tr. Esra Munk, Berlin, über „K u l t u r a u s st i e g und Tradition«- t'eei, e" vorsiehi, wird den Festabend einleiten. (Liehe Inserat «eile 183.) «tuttgart. Am 15». Oktober tagte hier aus Einladung des Vereins Jüdisches Lchwesternheim Stuttgart der Tentsche Verband Jüdischer Krankenp s l e g e r i » n e n. Tie Tagung war von auswärts beschickt durch: Berlin (Berthold Kirstein >, Breslau (Geh. Justizrat. Goldfeld), Frankfurt a. M. (Sanitätsrat Tr. Alfred Günzburg und Sanitätsrat Tr. Teutsch), Hamburg (Pros. Tr. Korach), München (Lazarus Baer, Tr. Mar Weißbach), Nürnberg (Rechtsanwalt Fritz Josephsthal,, Würzburg (Kommerzienrat Alfred Braun schiveiger). Bon Stuttgart waren alle ortSanwesenden Mitglieder des BerwallungSrates erschiene». Tie Verhandlungen unter dem Vorsitz von SanitälSral Tr. Günzburg und Rechtsanwalt Tr. Gunzenhauser, Stuttgart, nahmen einen sehr anregenden Verlaus und boten den Telegierten reiche Gelegenheit zu einer überaus wertvollen Aussprache in allen die Krankenpflege berührenden Fragen Es gelangten folgende Resolutionen zur einstimmigen Annahme: „Ter Deutsche Verband Jüdischer Krankenpflegerinnen betont gemäß alter Tradition erneut den ethisch-charitalive» Charakter der angeschlossenen Vereine. Auch seine Schwestern sollen getragen sein vom Bewußtsein ihrer Verpslichtungen gegenüber Verein und Oessentlichkeit in Berufsarbeit und Lebensführung." „Ter Deutsche Verband Jüdischer Krankenpflegerinnen erklärt es im Hinblick aus die Art der Tätigkeit, der seinen Vereinen (Mutter-Häuser) angehörigen Kranken Pflegerinnen für unmöglich, den Achtstundentag für die Privatpslege seiner Schwestern einzusühren und beantragt diese ebenso wie die Krankenpfleger in Krankenhäusern von einer derartigen Bestimmung auszu schließen." Tie Diskussion über den ersten Punkt war eine sehr lebhafte und gab (Gelegenheit zur AuseinckNder setzung über den vom Referenten Teutsch warm vertretenen Standpunkt des» Festhalten« an de» alten Traditionen. Insbesondere war es der Berliner Vertreter, welcher der modernen Richtung sehr da« Wort redete.. Tie Versammlung war aber in der Mehrzahl der Ansicht, daß ein jüdisches Mädchen, welches den Schwesterberus ergreift, sich gewisie Entsagungen ansznerlegen habe. Zur Erhaltung de« ethisch charitativen Charakters sei vor allem das Beispiel, wirksam, wie es von der Oberin und von der Verwaltung der Schwesternheime ausgehe. Ter Vorsitz des Verbandes bleibt weiterhin dem Frank surter Verein anvertraut, nachdem Sanitäts-Rat Tr. Günzburg auf einstimmigen Wunsch der Anwesenden in dankenswerter Weise sich bereit erklärte, den Bor'itz weiterzusühren. Tie Tagung fand im hiesigen Heime statt, da« die Bewunderung aller (Käste fand. Auch die Bewirtung der Gäste am Vorabend und am 'Haupttag befriedigte dank der liebevollen Fürsorge der dem Berivaltiingsrat angehörenden Tamen allgemein. Stuttgart. Vortrag im W ü r 11 e m b e r g i s ch - Hohenzollernscheu Landesverband des Jüdischen Frauenbundes. Als Vorstand»»»:- glied des, Bundes deutscher Frauenvereine war Frau Beltin.q Brenner, die erste Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes, zur Hauptvorstandsiitzung des Bundes deutscher Frauennach Stuttgart gekommen. Ter Würit.-Hohenz. Landesverband und der Stult garter Stadtverband de« Jüdischen Frauenbundes nahmen die günstige Gelegenheit wahr, Frau Brenner anläßlich ihres Aufenthaltes in Stuttgart zu einem Bortrag zu bitten, den sie bereitwilligst übernahm. Obgleich der Vortrag an einem Sonntagnachmittag stattsand, war er von den Frauen Stuttgarts und des Lande« über Erwarten gut besucht. Das Thema, „Gegenwartsausgaben der jüdischen Fra u", schilderte da« Arbeitsprogramm, dessen Turchsührung Gegenwart u. Zukunft von der jüdischen Frau erwartet. Tie Hauptaufgabe der jüdischen Frau erblickt die Rednerin darin, da« jüdische Familienleben zu beleben 'und zu beseele». Im Zeitalter des Mechanismus ist edie Ausgqbe der Frau, wirkliche Kultur ins häusliche Leben zu bringe» und in der Erziehung der Kinder das Ideale und da« Jüdische zu betonen. Tas Programm de» jüdischen Frauenbundes sind die (Kegenwartsausgaben der jüdischen Frau. Tas Programm kann kein festliegendeS sein, es ist vielmehr wandelbar und de i zeitlichen und örtlichen Verhättnif'eii und Bedürsnijsen anzupasien. Neben der Erziehungsarbeit sieht der Frauenbund in der Betätigung und Förde rung der (Kesundheitsjürsorge und der nackigeheiisen