Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 11 (1.9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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daß bem Juden in seiner Religion die Gewißheit, baS Gebot, die Zuversicht, der Wert seines Lebengegeben ist. DaS Besondere des liberalen Judentumist, daß es in dem allen zugleich immer stark empfindet, was darin der Menschheit, und also jedem Menschen gegeben ist, so daß in dem Persönlichen, dem spezifisch Jüdischen, auch immer das Universale lebendig erfaßt wird. Die Gefahr der anderen Richtungen ist, daß das jüdische Denken ganz in seinem eigenen jüdischen Bezirke bleibt, daß die Weite und damit der große Zug ihm verloren gehen. Die Gefahr des Liberalismus ist, daß er sich in di« Weite verflüchtigt, daß er in einen vagen Universalismus, in eine verschwommene Humanität verfliegt, und daß er so das Bewußtsein des Eigenen und Eharakteristischrn, die Sicherheit des bestimmten Bodens einbüßt. Das Humane verlangt vom Menschen weniger als das bestimmt Religiöse, weil es ein Allgemeines ist, das keine genauen Forderungen stellt. So kann Liberalismus aus einer Schwäche des Religiösen hervorgehen, er kann eine Maxi- «alforderung des Jüdischen bedeuten. Tie Gefahr der Orthodoxie ist, daß die Idee, das Wesentliche und Eigentliche von der Fülle der einzelnen Forderungen erdrückt wird. Die Gefahr des Liberalismus ist, daß er sich mit dem Allgemeinen und Ideellen zufrieden gibt und sich deS Einzelnen, des Gebotes enthoben meint, so daß er dann eine Religion und Konfession und nicht eine Religiosität, ein religiöses Leben ist. Der Liberalismus gründet sich auf das Recht des Individuums. Aber damit fordert er vom Einzelnen auch mehr als jede andere Richtung; vom liberalen Juden ist mehr an Religiosität als von jedem anderen verlangt. Der Liberalismus sagt jedem, daß in seinem Judentum der Geist der Menschheit ist; damit sind vom liberalen Juden größere Gedanken als von jedem anderen gefordert. Der Liberalismus stellt den Einzelnen in seine Gemeinde und in sein Bolk; aber auch in die Bölkersamilie; damit ist von jedem ein stärkere- Bewußtsein seines Platzes von Nöten. Dreifaches ist so die Forderung: lebendige persönliche Religiosität, Größe der Gedanken, Wissen um den jüdischen Wert. Darin spricht die Gegenwart ihre Forderung aus, das ist „modern life". Claude G. Montefiore hält nun sein Referat über das obige Thema. Er beginnt seine Red« mit der scherzhaften Bemerkung: „Bin ich nicht ein mutiger Mensch, wenn ich eS unternehme, nach einem Baeck zu sprechend Und führt dann ungefähr auS: Er hat den Titel dieses Vortrages (der ihm vorgeschrieben und nicht von ihm gewählt worden ist) so verstanden, daß er über die Bedeutung des liberalen Judentums für das religiöse Leben deS Individuums sprechen soll. Die Bedeutung der Bezeichnung „ein religiös gelebtes Leben" ist: a) Ein besonderer Antrieb, der dem menschlichen Leben hinzugefügt ist; b) eine besondere Rote, ein besonderes Plus, das hinausgeht über das durchschnittliche oder gewöhnliche „gute" Leben. Das religiöse Leben erhält seine Färbung durch die besondere Eigenschaft der Religion (in der Bedeutung, in der das Wort in diesem Bortrag gebraucht ist), nämlich daß Religion (anders wie Schönheit, Pflicht oder Wissen) eine lebendige Persönlichkeit als Objekt oder Subjekt fordert. Dieses Ideal ist (für den Gläubigen) nicht durch Menschen geschafien, wenn auch durch Menschen entdeckt. Religion und religiöses Leben bedeuten Beziehungen zu einer höchsten Persönlichkeit, die in höchstem Maße lebendig. ist. Es ist außerordentlich unwahrscheinlich, daß ein orthodoxer Jude ein reiner und leidenschaftlicher Theist wird, wenn er aufhört, ein orthodoxer Jude zu sein^ Daraus allein schon ergibt sich die ungeheure Bedeutung des liberalen Indentums für das religiöse Leben, weil es erstens der einzige religiöse Gegensatz zum orthodoxen Judentum ist und zweitens das orthodoxe Judentum für die Juden des Westens mehr und mehr unannehmbar wird. lSchlub Freudenthal Zu der am Sonntag, den 9. Sept. v. I., oorm. 11 lU*r stattfindenden, üttnweihung der Krieger-Sedenktafel i» der hiefigrn Synagoge laden wir Freund« und Gönner unserer Gemeinde herzlich rin. Isr. Kirchenoorsteheramt. Vorbrirr s üfiTA ■ VIMwlwl Vorsteheramt Bonfeld. Dr: med. Güstau Einstein Fiditni ttr innere Krankheiten und ttr rheamalbche Leiden FERNSPRECHER TM 7*, PAUUNENSTR. Nr. 28 ab 37. Aug. van dar Ralsa zurück Diathermie — Schwed. Heilgymnastik n. Massage Stuttg. Institut f. 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Infolge ihrer großen Herzens, güte, ihres feinsinnigen Verstandes und ihrer musterhaften Pflichttreue hat sie sich der besonderen Wertschätzung deS ganzen Ausschusses und der liebevolle^. Anhänglichkeit der Insassen unseres Altersheims erfreuen dürfen und sich für alle Zeiten ein besonders ehrenvolles Gedenken bei unserem Verein gesichert. Stuttgart, den 23. August 1928. Isr. Lande».Asyl- «t. Anterstützungo-Berein für Württemberg e.D. Der Vorstand: vr.Ludwig Ottenheimer I SCHIEDMAYER MtMTK TAUdOH STIMMUNORN PlanofortatatMlk v. J. u. P. Uohlodmayor Till TAUi 1 Hidff^ STUTTGART, Nuokarstrauu 13. Zok# Utrtohotraaoo Femeprsohsr PLUOBL / PI ANIMOS / HARMONIUM MB41/41 8