Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 10 (16.8.1928)
- Date
- 1928-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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WM! MWMNM! - 119 - | Willkommen jüdische Jugendvereine! [ Gedanken zum Südd. Jugend» treffen am 19. August 1928 in Stuttgart. Wie in der Gemeindezeitung schon mitgeteilt, findet am 19. August ds. Js. in Stuttgart das diesjährige Treffen der dem „Reichsverband jüdischer Jugendvereine Deutschlands" angeschlossenen süddeutschen Jugendvereine statt. Wenn der Berthold Auerbach-Verein, als ältester jüdischer Jugendbund Deutschlands, die Organisation und Ausgestaltung dieses Treffens übernommen hat, so ging er hierbei auch von der Voraussetzung aus, daß Stuttgart, als ein Sammelpunkt jüdisch-geistigen Lebens in Süddeutschland, für diese Tagung in erster Linie in Frage komme. Abgesehen davon, daß der Berthold Auerbach-Verein seit mehr als 3 Jahrzehnten unermüdlich für die geistige und körperliche Ertüchligung unserer jüdischen Jugend gearbeitet hat, soll durch das diesjährige süddeutsche Jugendtreffen einer breiten Oeffentlichkeit erneut die Bedeutung einer zielbewußten Jugendpflege dargetan werden. Wenn auch in weiten Kreisen die Wichtigkeit solchen Strebens erkannt und materielle wie ideelle Hilfe nicht versagt wurde, so kam doch im Referate von Dr. Julius Herzfeld, Essen, der über „Die Arbeit der Jugend in der Gemeinde" anläßlich der Dresdener Delegierte ntagung unserer Jugendvereine sprach, aufs neue zum Ausdruck, daß unsere Jugendorganisationen ohne die Hilfe der Gemeinden und ohne die Unterstützung des Elternhauses nur mit Mühe den an sie gestellten Anforderungen gerecht werden können Gemeinde und Elternhaus sind in der Tat auch die Pole, zwischen denen jüdisch-geistiges Leben strömt, sind die Quellen des Gemeinsinns und froher Berantwortungsbereitschast. Mit Freude kann man heute feststellen, daß die deutschen jüd. Jugendvereine die Lösung aller Gegenwartsfragen, die Erhaltung der Gemcinden, die Verankerung unseres ©tinä im Ethos der Religion, die Schaffung einer Gesamtvertretung der deutschen Juden usw. aus dem altbewährten Geist der Gemeinsamkeit lösen und an der Bildung einer Einheitsgemeinde Mitarbeiten wallen, die stark genug ist, um allen Anfeindungen von innen und außen zu trotzen. Gerade in der heutigen Zeit, in der entnervenden Hast des modernen Lebens, sollte dieser jungjüdische Wille gebührend gewürdigt werden! Muß das Bekenntnis, das unsere Jugend in Dresden ablegte, nicht alle jüdischen Herzen höher schlagen lassen? Eindeutig wurde dort zum Ausdruck gebracht, daß der „R.ichsverband der jüd. Juge.idreceine Deutsch lands" sein Ziel in der Erziehung unser er jungen Menschen zu bewußten Juden und gesinnungsvollenStaatsbürgern erblickt. Aus der Synthese von religiöser Lauterkeit und staats- und gemeinschastsbejahender Gesinnung wird — wie für unsere Jugend ■— auch dem Gesamtjudentum ein Weg in die Wirklichkeit erblühen — ein Pfad zu den Herzen aller, die im Juden immer noch den „anderen Menschen" sehen und den Rus des Gewissens nicht hören wollen. Mehr wie je kommt es jetzt darauf an, alle Fragen, die an die jüdische Gesamtheit und Einzelpersönlichkeit herantrelen, aus dem Geist unserer Religion und versöhnender Toleranz heraus zu lösen und so zu beweisen, daß wir an der inneren und äußeren Befriedung der Böller wie an der ethischen Anreicherung des eigenen Lebenskreises zukunftsfrohen Herzens arbeiten —. Ist es nicht ein erhebendes Bewußtsein, unsere jüdische Jugend in e i n e r Front mit allen zu wissen, die für die Ideen der Gemeinschaft und Brüderlichkeit sich einsetzen? Ist solche seelische und geistige Bereitschaft nicht wärmster Unterstützung aller unserer Glaubensgenossen wert, die in der Erhaltung des Judentums und in der Verkündung seiner Ewigkeitswerte die Aufgabe ihres Daseins überhaupt erkannt haben? In dieser Fragestellung erblicken wir sowohl den Kern des modernen jüdischen Jugendproblems als auch den Ausgangspunkt einer allgemeinen jüdischen Renaissance: Nur wenn die Aelteren, die doch in einer an Leib und Seele gesunden jungen Generation die Pioniere ihrer ureigensten Ideenwelt erblicken, nur wenn Elternhaus, Gemeinden und jüdische Jugend sich vertrauensvoll die Hände reichen und