Fürsorge sein reiche« Arbeitsgebiet. Ter Fronenbuiid ha! in Wyk'auf Föhi ein Heim für tuberkulös (Ke sährdele ins Leben gecusen. Ein zweite» Hau» konnte jetzt hinzuerworben werden, das zu Jsolierzvekeu dienen Wirt. Ta» Heim nimmt Kinder vom zweiten Lebensjahr aus, ist auch für Winterkure» sehr zn ein psehlen und wird hygienisch und erzieherisch mustergültig geleitet. Ter Pensionspreis beträgt pro Tag 1 Mark. Tie eigentliche soziale Arbeit des Frauenbundes be ginnt bei der Fürsorge sür die schwangere Frau. Tie Sänglingssürsorge, die Fürsorge sür das uneheliche Kind, die Erziehung d.'s Kleinkindes, die Betreuung des Schulkindes, die (Kesährdetenfürsorge, die Berns» beralung, Berussumschichtung soivie die Füriorge sür die berufstätige Frau und für die alten Leute iind soziale Ausgaben, bei denen die Mitarbeit der Fra» eine Nottvendigkeit ist. Tie kulturelle Ausgabe, die der jüd. Frauenbund zu leistet hat, ist die Aktivierung der jüdischen Frau. Nicht nur durch Zahlung eine» Beitrage», sondirn durch Mitarbeit an den Ziele» de» Bunde» hat die jüdische Frau ihre Mitgliedschaft am Bunde zu beweisen. Ter jüdi'che Frauenbund ist die Plattform, aus dem Jüdinnen aller Parteien, aller Richtungen zusammenarbeiten. Ter Bund ist frei von jeder Parteipolitik. In der Aktivierung uvd ftmeuitvierung der jüdischen Frau sür alle sozialen Aus gaben sowie in der Betätigung für da» Judeiltum und in der jüdischen (Kemeind: besteht,die kulturelle Arbeit der jüdischen Frau. Tie Frauen sollen die Mütter der (Kemeinde sein und sollen da» frauliche und das seelische Moment in die (Kemeindestude tragen. Ter Porttag, der gerade den noch uninteressierten Frauen viel Neue» und viel Anregung brachte, wurde mit großem Beifall ausgenommen und veranlaßte eine aussührliche Aussprache besonders über das Frauenwahl recht in der (Kemeinde. Tie aktive Mitarbeit der jüdischen Frau in der (Kemeinde wurde von den an wesenden Frauen befürwortet. Tie Frau ist steuerpflichtig wie der Mann, ist politisch wählbar und be sitzt in vielen deutschen jüdischen (Kemeinden da» aktive und da» passive Wahlrecht. In Württemberg ist jedoch der jüdischen Frau da» passive Wahlrecht für die (Ke meinde noch vorenthalten. Es wurde eine Resolution gefaßt, daß der Wärt!. Hohe,iz Landesverband eine Eingabe der Landesversammlung einreicht, der Frau da» passive Wahlrecht in der jüdischen (Kemeinde zu gewähren. M. K. Stuttgart. Am 15. Oktober d. I». veranstaltete die Stuttgart-Loge (U.O.B.B. - ihre erst: öisentliche Lozensitznng. Für diesen Abend war Alsred Treif u ß gewonnen worden, der Proben aus der modernen jüdischen Tichtung vortrug. Aus dem abwechslungsreichen Programm seien folgende Tarbielungen erwähnt: Eine fleine Skizze „Tas jüdische Städtchen" von Joseph Roth, dem bekannten Autor der Romane „Flucht ohne Ende" und „Hotel Savoy" und ein (Kedicht de» Elsäßer jüdischen Tichters Iwan Goll, von Alsred Treifuß ergreifend gestaltet. Besonder« interessierte ein Kapitel aus dein noch unveröffentlichten Roman „Lank Roilschwanz" von Jlja Ehrenburg. Diese» Kapitel behandelt Erlebnisse des Titelhelden in der Filmwelt und stellt eine glänzende Abrechnung des Tichters mit dem Ufa-Konzern dar, der Ehrenbnrgs Roman „Tie Liebe der Jeanne Ney" ohne Erlaubnis de» Tichters verfilmte. Alfred Dreifuß rezitierte ferner Tichtungeü von Zweig. Wersel. Toller und Notzellen der einheimischen Dichter Leopold Marz und Karl Lieblich. Ter Vortragende zeigte sich als ein geschmackvoller, sicherer Rezitator, der die verschiedensten Tichtungen vom grotesken Humor bis zum dramatischen Ernst meisterte. Tie zahlreich erschienen Hörer dankte» niit lebhaftem Beifall. Stuttgart. Verein Jüdische« L rtp; hau« Stuttgart. Ta» wegen .plötzlicher Erkrankung von Tr. Marti» B u b e r verschobene erste Zwiegespräch mit Wilhelm Michel über „Religion und Volkstum" sindet nunmehr am l. November d. I«. statt. Tiefe für Stuttgart wohl erstmalige Veranstaltung hat, wie aus dem Sartenverkaus Ersichtlich, da» Inter esse weiter Kreise ansgelöst. Mandarf aus den Abend umsomehr gespannt sein, als uns in Buber und Michel zwei Männer entgegentreten, deren Werk für die geistige Haltung unserer Zeit richtunggebend ist. (S. Inserat.) Stuttgart. Berthold Auerbach-Verein. Am 16. Oktober d. I«. sprach Konsul Map Straus vor einer zahlreichen Zuhörerschaft über „T i « r a >-1 i u » d BiOXULTRA ZAHNPASTA 4

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