Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 8 (16.6.1928)
- Date
- 1928-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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- 96 - mann, halte stets Zeit, wenn es galt, Liebestaten zu üben, den verwaisten Kindern aber galt seine . ganz besondere Fürsorge. In warmen Worten dankten noch Rechtsanwalt Tr. Mainzer sür die^ ^Stuttgart Loge, Tr. Feldmonn süe den Central verein dem Wohltä er, der wenige seine» gleichen 'ha te. Noch srr ch Johanne; Fischer für die Teu.sche Temokrausche Partei. Cr rühmte des Pcrstorocnen Verbundenheit mil dem deutschen Vaterlande, dem deuischenVol e. die -sich besonder; in Zeiten schwerster Rot glänzend beivährte, auch in Tagen, wo eS für einen Juden schwer war, seine Vater landsliebe zu bekunden. Mil Tcnkbarkcit eesenke die Parlei der inneren Treue diese» hervorra gcndcn Mannes. Worte ausrichkigcn Tankes wa ren es, die namens der Angestellten und Arbei tee des Hauses gesprochen wurden. Ihren verehrten Seniorchcs, der ihnen allen ein leuchtend j Borbild war, ein treubesorgter Chef und Berater, ein Helfer und Freund, wo es zu helfen, zu stützen galt, werden sie nie, niemals vergessen. Nun stimmten die Kantoren das ergreifende ^Licd „Süß und ruhig ist der Schlummer" an, und Mitglieder des Vorsteheramts tv'.e des Ausschusses des Jsr. Männervereins trugen Adolf Wolf zu Grabe, legleitet von einem schier end losen Trauergefol-e unter den sich unter anderen namhaften Persönlichkeiten auch Loerüürgermei ster Tr. Lautenschlager befand. Biele schöne Worte der Liebe und Treue, der Verehrung und Tankbarkeit wurden an Adolf Wolfs Bahre gesprochen, und wenn es noch mehr, noch unendlich mehr gewesen wären, sie hälttN nicht ausge e cht, wiedcrzugeben, was wir an diesem edelsten Mann besessen, was wir durch; seinen Tod verloren haben. M. 0. Jeden Bücherwunsch erfüllt Ihnen die SCHWÄBISCHE BÜCHERSTUBE Schneider & Truckenmüller Charlottenstr. 1/ Telephon 25034 Auch soll, wie in den früheren Jahren, eine Stunde der Besprechung praktisch -religiöser Fragen gewidmet werden. Wünsche und Vorschläge hierzu sollen möglichst bald an den Kursleiter, Herrn Konferenzrabbiner Dr. Unna in Mannheim, gerichtet werden. Dr. Stein. Oie Krisis in der Religion., Einer der gefährlichsten Denkirrtümer der Sprache ist die Verwechslung oder gar die Gleichstellung der Begriffe Religion und Konfession. Tie Religion umschreibt das persönliche Verhältnis des Menschen zu seinem Gott; Konfession ist die bestimmte behnntniSmäßige kultuelle und rituale Ausprägung, in der eine Gottesverehrung erscheint. Gewiß hat jede Konfession neben Kultus und Ritus einen gewissen Gehalt an Religion. Sicher hat die Religion an der Wiege jeder Konfession gesessen, bis die leöenntnismäßige Form die Ueberhand über die persönliche Einstellung zur Gottheit gewann -und sie verdrängte. Man kann sogar den Wert einer Konfession nach ihrem Gehalt an Religion bemessen. Daß auch die Größten die Begriffe Religion und Konfession miteinander verwechselt haben, beweist das bekannte Tichterwort: „Du fragst, warum ich keiner Religion angehörc? Aus Religion!" Spracht ch genau müßte das Wort lauten: „Du fragst, warum ich keiner Konfession angehöre? Au» Religion!" TaS ist die gedankliche Voraussetzung, mit der an eine Betrachtung der letzten Nummer der Süddeutschen Monatshefte herangetreten werden muß, die der „Krisis der Religion?" gewidmet ist. Vertreter aller Bekenntnisse haben sich hier ein Stelldichein gegeben. Aber die Mehrzahl von ihnen hat diese gedankliche Voraussetzung nicht beachtet. TaS ist auch der Mangel eines sonst lesenswerten Aufsatzes über dieses Heft, den Lic. Waldenmoyer im Neuen Stuttgarter Tagblatt veröffentlicht hat. Was heißt denn Krisis der Religion? Sicher die Annahme, daß sie sich in einem Zustand schwerer Gefährdung befindet, dessen Ausgang mit einem völligen Zusammenbruch enden kann. Schon diese Möglichkeit offenbart den Irrtum der Problemstellung. Religion ist stets aus einer Krisis geboren, ist ein Gärungs- und Werdeprozeß. Tie Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, dir Sehnsucht nach einer Erneuerung, der Wille zur Neugestaltung, also ein ewig Zukünftiges ist in jeder Religion wirksam. Nicht behagliche Selbstzufriedenheit, nicht genügsame Alltäglichkeit, nicht die träge Freude am Herkömmlichen, sondern das Ausbegehren gegen das Bestehende, das Ausspähen nach dem Besseren ist die eigentliche Triebkraft des Religiösen. Die Religion ist der Einspruch