Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 14 (16.10.1928)
- Date
- 1928-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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- 170 - Leo Tolstoi und Berihold Auerbach. Zum 100. Geburtstag Leo Tolstois. Von S. Meiseis. Bei seinen Lebzeiten war Berthold Auerbach, der Schöpfer der deutschen Torfnovelle, in der ganzen ziil gierten We r berührt Leine Schwär Wälder Türsgeschickten wurden jasr in alle leben den sprachen übersetzt und überall mit Be geislernng ausgenommen. Im „Magazin sür die Literatur des Auslandes" (vom 8. Tezember 1S;V-, '}}r. 147 sinket sich ein Artikel „Tic Schwarzwälder Torfgeschickten im Auslände", aus dem wir ersehen, welche ankerordentliche Per brcimng und freundliche Aufnahme diese Ge schichten in; Auslande gesunden hatten. Professor Wbcwell in Cambridge Head Master of the Tri »ich College übersetzte sie ins Englische. Eine zweite vollständige englische Uebersetznng lieserre Meta Taylor. In Frankreich wurden die Torf gesch.icliten der Hachetteschen Bibliocheque des che inins de fei cinverleibt: austerdem erschierien in Belgien uni in der Schweiz zwei vortreffliche Ueberjetzungcn der „Eontes Pillageois de la Fo rer noirc . Auck eine vlämifche lleaertragung er schien >in Belgien und eine holländische in Te ventcr. Tie beste französische Uebcrsetzllng hat Alphonse Leroy in Lüttich geliefert. Außerdem ii'urtti! c Schriften Auerbachs ins Russische Polnische, Ungarische, Tänische, schwedische, Ita lienisch.e und Hebräische übertragen. Bemerkens wert ist, daß zur Ieit, als die sogenannten Man! sträver Svrachi'ireber in 'Norwegen den ersten Persuch machten/ das Norwegische zur Schrift sprach» un> zugestalten, die Erzählung Berthold Ai erbachs „Ter Lenhold" unter dem Titel „Slrerboi.deu og Hans Loner" vow Ostgard in Cliristiania als zweites . Buch in norwegischer Sprache erschienen ist. Welche Anerkennung Auer Vach i» England fand, geht aus einem Urteil der „Times" hervor, die »ach dem Erscheinen des erst»., Bandes der Torfgeschichten schrieben: „Turn: die Ueberseyung des 'Ivo der Hayrle' har e-.- sich ausgeglichen, daß Goldftnichs Bicar os Wakesielt' in Teutschland ein einheimisches Buch geworden ist." Wem es bekannt ist. wel cher Wertschätzung das Buch Goldsmiths sich in England erfreute, wird diesen Vergleich als das schönste Lob, das ein englischer Kritiker spendet konnte, ansehen müssen. Wie hoch Auerbach, im Inselrcicl! geschätz. wurde, üeiveist auch die Tat sach-e. daß im lürimkrieg eine englische Osescli schai: den im Felde stehenden Soldaten zu Weih nachten eine Sammlung von Büchern schickte, niner denen sich die übersetzten Torfgeschichten alda einzige ausländische Werk befanden. Auch Aiieroaci s Romane und Erzählungen wurden vie. fach überseht und überall in der We.t viel gelesen. Tie Berühmtheit Berthold Auerbachs wird aber am ich^men durch folgendes interessante Bor kominnis illustriert. Im Jahre 1851 veröffent lichte Berthold Auerbach seine Erzählung „Neues Ccbrn' Tarin wird die (beschichte eine? (Grafen Enge.! Ialkenberg erzählt, der unter den Namen Enge,, Baumann ein neues Leben beginnt. Graf Fallender,-. ist fürstlicher Herüinst und ein höhe reu Idralen zustrebender Mann. Er hak sein altes Lesen von sich geworsen, ist von der Höhe seiner sürillichen Macht niedergestiegen