Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 11 (1.9.1928)
- Date
- 1928-09-01
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- [Seite] (sequence 1)
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Gemeinde Hertuns für Oie ifroelttififten OemeinOen a&ttrttemOerB* ctnfttUXead) »»steU^td ftitzrvch 5 Mt, lpHbl«mM| t.SO Mi »•«MtaiplUk 1.13 Ml, dqdmaaR tS KtMiopftimig PoMdK<*-KoaU: MN tneum MMtlU) am L «. 10. 0nlag: JfrncUtffd)c Verlagsanstalt S. m. d. kj. fernspr. rzzr» » Stuttgart » »«seraeuftr. JA Schrtftleltnog: Stadtraddtuer vr. Lieger, Stuttgart, L h artotteuftrah« 13 M* «tnlpoltig* nonpnwtUtyll« 30 K*M|«pf«iiaig Hmftt)tao1ctt«ii u. D««0t»M»t aM»Vadt foadttrsnmjclgra imO klctiw »njil»« Mt KMajtM* « Kftd|«pftnntg, ntM—tjrtl, 1.30 Mi Bei rvieOeetzol»»,«« B«r>»»sti>»»> v. Jo^rooiio etirttunrt, l. CKytcmPcr 1028 Jlr. 11 ie «iichftr Stimmer der Se«einde- Aettaag gelangt der Feiertage halber erst «um 18. Sept. zur Ansgabe. Seid «indee ««ffeeee HotcM 3KBra0am! Ei» »achbenNiche« Wort »vr de« 9teafa0«*fcfk. Am Neujcchrsfeste wird in unseren Gottes- Häusern nach altchrwürdiger Sitte die Erzählung von der Bereitschaft Abrahams, sein Kind zu opfern, aus der heiligen Schrift verlesen. TS gibt wenige Schriftstellen, die so übermenschlich groß und darum so unbegreiflich sind wie dies«. Gott fordert das Opfer des einzigen Kindes und Abraham ist bereit, dieses Opfer zu bringen. Air verstchen Gott nicht, der ein solches Opfer »«langt. Aber noch weniger verstehen wir Abraham, der wortlos berät ist, dies Verlangen zu erfüllen. Und nun wird die Menschheit nicht miüie, das Gottesrätsel dieser Forderung und das Mysterium der Bträtschaft Abrahams zu deuten, als ob es im Bereich« der Menschenweisheft läge, alle Rätselfragen des Lebens zu beantworten. Ist nicht das ganze Dasän, ist nicht jedes Menschenschicksal eine Kette unlösbarer Fragen? Stellt uns nicht jeder Tag vor Rätsel, denen gegenüber unsere angeblich allmächtige Menschenwäsheft ohnmächtig versagt? Der Tod läßt Menschen aus dem Garten des Lebens, Menschen, vollsäftig und jung, im Frühpot des Räfens, in der Vollkraft des Lckens. Werke, in rastloser ehrlicher Arbät begonnen und in unermüdlicher Treue zum Ziele der Vollendung geführt, nach Menschenermessen für Ewigkäten bestimmt, verweht der Augenblick, daß sie spurlos verschwinden. Gibt es überhaupt «ine Antwort aus die tausend schänbaren Sinnlosigkeften, deren Zeugen wir tagtäglich sind? Wo unser Auge hinschaut, starren uns ewig unlösbare Fragen entgegen. Hinter jedem gelösten Rätsel birgt sich ein neues tieferes Geheimnis. Das aber ist das größte Rätsä, größer als alle, die das Leben uns vorlegt, daß am Ende än Sinn in der scheinbaren Sinnlosigkeit sich offettbatt, daß das Geschchen um uns und in uns, so unverständlich rätselhaft es sich anschickt, doch sinnvoll im Endziele ist. Josef wird pm Sklaven verkauft; Jakob wänt um sän angeblich von änem wilden Tiere zerässenes Kind; die Brüder spötteln triumphierend: „Nun wollen wir doch sehen, was aus sänen Träumen wird" — aber über Menschenttänen und Menschenspott hinweg waltä än ewiger Wille und bewirft das von Gott gewollte Ziel. Das