gegen das Veraltete, in ihr ringt das Neue zu Tage. Tie Propheten, die schöpferischen. Genies ^lmtliehe 3?efanntmocf)tätigen Israelitischer Lderrat V e ireif : Befreiung jüdischer Kinder vom Un lerrichk während des Sabbatbgottesdienstes. Tie Ministerialableilung für die böberen Schu l,i> und der Evangelische Obcrschulrar haben sich linier dem 23 Mai ds. I. damit einverstanden erklärt, daß die ifraeliiischen Schüler und Schüler innen an den Sabbakhen, an denen die Bezirks robbiner die ,-lemeiuden tefuchen. für oen Besuch des .Koilesdien-öes vom Schulunterricht für die Tauer des >okke;dien'ies Urlaub erhalten können. . Es liegt im Interesse der Hebung des religiö Kn Lebens, daß die israelitischen Schüler und Schülerinnen Gclegenbcit haben, an den Gottesdiensten leilzunehmen, an denen der Bezirk»- rabbinel eine gottesdienstliche Ansprache an die l^eineinde richtet. Tie Bezirksrabbiner haben die Verpflichtung den tcire'fenden Schulleitungen Mitteilung über den Besuch in der Bezirksgcmeinde und die Zeit des bcireifenden Gottesdienstes.zugehen zu lassen. Nördlinger. Israelitischer Lderrat. Vom Lberrat der Israeliten Badens Karls ruhe gebt uns das in Abschrift beiliegende Programm zu dem diesjährigen Fortbildung-; kur; für Religionslelircr und Kantoren vom Juli bis!>. August 102K in Mannheim zu Etwaige Urlaubsgesuche iväien rechtzeitig hier l’n e-nzure chen Ein B.ilrag zu den Kosten kann nur ausnatimsw'ise gewährt werden. Nördlinger Ter diesjährige Fortbildungskurs soll vom 29. Juli bis 9. August 1928 in Mannheim abgehallen werde». Als leitender Gedanke für de» Hauptteil der Vorlesungen ist der „Versöhnungsrag" gewählt worden. Nachstehend erhallen Sic ein vorläufiges Programm, das jetzt schon bckanntgegebcn wird, um den Teilnehmern genügend Zeit zur Vorbereitung zu gewähren. Ta» endgültige Programm wird rechtzeitig be kanntgcgeben werden. Anmeldungen zur Teil i nähme können jetzt schon erfolge». Wir erwarten, daß sich namentlich solche Lehrer anmelden, die bisher noch an keinem Kurse teilgenommen ha den, insbesondere die jüngeren Lehrer. Programm: Bibel: Tie Bußpsalmen 6, 32, 38, 51, 102, 130, 113: 6 Std.; Tr. Lauer. Mischna: Traktat Joma; 6 Std.; Tr. Unna. Einleituiigvortrag: Zur Geschichte des Bersöh- ' nungstags. Talmud Joma: 82a 83a, 85 87. 4 Std.; Tr. Unna. - Einleitender Vortrag: Schicksale des Talmud. Midrasch: Ter Versöhnungstag in Mi drasch. (Ausgcwäblte Midraschim über den VersöhnungStag). 4 Std.; Tr. Lauer. I Liturgie des Versöhnungstags. 4 Std.; Dr. Zi mels. - Einleitender Vortrag: Stil und Sprache der j Paytanim 1 Religicnsphitoscphic: Die Idee der Versöhnung. 2 Std.; Tr. Grünwald. ■ Tie Friedensidec im Judentum. 3 Std.; Tr. Schiff. Außerhalb dieses Rahmens wird serner Herr ■ Prof. Tr. Hülsen Frankfurt a. M. eine 6stündige! Vorlesung halten über:! „Tic Kunst Assyriens und Babyloniens im j biblischen Zeitalter" (mit Lichtbildern). Außerdem sind folgende Vorlesungen vorge j sehen:! Pädagogik: Neue Forschungsergebnisse i» der Heilpädagcgik 2 Std.; Tr. Moses, j Geschichte: Die Juden in Polen im 18 und 19. Jahrhundert. 2 Std.: Tr. Lauer. Kaorat: Tie bedeutendsten Meister aus dem Gebiet des Synagogengesangcs und ihr Schaf scn. 2 Std.; Kantor Adler. Wohlfahrtspflege: Probleme jüdischer Jugend Wohlfahrtspflege. 1 Std.; Frau Netter. Für den praktischen Teil ist eine Reihe von Lehrproben in Aussicht genommen, darunter auch über den Versöhnungstag in der Unterstufe, der Mittrlstuse und der Oberstufe. Nach kurzer Krankheit verschied heute nachmittag 3 Uhr Nach kurzer Krankheit verschied am 9. Juli ds. 2s. unser alloerehrter 1. Vorsitzender mein innigstgeliebter Mann, unser treubesorgter Vater, Kommerzienrat Kommerzienrat Adolf Wolf Adolf Wolf im 74. Lebensjahr. im 74. Lebensjahr. Ganz besonders schwer empfindet die Lbrvra Kadischa diesen unersetzlichen Verlust. Hat der Verstorbene doch gerade unserem Verein seine besondere Liebe und Fürsorge gewidmet und ihm seit 26 Jahren als Ausschußmiiglied und Vorsitzender jederzeit mit Rat und Für die trauernden Hinterbliebenen: Tat zur Seite gestanden. Während dieser langen Zeit hat er in vorbildlicher Weise die heiligen Aufgabe» unseres Vereins aufs ge- Selrna Wolf wtffenhafteste erfüllt und damit allen seinen Mitglieder» ein leuchtendes Beispiel gegeben. — Nie erlöschen wird unsere Dantbarkeit! mit Töchtern Hannah und Ruth «trip &ran Stuttgart, 9. Juli 1928 Hölderlinstraße 12. 3 ft. Männerverein für Krankenpflege und Leichenbestattung, E.D., Stuttgart Der Ausschuß.