Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-09-18 · 12 (18.9.1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
12 (18.9.1928)
Date
1928-09-18
Page
[Seite] (sequence 4)
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4904101-5441815-5443037--1962-4905944
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Frau Clfenbotf: Es ist wenig über Frauen in dieser Konferenz gesprochen worden und wenige Frauen haben gesprochen. Im Namen der deutschen Frauen dankt die Rednerin der Miß Mon lague-für die vorbildliche Arbeit. Einer der Re ferenten hat die Schäftung eine; Laienbundes für das liberale Judentum vorgeschlagen. Es wird dies eine Aufgabe sein, mit der sich die Frau zu befassen haben wird. Tie Amerikaner, besonder-; die amerikanischen Frauen, sind viel idealistischer als es im allgemeinen in Europa angenommen wird. Tie amerikanische Frau ist viel weiter als die deutsche. Sie hat Schwesternschasten in den Gemeinden geschaffen, die viel zur Stärkung des jüdisch liberalen Lebens beigekragen habe». In Te.itschland ist Synagogen besuch bei der liberalen Frau nicht Mode. Tie amerikanischen Frauen gehen in die Synagoge, nehmen Rcligionsunlerricht, damit sie den Kin deru schon im zartesten Alter eine religiöse Er ziehung gebe» können. Auch auf dem sozialen Gebiet haben die sisterhoods viel geschaffen. Ta sind z. Bdie Jugendheime, die aus einer Ge meinde eine (Gemeinschaft machen. Hier in Deutsch land wird viel von Jugendarbeit gesprochen, aber nicht viel getan. Wir müssen uns aufraffen, um unsere Fugend im jüdisch liberalen, demokrati selten Geiste zu erziehen. Tr. Ignaz Friedmann Budapest: Tas unga rische Judentum stand immer am schneidevnnkr zwischen Cft und Westjudentum. *Iie ungarische Orthodoxie hat von je dem Westen große Leh rer gegeben: Hildesheimer, (Yutmann und andere. Wir müssen Achtung vor der Orthodoxie haben und unsere freiheitliche Auffassung als Forde rung an uns selbst empfinden. Wir wollen jeder in unserer Heimakjprache beten und die Lithurgie danach einrichten. Aber der Sabbath muß ge wahcf ivcrdcn. Hcrsch Cambridge: Nicht nur eine Verbindung zwischen Liberalen rurd Reformisten lut not, sondern wir müssen Brücken bauen zum gesamten Judentum Wir sind uns dessen bewußt, dästimmer eine .Lücke bestehen bleibt zwischen Be kennmis und Erfüllung: das Bekenntnis aber müssen wir hochhallen, es soll uns im Leben ein Wegweiser sein. Rabbiner Tr. Tienemanu knüpft an das Wort von Tr. Baeck von der Botschaft des liberalen Judentums -an. Ist Judesein nicht schon an sich Botschast? Auch die Orthodoxie steht in der Welt mit einer Botschaft. Tie Aufgabe ist aber, . in der Welt, in die man hineingesetzt ist, zu kämpfen, nicht bloß nach einem schulchan aruch zu lebe». Tic Orthodoxie hält starr an der Rorm, die Botschaft des liberalen Judentums ist es, dem Inhalt neue Form zu geben. Rabbiner Tr. Wiener erklärt im Gegensatz zu Lehmann, daß das religiöse Prinzip mit den Erkenntnissen der Wissenschaft nie übeceinstim men kann. Religion ist die Botschast Gottes an uns, die Wissenschaft ist atheistisch. Auch wir Liberale stehen ans dem Boden einer tausend jährigen Tradition, doch haben wir Kontrolle über Gesetz und Halacha. Ter Redner versucht - 144 - eine Präzisierung des Begriffes „jüdisches Volkstum", er wird aber von dem Vorsitzenden mit der Bemerkung unterbrochen, daß Darlegungen über Na.ionalismuS nicht zugelassen werden können. Tr. Wiener weist darauf hin, daß Hermann Cohen die Heiligkeit deS Labbach ausdrücklich anerkannt hat. Religiöse Reformen allein werden in der wissenschaftlichen soziologisierten Welt der Zukunft die Religion nicht erhalten können. Prof.- Tr. Elbogen wendet sich gegen die sonntägigen Ausführungen von Tr. Lchmann, der noch heute so spricht, wie er vor 30 Jahren gesprochen hat. Wir stchen auf dem Boden der Tradition. lassen sie uns da stehen. Welchen Ersatz geben sie uns für die Tradition? Welche großen Werte hat die Reform im Verlauf von 80 Jahren geschaffen? Tr. Lchmann sagt, das Religiös-Sittliche komme in der Tradition nicht .zur Geltung, das ist grundfalsch! Nur in der Tradition ist das Religiös-sittliche. In der Art, wie Tr. Lehmann eS tut, sollte man über das alte Judentum nicht sprecheri, daS uns die Schrift bis auf den heutigen- Tag erhalten hat. Man weist aui die Amerikaner als auf ein Beispiel hin. Sind sie wirklich besser, frömmer, geistiger als wir? Prof. Morgenstern-Cincinnati: Tie Norm der Agudah ist Vergangenheit. Aufgabe der Liberalen ist es, au» der Vergangenhest_ durch die Gegenwart für die Zukunft zu wirken. Tr. Stern glaubt im Gegensatz zu Dr. Lchmann, daß die Vernunft nicht Richter sein kann in der Religion. Ein Ausgleich zwischen Fühlen und Ucberlegen, zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft, muß