Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 9 (1.8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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Fragen der Re.igion, Fragen über Gort und Glauben, über das We,en, die Bedeutung und die Aufgaben oe. Juoenruins oefprcchen mug. Tamil ecfchöpfc sich jedoch der israelitische Re.i gionsunrerrichi nich: ich denke dabei an Schüur der Lberttasten. Es soll auch hebräisch ge.eyrr werden. Namentlich positiv eingestellte töliein iverdcn fordern, datz chre Kinder im Unterricht sich die Kenntnis des jüdischen Schrifttums i.i der Ursprache, wenigstens die Kenntnis der Ge bete, die Fähigkeit, sie fließend zu te,en uirö zu übersetzen, aneignen. Tse Berechtigung einer soi chen Forderung leuchtet ohneweiteres ein. Um nur eines hervorzuheben: Tie Sprache unseres Gottesdienste, ist hebräisch. Werden die Geoele nicht verstanden, so sinkt er zu einem bloßen Lippenwcrk herjch. hebräisch ist jedoch keine leich.e Sprache GenüglVda Die eine Stunde, die in der Woche für dw Erlernung des Hebräischen und meistens noch für zwe. komoinierte Klassen verschiedener Älrerssluscn bestimmt ist? Genügt der Fleiß, den unsere Schüler für diese eine Smnde auswenden? Auch der beste Legrer kan» da nicht viel lejsten. Schon das Gesagte dürste geiiügen, um za zeigen, daß der jüdische Religionslehrec keine ' leichte Aufgabe hat. Sie würde chm erleichtert irerden, wenn sich die Ellern über die Wich 2>er Me afehenßoh«, eine Buchbesprechung. . EmilLudwig, Ter Mcnjchensohn, Geschichte eines Prophe.en. Mit 15 Zeichnungen von Rem> brandl. Ernst Rowohlt Lerlag. Berlin 1828. Tas Buch eines Tichiecs, phanlasiercich und sarbenbunt aber eoenso unphilvsophisch irre unhistorisch. Sein Weg und sein WiUe sind ver alter, da es alles Wunderbare „vernünftig" er klären wiU, während neuzeitliche Geschichtsschrei bung das Wunder als das betrachtet, was es ist, als das Bild, in der eine Zeit eine wundersame Persönlichkeit geschaut, ein Bild, dem psy chologisch so viel Wirklichkeit zuerkannl werden muß wie der Wirklichkeit selbst. Bor allem aber ist das Buch, das sich überaus historisch ge bärder, eine Kette von Geschichlsirrlümern und falschen Aujsassungen des geschichtlichen Geschehens. Emil Ludwig will versuchen, das Lesen Jesu rein historisch zu beschreiben. Er weiß, wie schrver diese Ausgabe ist. „Fest steht nichts als Anfang und Ende, die Taufe und der Prozeß. Ordnet man aber die Berichte psychologisch, so wird alles logisch". Tar- Buch will Jesum den Menschen, nicht Christum den Erlöser darstellcn. Ter Autor teil! die Geschichte erzählen, „als wüßte er nichts von den We.tsolgen dieses Lebens'. Was Ludwig darstellr, ist aber iveoer Jesus der Mensch, noch Christus de: Erlöser, sondern ein Versuch, mit unzureichenden Mitteln und ohne die erforderliche geschichtliche und philoso phische Schulung ein Problem zu losen. Tas Bild Jerusalems, mit den das Buch beginnt, „das schlafende Jerusalem träumt vom -Messias", ist ein hübsche; Phan:asiebild mi zahl« reichen geschichtlichen Erinnerungen, aber mit ncch "zahlreicheren ungeschichllichen Erbietungen. Ticse Pharisäer, diese scheinheiligen Heuchler, sind ganz nach dem protestantische l Klischee vom Phari säer gezeichnet. Ludwig weiß nicht, daß inzwi scheu Elbogen, Perles und Eschelbacher und von christlichen Theologen besonders Travers Herford dieses Zerrbild in seine richtigen Konturen zu — 106 — ligkeit des Re.igionsunterrichtes i.n Klaren wären, ivenn sie wüßten, daß er in erster Linie gecigne. ist, die Gesinnung der Gerechtigkeit und Nächstenliebe, die Ehrfurcht vor allem Großen und Heiligen, auch die Ehrfurcht vor Vater und Mutter in den Herzen der Kinder zu erzeugen und zu erhalten und dem Heranwachsenden jungen Menschen einen sicheren Halt in allen Fährnissen des Lebens zu geben. Mehrere Jahre hindurch habe ich den Religionsunterricht, zumeist in den oberen Klassen der höheren Lehranstalten, in Stuttgart erteilt. Tie Schwierigkeiten, mit denen auch ich zu kämpfen hatte, haben mir die Freude an meiner Tätigkeit nicht genommen. Ich war mir, wie jeder rechte Lehrer» und Tiener der Rettgion bewußt, daß ich >im Dienste einer hohen und heiligen Ausgabe stehe, und ich darj hoffen, daß meine Wirlsamleit nicht umsonst gewesen ist. Ich habe mich bemüht, der Jugend, auch der schulentlassencn, nicht nur Legrer, sondern auch Freund und Berater zu sein, und ich empfind« es bei meinem Scheiden als meinen höchsten Liohn, daß sie mir