in die „Be schränkung der 'Bauernwell' und ist rin Torf jchuln,einer geworden. Er, der gewesene Jesuiten schüler und ehemalige Offizier schließt sich im Jahre 18ls den badiichen Frcischaren an. Er ge rät in Kriegsgefangenschaft. Es gelingt ihm, vor; seiner Verurteilung zum Tode zu entfliehen. Da begegnete er in einem Torfe einem Schulmeisterlein, Eugen Baumann mit Namen. Und es trifft sich gerade, daß unser Schulmeisterlein europamüde ist und nach Amerika auswandern möchte. Ter Graf gib: ihm die Mittel für die Auswanderung, inde. er selbst als.Baumanns „Tauschmann in Europa bleibt. Gras Falkenberg nennt sich fortab als schlichter Schulmeister Eugen Baumanil und arbeitet nun mühselig an seiner Selbfterziehung und an der Erziehung des Bauern vvlkcs. Ties ist in knappem Umriß der Inhalt der Auerbachschen Erzählung. Es war zehn Jahre nach dem Erscheinen dieser Erzählung, da trat eines Tages ein Fremder in Auerbachs Iimmcr mit den Worten: „Ich bin Eugen Baumann." Berthold Auerbach erschrak ein wenig, denn er dachte, ein Mann, der im wirklichen Lcocn Eugen Baumann hieß, wolle ihn wegen Rameusmißbrauchs vor (Bericht laden. Toch der fremde Besucher beruhigte ihn bald. Er erzählte de n Schworzwalddichter, er sei ein ausländischer Graf, der genau wie Eugen Baumann oder eigentlich wie Graf Eugen Falkenberg auf seinem Gute eine freie Volksschule gegründet habe, er sei selbst ein Torfschulmeister geworden, der die Baucrnkinder unterrichte, kurzum, er sei ein wah rer Toppelgänger Eugen Baumanns. Der seit same Besucher war Graf Leo Tolstoi. Es war mehr als eine höfliche Verbeugung vor de., damals - so berühmten Verfasser der Schworznälder Torfgeschichten, wenn Graf Leo Tolstoi auf seiner Reise durch Teutschland Berthen» Auerbach in seinem Dresdener Heim aus . suchte und sickihm als „Eugen Baumann" vorstellte: Tolsto: führte sich unter diesem Namen ein, weil er in Wirklichkeit als ein Doppel, gäuger de Grafen Eugen Falkenberg angespro chs.l werocn durfte, weil in ihm die erfundene Gestalt de? Dichters lebendig in die Erscheinung trat. Gleich de.n Helden in der Auerbachschen Er zählung war auch Graf Tolstoi in die Be grenrtheit der Bauernwelt hinabgestiegen und Halle auf seinem Guts Iasnaja Poljana freie Volksschule,^ gegründet, in denen er persönlich die Bauernkinder unterrichtete, Fibeln, Rechenbücher. Grainmatilen für sie verfaßte und vor al.em das Samenkorn des Guten in die jungen Banernhcrzen zu pflanzen versuchte. Lev Toststoi hat bekanntlich in seinem Leben nur zwei Auslandsreisen gemacht, die erste im Jahre 1857, die zweite vom Juli 1860 bis April 1861. Auf der zweiten Reise besuchte er zweimal Berthold. Auerbach in Dresden. Im Juli 1860, bevor er nach Paris und London ging, hielt sich Tolstoi in mehreren deutschen Großstädten aus, um sich mit dem deutschen Volks fchulwefen bekannt zu machen, und fuhr dann von Berlin über Leipzig nach Tresden, um dem von ihm verehrlen Schwarziralddichter einen Be snck abzustatten. Mitte April trat er die Rück reise nach Rußland über Teutschland an und sprach abermals bei Auerbach in Dresden vor. Es verdient angemerkl zu werden, daß für Tol stoi die Bekanntschaft mit den Fröbclschulen und die- Begegnungen mit Auerbach den stärksten Ge winu dieser zweiten Auslandsreise bedeuteten. Es ist bekannt, und man kann es in den meisten Tolstoi Biographien Nachlesen, daß der Dichter .der Torfgeschichten als erster Leo Tolstoi zur Bolksbelehmng angeregt hatte. Es ist ferner sicher, daß unter den deutschen Schriftstellern jener Tage kein zweiter einen solchen nachhaltigen Einfluß aus den „größten Schriftsteller der russischen Erde" (wie Turgenjew Leo Tolstoi nennt) ausgeübt hat, wie Berchold Auerbach. