Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 13 (1.10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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mer einer Beschneidung u. a. nt.). — lieber die Biddui (Sündenbekenntnis) finden wir folgende interessant« Vorschrift: Wenn jemand über drei 'Lage krank ist, begeben sich einige Mitglieder zu ihm und veranlassen ihn, ein vorgeschriebenes Bebet zu sagen. Er wird dazu ermahnt, es soll ihm aber auch gesagt werden: Besser ist es, du sagst da- Gebet und es ist gar nicht nötig; wer aber die Biddui gesagt hat, nimmt bestimmt Teil an der künftigen Welt. — Verhängte Strafen für fchlend« Mitglicher werden ausgezeichnet. Streit und Hader werden registriert und auch solche Fälle, wo «in« Frage über das Ritual an den Rabbiner gerichtet wurde, finden genauen Aufschrieb. Mchrmals ist in solchen Fällen der Name des alten Riederstettener Raws Reb Mahr am genannt, welcher ein Abkömmling des Rabbi Meir von Rothenburg war. Wie das Mohelbuch den Eintritt ins Leben verzeichnet, führt das Chewrahbuch alle Todesfälle auf. Wir finden, daß die Gemeinde Archshofen mchr als ein Jahrhundert lang den hiesigen Friedhof mitbenüht hat und eine der ersten Stellen des Buches mahnt an eine alt« Sage. Rach dieser Sage soll bei einem der ersten Begräbnisse ein Knecht des Fürsten der Beerdigung eines Bräutigams aus Archshofen zugeschen haben. Als dem Toten das Säckchen Erde gu Häupten gelegt wurde, nahm der Knecht an, es wäre ein Beutel von Geld. In der Nacht öffnete der Knecht das Grab. Mitten in der Untat befiel ihn die'Angst. Er verführte ein großes Geschrei in der Stadt. Die Gemeinde ging nach dem Friedhof, holte die Leich« wicher nach der Stadt zurück pnd beerdigte sie andern Tages noch einmal in allen Ehren. Ucher diese Begebeich eit steht nichts in dem Buche. Aber merkwürdigerweise wird im Jahre 1704 die Beerdigung eines Bräutigams aus Archshosen erwähnt. Biele traurige Schicksale lesen wir Kvischen den Zellen. Bon Könbronn, einem kleinen Weiler kommt ein Bote, daß dort ein jüdischer armer Mann schwer krank liegt. Der Lehrer und einige Mitglieder gehen nach Könbronn, und der Lehrer erkennt in dem Kranken einen Landsmann — 130 - aus Feuchtwangen. Er stach und wurde hier beerdigt. Mchrmals haben müde Wanderer hier ihre lcht« Ruhe gefunden und die Ehewrah hat Gemlluch Chesed an ihnen geübt. Auch das traurige Schicksal einer armen Mutter ist verzeichnet, welche hiecher kam und welcher zwei Kinder stachen. Ein Eintrag spricht von großer Kälte und Schneesall im Jahr« 5518 (1758). Im Jahre 1766 wich hier ein Mann aus Rothenburg begraben. Dies ist deshalb interessant, weil nach allgemeiner Meinung bis zur Mitte des vorigen Jahchunderts jahrhundertelang keine Juden in Rothenburg ansässig waren. Es scheint aber doch, daß einzelnen Juden der Zuzug gestattet war. Für die Geschlechtssolge der Familien ist das Buch eine Fundgrube, besonders für den, welcher die alten Namen kennt. Die Familien Rosenthal, Strauß, Kahn, Reis, Löwenstein, Reichenberger, Wiesenbacher, Ellinger, Stern sind noch durch Nachkommen vertreten, von den Famllien Selz, Neuhöfer, Stetcheimer, Berneis, leben angesehene Nachkommen in Deutschland, England und Amerika. Besonders die Familie Selz in Chicago widmet der wüchigen Unterhaltung des Friedhofes tatkrästtg« Hilfe. Im Jahre 5608 (1848) ist der Tod der Frau Bögele Reis vermerkt, tvesche beim Schloßbrande anläßlich eines Ausstandes vor Schrecken vom Schlage gelrosfen wurde. Merkwürdigerweise ist aber im Chewrahbuch hiervon nichts vermerkt, während im Register der evangelischen Gemeind« eine Bemerkung zu finden ist. Außer dem Manne aus Rothenburg finden wir Begräbnisse von Mulfingen, Creglingen, Gerabronn. Es wird auch des Fundes einer Leiche zwischen Hollenbach und Niederstetten Erwähnung getan. Es stellte sich heraus, daß der Tote ein Jude aus Hamburg war (1852). — Ein Mann aus Markelsheim wurde hier durch einen stößigen Ochsen getötet (1786). \ Ein besonders trauriges Zeichen der alten Zeit ist die große Kindersterblichkeit und die große Anzahl Wöchnerinnen, welche chr Leben lassen mußten. Trotz der großen Liebe der Eltern für chre Kinder lag die Säuglingspflege schr im Argen und auch die Wochenüettpflege dürfte viel zu wünschen übrig gelassen haben. Der Wechsel der Generationen kommt im Wechsel der Schriften in den Einträgen zum Ausdruck. Mancher ChAvra-Gabbe hat jahrzehntelang das Buch geführt, bis seine anfangs so schöne Schrift zittrig wurde. Andere haben nur wenige Einträge gemacht. Das Chewrah Buch der Chewrah Kaddischah ist wohl die älteste Urkunde unserer alten Ge-' meinde. Denn es ist kein Zweifel, daß diese lange vor Anlegung dieses Buches (1741) und Anlegung dK Friedhofes bestanden hat. Unser Frichhof liegt einsam auf stiller- Höhe, hoch über dem Schlosse der Fürsten von Hohenlohe. Es ist ein weiter Weg zu dieser Ruhestätte unserer Borfahren. Wenn es Unsreundlichkeit gewesen war, welche diese Stätte so weit von unserer Stadt anlegen ließ, so hat das früher herrschende Geschlecht das Böse gewollt und das Gute getan. Wenn wir an den Gräbern unserer Borsahren stchen, wenn unser Gebet für das Heil ihrer Seele, unser Gebet für das Heil der Lchenden, emporsteigt, liegt der Alttag weit von uns. Kein Ton stört die Andacht unserer Seele, welche an dieser Stätte des Friedens neue Kraft sammelt für den Kampf, die Arbeit und auch für die Lust des Lebens. Beitrage zur Geschichte der Juden in Württemberg. Die Juden in Eßlingen. Was Stobbe, „Die Juden in Deutschland während des Mittelalters", von den deutschen städtischen Judcnsiedlungen sagt, gilt auch von Eßlingen: Beim Entstehen der Städte bildeten die Juden oft einen entscheidenden Faktor der Gründung. In einzelnen deutschen Städten waren die Juden die ersten Sichler, u.n deren Wohnstätte sich die weitere Siedlung bilsete. Daher kommt es, daß das Judenviectei in vielen deutschen Städten im Zentrum am Hauptmartt oder in dessen unmittelbarer Näh« liegt, was bei einer NNIIIIIIIIIIIIMMIIIMMIMNIIIU Schweizerische Unfall* .Winterthur“ Lebens* VeraldienuigB * Oesellsdiaft Versicherung* - Gesellschaft | Winterthur II in Winterthur | iiMnMMmMMiinNimHiiiHMiiiiNiiiiiHiiiiiimiiiiiiiiillnimiiiiiiiiiiiimiiiinmiiiiiiiiintniiiiiiiimniiiiiiiiiii I Lebensu. Renten-Veraldienmgen / Unfall-Versicherungen | Haftpflldit-Versicherungen/Kraftfahrzeug-Vergidienmgen | Einbruch-Diebstahl-Versicherungen / § Vorteilhafte Bedingungen! Kulante Schaden!regullerungl | S 1 Auskünfte und Prospekte durch: Suhdlrekhon STUTTGART, WUheimibau, Eingang Passage Generalagentur ULM a. IX, Büro Bode, Bahnhofiirage 11 Generalagentur HEILBRONN a. 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