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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-06-16 · 8 (16.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
8 (16.6.1928)
Date
1928-06-16
Page
[Seite] (sequence 3)
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- 97 - Der Bericht der Britischen Regierung an den Völkerbund im Jahre 1927. der Religion, protestieren gegen die Erstarrung der Konfession, die als Religion den Massen angepriesen ward. Ein Amos predigt im Namen Gottes gegen das offizielle Kirchentum des königlichen Staatstempels zu Bethel. Dabei ist dieses Heiligtum ein Musterinstitut, der offiziellen Kirchenfrömmigkeit. Aber hinter dieser Kirchlichkeit birgt sich Unmoral und Irreligiosität. Und der Protest gegen diese beiden, die Krisis dieser inne ren Krankheit ist die Geburtsstunde der propbe tischen Religion. Gerade die Kirchenaustrittsbewegung der Ge genwarl ist im Grunde tiefreligiös. Sie ist der Einspruch gegen eine Konfessionalität, die sich mit einem kirchlichen Formalismus begnügt. Sie muß von dem flachen Materialismus einer angeblichen Wissenschaftlichkeit streng geschieden werden, welche die Religion als eine Kinderkrankheit kennzeichnen möchte. Wer die Seele der Zeit belauschen will, darf nicht bei den Materialisten in die Schule gehen. Er muß sich in die Gegenwartsdichtung vertiefen und wird die vielleicht überraschende Wahrnehmung erleben, wie echtreligiös unsere anscheinend so irreligiöse Zeit ist und wie überall aus der Krisis der Zeit Religion geboren wird. Das Heimatsuchen, die Heimwehsehnsucht, der Sternentraum der modernen Dichtung ist eine Offenbarung der in ihr zum Lichte ringenden Religion. Was Weltsch über das europäische Judentum in seinem Beitrag zu der Sondernummer der Süddeutschen Monatshefte sagt, ist durchaus nicht aus jüdischer Religiosität heraus gesprochen, son dern aus zionistischer Idiosynkrasie, die alle Le bcnsäußerungen der nichtzionistischen Judenheit als Todeszuckungen auslegt und das Allheilmittel in einer nationalen Wiedergeburt auch für die Religion erwartet. Er hat dabei allerdings auch rabbinische Gewährsmänner, wie das aus einem Aussatze Dr. Schlesingers-Buchau über das Prob lem der Säkularisierung des Judentums her vorgeht- (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 71. Jahrg., S. 331 ff.). Sie übersehen dabei die Tatsache, daß die Hoff nung auf ein neues religiöses Erlebnis in Palästina die Bankerotterklärung der eigenen Religiosität bedeutet. Ein Judentum ohne Religion, die zur Privatsache erklärt wird und sich mit angeblichen Ehrenrechten zu begnügen hat, ist ein jämmerliches todgeweihtes Zwittergebilde. Ein säkularisiertes Judentum ist ein Widerspruch in sich selbst Tie angebliche Krisis der Religion ist also weder eine jüdische, noch eine christliche Erscheinung, sondern die Krisis des modernen Menschen. Sie ist auch keine Krisis der Religion, sondern ein inneres Gären, aus dem Religio» geboren wird. Es handelt sich in ihr nicht um eine Krankheit der Religion, sondern um das Tiefste im Me» schon, sein Ringen um das Höchste, sein Kamps z» Gott, um die Geburtsstunde der Religion. Tie britische Regierung hat durch die Mandatskommission des Völkerbundes dem Völkerbundsrat einen Bericht über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens-im Jahre 1927 überreichen lassen. In dem Bericht wird einleitend sestgestellt, daß im Verlaus von 1927 die jüdische Kolonisation in Palästina unter einem schweren finanziellen Druck gestanden hat, der noch durch die Trockenheit im Süden des Landes und durch die Wirkungen der Erdbeben im Juli verstärkt worden ist. Wenn nun das vergangene Jahr eine Periode wirtschaftlicher Depression bedeutete, so würde es dennoch eine Uebertreibung sein, von einer „finanziellen Krise" zu sprechen. Indessen ist eine sofortige Besserung nicht als wahrscheinlich anzusehen; in den nächsten Jahren wird dir Regierung vor dem Problem stehen, wie sie, ohne dec Bevälkemng eines wenig entwickelten Landes ungebührliche Lasten auszuerle^en, die Mit tel beschassen könnte, um eine gut funktionierende Verwaltung aufrechtzuerhalten, die relativ hohen Kosten für die öffentliche Sicherheit zu bestreiten, die verschiedenen durch Vertrag und anderswie Palästina auserlegten Schulden zurückzuzahlen und für die Tilgung der im November v. I. in London plazierten Anleihe in Höhe von 1475000 Pfund Vorsorge zu treffen. Im Berichtjahr war eine Abnahme der freiwilligen Subskriptionen für die zionistischen Fonds seitens der Weltjudenheit, sowie eine Verminderung des Zuflusses von Privatkapital aus dem Auslände zu verzeichnen. Diese Erschein»» gen sind eng mit der jüdischen Einwanderung verbunden, da Einwanderung und lokale Han dclstätigkeit einen Anreiz für zionistische Begei strrung in Palästina wie im Auslande bilden. Eine Einschränkung der Immigration, die dem Lande in den drei Jahren 1924 26 eine neue Bevölkerung von mehr als 50000 Personen gebracht hat, wurde notwendig, Palästina konnte in einer so kurzen Zeit eine so