gejchaften werden: Das ist die Botschast des liberalen Judentums. Die Frage des Sabbath ist mit sozialer Logik nicht zu lösen. Ter Sabbach wirkt auch erzieherisch auf die Jugend. Icker lcke in seinem Hause, wie es ihm sein Gewissen diksiert, aber der Gedanke des Klal Jisroel soll stets hochgehalten werden. TitT^Goldenson-Pittsburg: Ter Geist deS libe raten Judentums bedeutet Auffassung der Welt als sittliche Ordnung. Bruno Woyda: Gestern war die Stimmung gegenüber. der Resormgemeinde eine freundliche, heute ist sie eine gegnerische. Erschöpft sich das Judentum im Sabbath? Wollen wir das liberale Prinzip respektieren? Würde der Jude sich nicht an die Religionsgemeinschaft gckunden fühlen, wenn er an einem anderen als dem Sabbathtage feine Andacht halten wird? Lieber ein Sonntag gewidmet der Religion als ein Sabbath, der nicht gehalten werden kann. Die vor kurzem stattgesundene Konferenz der deutschen Rabbiner hat sich mit sozialen Fragen, wie Achtstundentag und soziale Versicherung, beschäftigt. Tas ist religiös, das ist jüdisch. Religion ist nicht toter Buchstabe sondern lckendiger Geist. Ich stimme nicht mit Tr. Wiener überein, daß die Trügender jüdischen Religion durch Stamm geeint sind. Für mich ist jcker, der die jüdische Religion anerkennt, Jude, gleichviel ob er jüdischer oder nichtjüdischer Abstammung ist. Als Bankcorainandite Siegmund vH! religiöser Sozialdemokrat darf ich darauf Hinweisen, daß die Sozialdemokratie am meisten zur Linderung der Not der werktätigen Massen beigetragen hat. Es besteht auch ein Bund religiöser Sozialdemokraten. Dr. Seeligsohn präzisiert die Stellung der Jugend zun: liberalen Judentum und vermißt im Liberalismus eine innere Stellungnahme zu den Fragen von heute, zur modernen Wissenschaft und der Pädagogik. Nachmittags teilte sich die Konferenz in drei Sektionen, in denen das Hauptthcma „Die Verwirklichung der Botschaft des liberalen Judentum«" behandelt wurde. In der ersten Sektion, die den» Thema „Gottesdienst" gewidmet war und die unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Elbogen stattsand, referierten Rabbi S. H. Goldenson, Rabbiner der Rodef Shalom Congregation in Pittsburgh und Rabbin Germain Levy, Rabbiner der Union Liberale Jsraölite in Paris. In der zweiten Sektion wucke das Thema häusliches Lcken" behandelt. Rckner waren Hon. Lily Montague und der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum Heinrich Ster». Die dritte Seftion (Vorsitzender Rabbi Julian Morgenstern, Präsident des Hebrew Union College in Cincinnati) behandelte das Thema „Jugend". Es sprachen Dipl.Jng. Ludwig Lewin vom. jüdisch-liberalen Jugendverern in Berlin und Rev. M. L. Perlzweig-London. Gegen 6 Uhr abends war das Plenum der Konferenz wieder versammelt; die Hauptanfprache Wurde fortgesetzt. Es ergriffen das Wort Dr. Vogelstein-Breslau, Rabbi Silverman, Rabbi Mattuck, Rabbiner Gottschalk-Frankfurt a. M., R. A. Galliner-Berlin, Dr. Norden-Elberfeld, Rabbiner Seligmann und Rabbiner Dr. Wolsf- Tresden. Frau Bertha Falckenberg-Berlin sagte: Wir Frauen haben die Botschaft des lcheralen Judentums vernommen und werden sie in die Tat umsetzen. Wir liberalen Frauen in Deutschland werden uns zusamm.enschließen, um die Kleinarbeit zu tun. Tie Referenten Dr. Lehman», Philipson-Cincinnati und Dr. Baeck gehen noch kurz auf die Tarlegungen der Diskussionsredner ein, womit die Hauptaussprache beendet ist. Der Vorsitzende Dr. Blau gibt noch ein kurzes Resums und führt aus, Meinungsverschiedenheiten bestanden nur über Weg, nicht über Ziel. Das Ziel ist das gleiche: Wir wollen alle nach höchster Jüdischkeit streben. Die Aussprache bewegte sich auf hoher Linie, über vieles wurde Klarheit geschaffen, man hat viel voneinander gelernt. Tie Konferenz schreitet zur Wahl der Leitung des Weltverbandes. Es erfolgt durch Zuruf die Wieherwahl der schon von der ersten Konferenz erwählten Persönlichkeiten mit der ge- E.&M. RICHNO WSKY Eberhardair. 23 / Gegr. 1994 Haus für Gelegenheitskäufe in Brillanten / Parten Bold- und Silberwaren ___— Nsuzsttllohe /VT\ Tapeten ( rj ] Stoffe/Teppiche \JL/ Lienhardt Statt« irt. Udastraftc 7 Etat Cahmstr. BRAUER & WIRTH Kunstgewerbliche Werkstätten MÖBELFABRIK Stuttgart, Charlottenstraße 21a - laden höflichst zur Besichtigung ihrer Ausstellungsräume an der Olgaecke ein Kochs-Adler- PHOENIX -^chnellnäher Spezialmaschinen m j"| | für dl^Trikot-, Kleider*u. Wischef. Gewerbe u. Industrie/Zick-Zack- Industrie / 3-4000 StiAe pro Minute Hupfer* to„ Stuttgart T M Kupier* Co., Stuttgart Gartenstrafce 19 / Telephon 61083 Gartenstrafee 19 / Telephon 61085 Herrenu. Damcnsdinelderei). BttAUN * siiberburgstr. 36 ERNA HÖRRMANN, «-d. huchthausen / / aSSSRSÜtÄ 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.