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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-11-01 · 15 (1.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
15 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
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— 182 - 10 Jahre hebräisches Theater »Ha bim ah' In diesen Tagen begeht da» berühmte Msskauer Jüdische Theater ..Habimah". da» durch seine mit geradezu beifpiettase« Erfolg absolvierten Gastspielreisen dnrch Evropa ebenso in der nichtjüdischen »ie in der jüdischen Welt sich einen Namen gemacht hat. da» Jubiläum seines -ednjähriqeu Bestehen». E» hat sich ein Komitee gebildet, da» sich die Förderung und Licherstellunq de» hebräischen Theater« zur Aufgabe gemacht hat. Diesem Komitee gehören al» Ehrenmitglieder bedeutend« deutsche Lchriftfteller. Lchauspieler und Kunstfreunde an. da» Ehrenpräsidium hat Pros. Mar Reinhardt übernommen. Die ^labimäh". deren Stuttgarter Gastspiel noch in bester Erinnerung ist. ist vor einiger Ieit nach Palästina gereist und gibt dort eine Reihe von Gastspielen. Mochte die ..ikadimah" schon in Europa großen Einbruch, so wurde sie von der palästinen» fischen Bevölkerung mit ungeheurem Enthu^ siasmus und Jubel begrüßt. Bei den ersten Darstellungen waren sämtliche Eintrittskarten in Jerusalem und Tel-Lviy innerhalb von 2 Tagen ausoerkauft. Da» Publikum, nicht nur da» bürgerliche, sondern auch vor allem Arbeiter, die au» der Umgegend in die Ltädte strömten, staute sich im Gedränge - vor den Theaterkartenbüro». (Liehe Bild) In ^Palästina gibt e» 3 ständige hebräische Bühnen, darunter eine Cper. Die Vorstellungen finden abwechselnd in verschiedenen Ltädten statt. Die Arbeiter-Bühnen-Truppe ,.Ddel" durchzieht die Liedlungen und veranstaltet Aufführungen in den Gemeinschaft». Häusern und Barachen der Kolonien.Ebenfall» Darbietungen, die auf einem hohen Kunst lerischen Niveau stehen. n v *- HÄ BMA Hallet, in drin herkömmlichen Hortrag der Freitagabendpsalmen, in der Rezitation des Liedes am Mecce iExodus lf>), vor allem aber in der üblichen Vortragsweise der Bußgcbele und eines ivesentlichen Teilen der Gebete des Neujahrs und des Verjölmungstagcs ist diese Gebetsvor tragssorm cebalten geblieben, die übrigens auch srnlier k»r das Schma Anwendung gesunden. Ter Vorbeter ist ja nicht ein Geistlicher, sonder» - der Vertreter der Gemeinde Scheliach zibbun, >. der im ''ifliitfii der Gemeinde die Gebete zum Vortrag bringt. Tamil ist in den Gottesdienst ein Element der Unrube getragen, das sich auch im Millingen nedeniungsvollec G.b.tstclie» knndgibt. Tiefe Anicilnalnne der Gemeinde ist aber kein Mangel, sondern ein unveräußerlicher Vorzug de? indischen Golicsdienstes. Tie Gemeinde ist in ihm aktiv, miitälig, sie sagt und singt einen ivesentlichen Teil der Gebete. Sie i|t nicht nur - untätiger ^iiliörcr. Tas mag dem nichtjüdischen Beiucher des jüdischen Gottesdienstes aujfallcni das mag auch Inden störe», welche die seierliche Nuiie der 'Gemeinde im christlichen Gottesdienste betvundern. Ein ebrticher Freund des Juden inines wird aber diese Mitwirkung" der Ge mkinde^als eine der schönsten und ebrwürdigsten aiariachen nicht missen wollen. Selbstverständlich dars dieses Miilun der Ge ineinde nicht ausärlcn. Tie Beter müssen sich j aii die Melodien und an