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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-07-01 · 7 (1.7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
7 (1.7.1928)
Date
1928-07-01
Page
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- 82 - Tätigkeitsbericht Dfs Wiirttembergischen LanDesverbanDes für israelitische Wohlfahrtspflege (L.I.W.) e.D. im Jahre 1827, oorgetragen in Der orDentl. MitglieDerversammlung am ^10. Juli von Emma Weil. (-m Vordergrund der Tätigkeit de-? L.J.W stand aucti im lexien Jabre die Wirtschaft lictn- AiirioriH'. Ter leistet entsprc clieiid seine» Satzungen ergänzende Fürsorge. Er .pwäbrt dann Unterstützungen, wenn die OriStinrichlungen dazu nicht in der Lage sind . (sm Berichts» br sianden fünf Familien und "Einzelpersonen in lausender Unterstützung, jür die ein Gesamtbetrag von Mark t Oö I.H2 verausgabt wurde. Außerdem wurden Mark 270,l!> an einmaligen Unkerstützungen verausgabt und Tailebeu iin >Kejaintbe,rag von Mark 525. zur Erliaming der wirkschastlichen Existenz von zwei Faiiiili n gewätirl. IÄO Erwachsene und Ni Kinder crhirIteil iin Beeickusjalir u. z. zuianiiinn 5»> Kleidnngsstü.te Männertleider wnr den in der Hauvtiacbe an Turchceisende ab gegeben Ter LI W. war aber in der Lage auch wiedernoll Kleider,endungen nach ansivärts -,» iMHlniKti. Tee iviieilenibergisch liouenzollerische lüdiitlie Äeauinbnnd bat dein LJW zugesagl, Kleider und Wäiche aus seiner Laupbkiiner Näh nnte cntoaiinen zu lassen. Ter L.J W. wird von diesem Anerbicwn cKebrauch machen, vor allem um Snaigefangenen und Slrafentlassenen sow^e liil's bediirsiigen M iaiifcn in den diesigen Krankenbäu iern, die benöiigte» Kleidungsstücke zu beschasfen. '.'Liuii d.n in Pslegestellen untergebrachieu XIiu d rn sandte der L I Bö wiederdoll Kleiderpakeie zu und benutzte die Gelegenbeil, durch diese Len düngen niiEden auswärtigen Pslegestellcn iu Be ziedung zu treten. 2i'!’i umsangreich waren die Bcinüliungen des L E 2'ö in der Ableitung iür SleUenveruiill u>ug. Er arbeitete diee in engem Zusainme» nang mil der Zeiurale für jüdische Arbeiis vermiiünng in Berlin, mit dein ivürkteinbcrgisch li.'den;o,irvifdien Frauenbuiid und in besonder» engei F»! luiignaliine mit deni Slungarler ösfent liiden z.'lrbeilsnachw>is. Mädchen, die danswirt schailliro gui vorgebildei waren, konnten gute Liefen leichi veemiiicll werden. Es kann'also nur iinnier wi>der einvsodlcn werden, jüdischen jungen - Mädchen eine ausreichende dauswirijchastliche Ausbildung zu vermitteln, da sie dann.leicht gute nnd einträgliche Siclluiigen sinden können. Ter LEW dal zu diesem Zwecke Berliandlnngci' .ui!! d i» Enlinger Löaisenliaus eingeieilei, damit oi>:es Hausballungslcbrlinge ausncdme und aus bilde, Kausinännischc Angestellte sind dagegen nur in geringer Anzabl durch den L.J W untergebraeiit worden. Es berrschl ein Ueberangebol au rausiiiäunischen Angestellten in den großen Stab len. Tie Beiverbungen auswärtiger Gesuchsteller lind aucldesoalb aussichtslos, weil die Stellen; e-:.'.el> die am Sn ansässigen Arbeitsuchenden \ i.'K'vt besetzt werden. Auch die Einstellung ar^ iväiiigcr Lelirlingc in de» lKroßstädlen ist mit den gröstren Schwicrigkeiien verbunden. Lelir-! stellen mit freier Kost und Wobnung sind nur in Ausnaliinesällen zu erlangen. Allerdings gewährt l de. Handwerkeeverein in solchen Fällen Zuschüsse. Ter Frage der Berussberaiung bar der L.J.W.! ernste Beachtung geschenkt. Es ist aber schwer, , au» Eirund brieslicher Ansragen zu einer Beruss - ausbildung zu raten oder von einem Berufe ab zuraicn. Ter LJW. bat desbalb iür die 2uitt garier .'lrvenjuch.ndee stcis die Berussberatungs stelle in Anspruch genommen. Ein wesentlicher ForiichEil aus dein Gebiete der Arbeilssürsorge ivai die neue Bestimmung., dast Staat.»Me Anspruch qus Erweebslosenunier! stüvung babe» und nach Ausscheiden aus der Eriverbsloienuntecstützung der össentlichen Für sorge zuzusübren sind! Tie Bestimmung bedeutet eine iveseutliche Entlastung iür die freie Wohl sabrtsrflege. Ter L EB), e l cf; im Be ichtsjalir Rundschreiben an seine Miigsteder, als dieses <üe