große Zahl von Ein Wanderern nicht absorbieren; die vorhandenen Hilfsquellen reichten nicht hin, um den wirtschaftlichen Bedürfnissen dieser Bevölkerung nachzukommcn. Tie verstärkte Einwanderung hatte eine allgemeine Preissteigerung, besonders in Immobilien, zur Folge. Die Kosten der An siedlung erhöhten sich, jüdisches Privatkapital wurde in lokalen Industrien und Grundstücken in abnormer Höhe angelegt, die zion. Fonds wurden von der Anlage in produktive Werke abgelehnt, da sie für den erhöhten'Dienst der sozialen Für seirge zur Verfügung stehen, mußten für eine Be völkerung, die von 70 000 j. I. 1920 auf 140 000 i. I. 1927 gestiegen war. Die unvermeidliche Folge war ein allgemeines Sinken der Preise, ein Anspannen des Kredites und eine Abneigung der Kapitalisten, neues Kapital im Lande zu investieren. Arbeitslosigkeit stellte sich als weitere Folge ein Schätzungsweise gibt es immer noch eine jüdische Bevölkerung' von 5000 Arbeitenden, die von den zionistischen Fonds und dem Don der Regierung nach Möglichkeit in Angrisf genommenen öffentlichen Arbeiten abhängt. Es bedeutet keineswegs eine Herabsetzung der schätzenswerten Ergebnisse der zionistischen Arbeit, wenn man bemerkt, daß die Schwierigkeiten, die das zionistische Unternehmen gegenwärtig durchzumachcn hat, den einen Vorteil hat, daß nun die Erkenntnis durchdringt, daß das jüdische Nationalheim auf einer anderen als einer gesunden wirtschaftlichen Basis nicht gut und" wahrhaftig aufgerichtet werden könne. Die Zionistische Organisation hat dieser Erkenntnis durch die Tatsache der Ernennung einer Survey-Com mission, unter deren Leitung eine Anzahl von Sachverständigen das Land besucht hat, um über die verschiedenen Aspekte des Problems der jüdischen Siedlung ein Urteil abzugeben, Rechnung getragen. ~ Die geschilderten finanziellen Schwierigkeiten, die auf den Aus.chwung im Jahre 1925 folgten, werden während des lausenden Jahres eine Abnahme^ von 40000 Psund der Netto-Einkünftze aus Steuern, Zöllen und Hafengebühren zum Resultate haben; dies spiegelt sich in bemerkenswerter Weise in dem Sinken der Hmportware um einen Wert von 400000 Pfund. Tie Zahl der Transaktionen in Immobilien ist ebenfalls gesunken. Es wäre falsch, aus den oben erwähnten Schwierigkeiten den Schluß zu ziehen, daß der allgemeine wirtschaftliche Fortschritt des Landes, zu dem jüdisches -Kapital und jüdischer Unternehmungsgeist so viel beigetragen haben, gehemmt worden ist. * Der Gesamtwert der aus Palästrna exportierten Prbdukte i.J. 1927 betrug 1899 759 Pfund Sterling, was eine Erhöhung von 591 426 Pfund Sterling gegenüber 1926 bedeutet. Zum ersten Male seit dem Kriege hat in landwirtschaftlichen Produkten der Export den Import übertroffen, und zwar um einen Wert von 282*274 Pfund Sterling. Der Index landwirtschaftlicher Produktion ist von 100 im Jahre 1921 (das zur Grundlage genommene Jahr) auf 139 i. 1.1927, trotz teilweise» Fehlschlagens der Weizen , Melonen und Hirse-Ernte, gestiegen. Der Gebietsumfang der Orangen Pflanzung hat sich in den letzten vier Jahren fast verdoppelt. Seifen-, Mehl und Zementindustrien zeigen stetige Entwicklung und erhöhen ihren Export. Der Wert der ausgesührten Speiseöle stieg von Bericht des Israelitischen Fürsorgeamtes über den Monat Juni Sprechstunden der Fürsorgerin: Sonntag. Montag. Dienstag. Donnerstag Mittwoch, Freitag } vorm. 9^—11 y2 Uhr nachm, von 3—5 Uhr DaS Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat Juni 1928 unter Mitwirkung der angeschlostenen WohltätigkeitSverrinr folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen.JL 1228.48 Einmalige Unterstützungen. 226.34 Gesundheit-- und SrholungSfürsorge . . „ 153.90 AnstaltSsürsorge.196.30 Ausbildungsbeihilfen. 82.60 Durchreisende. 258.50 An 20 Erwachsene und 4 Kinder wurden insgesamt 72 KleidungS- und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhiell da- Fürsorgeamt Mk. 30.— von: Herrn 8. Herz. Rotestr., von Herrn und Frau LouiS Hirsch, statt einer Kranzspende für Frau Max Roseuseld. (Linie VuHfert-NAnÜtafcn) Idyll. Im Walde gelegen / / Sonnig und staubfrei Streng rituell ✓ Prospekt / Enrtkl. Referenz. Lettng: Wfl. unn —<ct Fernruf Nr. 119 Amt Dopfingen In Württemberg S. ftcontfcopf, Stuttgart, Rosenbergftr. 111/13 3üngtrcr, tüchtiger 2*erfanöleiter möglichst aus der Strickwaren-Branche, für bald, evtl, zum 1. Oktober gesucht. Des weiteren suche ich ein jüngeres Aeünlern gewandt im Lohnwesen und für Bedienung der Verein Llnalü Hazedek e.V Betsaal Kasernenstr. 13 Hhs, für die hohen Feiertage halten wir zum Besuche unserer Gottesdienste eine Anzahl von auch für Nichtmitglieder, reserviert. Interessenten bitten wir um sofortige Anmeldung. ... iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiiiy§ SCHIEDMAYER Planofortefabrik v. J. u. P. Sohlodmayar STUTTGART, Neokarstrasse 12, EoN« uirtotiWtraaa» FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM MIETE TAUSCH STIMMUNGEN BEQUEME TEILZAHLUNGEN Porno proohor OM 41/40

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