die Bortragssorm der «Gemeinde ballen. Tarüber hinaus ist aber das ' Milbeie» der Gemeind.' geschichtlich begründet und sachlich gerechlsertigt. Aber liegt es nicht doch an dem hebräischen Gonesdienst, dast die Unruhe im jüdischen Gok kesHause so gross ist? In es nicht doch un natürlich, dast die (Gemeinde in einer Sprache betet, die nur von den Wenigsten ganz ver standen wird? Hier gilt cs gegen einen Grund ■irv:»in Einspruch zu erheben. Es ist ein Grund irrtum. dast die Juden hebräisch „beten". Jeder Mensch betet in der Sprache, in der er denkt und süblt. Es wird stets eine Ausnahme bleiben, dast ein Jude sein persönliches Anliegen vor sein.',» »'-otie in die hebräische Sprache überträgt. Er lvird rs vielmehr in der Sprache äußern, wenn -er rs überhaupt iu Worte kleidet, die ihm naturgegeben ist, und das ist die Mutter spräche. Alle Andacht besteht ja dem Wortsinne nach vorerst und vor allem in dem intensiven Tenken an Gon, an das Gute und an die Werte der Religion. Nicht das Geber der Juden, son der»' der jüdisch- Gottesdienst* ist herkömmlich hebräisch. Es wäre ja auch Unnatur, etwa die Psalmen oder das Schristwort in einer lieber sepung vorzuiragen. Es liegt m der Eigenart des Hebräischen, daß keine Ueberseyung ihren Geistgeball wiederzugeben, vermag. Es gibt bis zur Stunde noch keine ausreichende lleberseyung . der Psalmen, der Thora, der Gebete aus Israel. Aber andererseits gibt es kaum ein Gebetbuch, in dem nicht neben oder^unter dem hebräischen Texte die Ueberiragung in der Landessprache abgedruckl ist, die es dein Gotteshausbcsucher mindestens ermöglicht, dem Gottesdienst mit Per ■ ständnis zu folgen. Tas gilt auch für die Schritt Vorlesung, dos Herzstück des jüdischen Gottesdienstes. Es wäre ein unentschuldbarer Bruch mit einer großartigen geschichtlichen Ueberlieserung, die Urtexte durch irgend eine Uebertragung er setzen und verdrängen zu wollen. Tie hebräische Sprache ist aber nicht nur die geschichtliche Sprache unserer Gottesverehrung, sie ist auch das unsichtbare Band tifm* alle jüdischen Gottes gemeiiiden der Erde. Wer einmal im fremdsprach lichen Auslände am jüdischen Gottesdienst teilge nommen, der wird das anheimelnd Heimatliche der hebräischen Sprache tief erlebt hab.n. Nur an sehe wenige» Stellen wird im jüdischen Gottesdienst der Hymnus Gebet.' Aber selbst an diesen wenigen Stellen ist das Gebet unpersönlich, Genre.nde.i te nicht Indvdualgb.t TieeCige.i arr des jüdischen Gottesdienstes ist sein besonderer Adel. Er artet nie in Bettelei oder in ein selbstisches .Heischen und Feilschen mit Gott aus. Er will das Begehren zügeln und das Nurreligiöse | steigern. Was Mose, Tavid, Solomo gebetet, kann ja gar nicht das Gebet meiner Seele sein. Es ist aber ein feinfühlige? Vorspiel, eine Vorbereitung auf das Hohelied des inneren Gebetes, das wortlos sein kann und trotzdem tief, groß und heilig. Tas ist wohl die Erklärung für den Brauch der „früheren Frommen", die vor und nach dem Gottesdienst eine Zeit lang schweigend im Gokteshause verharrten. Tie'es beredte Tie Israelitische Re igionszese.ljchajt seie.n am ll. November ds. Is. die 50. Wiederkehr ihrer Gründung. Sie begeht dieses Jubiläum durch einen feierlichen G'ttesdienst in ihrem Betsaal am >0. Nov. und durch einen Festabend am 1l. Nov. im Oberen Museum. Tie