ist der Sinn der Abrahamserzählung: Menschemväshät ist nnhtig und siüchttg, sie überblickt, im besten Falle den Augenblick der Gegenwatt. Ueber das Jetzt hinaus kann bas Auge nicht schauen. Was jensäts liegt, ist jensäts dänes Geistes. Darum hoffe, vertraue, glaube! Gott spricht — ergib dich in sänen Willen. Wolltest du trotzen, dän Trotz wäre sinnlos. Gott redä — du kannst sän Wort nicht begräfen — „Er ist der Herr, er tue, was recht ist in sänen Augen (I. Samuel 3, 18)" — und, wie er es tun wird, sän Weg tft der rechte, sein Wille ist Wahrheit, sän Walten ist Weisheit. Bedarf es noch änes Wottes, warum Jftael I gerade die Erzählung von Abrahams Ergebung in Gottes Willen und von chrem Gotteszweck, säner Wäh« für das Werk des Patäarchen am Neujahrsfest in sänen Gotteshäusern liest? Ergib dich in Gottes geheimnisvollen Willen, grüble nicht zuviä über das Schicksal. Vergiß nicht, wie kurzsichttg Menschen sind, die nicht einmal über den?fttg«nblick hinausschauen können. Erinnere dich daran, daß än weiser allgütiger Will« über dir waltä, weltenwät über dein Begräfen und Denken hinaus. Sprich bttend: Nicht mein Wille, sondern Dän Wille geschehe! Dann hast du die Gottesforderung an Abraham und die Bereitwilligkeit Abrahams in dir begriffen, denn dann bist du än Jünger Abrahams, voll ftndlichen Gchorsams, voll wartenden Höffens, voll gläubigen Vertrauens. Das aber soll gerade das Neujahrsfest in dir bewirken! Die zweite Konferenz des Weliverbandes für religiös - liberales Judentum im ehemaligen Herrenhaus zu Berlin. Berlii (J.T.A.). Am Sonnabend, den 18. Aug., abends, wurde im ehemaligen Sitzungssaal des Herrenhauses zu Berlin die zwäte Konferenz des Weltvettbandes für religiösliberales Judentum evösfnä. Die Eröffnungssitzung stand im Zeichen äner großen Kundgebung für den religiös-liberalen Gedanken und gestaltäe sich außerdem zu äner Huldigung der Führer des Liberalismus in der ganzen Welt, für den Präsidenten des liberalen Weliverbandes Claude G. Montefior«^ der vor änigen Monaten 70 Jahre alt geworden ist. Der große Sitzungssaal des Herrenhauses und sämtliche Galetten waren von Delegierten, Gästen und Journalisten überfüllt, es herrschte äne Stimmung der Feierlichkeit und der großen Erwartung. Als Bettreter der Reichsregierung und der Preußischen Staatsregicrung war Gras Tattenbach, als Bettreter der Stadt Berlin der Polizei- Bizepräsident Dr. Bernhard Wäß erschienen. Die Delegietten vettälen sich aus die einzänen Länder wie folgt: 1) Delegiette der Beränigten Staaten von Amerika, a) Delegierte der Centtal Conf. of Am. Rabbis: Dr. Edward R. Calisch-Richmond, Pa; Dr. H. G. Enelow-Newyork City; Dr. Leo M. Franllin - Dettoit, Michigan; Dr. Maurice H. Harris-Newyork City, Dr. Jacob H. Kaplan- Miami, Florida; Rabbi Charles Levi-Newyork Eich; Dr. Gerson B. Levi-Chikago, Illinois; Rabbi Joseph Läser-Helena, Arkansas; Rabbi David Lefkowitz-Dallas, Texas; Rabbi Jsaac Marcuson-Macon, Georgia; Dr. Julian Morgenstern-Cincinnati, Ohio; Dr. David Philipson-Cincinnati, Ohio; Dr. William Rosenau- Baltimore, Maryland; Dr. Joseph Silvermann- Newyork City; Dr. Samuel Schulman-Newyork City; Dr. Nathan