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland begann Tolstoi von neuem und in einem neuen Geiste seine pädagogische Tätigkeit; damals schrieb er seine erste Abhandlung „Ueber Volksbildung. Die Bermutung liegt nahe, daß Tolstoi auch zu seinen herrlichen kleinen Volkserzählungen durch Auerbachs „Schatzkästlein des Gevattersmanns" angeregt wurde. Auf eine bisher wenig gekannte oder nicht genügend beachtete Einflußnahme Auerbdchs auf Tolstois Denkweise weist Romain Rolland in seinem Werke „Das Lcken Tolstois" hin. Man kennt Tolstois Anschauung über die Musik; die Musik ist ihm ein Dämon, der die Sinne erregt und den Menschen mft sich selbst entzweit. Romain Rolland ist nun der Ansicht, daß sich auch hierin der Einfluß Auerbachs bemerkbar mache. Rolland schreibt: „Je älter Tolstoi wurde, um so mehr fürchtete er die Musik. Ein Mann, der Einfluß auf chn hatte, Berthold Auerbachs den er im Jahre 1860 in Dresden besuchte^ bestärkte ihn zweifellos in dieser Auffassung". In einem Briefe vom 21. April 1861, worin Tolstoi über seinen Besuch bei Auerbach nähere Mitteilung macht, heißt es nämlich: „Er (Auerbach) sprach von der Musik als von einem pslichtlosen Genuß. Nach seiner Ansicht führte sie zur Verderbnis." Mithin hätte der Einfluß Auerbachs aus Tolstoi bis auf die -„Sreutzersonate" und die Schrift „Was ist Kunst?" fortgewirkt. (Aus den, ltzeiueindeblatt der Jüd. Gemeinde Berlin.) Wo sollen wir Sport treiben? Boa stad. jar. Fritz Glück. «tattgart. Obwohl wir die Anschauungen de« Einsenders nicht in allem teilen, geben wir seinen Aussührungen doch gern« Raum, zumal das angeschnittene Thema z. Zt. auch in der Stuttgarter Jugendbewegung aktuell ist. D. Red. In Nr. 12 der Gemeindezeitung erschien ein Artikel von Lutz Themal, Pforzheim, mit dem Titel „Wo sollen wir Sport treibend, zu dem ich mir folgende Erwiderung gestatte: Bericht des Israelitische» FürsorgeamteS über de« Monat September Sprechstunden der $Srfergcrta: ”‘“9'! °°-». 9X-HK m, Mittwoch, Freitag nachm, von 3—5 Uhr Da? Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat September unter Mitwirkung der angeschlofsrnen Wohltätigkeitsvereine folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen.M, 1012.08 Einmalige Unterstützungen.* » 285.16 NeujahrSgaben. 740.— Gesundheit-- und Erholung-fürsorge . . ., 788.13 Anstaltsfürsorge. 227.30 Durchreisend«. 110.76 An 14 Erwachsene und 2 Kinder worden insgesamt 65 Kleidung-» und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhirU da- Fürsorgramt Mk. 870.— von: Frau Freudenthal, statt einer Kranzspende für ärau Gußmann, Firma Glaß & Wel-, anläßlich ihrer eschäft-erbffnung, Herr» Leo Goldschmidt, Herrn Albert Mayer, Herrn Karl Merzbacher, Neujahr-speade, Firma Gebr. Marx. Herrn Herbert Riese, Neujahrs» spende und Jahrzeitspende. Herrn und Frau Ifidor Rothschild, Neujahr-fpeudr. MODEWAREN SEIDENSTOFFE STROMPFE NEUHEITEN IMNIR »KI STUTTGART MODEWAREN« SEIDENSTOFFE WIlHElMSIAU M AllENSTRASSE