Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 11 (1.9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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Judenheit bedeutet, daß nur ein kleinster Prozentsatz der Juden durch die Taufe dem Judentum entfremdet worden ist, daß also die Angaben KaullaS auf ein bescheidenes Maß zurückgeführt werden müssen. Es bleibt aber eine ernste Aufgabe der Geschichtswissenschaft, dieses Maß festzustellen. Diese Feststellung wird diejenigen Kreise entwaffnen, die unablässig von einer Rassenverschlechterung durch die Juden fabeln. BiS hierhin kann man den Darlegungen Kaullas Gefolgschaft leisten. Aber sein Buch hat neben der Tendenz, konservative Kreise für eine gerechte Beurteilung der Juden zu gewinnen, noch eine besondere. Kaulla ist ein Apologet der Judentaufe. Er kann in dem Uebertritt liberaler Juden zum Christentum nichts Erregendes entdecken. Der liberale Jude, der diesen Schritt tut, frage doch seine früheren Glaubensgenossen, „worin denn der Unterschied zwischen einem liberalen Judentum und einem liberalen Protestantismus bestehe, wenn bei letzterem, wie eS in recht weiten Kreisen der Fall ist, die Intellektualisierung des Glaubensinhaltes so weit geht, daß nur der rein monotheistische Gottesbegrisi übrig bleibt, derart, daß sogar die göttliche Natur Christi verneint wird. Ist es viel mehr als Eigenbrödelei und eine starrköpfige „Vereinsmeierei", so mag der Uebergetretene leicht fragen, wenn da die liberalen Juden an einer religiösen Sonderstellung noch festhalten? (S. 33)". Kaulla tadelt die Juden, die nur aus äußerlichen Gründen und im Widerspruch mit ihrer atheistischen Ueberzeugung, nicht etwa aus Pietät gegen ihre Familie „Juden" bleiben, nur weil sie fürchten, anderenfalls ihre geschäftlichen Beziehungen zu verlieren oder sonstige materielle Nachteile zu erleiden. „Nicht scharf genug kann aber der bedauerlich großen Zahl derer entgegettßetreten werden, die der Rechtgläu» bigkeit in ihrem eigenen jüdischen Lager spotten und sich gleichzeitig in der Verächtlichmachung der Beweggründe derer, die das Judentum verlassen, nicht genug tun können, wie wenn es hierfür keine Erklärung gebe als Charakterlosigkeit und EHWfigkeit! Diese Pharisäer besitzen kein EmpfindM dafür, wie sie mit dieser Haltung ihr eigenes Nest beschmutzm . . Welche niedrige Einschätzung der Charaktereigenschaften de» jüdischen Volkes ist es, wenn man die Massenerscheinung, um die es sich hier handelt, nicht anderals mit einer Minderwertigkeit des Charakters aller dieser Einzelpersönlichkeiten zu erklären weiß (Seite 34)." Die Gereiztheit Kaullas, die aus diesen seinen Worten spricht, macht ihn überaus verdächtig. Statistisch kann er sich davon selbst überzeugen, daß es sich bei der Taufe der Juden nicht um eine Massenerscheinung, sondern um einige Hunderte handelt, die alljährlich aus ziemlich durchsichtigen Gründen, dir dem Seelsorger einer Gemeinde zumeist bekannt sind, sich aus dem Judentum« lösen. Diese Gründe sind meist derart, daß sie die Täuflinge moralisch schwer belasten. Felonie, Fahnenflucht gilt nicht nur im Kriege als Verbrechen. Und Felonie ist eS, wenn sich heute ein Jude aus den kämpfenden Reihen seiner Gemeinschaft schleicht. Fahnenflucht gilt eben bei sittlichen Menschen als Unmoral. Wenn das Judentum auch für viele deutsche Juden nicht mehr als eine Schicksalsgemeinschaft