Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-10-01 · 13 (1.10.1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
13 (1.10.1928)
Date
1928-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4904101-5441815-5443039--1975-4905956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

- 156 —?.uin Kinbtrqisrtttt auf dem?ion»derq- Dom Schulwerk in Palästina rmititimmiiiiiHiiutiiiiunmHiHiuiuttiiHHfiiiiiiunifmHiiuiiiMiiiiMiritii Tit Erzi,hu«q der fugend nimmt im Rahmen de» .^vd. Ausbauwerde» in Palästina einen großen Plag ein. Don de« bisher in Palafting inveftieNen Geldern de» >leren-t^ajessod in Höbe von etwa 3'/, Millionen Psnnd Sterling, wurde für da» Schulwesen ea. 630000 Pfnnd Sterling ausqewendet. Da» ^chulwerd um« faßt momentan Nt Kindergarten. 97 Doldschulen, 8 Mittelschulen und Lehrerseminare, 6 Fachschulen und Lehrwerdstätten. in»gesaml 222 lrrziehunq»institute, die von 1*«»I7 Lchülern besucht werden, hierzu kommen noch Institute m»ie da» Technikum und die Universität. Besonderer Wert wird darauf gelegt, daß die. Tchülee schon von klein auf.^neden der Unterweisung in wissenschaftlichen Fächern, auch einen handwerklichen Unterricht genießen oder in Gartenbau und Landwirtschaft au»qedildet werden. Es gibt sogar einige >tinderdörser Kolonien, in denen zum großen Teil Waisenkinder anqesiedelt sind! und A“ Landwirten erzogen werden. Da» bekannteste ist „.H f a x Hela d.i m". in dem .tiinder. die in den ukrainischen Pogromen lPerljura) zu Waisen wurden. in einer An Tchulrepublik vereinigt sind. — „Tgnaqoge in Xsar .>ladi»- (dem Dorfe der ukrainischen Waisenkind'r) Eine Dreitage-Tour in Palästina. Von Helmut Friedman«, Stutigart. Vom Auiobüro „Har wa Eine!" au» geht dies mal die Fahrt. Am Tainaskustor vorbei. Und bald in die Hauptstadt uusereu Blicke» entfcknvun oe». Tie Berge neige» lerrassrnföcmig an, iioer und iil=\-v sind sie mit CliDfnbäiime i bcivaldet. Auf einem Berge soll sich Gibealh Shaul Sauls Grad beiinde». An dem Ort Rama vr'roei. Ton stanv Samuels Wiege und dorl stacb er. Durch die neue Kolonie Katandya. Sie wein nickt» Besondere? aus. Ueöerbaupt sind sack alle- >io: 'nie,, in ihrer Bauart einandee gleich. Beerotd und vHamlel. und nach kurier Zeit fadrc.l wir in den t'ibliichr» C rt Beth El ein Hier weilte ja schon Abrabam, hier fab Jakob in se ncm Traume die Engel die Himmelsleiter berauf und berun terckeigen und .,icc baute er später einen Altar dem vHrigcn. Sckön und fruchtbar iii nun da? Üanb. überall blüht uuö grünt e?, de»» der FrühliiUj in. über» Üanb gezogen. Roter Klatsch »lohn am 2auni der wogenden Geireideseldcr lind die Berge und Täler voller Olivenöäumc. J.-w! grln e» durch die Ebene Machna, wir erblicken die beiden Berge Ebal und ikeei sim, der eine der Berg de» Fluche», au» nackten Fclien bestehend, ans ivelchen nickts gedcikenkanii, »»d Gcrisim der Berg de» 2egen», da» ganze Javr hindurch in ein grüne» Kleid ge millt. Direkt;u Hünen der beiden Berge be ginnt 2ckeche»i Radln». lleberall kenn man die 'Spuren de» Erdbeben» im Jahre M27 erkeiinen, besonder» in den arabischen Tör jer» kur; vor Radln»? Hier wohnt auch die 2ekle der Samariianec, au» etwa l.">0 Milgfie bau . c ifhfiiC*’. 