Isr. Religionsge'eilschaft wurde am 15. Juni 1878 gegründet. Nur wenige Männer in der Stuttgarter Gemeinde waren damals von dem Gedanken beseelt, daß die Zukunft des Juden tums nur durch unverändertes Festhalten an dem von altersher überlieferten Thoragesetz ge währleistet ist. Tie Reform im Judentum, die da mal? ihre Blütezeit hatte, gefährdete nach ihrer Ansicht den Fortbestand des jüdischen Glaubens,' sie erblickten in den Reformbestrebungen eine Ge i fahr für ihre eigene religiöse Ueberzeugung und für die Erziehung der Jugend in der Tradition der Väter. Nicht Mangel an Gemeinschaftsgefühl war es, der sie als Mitglieder der Gemeinde veri an laßte, sich in religiöser Beziehung von der Mehrheit dec Stuttgarter Judenheit zu trennen, ihre religiöse Ueberzeugung zwang sie zu diesem Schritt, ohne daß sie eine vollständige 1 Trennung herbeiführen wollten. Tie blieben Mit- Schweigen war ihr silent worship, ihr innerer Gottesdienst. Nur wer dieses stille innere Beten nicht kennt, wird den Gottesdienst mit ihm verwechseln können. Soll also der Gottesdienst die Rüstung der Seele auf das innere Beten sein, dann müssen in ihm besonders solche Stoffe Verwertung finden, die diesem Zwecke zu dienen vermögen. Aber selbst solche Stücke, die dem Fühlen und Empfinden der Gegenwartsmenschen nicht voll entsprechen, finden ihre Rechtfertigung als historisches Erbgut der Gemeinde. Vielleicht wird eine spätere Zeit gerade diese Stellen als wertvolle Erinnerung höher werten. Es ist eben nirgends mehr Rücksicht auf Unwägbares geboten als bei der Ausgestaltung des Gottesdienstes. Ihr Weisen seid vorsichtig mit euren Worten. . . der Name Gottes könnte gar zu leicht durch euch entheiligt werden. glieder der Gemeinde, hielten nur ihren eigenen G'ttesdienst ab. Ihr Streben war darauf gerich tet, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wurde, ihren religiösen Verpflichtungen im Haushalt und in d^c Familie in vollem Umfang nachzukommen, daß ihren Kindern der Religionsunterricht in ihrem Sinn erteilt werde. Tie Gründer der Isr. Religiönsgeseilschaft waren die Herren Berlinger, Max Carlebach, Nathan Carlebach, Hermann Gutmann, Haas, F. M. Kahn, I. Landauer, T. Levi, M. Loewe, H. Loewe, zu denen bald darnach die Herren Moritz Carlebach und Veit Merzbacher hinzukamen. Der erste G'ttesdienst wurde am Schabbos nach Schowuaus in einem Betlokal in der Holzstraße aügehalten, das sich nach kurzer Zeit als zu klein erwies und nach Olgastraße 68 verlegt wurde. Bald wurde auch ein Lehrer angesteUt, dem der Unterricht, das Borbeten und die Schechitoh übertragen wurden. Erst späteren Zeiten war es Vorbehalten, durch die Anstellung eines Rabbiners für die geistigen Bedürfnisse der Gemeinde in erhöhtem Maße zu sorgen. Rabbiner Dr. Ansbacher (z. Z. Wiesbaden) war von 1919 bis 1925 der erste geistige Führer der Gemeinde; seine Zur Jubelfeier der Israelit. Religions Gesellschaft Stuttgart. 1 Dutzend « — 13 Paar! Wenn Sie bei mir im Laufe e ne^ Jahres 12 Paar Strümpfe kaufen, so erhalten Sie 1 Paar gratis im Werte des gezahlten Durchschnittpreises, ganz nach Ihrer Wahl. Benutzen Sie also fleißig meine Strumpf-Sparkarten, dann ist auch für Sie 1 Dutzend ■ 13 Paar I STUTTGART MODEWAREN SEID E N STOFF E WILHELMS» AU M ARIE N S T BASSE

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