Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 11 (1.9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4904101-5441815-5443033--1947-4905930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 130 - Ein neuer Verteidiger der Judentaufe. In einem fesselnd geschriebenen Buche „Ter Liberalismus und die deutschen Juden. Tas Judentum als konservatives Element" gebt Ru dolf >iaulla von der unbezweifelbar richtigen Ueberzeugung aus, daß die Judenheit ihrer reli giöien und wirtschastlichen Einstellung nach eine durchaus konservative Gemeinschaft darstellt. Wäre sie das nicht, so wäre sie längst untergegangen. Wie ist es aber dann zu erklären, daß die Mebrzabl der deutschen Juden dem politischen Liberalismus nahestebr? Rein geschichtlich daraus, daß der politische Liberalismus als erster die Forderung der religiösen und politischen Gleich berechligung in sein Programm ausgenommen hat. Ter Liberalismus war also der Bundesgenosse der deutschen Juden in ihrem Kampfe um das Recht des Menschen und des Bürgers. Tarüber hinaus aber findet das Eintreten der deutschen Juden für die liberale Weltanschauung i seinen Grund darin, daß die Juden dem in tellektuellen Liberalismus huldigen, daß das Judentum auf Freigeistigkeit gegründet ist, daß es seinen .Himmel den Gerechten aller Völker unaller Bekenntnisse erschließt, daß es Nächstenliebe für jedermann fordert und gleiches Recht dem Fremden wie dem Einheimischen in seinem Staate und in seinem Bekenntnis zugestanden hat. Nach K aullas Meinung ist aber die freund jchaftliche Beziehung des Judentums zum Lide ralismus für die deutsche Judenheit eine ernste Gefährdung geworden. Kaulla verwechselt wie so ost politischen Liberalismus mit religiöser Freigeisterei. Er vergißt, daß viele religiös kon servative Juden dem politischen Liberalismus naliestehen, ebenso wie cs 'religiös liberale Ju den gibt, die politisch konservativ eingestellt sind. Er glaubt desbatb. daß die Beziehung des Ju dentums zum Liberalismus ein zersetzendes Ele \ \ ment der jüdischen Religion geworden ist. Was er! dem Liberalismus zuschreibt, ist aber im Wesentlichen eine Wirkung des Rationalismus und der materiellen Weltanschauung des neunzehnten Jahrhunderts. Ter Materialismus hat im Ge-! wände des Rationalismus in der Judenheit die! Treue zu der überlieferten Form erschüttert und! dadurch die familiäre Einheitlichkeit der Judenheit zerrissen. Ter Ueüergang vom religiösen Rationa j lismus zur völligen Verneinung der Religion lag l nur zu nahe, So ist der Bestand der deutschen Judenheit durch den religiösen Rationalismus, der tatsächlich ein Atheismus ist, ernstlich gefährdet. „Tie Beobachtung lehrt, daß sich dieser jüdische Liberalismus selten über die dritte Generation hinaus erhält. Meist schon vorher erfolgt der Austritt aus dem Judentum und der Regel nach auch der Wechsel des Bekenntnisses, sei cs, daß die Eltern es sind, die ihre Kinder alsbald nach der Geburt oder doch vor den Unterscheidungsjahren der Taufe zuführen, oder daß die herangewachsene Jugend selbst zu diesem Schritt? sich entschließt (Leite 3t)". Ohne den „unerschöpflichen" Zustrom von Juden aus dem Auslande wären "die deutschen Juden schon längst aufgesaugt (Leite 50). Aber dieser unerschöpfliche Zustrom besteht nur in der Phantasie. Es läßt sich unschwer der Nachweis erbringen, daß er zahlenmäßig recht gering ist. Kaulla redet von dem „Anschein", als ob die deutsche Judenheit der natürlichen Angleichung an das deutsche Volk durch die Taufe widerstehe, während in Wirklichkeit der Ersatz des Abganges von Juden durch die Taufe durch die Einwanderung aus dem Osten hergestellt wird. Tatsächlich aber ist eS doch so, daß die deutsche Judenheit auch ohne den Zufluß vom Osten sich bis zur Ltunde widerstandsfähig gegenüber allen zersetzenden Erscheinungen erwiesen hat. Bedeutsamer als diese meist irrigen Tarlegungen Kauslas erscheint der zjveite Teil seines Buches, in dem er versucht, das Vorurteil der politisch konservativen Kreise gegenüber den Juden zu entkräften. Er schildert es als einen politischen Fehler, daß den deutschen Juden, die ja an sich ihrem eigentlichen Wesen nach ein durchaus konservatives Element darstrllen, der Anschluß an das konservative Lager erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Es ist eine Kurzsichtigkeit - der konservativen Kreise, die Juden zum Schaden der konservativen Sache nach links abzudrängen, zumal schon der Gegensatz zwischen der katholischen . und protestantischen Weltauffassung die Stoßkraft der konservativen Partei bedenklich schwächt. Der Antisemitismus der konservativen Partei bedeutet so tatsächlich eine Stärkung des Linksradikalismus. Das haben die englischen Konservativen wie die italienischen Fascisten begriffen, die beide vernünftigerweise den Antisemitismus ablehnen. Die alte freikonservative Partei hat sich von der Ausnahme antisemitischer Forderungen in ihr Programm ferngehalten und auch bei den Beratungen über das gegenwärtige deutschnationale Programm war eine starke Minderheit einsichtig genug, gegen den Ausschluß jüdischer Parteimit» ' glieder anzukämpfen. Dabei ist die Durchsetzung des deutschen Volkes mit jüdischem Blut bis in \ den Hochadel hinein im Laufe der Jahrhunderte j viel stärker gewesen, als zumeist anerkannt wird. Ans christlicher wie auf jüdischer Seite liegt ] jedoch eine deutliche Abneigung vor, einmal bindend festzustellen, wie weit dieser Einschlag in das Deutschtum reicht. Der angeblich rassisch so verderbliche Einfluß der Juden hat dem deutfthen Volke tatsächlich wertvollste Blutzufuhr vermittelt. Wer einmal die Geschlechtstafeln jüdischer Familien durchmustert, wie solche z. B. für die Familien Samson, Rüben vorliegen, der ist nicht wenig verwundert, wie viel jüdisches Blut heute im Blut- und Schwertadel pulsiert. Er wird sich allerdings auch davon überzeugen, daß dieser Blutverlust noch keinen Zerfall der deutschen Kleiderstoffe!: io unerreichter Auswahl zu vorteilhaften Preiaen LORENZ STUTTGART/SS * Fritz SdmUft'ffnlf M0nchstr.22a beim Pragfriedhof / Teleph. 20493 iiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiitiiiimiii Anpflanzungen und Pflege v. Grabstatten Decoratlonen W. I1ÄBERLE & ** HOffcnhallcr BBslodudler UefermlefMbn T apMl«raditer RotiBb«rfitra5« Nr. 202 Tel. 62577 WerkfeStte f&r $4korati»tt Spez.: 04laraf1üt-9R«tr«gat { Conclcfls Julius Haug ln allen neuesten Formen an Lager lirseito-äeziilUu P. Betitele, Stuttgart BSrenstr. 5 b. Marktplatz Lilberburg-Straße 42 Schatztaacheriaeifter Feines Matz-SefchSft Reparaturen prompt und billig lad».»,... klirißu Spezialgeschäft Hmeiirii für garantiert indanthrenfarbige d. h. wasch-, licht und wetterechte Stoffe Indanthren-Haus Stuttgart';. KOnlgsir. 12, gegenüber d. MarslaU Lebende Forellen, Krebse Rehziemer & Rehschlegel Gänse / Enten / Halmen Poularden, Suppenhühner, Tauben KARL KRAUTH ■ Friedrichabau - Telephon 20241/42 ■■ und Caaaatatt, Bahnhofstraße Nr. 8 fl Wilh.Ott Gartengestaltung Beratung / Entwurf / Ausführung Stuttgart -Dagerloch RUmartfc strafe 16 SA. 72514 IHUHHMUWHmumilWgmniWIIHtHMIWI|<gUHIiniW>mMBtlHl 3sd. Küderhii Liftbrort fliflnseD (Linie Stattfart'Nördllngea) Idyll, im Walde gelegen / / Sonnig und staubfrei Streng ritueO / Prospekt / Erstkl. Referenz. Ultag: rrLLta Hager Fernruf Nr. 119 Amt Bopfingen ln Württemberg iimimiiiiiiiiiiuniiimmiinaniHi» «(.LOOB&CO.« KoblenhanddsgeseUsdieft m. b. H. FrlCirKfeftragC s. (am Frlechtcksplakr LAQERi FERNSPRECHER 20790 Nur crsfkumgc Brcnnafcrlallcn «Iler irf Sorgfältigste Belieferung I Unbedingte Garantie für abgeliefertes Gewlchi wililifiifmiitfiHwmiiuiiiimTtiittiifimiinnnnmmiiiiiiiimiiiiiiiiMiiniiiniinimfimmii ARLT-STAHL IM 1 § INHABER: O. DECHANQE 1 MARIENSTRASSE Nr. ö Ü Q{.osimue i DCle&r (Mantel 5 FEINSTE M A SS - AN FERTIG UNG H NACH NEUESTEN MODELLEN W STÄNDIG EINGANG VON NEUHEITEN 1 Handschuhe Spez.i ethte Sdunidi'ttandstfiuhB SPEZIAL-GESCHÄFT FEINER HANDSCHUHE Nouo Brück« 14 nJUhst der Kftnigitra|c ERNA HÖRRMANN, geh, huchthausen /