sich gemeinsam zu einem umfassenden Ethos emporzügeln — nur dann werden alle Tagungen und Trefsahrien unserer jungen Brüder und Schwestern die erhofften Erfolge zeitigen. — In diese gegenseitige Unterstützung beziehen wir aber auch die Anerkennung als solche ein. Jugendlicher Eifer und Tatwille verlangen nun einmal Anerkennung, erheische» verständnisbolle Würdigung und Vertrauen zur jungjüdischen Leistung. — Darum sollten wir nicht abwartend beiseite stehen und in den Bemühungen unserer Jugend um Lebensform und Daseinsinhalt nur Manifestationen unreifen Sturm und Drangs sehen. Nein! Väter und Mütter, Schulen und Gemeinden dürfen davon überzeugt sein, daß für die gesamte deutsche Jugendbewegung die Zeiten einer in falschverstandener Romantik versandenden Arbeit vorüber sind, dürfen davon überzeugt sein, daß auch die jüdische Jugend fest auf dem Boden der Wirklichkeit steht und weiß, was man von ihr erwartet. — Und darum sollt« jeder, der von der Bedeutung dieser kurz ausgezeigten Probleme durchdrungen ist, am Stuttgarter Treffen der süddeutschen jüdischen Jugendvereine teilnehmen, dessen ko st bares Vermächtnis für unsere Jugend sowohl wie für die Ael. teren das Erlebnisder seelischen und geistigen Verbundenheit sein wird FrischaufzumSüddeutschenJugendtreffen! — Hans Stetnheim. Wozu Zugendverband? Don Jakob Jacobs. ' I. Ter Beginn der Jugendbewegung war ein Protest. — Es war ein Protest gegen die Gesellschaft, wenn Karl Fischer mit seinen Wandervögeln in die Wälder zog, um ein von bürgerlichen Gesichtspunkten her gesehen unmögliches Leben zu leben, ein Protest, wenn^die Freideut - schen aus dem Hohen Meißner demonstrierten, daß sie allen Ernstes ihr Leben aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung mit innerer Wahrhaftigkeit gestalten wollten. — Es waren unerhörte Worte (in des Wortes ursprünglicher Bedeutung), und es ist zum größten Teil beim Gestalten-Wollen geblieben: frei und groß das Wort, dem beim absoluten Willen eines un bedingten Lebens die Tat nicht folgen konnte; solange nicht folgen konnte, als alle Grenz setzungen, die beim Eintritt in das eigenverant wörtliche Leben wirkten durch die Tarnkappe be geisternder Worte und' innergrüpplichen Gemein schaftslebens unsichtbar gemacht worden sind. — So kam für jeden Einzelnen dieser Menschen, die sich in der Gemeinsamkeit ihrer Gruppe mit dem Ideal im Herzen wohlgeborgen fühlten, die umso größere Enttäuschung, als der Schritt i» Berthold Auerbacfa-Verein Süddeutsches Treffen 1925 in Stuttgart am Sonntag, den 19. August Pfinktlicfa 900—1300 Leichtathletische Wettkampfe auf dem Platz der .Stuttgarter Sportfreunde“ Stuttgart-Degerloch 14°° Gemeinsames Mittagessen im Oberen Museum, KanzleistraBe 11 15°° Tagung dortselbst mit folgendem Programm: 1. Phantasie in C-Dur op. 15 . . Schubert! Gespielt von Frlt) Rothschild, Stuttgart i 2. Begrüßungsansprache von Dr. Walter Einstein, Stuttgart Weitere Ansprachen 3. .Dichtungen unserer Zeit* Gesprochen von Hilde Fisdier, Stuttgart 4. .0 wüßt ich doch den Weg zurflck.Brahms Oesungen von Lehrer Kahn, Hellbronn 5. .Jüdische Jugend, der einzelne und die Gesamtheit“ Referat von Geriditsassesor Herbert Felsenthal, Düsseldorf 6. Aussprache 7. Verteilung der Ehrenpreise und Diplome Gemütliches Zusammensein Zu diesen Veranstaltungen sind die Mitglieder der Gemeinde Stuttgart und der übrigen württembergischen Gemeinden herz 11 (fast eingeladen f glückliche Geburt eines kräftigen Sohnes zeigen hocherfreut an Julius Wifimann und FrauKlärle, geb. Kulb Stuttgart, 9. August '1928 Nette MJeinsieige 16 z. 24. Herdwtg 12 Quailtlts-Orlglnal« aus Baron ,0N Rofhsdiilds weltberühmten Weinkellerelen In Rlschon le Zion Feinst. Taf ulu. Dassartwaln«, Walabrantf Llköra. Hervorragende MOflllSlllBlWOlllO fflr Dlobotlkor, Blutarm«, Krank« und MagenUldund«. Alleinvertrieb für Deutschland: lmport-G«s.-PalBstina nt. b. H. Berlin W 57, Bü^owstraße89 PMWHHIIIII SCHIEDMAYER Planofortafabrtk v. J. u. P. Bobladmayer STUTTGART, Neckaratraase 12, Eck« uirtohatr*.«» FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM miiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiimif iiiitiiniimiiuuiitunhmiiuMniiiHwiitiiiit Miiiiiiiimiiiiiimmiiiimraiiiiiiiimiiuiii^ MIETE TAUaOH 8TIMMUNQEN BEQUEME TEILZAHLUNOEN Famapreotw aee ai/aa