2ie haben einen .Hohepriester und bringe» am Peßack, ein Ovierlamni auf deni Berg iV.'riiim bar. Ihre 2isre Thora sind in allhebräischer Sckriii geschrieben. Hilden giok e? in Scheel em keine. Rach.nm da» Alllo genügend mit Benzin ver sorgt isl. gehl c? weiter. Herclich in da-? Wetter, und ein irischer Wind segi über» Land. Durch ,enin, eine arabischen Ortschaft gehl es, und nun find >oir in ver Ebene Jczreel Hier'liegen sehr viele jüdische Kolonien Aus einem Bauern nagen in» ein al er Jude mit seinen stämmigen Söhnen. Sie bearbeiten da» Land. Tie. Häuser per Kolonien^ sind höchst e nsach. Etwa so, wie ein »> jährige» Kind ein Häuschen zeichnen würde. Oil iind c» Holzhäuser uild noch öfters sogar nur -zelle ,^uc wi„fen j„ j>ft ^etne sieht man de» Höhenzug de? Karmels. Einigemal kreu ze» mir die Linie Der .Hedschasbahn. Durch die Unansmerkiamkeil des Chauffeur» fahren wir über die Geleise, und schon nach wenigen 2ekunde» passiert ein Rangierzug die Stelle. In der Kolonie Assule herrsch! ei» reger Eisen iahnverkehr. Hier iricd da? Auto mit Wasser versorgt. Zur Rechten im Hintergrund der Berg Tabor. Und hieraus durch eine der größten Kolonien Erez Jsroe'.s, das ist Balsouria. Ein zig ick die Landschaft, in der zerstreut die jüdi scheu Kolonie» liegen. Bald gehl der Weg in zahl reichen Kehren bergauf. Ta da» Land fast nur aus Berg und Tal begeht, find die Kehren im Land.- keine seltene Erscheinung. Wir blicken aus die Ebene Jezreel hinab. Wie ein riesiger Teppich breitet sich unten das Tal aus, mit seinen Kolonien, deren rote Dächer im Sonnen glanz leichten. Tie quadratförmigen Aecker glei chcn einer Färbung im Teppich. 2olch einen Herr lachen Blick auf ein Tal genoß ich noch nie. . Wir kommen nach dem Ort, in ivelchem der Stifter der christliche» Religion seine Jugend jabre verbrachte, nach Razaretl>. Heute könne» wir dort »ich: viel sehen, da fast alle Stätten der christlicke» Peligion geschlossen find, wie zum Beispiel die Werkstatt Josefs. Im unteren Teil de» Ortes wird die Mik.oab Marias gezeigt. Jetzt geht e» durch das Torf iviatb Kefer, deni Geburt» und Pegräbnisorle de» Propheten Jona. Hier halten nir einige Augenblicke, um 2ouvenirs einzukaufen. Ter Ort ist christlich. Tief uuter uns der Tiberias oder Kinneceth»2ee. Wir be finden uns noch einige hundert Meter über dem Meccessviegel. Au» der Jane leuchtet zu »ns der schneebedeckte Hermon herüber. Ta steht plötzlich an der 2cite der Chaussee eine Tafel mit dem Vermerk: „2ea Level". Rach weikaen fünf Minuten halten mir in de n 2i)S Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Tiberias. Eine schrecklicke Hitze herrscht, trotzdem erst März ist und außerdem nachmittag» 1 Uhr. Ich ent ledige mich in einem Hotel am 2ee der Jacke und Weste, trinke Gasos (eine An Limonade) nild miete mir ein Boot, rudere in den 2ee hinaus,'von einem schmutzigen Araberjungen begleitet. Alke Kreuzfahrertürme ragen aus der See hervor. Am liier steig, steil die 2tadt Tibe rias ani Am acht Kilometer entfernten jenseits gen User die Berge Transjordaiiien». Ich be suche eine Talmud Thora 2chule. 