ietz aui polnische Siaaisaw.e'iörige ausgedehnt wurde. Turch das neue Arbeiisloseiirersichernngsgesey babcn ausländische Siaalsangk.iörige obnc weileres Anspruch ans die Arbn.sloienversiche rung, vorausgesetzt, daß die bei reisenden Antragsteller genügend lang in einer v.est.t,eeu»gsvslich< ligcn Beschäftigung Arbeit geleistet haben. En der Berichtszeit haben .'»28 Tuechwan derer die seit dem l. Februar l92i» in Würitem bcrg bestehenden Zentralkasse in Stuttgart aus gesucht. Tiefe;Jabl bedeutet eine mäßige Ber ringcrung gegenüber der Zahl des Jahres 1926, wo die Kaste von 551 Turchwanderern in An« spruch genommen wurde. Am geringsten war die Turchwandererzahl im Oktober (20), am stärksten im August (66). Tie Turchwanderung hielt < sich in angemessenen Grenzen. Es ist zu erwarten, daß sich die Wanderung nicht wesentlich steigert, falls keine unvorhergesehene Verschlechte rung der Wirtschaftslage eintritt. Tenn jede wirtschaftliche Schwankung zeigt sich sofort im Spiegelbild der Wanderstatistik. Für Fahrkarten wurden 1926 Mark 2040,2;",, im Jahre 1927 Mark 1609,25 ausgegeben. An Zehrgeldern wurden 1926 Mark 1352,25, im Jahre 1927 Mark 1531,70 verausgabt. Tie Wanderarmen Fürsorge leidet darunter, daß nicht alle Wandernden von ihr erfaßt werden Sehr viele Wanderer vermeiden es, die Kaffen auszusuchen, und ziehen es vor, sich an Private zu wenden, da sie begründete Ursache haben, die Kasse zu umgehen. Tie Adressen der Privaten erfahren die Wanderer überall unschwer. Tie auf gesuchten Familien werden dann durch eine erlogen,' Schilderung der angeblichen Notlage dazu bewogen einzugreifen und den Turchwanderern ohne Prüfung der tatsächlichen Verhältnisse Unterstützungen zu reichen. Ost werden auch durch diese falschen Angaben die .Kassen verdächtigt, um zu erklären, warum die Bittsteller nicht dort wegen Unterstützung vorstellig wurden. Vor allem werden die Landgemeinden von diesen wilden Wanderern heimgesucht, weil dort eine Nach prüsung ihrer unwahren Angaben unmöglich ist. Tiefe .Kasse fertigt die vorsprechenden Wanderer in jedem Falle, wo das Reiseziel klar ist, nach de», betreffende» Wohnort, der Heimatgemeinde oder Arbeitsstelle ab. Sie versieht die Wanderer mit einem Gutschein bis zum Bestimmungsort, der durch die Stuttgarter Bahnhossmission in dankenswerter Weise zur Einlösung kommt. Turchreiscnde, die hier übernachten, weist der L.J.W. in das Stuttgarter Heim der Heilsarmee ein, wo sie gute Unterkunft finden und nicht befürchten müssen, bei Mangel an Ausweispa piercn durch eine Polizeistreife überrascht zu werden. Arbeitswillige Turchwanderer können außerdem jederzeit im Heim der Heilsarmee Arbeitsgelegenheit finden. Allerdings herrscht bei den meisten Turchwanderern keine besondere Vorliebe vor, beim Holzaussahrcn und Papiersortieren dort zu arbeiten. Tieselbe Erfahrung macht der L.J.W. bei seinen Versuchen, Leute in die Wanderarbeitsstätten einzuwcisen. Leider ist es bei der derzeitigen Lage des Arbeitsmarktes beinahe unmöglich, durchreisenden Wanderern eine feste Arbeitsgelegenheit zu beschasfen. Wo es gelang, zugereisten Bewerbern eine Arbeitsmöglichkeit zu beschaffen, waren die Erfolge nach den Mitteilungen der Arbeitgeber leider zumeist recht ungünstig. Weibliche Turchrcisende, die hier nachts eintreffen, werden durch die Bahnhofsmission dem Margarelenbort zugesührr, wo sie gutes Unterkommen finden. Tie Zusammenarbeit mit der interkonfessionellen privaten Fürsorge wie mit der öffentlichen Fürsorge war stets reibungslos und hat noch manche wertvolle Erweiterung seither erfahren Ter L.J.W. arbeitet regelmäßig zusammen mit der Jugendgerichtshilfe und hat in vielen Fällen seinen Schützlingen wertvolle Hilfe leisten könne». Tie jüdischen Strafgefangenen wurden regelmäßig besucht. In den Landgemeinden geschah dies durch die Vertrauensleute des L.J.W.. Im Berichtsjahre wurde nur eine weibliche Untersutliiittgsgesangknc in datz Untersuchungsgefängnis ringeliefert, die von der Fürsorgerin besucht und mit Lebensrnitteln nnd Lektüre versorgt ivurde. In 6 Fällen hat der L.J.W. durch seinen Anwalt Rechtsvertretung