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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-09-01 · 11 (1.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
11 (1.9.1928)
Date
1928-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
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1 Kammergerichtsrat Leo Wolsf, die Vorsitzenden anderer Landesverbände, den Präsidenten des Central-Pereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Justizrat Tr. I. Brodnitz und mehrere Mitglieder des Hauptvorstandes, Vertreter der groben jüdischen wissenschaftlichen Jnsrit» tionen, des Hilfsvereins der deutschen Juden und auch der Zionistischen Vereinigung für Deutsch land. Um 8.30 Uhr betritt die Präsidenten Estrade die hochragende ehrwürdige Gestalt von Claude 0J. Monjesiore, gefolgt von Lily Montague, A. Leo Weil Pittsburgh, Rabbi Mattuck-London: Heinrich Stern Berlin und Justizrat Tr. Blau Frankfurt a. M-, Rabbiner Tr. Blumenthal spricht ein eigens für die Tagung verfaßtes Gebe» Clarzde. G. Montefiore eröffnet die Tagung in deutscher spräche. Er dankt für die hohe Ehre die ihm durch die Übertragung des Präsidiums erwiesen worden ist, und begrüßt Delegierte und -Gäste, insbesondere die. Vertreter der Regierung, der stadt Berlin und der großen jüdischen Kör perschaslen Tas Wort ergreift hierauf der Präsident der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, Rechtsanwalt Heinrich Stern, der zuerst englisch, dann deutsch spricht, „Se hajom assalt b äschern nagila wenismecha bo". Er ge denkt während sich die Anwesenden von den sitzen erheben 8er großen Väter des Libe ralixnus, die fast alle in Berlin zur ewige» Ruhe gebracht worden find: Israel Jakobsohn, Leopold Zunz, Abraham Geiger, Samuel Hold heim, Ehajim steinthal, Moritz Lazarus, Her mann Cohen, siegmund Maybaum, Heinemann Vogelstrin, Eugen Fuchs, Leo Lilienrhal, Bern l'iirb. Breslauer, sowie zweier weiterer Rainen aus der übrigen Welt: Jiaac Wise und Israel Abrahams: „secher Zadikim Liw'rocho!" Rabbiner und Lehrer, Frauen und Männer aus allen schichten ihrer Heimat - fährt der Redner fori haben weite Reisen nicht gescheut, um am heutigen Tage bei uns zu. sein. Wir begrüßeil aus Deutschland die Vertreter un sercr Muitergemeinde Berlin und , Abgeordnete fast aller jüdischen Organisationen, sozialer und wissenschaftlicher Anstalten. Ganz besonders be -grüße ich auch die Vertreter unserer , Frauen und der jüdischen Jugend. Lassen sie mick einen Mann besonders grüßen, der heute wie ein Patriarch ans den Zeiten des liberalen Aufstieges herüberragt, den 86jährigen Tr. Mi chael Holzmann, der noch Geigers Freund und schüler war (starker Applaus:. Zunächst wendet sich unsere Konferenz an die liberalen Juden. Wir jede wahre Bewegung ist auch das liberale Judentum niemals fertig, sondern stets ein Ge genstand heißen Ringens seiner Anhänger, eines Ringens mit fick selbst und mit der Umwelt. Dennoch haben wir liberalen Juden, und da'- muß heule aus das stärkste betont werden, die innige Verbundenheit mit ganz Israel, den . iedanke» der jüdischen Gemeinschaft, niemals per leugnet. Wil wollen diese Gemeinschaft nicht zersplittern, wir wollen ihr im (Gegenteil einen Inhalt geben, der uns nur fester zusammen schließt. Weil wir mit unserer Weltkonferenz ivahre jüdische Gemeinschaftsarbeit zu leisten haben, darum Sender sich diese unsere Tagung nicht nur an die lcheralen Juden, sondern an alle Juden der Welt. Unsere Gemeinschaft spricht aber nicht nur zu den Juden, sie spricht zur