2ie ist sehr intcrcssank. Ten ganzen .Tag über sitzen die 2chüler und lernen. Und wie primitiv hier alle» ist. .'i I 2chüler sckanen gemeinsam in ein Buch. Ter Lehrer steht mit einem 2tock ' besser gesagt Prügel vor der Klasse, mehr Furcht al? Ehrfurcht den 2chülern einilößend. Ein Pult ist nicht vorhanden. Ter Lehrer ist rin polnischer Jude. Tie Unterrichtssprache ist Jargon. Warum kommen an solche 2chulen keine Lehrer, die mit den Kindan Hebräisch spre chen? Ein 2chüler begleitet mich. Dieser kleine Junge von IO Jahren hat schon Peiaus (2chlä seiilöckchei,,. Ich sah sckon Kinder mit zwei Jahren, die Peiaus trugen. Mit diesem Lchüler fahre ich in einem Taxi nach dem Grabe des Meir baat haneß. Bei einer 2ynagoge ist sein Grab. Einer seiner 2chülec liegt neben ihm begraben. Angrenzend daran befindet sich ein Jeschiwa. Jeder lernt hier für sich, ab und zu sich aus einem neben seinem Sefer (Buch) stehenden Glase Tee gütlich tuend. Vaschiedene 2ynagogen befinden sich in diesem Bau. Außerdem gibt es darin noch eine weitere Jeschiwa. Vor dem Gebäude befindet sich ein erst vor wenigen Jahren gestifteter Torbogen. In da Rähe pflanzen Ehalugrnr>einen Wald an. Sie haben den Berg entl/ng ihre Zelte aufgeschlagen. Auch hierherein bliSfe* id/ In einem kleinen Zelt, in welchem einf-Person gerade leidlich Platz finden würde, sihlafew ihra drei. Ihre Utensilien sind in einem winzigen Koffa unter ihrem Bette verstaut. Tie Chaluzioth (sein.) lausen in Hosen herum. Unterhalb der soeben geschilderten Zelte befinden sich die heißen Quellen. Dampf kommt von den Quellen herauf. Das Wasser ist kochend. Tie Badeanstalt, wenn man er so nennen darf, ist kaum vorstellbar primitiv. Tie meisten be nützen die Massenbäder, in welchen die Mehrzahl der Badeitden im Adamskostüm badet. ' Hieraus wieder zurück nach Tiberias. Ein Tchuß unterbricht das Getriebe. Ec verkündet den Mohammedanern, daß das Fasten für heute zu Ende ist. Gegenwärtig ist der Monat Ramadan der Mohammedaner. In diesem Monat sollen sie nur nachts Nahrung zu sich nehmen und während des Tages müssen sie fasten. Turch die Altstadt von Tiberias. Viel gibt es nicht zu sehen. Zwei 2ynagogen, welche direkt am 2ee liegen, besuche ich. Von der Veranda, welche in den See hinaus gebaut ist, gelangt man zu einer Mikivah. In der Nähe der Stadt befindet sich ein alter Friedhof, welcha vor einem Jahre renoviat wurde. Hier ruhen Maimonides, Rabbi Jochanan den Sakkai und noch andere große Rabbonim. Ter Scham mos, will auch eine Mattana (Gabe). Ich frage ihn, ob er mir ein größeres Geldstück wechseln könnte. Er schwärt hieraus sofort, kein Mil Kleingeld zu haben. Als ich ihm darauf sage, daß ich rhm in orgelt durch den Bachur (Jungen) Geld schicken werde, hat er plötzlich Kleingeld. Nachdeni er einige Piaster erhalten hat, machen wir uns aus den Heimweg. Es ist bereits dunkel geworden, und über uns strahlt ein herrlicher Sternenhimmel Ter Bachur verspricht, mich am nächsten Morgen um halb 7 am Hotel abzuholen. Noch zum See, um mich etwas abzukühlen. Ruhig liegt der See, im Grase zirpen die Grillen. Spät abends begebe ich mich zur Ruhe. Und doch habe ich keine Ruhe, denn die Wanzen leisten mir allzu treue Gesellschaft. Schon um 41/2 Uhr morgens aus den Federn, vielmehr aus dem Wanzennest. Nachdem ich fertig bin, gehe ich morgens kurz nach 5 Uhr an den See. Noch ist es ruhig. In einem Boote entdecke ich einen schlafenden Araber. Ich schaukle solange auf dem Boote, bis ich den Araber aus dem MODEWAREN SEIDENSTOFFE STRÜMPFE NEUHEITEN IMMER BEI STUTTGART MODEWAREN »SEIDENSTOFFE WILHELMSBAU MARIENSTRASSE

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.