eingewiesener Strafgefangener veranlaßt und diesen dadurch viele Erleichterungen verschasft. Auch sonst gelang es, das oft harte Los der Gefangenen wesentlich zu mildern. Tie vom Oberamt zur Verfügung gestellte Suliunc für Zweckt der Gesangenenfürsorge wurde restlos verbraucht. An den hohen Feiertagen hat der Speiseverein die rituelle Verpflegung der Gefangenen übernommen. Besonders dankenswert ivar die Förderung, die der Verein für entlassene Strafgefangene den entlassenen jüdischen Gefan genen zuteil werden ließ. Ter L.J.W. hat es wiederholt eeholungsbcdürf tigcn Kindern ermöglicht, zum Teil mit Hilfe des jüdischen Frauenbundes für Württemberg und Hohenzollern, einen Erholungsurlaub durchzuführen. Aber auch Erwachsenen konnte er -diese Unterstützung gewähren. In einem Falle konnte er ein dringend notwendig gewordenes Heilverfahren in der Rothfchildfchen Stiftung in Frankfurt für einen jungen Mann durchsetzen, der ohne dieses Eingreifen das Harle Schicksal einer völligen Lähmung erlitten hätte. Eine Reihe ähnlicher Erliolungssälle konnte der L.J.W. zum Teil mit Unterstützung auswärtiger Wohltätigkeitsvereine mit bestem Erfolge durchführen. Ausbildungsbeihilfen hat der L.J.W. auch in diese,» Jahre wiederholt geleistet. Stiftungen und Vereine waren bereit, Zuschüsse zur Berufsausbildung aus den Antrag des L.J.W. zu gewähren, jodaß auch aus diesen Teil der Arbeit mit Genugtuung zurückgeblickt werden kann. Tie Zusammenarbeit mit der öffentlichen und mit der interkonfessionellen freien Wohlfahrtspflege war erfreulich. Besonders wertvoll war die Zusammenarbeit mit der Zentralleitung für Wohltätigkeit und mit dem Stuttgarter Jugendamt. Tic Wohlsahrtsausstellung, die im Berichtsjahr in Stuttgart stattsand, zeigte diese Zusammenarbeit in besonders schöner Weise. Im Rahmen der Wohlsahrtsausstellung hielt Stadtrabbiner Tr. Rieger vor einem großen Kreise von Zuhörern, unter denen die Führer der interkonfessionellen Arbeit und die Vertreter der Behördenorganisationen tvaren, einen Vortrag über „Ideen und Ideale der jüdischen Wohlfahrtspflege", der weiten Kreisen Aufklärung über das Wesen der jüdischen Wohlfahrtspflege bot. Von, 8. bis 10. September fand in Stuttgart der 7. deutsche Jugendgerichtstag statt, an dem die Leitung des L.J.W. zum Teil in führender Stellung teilnahm. Ebenso hat der L.J.W. für die Kommission zur Bekämpfung von Schund und Schmutz Herrn Rabbiner Tr. Cohn mit seiner Vertretung beauftragt. Im Verfolg einer Berliner Anregung hat der L.J.W. eine Eingabe an die Landesversicherung Württembergs zwecks ritueller Verpflegung jüdischer Versicherter gemacht und die Zusage erhalten, daß in solchen Fällen diesem Wunsche dadurch entgegengekommen wird, daß die Kranken das Heilverfahren auf eigene Kosten in einer geschlossenen Anstalt durchführen und die Landesversicherungsanstalt einen angemessenen Beitrag für das Verfahren leistet. Auch mit den jüdischen Wohlfahrtsämtern stand der L.J.W. in regem Gedankenaustausch. Er unterstützte durch die Beibringung der verlangten statistischen Erhebung die Herausgabe des Handbuches für jüdische Wohlfahrtspflege. Besonders wertvoll ist es dem L.J.W., daß er nach Eintritt des württemb.-hohenzollerischen Landesverbandes des jüdischen Frauenbundes in den Wohlsahrtsrat mit diesem in enger Fühlungnahme arbeiten wird. An Spenden erhielt der L.J.W. im letzten Jahre ein Legat des verstorbenen Konsuls' Max Levi in Höhe von 1000 Mark, eine Spende in Höhe von IM Mark von Max und Willi Elsas und eine Geldgabe von 5M Mark von Karl Lämmle in Newyork anläßlich seines Besuches in seiner Heimatgemeinde Laupheim. Einen ungefähren Eindruck über den Umfang der Arbeit des L.J.W. gewährt die Tatsache, daß in diesem Jahre etwa 7M Briefe den Postein- und Ausgang gebildet haben. Der Württembergische Landesverband für israelitische Wohlfahrtspflege darf also mit einer gewissen Befriedigung auf seine Tätigkeit im letzten Jahre zurückblicken. Er dankt seinen Helfern und Freunden, besonders aber den Gemeinden des Photo niUen^ranJ ** STUTTGART KÖHIGSTR. 4 0

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