ganzen Menschheit. In einer Zeit, da die pro phelischen Ideen des Friedens und der Gerech tigkeit im Leben der Völker ihr Haupt erheben, — 128 - - haben wir die Pflicht, darauf hinzuweifen, daß wahre Frccheit, Einheit und Friede erst einziehen in die Herzen und die Häuser der Menschen, wenn erfüllt wird, was vor Tausenden von Jahren jüdische Männer der Welt gekündet haben. In einer Zeit, wo körperliche Entwicklung und tech nische Vervollkommnung fast über Gebühr gefördert werden, erscheint es notwendig, darauf hin zu weisen, daß niemals das wahre Glück kommt, ohne das; die Seele ihr Recht empfängt. Tas ist der letzte, und tiefste sinn unserer Zusammenkilnfl, der Ruf zur Einkehr an den Einzelnen und an die Gesamtheit, die Forderung nachzudenken über den sinn des Lebens, die Pflichten des Menschen und das Endziel der Mensch heit. Eine Frau und ein Mann sind es, deren Geist über dieser Tagung schwebt: Lily Montague ist das Herz, Claude G. Montefiore das Haupt un serer Gemeinschaft. Ihnen, teurer Freund, Claude Montefiore, hat die Welt, nicht nur die jüdische Welt, vor kurzem, an Ihrem 70. Geburtstag sagen dürfen, was Sie ihr bedeuten. Ter Redner verliest die Ehrenurkunde der Ernennung Montesiores zum Ehrenmitglied der Bereinigung für das Liberal; Judentum (starker langanhaltender Beifalls. Ter Rsinrer wünscht, daß die Konferenz ein Jungbrunnen für die liberale Be wegung, ein Ring des Zusammenschlusses der jüdischen Gemeinschaft und ein Samenkorn für den 'Auftrieb und das Blühen der gesamten Menschheit werde." Legationsrat Graf von Tattenbach erklärt, er habe von der Reichsregierung und der preußi schen Staatsregierung den ehrenvollen Auftrag erhalten, diese Tagung zu begrüßen, die im Tienste ethischer Ideen. steht und darum nicht an ein einziges Land gebunden ist. Tie von ihr vertretenen Ideale erstrecken sich über alle Länder der Erde und kragen dazu bei, Berührungspunkt: zwischen den Menschen und Völkern zu schassen und dem Frieden zu dienen. Tie Rcichsregierung und die Preußische Staatsregierung wünschen , den Beratungen einen vollen Erfolg. Rabbiner Tr. Seligmann wendet sich im Namen der Vereinigung für das liberale Judentum mit einer feierlichen Ansprache an den Präsidenten Montefiore, dem alle geistigen Führer des Liberalismus huldigen als einem Mann Jbei Wissenschaft und des starken Willens, als einer religiösen Persönlichkeit, die als Vorbild dient und das Beispiel von „Kiddusch haschem" gibt. Ta er nun die Schwelle des biblischen Alters überschritten hat, überreichen chm die Führer eine Festgabe. Ter Redner überreicht in feierlicher Fora» Montesiore eine Festschrift auf Büttenpapier und in künstlerischem Einband, in wel chcr Tr. Baeck, Erich Bayer, Tr. Blau, Tr. Tienemann, Prof. Eibogen, Falkenberg, Dr. Freudenthal, Tr. Galliner, Tr. Goldmann, Dr. Gott schall, George Goetz, Tr. Holzmann, Dr. Kahlberg, Tr. Lehmann, Levi-Mainz, Dr- Lilienthal, Tr. Levkowitz, Tr. Maybaum, Tr. Joseph, Paula Ollendors, Tr. Salomonski, Dr. Samuel, Tr. Seligmann, Heinrich Stern, Tr. Vogelslein, Tr. Wiener und Tr. George Alexan der Kohut-Newyork der Persönlichkeit von Claude Montefiore huldigen. Kammergerichtsrat Wolfs begrüßt namens der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände Deutschlands, des Preußischen Landesverbarckrs und der Berliner jüdischen Gemeinde die Weltkonserenz und sagt, er ftche hier als Vertreter aller deutsche,» Juden, in der — und das ist nicht zu bedauern, eher zu begrüßen — verschiedenste Richtungen vertreten sind. Aber jeder gibt von seiner Stelle das Beste für das Wohl des Judentums. Möge die Tagung ein Markstein sein in der Geschichte des Judentums. Montefiore dankt tiefbewegt für die ihm zu, tell gewordene Ehrung. Deutschland, sagte er, ist der Geburtsort und die Heimat des liberalen Judentums, hier wirken große Männer und Lehrer. Montefiore erzählt, wie er vor 45 Jahren zum ersten Male nach Berlin kam, um bei Männein wie Maybaum, Zunz und Steinschneider zu lernen. Durch diese Andenken ist ihm Berlin zu einer Stadt geworden, die ihm Demut einflößt, so oft er sie betritt. Es komme chm darum verwunderlich vor, daß er heute hier den- Ehrenplatz einnimmt. Hier fühle er sich nicht als Führer, sondern als Schüler. Montefiore sagt, obwohl er von Lily Montague flehentlich gebeten worden ist, nichts über sie zu sagen, könne er sich nicht enthalten, zu bemerken, daß Lily Montague die Gründung des Weltverbandes zu danken ist. Noch einige wenige Jahre, schloß er, sind mir zu leben beschieden, diese Jahre will ich unserer Bewegung widmen. Lily Montague verliest «in Grußtelegramm der American Heürew Congregations, das von Ludwig Bogelstein unterzeichnet ist und besagt, die Union der Amerikanisch-Jüdischen Kongregasionen sende der Konferenz die besten Wünsch« und lade sie ein, zur dritten Weltkonserenz des liberalen Judentums nach Amerika zu kommen. Tie ungemein hohe Betelligung Amerikas an der Berliner Konferenz beweise das große Interesse des amerikanischen Judentums aü dem liberalen Gedanken, der die mittelalterlichen Fes. seln abstreisen Hilst und eine Vereinigung der Erkenntnisse von Religion und Wissenschaft herbeisührt. Von den Nichtjuden trennt uns nichts als die Berschiedenheft der Religion. — George Goetz verliest nun Begrüßungsschreiben aus verschiedenen Ländern. Am Sonntag vormittag begann die Sitzung um 11,30 Uhr mit einem kurzen Gebet. Den Vorsitz führt A. Leo Weil, Pittsburgh, der in einer kurzen Ansprache betont, daß der Weltverband für das liberale Judentum in der Frage des Zionismus Neutralität wahrt und daß darum diese Frage nicht zur Erörterung kommen wird; das Präsidium ist aber damit einverstanden, daß die Sondernummer der „Jüdischen Rundschau", die der liberalen Weltkonferenz gewidmet ist, unter den Delegierten verteilt werde. Bon lebhaftem Beifall begrüßt, beginnt Tr. Leo Baeck das Generalreferat der Tagung, das den Titel trägt: „Die Botschaft des liberalen Judentums an die Juden von heute!" In meisterhafter ties eindringlicher Form, die die große Zuhörerschaft in Atem hält und zum Schluß einen außerordentlich warmen und langandauernden Beifall auslöst, entwickelt Baeck die Idee des jüdischen Liberalismus. Ter Jude ist ein Bekenner und ein Zeuge, er darf die Bequemlichkeit nicht lieben, er muß den Willen zum Trama haben, zur Tragödie. Liberalismus bedeutet nicht ein Minimum, sondern ein Maximum an Judentum. Liberales Judentum muß die Stimme der Geschichte hören. Des weiteren führt er aus: Ter Liberalismus im Judentum will den Blick und die Aufgabe des Juden in den ganzen Lebensbereich der Menschheit hineinstellen. Mit den anderen Richtungen im Judentum ist ihm gemeinsam, daß er einen entschiedenen Wert darauf legt, haß der Jude in seiner Religion ein eigenes, eigentümliches, religiöses Besitztum hat, Sehenswert sind meine STUTTGART MODEWAREN. SEIDENSTOFFE WILHELMSBAU MARIENSTRASSE HERBST-NEUHEITEN a &H<h tor sic edtaolcnslcT' hodUnferessanfe 9 DeHoraliORCII s mm dtrM «•sIchtlguMg ich bin«

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