bedeutet, so ist eS doch ebenso feige wie pietätlos, diese Schicksalsgemeinschaft zu verlassen und damit zu schwächen. Dazu kommt, daß bei der Taufe ein Bekenntnis verlangt wird, das eine Kette dogmatischer Formeln ist, die als ein Eidgelöbnis bei der Taufe bekannt werden müssen. Der liberale Jude, brt aus religiöser Indifferenz das Judentum verläßt, muß es also über sich gewinnen, an Eidesstatt ein Bekenntnis abzulegen, das mit seinem Rationalismus und mit seinen innersten Ueberzeugungen in unversöhnlich schroffer Gegensätzlichkeit steht. In bürgerlichen Kreisen, Herr Kaulla, nennt -man eine derartige Handlung einen Meineid! Es ist Ihnen, in keinem Teil geglückt, die Moralität einer Taufe ohne Ueberzeugung zu beweisen. Sie bleibt auch nach Ihrem Buche eine unverzeihliche Erbärmlichkeit! Es wäre zu wünschen, daß der Teil deS Buches Kaullas, der den konservativen Kreisen ins Gewissen redet, getrennt erschiene. Die Darlegungen über da»' Verhältnis der deutschen Juden zum Liberalismus beruhen aus einer bedauerlichen Verwechslung von politischem und religiösem Liberalismus. Der Versuch, die Moralität einer Taufe ohne Überzeugung nachzuweisen, ist aber Kaulla völlig mißglückt. _ Die gemeinnützige jüdische Ehe- Vermittlungsstelle. Zur Förderung des Planes einer gemeinnützigen jüdischen EhevermittlungSstell« hat sich ein ComitS auS folgenden Mitgliedern gebildet: Fra« Dr. M. Adler, Aerztin, Köln; Wolfgang Auer- — bach, Frankfurt a. M.; Moritz Bayer, Kultusvorstand, Aschbach b. Bamberg; Benno Basch, Magdeburg; Just.-Rat Dr. Blau, Vorsitzender der jüd. Gemeinde, Frankfurt a. M.; Landrabbiner Dr. Blum, Emden; Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M.; Dr. Ehrenreich, Arzt, Köln- Ehrenfeld; Rabbiner Dr. Halperson, Breslau; Professor Dr. Hanauer, Frankfurt a. M.; Fritz Hirsch, Ladenburg a. R.; Frau Hauptlchrer Kaufmann, Gelsenkirchen; San.-Rat Dr. Me», Stuttgart; Dr. Franz Rosenzweig, Frankfurt a. M. Frau Edith Rosenzweig, Frankfurt, a. M.; Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Unna, Mannheim. Die Mitglieder des Comitäs sind bereit, Anmeldungen zur Mitgliedschaft entgegenzunehmen. Als Mindestjahresbeitrag ist 5 Mark vorgesehen. Bereits sind eine Anzahl Anmeldungen eingegangen. Um weitere Anmeldungen, auch von Korperationen wird dringend gebeten, damit der Verein baldigst gegründet werden und seine Tätigkeit entfalten kann. Wie groß das Bedürfnis nach einer derartigen gemeinnützigen Einrichtung ist, ergibt sich daraus, daß schon jetzt aus die Ankündigung einer beabsichtigten Gründung hin bereits zahlreiche Zuschriften jüdischer Männer und Mädchen erfolgt sind, die bereit sind, sie in Anspruch zu nchmen. sjiiiiimtHmnniiiiiiMtiiiiiifiiiiii s i » I ... | SchwelsOriache Unfall- Verstcheringa - Gesellsdiaft £ Winterthur | ... »Winterthur“ Lebens- § Versicherung«- Gesellschaft | in Winterthur | MiiiitiiiiiiiniiiiiiiiiiHimiHimiHHiimiiiiiiiiiHiiiimi § | Lebe nsu. Renten-Versicherungen / Unfall-Versicherungen | | HaftpfUdit-Versicherungen/Kraftfahrzeug-Versicherungen | | Einbrudi-DIebstahl-Versicherungen | £ Vorteilhafte Bedingungen! Kulante Schadensregullerunglf £ Auskünfte und Prospekte durch: § | Subdirektton STUTTGART, Wilhelms bau, Eingang Passage § Generalagentur ULM a. D., Büro Bode, Bahnhofs trage 22 | | Generalagentur HEILBRONN a. 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