Stern-Newyork City; Dr. Louis Wolsey-Philadelphia, Pa.; Rabbi Mattin Zielonka-El Paso, Texas; Rabbi Harry S. Stern- Montreal. b) Delegierte der Union of American Hebrew Congregations: Mrs. Jsaac Bauer-Hartford, Conn.; R. Henry Beckman-Cincinnati, Ohip; Jsaac W. Bernheim-Louisville, Ky; Mrs. Edgar M. Cahn-Rew Orleans, La; Jsaac W. Frank- Pittsburgh, Pa; Dr. Lee K. Frankel-Newyork City; Mauttce I. Freiberg-Cincinnati, Ohio; Mrs. Alexander Kohut-Newyork City; Leslie B. Marks-Cincinnati, Ohio; Henry L. Meyer-Sav Francisco, Cal; Henry Oppenhämer-Baltimore, Md.; Julius I. Pchser-Waphington, D. C.; Nathan I. Richman-Rewyork City; * Milsord Stern-Detroft, Michigan; A. Leo Weil-Pittsburgh, Pa.; I. Wäl-Montgomery, Ala.; Dr. David I. Wolsstän-Cincinnatt, Ohio. ' 2) Delegiette von Frankreich. c) Delegierte der Union Liberale Jsraäite: Rabbin Louis Germain Levy, Salvador Levi, Edouard Memelsdorf, Mme. Memäsdorf, Profäsor Thäodore Ränach, Mme. Cugäne Simon, alle aus Patts. 3) Delegiette von England, d) Delegierte der Jewish Religious Union »or the Advancement of Liberal Judaism, England: Leslie Edgar, The Hon. Mrs. Franllin, Michael Franllin, M. Herz, Mrs. Lionel Jacob, Lionel Jacob, Miß C. P. Lewis, Rabbi Dr. Mattuck, Simon D- Mayer, The Hon. Lily H. Montague, I. P., The Hon. Marian Montague, C. G. Montefiore M. A., D. D- The Rev. M. L. Perlzweig, Leon Reis, Samuel M. Rich, alle aus London, I. H. Hersch-Cambridge; Louis P. Jacobs-Hove. 4) Delegierte von Deutschland, a) Däegiertc der Beränigung liberaler Rabbiner Deutschlands: Dr. L- Blumenthal-Berlin, Dr. Max Dienemann Offenbach; Dr. I. Galliner-Bettin; Dr. Bruno Italiener-Hamburg; Dr. Arnold Lazarus-Frankfurt a. M-; Dr. Joseph Norden-Elberfeld; Dr. Mattin Salomonski-Berlin; Dr. S. Samuel- Essen; Dr. Caesar Seligmann-Frankfurt a. M.; Dr. Max Wiener-Berlin; Dr. Georg Wilde- Magdeburg; Dr. A. Wolf-Dresden; b) Däegierte der Beränigung für das liberale Judentum: Erich Bayer-Breslau; Rechtsanwalt Dr. Walter Breslauer-Berlin; Justizrat Max Chodziesner- Berlin; Sanitätsrat Dr. Albett Ettlinger-Frankfurt a. M.; I. Fabian-Königsberg; Frau Bercha Fallenberg-Berlin; Rechtsanwalt Dr. M. Galliner-Berlin; Rechtsanwalt Dr. Rud. Geiger- Frankfutt a. M-; Generalseftetär George Goetz Berlin; Rabbiner Tr. B- Gottschalk-Frankfurt a. M.; Rechtsanwalt Tr. Hugo Hoffmann-Frant» furt a. M-; Alfred Jaulus-Berlin; Rechtsanwalt Richard Jung Nürnberg; Rechtsanwalt Dr. S- Kausmann-Köln; Arthur Rosenberg-Dortmund; Rechtsanwalt Hänttch Stern-Berlin; Professor Dr. M- Türk-Berlin; Jacob Balk-Hamburg; Bruno Woyda Berlin; ferner Georg Berghold- Danzig. 5) Verschiedene Länder: Schweden: Admiralitätsrat Henrik Wolff-Stockholm; Polen: L6on Bregman-Warschau; Ing. A. Äebanow-Wilna; Dr. Ftttz Leifter-Bielitz; Rumänien: Rabbiner Kecskemeti-Großwardein; Tschechoslowakei: Rabbiner Dr. Stern-Saaz; Rabbiner Prof. Dr. Ziegler-Karlsbad. Im Saale bemerkte man den Präsidenten der Jüdischen Gemände ju Berlin, Kommerzienrat Gerson Simon,, den Vorsitzenden der Berliner - Repräsentantenversammlun Gcheimrat Dr. Julius Stern, den Präsidenten des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden,