Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 13 (1.10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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ailllllllHIIIIIIHIIIIIHIIIMIIIIMIIIHIIIMimilllllllllllllllllllllllllMIMIIIMIIIIIIÜ | Modenhaus I I 1 Stuttgart, FOrstenstr. 1 | |3QU | Gegenüber der Hauptpost, am SchloBplatz i Bekanntes Einkaufs-Haus für gediegene § i Damenbekleidung und Wäsche, mit leistungs- | § fähigen Spezial-Abteilungen. Strümpfe, seii i dene Unterwäsche, Trikotagen, Schürzen, | § Badewäsche, Strickwaren usw. Große 1 i Spezial-Abteilung für Harraa-Artlkel | I Bielefelder Hemden ✓ Feine Unterzeuge I | Kravattfens Kragen/Pyjamas /Taschentücher | niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiMimimiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiNiiiiii; liefe wertvolle Einrichtung wird i» andere» ttonfeffiotien schon lange gepflegt. Tie Entlohnung für das ungelernte Mädchen soll neben freier kost und Wohnung und freien Kaffen (Ortskranlenkaffe, Invalidenversicherung) im 1. Halbjahr ra. 5 Mark monatlich — als Taschengeld gedacht --- betragen, im 2. Halbjahr 10 bis 20 Mark, je nach Leistung. Nach dieser Zeit künn das Mädchen ein Zeugnis des Stadtverbandes des jüdjHhen Frauenbundes bekommen, das, falls es das Gelernte als Berus verwerten will» gewiß förderlich für es fein wird. Ob der Lehrvertrag schriftlich abgeschlossen, ob Familienanschluß gewährt wird etc. bleibt genaueren Abmachungen unter der Mithilfe und Beratung des jüdischen Frauenbündes Vorbehalten.' Wir bitten Hausfrauen und Lehrtöchter, die sich für diese Sache interessieren, sich, ivenn auch vorerst nur informierend, mit Adressenangabe zu wenden an unsere Schriftführerin, Frau Bertha Blume n t h a l, Stuttgart, N e e s st r . 6. Ter Stadtverband des jüdischen Frauenbundes ist auch bereit, ,Lehrstellen für Knaben und Mädchen, für letztere z. B. auch für Putzmachen und Schneidern, für Stadt und Land zu vermitteln, wenn sich Geschäfte finde», in denen neben guter geschäftlicher oder handwerklicher Ausbildung auch Kost und Wohnung, besonders in rituellen Häusern, geboten wird. Anfrage» sind auch an obige Adresse zu richten. Slollgirt. Unsere Notiz vom 16. August d. Js., be treffend das Winterprogramm des B e r I h o l d Auerbach-Vereins, muß wie folgt berichtigt werden: 8. Januar 1920 Bortrag von Rechtsanwalt Tr. Paul Tänzer: Tie Idee der Gerechtigkeit. 22. Januar 1929 Bortrag von Tirektor Karl Adler: Gedanken zur Kunsterziehung. Gleichzeitig teilen wir mit, daß am 6. November 1928 Rechtsanwalt Tr. Karl Lieblich über „Ju denhaß als Judenschicksal" im Bertho'.d Auerbach Per ein sprechen wird. Stattgart. Bert hold A u e t b a.d)» 8 e i e i ii. Tie Heimabende der erste» Programmhälste des Vereins sind diesmal von einigen Ausschußmitglieder» übernommen worden. Am ersten Heimabend wird Tr. Walter Einstein über „D > e letzten jüdische» Ereignisse" spreche». Konsul Max Strauß, dessen Bortrag über den „Schivarzbarth-Prozeß" noch i» beste. Erinnerung sein wird, referiert am 16. Oktober d. Js. 'über „DiSraeli und Rathen au und ihre Stellung zum Jude »tu ui". Wir emp fehle» de» Besuch dieser beiden Veranstaltungen. «Siehe Inserat Seite 157.) Stuttgart. Berthold Auerbach -Verein. Am 25. September d. Js. sprach Sladtpsarrer a. T. L a m parier, der verdienstvolle Vorsitzende des Hereins, zur Abwehr des Antisemitismus", Ortsgruppe «Stuttgart, über „Die religionsgeschichtlichen Beziehungen zwischen Judentum und Christent u m". Wenn der Redner von seiner zahlreichen Hörerschaft mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde, so darf man hierin einen Beweis für die große Sympathie erblicken, die Stadtpfarrer Lampartec auch bei der jüdischen Jugend genießt. Bielen ist das Bewußtsein entschwunden, so führte der Redner aus, daß Judentum und Christentum in innigsten historischen Beziehungen zueinander stehen. Nur zu oft wird heute übersehen, daß es Pflicht der Religionen ist, für den Frieden unter den Menschen zu wirken. Wenn schon die Böller durch die Politik den Frieden zu sichern trachten, wie muß die Religion erst sich für den Menschheitsfrieden einsetzen! Das Judentum ist die Mutter der christliche» Religion. Auch Jesus ist dem mütterlichen Boden des Judentumentwachsen; sein Glaube ist der des Alten Testaments, fein Fühlen ist jüdisch, obwohl ihn sein Volk abweist. — Run ist es für die christliche Seite unumstößliche Tatsache, daß Jesus auf dem Gebiet der Sittenlehre der Menschheit neue Wege gewiesen hat; aber viele Neutestamentler geben heute zu, daß im Neuen Testament kein ethisches Gebot steht, das nicht in der talmudischen Literatur seine Parallelstelle hätte. Stadtpfarrer Lamparter erläuterte diese Ausführungen durch den Bergleich zweier die Nächstenliebe betreffenden alt- und neutestamentlichen Texte. — Worin - 163 - [ ist nun der schwere Zusammenstoß begründet, der zum tragischen Tode des Nazareners und zum Riß zwischen den beiden Religionen geführt hat? Nach de- Redners Auffassung wendet sich Jesus gegen die Pharisäer, »veil er fürchtete, daß das Verhältnis zwischen Mensch und Gott im Ritualismus und in nüchterner Schriftgelehrsamkeit verflachen und aufgehen würde. Jesuhatte ein großzügiges Programm für sein neues Gottesreich entivorsen, während sich da» Pharisäertum be-, mühte, die religiösen Beziehungen zwischen Gott und Mensch bis ins kleinste Detail zu manifestieren. So stehen sich zwei diametrale Religionssysteme gegenüber, die »otivendigerweise zusammenstoßen mußten. Ter eigentliche Bruch zwischen den beiden Religionen wurde aber durch den Apostel Paulus herbeigeführt, der aus dem Evangelium Konsequenzen zog, die nur bis zu einem gewissen Teil in ihm enthalten waren. Paulus hat sich über die national-ritualen Schranken hinweggesetzt, indem er den ursprünglich national begrenzten Heilsgedanken zu einem universellen gemacht hat und die MessiasSee aus einem bestimmten Geltungsbereich in die Erlebnissphäre der ganzen Menschheit rückte. So blieb von den engen Beziehungen zwischen Judentum und Urchristentum nicht viel übrig, und nur das 'Alle. Testament bildete die Brücke zwischen den Religionen. Aber das Judentum ist vom Schauplatz der Religionsgeschichle nicht abgetreten. Seine inneren Kräfte waren zu stark, um es zum Verschwinden zu bringen. Im Laufe der Jahrhunderte kehrt die christliche Theologie immer mehr zum Studium de» - Alten Testaments zurück. Christliche Scholastiker find vielfach Schüler der Rabbiner; der Rafchi-Kommentar z. B. ist die lichtvolle llare Ouel'e, aus der die theologische Wissenschaft des Mittelalters immer wieder schöpft. Ohne das jüdische Schrifttum hätte auch Luther niemals eine sinnvolle Uebersetzung des Alten Testaments schassen können. Reuchlins hebräische Grammatik geht aus die Grammatik des großen jüdischen Gelehrten Kimchi zurück, und während des 16. und 17. Jahrhunderts beschäftige» sich viele christliche Theologen mit dem ta> mudischtn Schrifttum. Toch «m Hintergrund dieser wissenschaftlichen Studien steht immer wieder die Erwartung der künftigen Bekehrung Israels. - Mit der Neuzeit tritt die objektive Forschung in der Religionswissenschaft immer mehr hervor. Männer treten aus, die sich gegen die Berächtlichmachung des Judentums und seiner Literatur richten, das Alte Testament wird »oit katholischer wie von evangelischer Seite als Quelle rechter Religiosität betrachtet. Heute betont die liberale Rrchl.uug an Theologie den ideologischen Zusammenhang der Religionen und — mit wenigen Ausnahmen — wird das Studium des talmudischen Schrifttums und die Kenntnis des palästi nenfifchen Judentum» als notwendig für das Berständnis des Christentum» betrachtet. Nach Auffassung des Redners liegt der Wert dieser Bemühungen vor allem auf sittlich-religiösem Gebiete. Es ist eine tragische Fügung der Vorsehung, daß zwischen Mutter- und Tochterreligion ein Riß getreten ist. Aber eine Mutter wird von ihrem Platz in der Familie sich nicht verdrängen lassen, und auch das Judentum wird auf seinem Platze ausharren, bis die Menschen sich in einem Dienst an Gott zusammengesunden haben. Solange dies nicht geschehe» ist, wird die jüdische Religion einen Dienst haben — a n der Menschheit und unter der Menschheit. Tic Religionen müssen das Gute und Wahre in sich anerkennen und im Bewußtsein ihrer gemeinsamen Ausgabe zusammenarbeiten, um die Menschheit zum Heile zu führen. * Sladtpsarrer Lamparter hatte im Anfang seines ausgezeichneten Referates gesagt, daß es ihm ein Anliegen sei, gerade in christlichen Kreisen die Beziehungen zivi schen Judentum und Christentum aufzuhellen. Wie sehr ihn seine von strengster Objektivität getragenen An schauungen, sein tiefes Wissen und sachliche« Urteil hierzu befähigen - das hätte schon dieser Bortrag zur Genüge bewiesen, wenn wir nicht diegroße» .Verdienste des Redners um die Sache des Judentums und seine geistvollen Schriften für Aufklärung und Bersöhnung kennen würden Ter stürmische Beifall, der Sladtpsarrer Lamparter am Schlüsse seines Referates gezollt wurde, möge ihm aus« neue ein^Bcw.is dafür sein, wie sehr die jüdische Oessentlichkeit — und nicht zuletzt die jüdische Jugend — seine unermüdliche» Tienste an der Schaffung und Erhaltung eines wahrer Religionsfriedens würdigt. H. St. HEILBRONN Karl Gertler Juwelier Spaxlalltflti Bruckmann. Kaiserstr. Silber-Bestecke I I JULIUS NÄGELE SCHO KOLADENHAUS HEILBRONN a. N. Kaiser»tr. XX, Telefon 1SM Kaffee / Tee und Kakao Jf CHOLL NACHF. SCHELLENQASSE 1 Wasch- und Putzmittel Sldierer’sdie Apotheke LUDWIG SUND BR Hctlbronn a. N. 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