Vertrauen, Freundschaft und Liebe entgegengcbracht hat. Gern w.rde ich ihrer und all derer, insbe,andere der El.ern, die m.r in ein sichtsvoller Weise zur Seite gewesen, gedenken. Möge man auch mir eine freundliche Erinnerung bewahren! rückgeführt haben. Natürlich verwendet Ludwig die geschichtlich siimlose Erfindung, erfunden, um den Haß gegen die Juden zu steigern, um sie sür Jesu Tod verantwortlich zu machen, obwoh/ ihnen die Rechtssprechung damals nicht zustand, daß die Juden vor jedem Passahfeste das Recht gehabt, eine.: Kapitalvcrbrccher vom römischen Statthalter sreizufordern. Tabei glaubt Ludwig, daß er alles, was die Evangelien berichten, natürlich deutet, daß seine Teurung eine „einfache, natürliche, die unserer Zeit entspricht". Aber diese Erklärungen sind unnatürlich, ungeschichtlich, eben weil sie „un serer Zeit" entsprechen. Tie Erscheinung der Taube, des heiligen Geistes, deute: er: „Sein Ohr hört Stimmen. Wie? Ist das nicht eine Taube, die auf ihn zurauscht" usw. (2. 85). Die Teufelsecscheinungen, prachtvolle Zcitbi.der, sind Hungerhalluzinationen im Halbschlaf oder im Traum (S. 88). Noch naiver wird das Wunder von Gadara gedeutet: „Zu gleicher Zeit satten vom steilen Festen ein paar von den Schweinen ins Wasser, denn der Hirt hat nicht auf sie, nur auf die Fremden achtgegeben (S. 153)". Aber noch dürftiger ist die Deutung des seelischen Erlebnisses in Jesu selbst: „Ein stiller Tischler, der Gott in sich trug, ist durch den Truck ihm abgcnötigter Wunder, durch den Zurus der Menge, den Argwohn und Angriff der Hierarchie, vor allem durch Gestalt und Schicksal eines VorläuserS im Laus nur eines Jahres auf immer engere, steilere Weg« getrieben worden, bis ihn zuletzt Gewißheit erfüllt, jener Erlöser zu sein (S. 184). So schreibt eine. Geschichte, der vom psychologischen Werden und Reifen nur eine recht unklare Vorstellung hat. Finis coronat opus :„Tie Priester gehen zu Pilatus, werfen ihm seine Nachgiebigkett vor und prophezeien endlosen Aerger, weil man den Jüngern d:s stolzen Propheten erlaubt hat, seine Leiche fortzutragen — und nun werden sie sagen, ec sei auserstandcn. Tie Frauen aber, die chn liebten, glaubten in wachen Träumen den auferstandenen Jesus lechhaftig zu schen". Mit diesen Worten schließt daS Buch vom Menschensohn, das angeblich die Berichte über sein Leben psychologisch ordnen und logisch deuten will! Das Schönste an dem Buch sind die 15 Zeichnungen von Rembrandt. 2>r. 3tilttt4 GoQn. Am 25. August verläßt Rabbiner Dr. Julius Lohn Stuttgart, um daS durch den Tod des Rabbiners Dr. Ferdinand Straßburger verwaiste Ulmer Rabbinat zu übernehmen. Die Stuttgarter Gemeinde sieht den Mann, obwohl er nur wenige Jahre hier gewirkt hat, mtt aufrichtigem Bedauern scheiden. Bor allem hat sich Dr. Lohn in unserer Jugend ein bleibendes Denkmal errichtet. Er hat es meisterhaft verstanden, die Herzen der Kinder zu gewinnen, ihr« Seelen zu fesseln und sie für die heiligen Werte unsere- Judentums zu begeistern. Dr. Lohn war aber nicht nur der verehrte Lehrer, sondern zugleich auch der liebenswürdige Freund unserer Kinder. Wie oft hat er durch seine schlichten Worte in den JugmdgotteSdiensten den Zugang zu ihren Herzen gefunden. Wie war er bei den Festen unserer Jugend der unermüdliche und nie ungeduldige Regisseur und Arrangeur. Unsere Kinder wrrden den gütigen Lehrer, den liebevollen Führer, den begeisternden Mahner nicht vergessen. Besonders rühmenswert war Dr. Lohns Wirken für die Heranwachsende reifere Jugend, seine Arbeit im Berthold Auerbach-Verein und als Vorsitzender des Württembergischen Landesverbandes der jüdischen Jugendvereine. Es wird stets unvergessen bleiben, was er hier durch seine Vorträge, seine Werbereisen und durch die von ihm geleiteten Heimabende geleistet hat. In diesem Zusammenhang« muß auch die rednerische Wirksamkeit des Scheidenden dankbar anerkannt werden. Er war hier wie in seiner Bezirksgemeinde Lannstatt als Kanzelredner hochgeschätzt und hat es besonders bei Bestattungen und Trauungen verstanden, stets das richttge Wort des Trostes und der Mahnung zu finden. Dr. Lohn hinterläßt hier nur Freunde. LS wird ihm sicher in feinem neuen Wirkungskreise schnell gelingen, sich dieselbe Wertschätzung zu erwerben. Möge ihm in Ulm Glück und Segen beschreden sein! DER NEUE. GROSSE CHEVROLET Offener Wagen 5sifeig . . . RM 3725.- , , 1 Jahr 9S 1 Jahr Fabrikgarantie Limousine 2tfirig 5 Sitpg . . RM 4250.« Fabrikgarantie STUTTGART t Königstraße 3