Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 5 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4904101-5441815-5443019--1871-4905860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 60 - Heilig ist der Barer, heilig ist der Lohn, heilig ist der Heilige Geist. 4. Kabbalistische M e s s i a s s ch w ä r m crei. Ter kabbalistische Messiasschwärmer Tavid Reubeni, angeblich von den verlorenen Zehnstämmen im sernen Osten gesandt, ritt aus weißem Rosse in Rom ein, um dem Papst Elemens das Erscheinen des Messias in Aussicht zu stellen und ibm ivichlige Mitteilungen zu machen, wie Palästina aus den Händen de: Türken zu besreien sei. lieber das Ergebnis seiner Zusammenkunft mir dem Papst ist nichts genaues sestzustellen. Er trat wieder in der Türkei auf, als ein schwärmerischer Marrane, L a l o m o M o l ch o. der dorthin geflüchtet war, um als Jude leben und die Kabbalah studieren zu können, sich ibm anschloß. Tiefer von den - ivirren Gedanken der Mnstik ganz berauschte Molcho als Ebrist hieß ec Tieg.» Pirez ec blickte in Tavid Reubeni den Borbolen des kom inenden Messiasreiches, und sich selbst hielt ec für den verheißenen Erlöserkönig. Auch er batte beim Pavst einen freundlichen Empfang, und da einige Weissagungen, die er gemacht hatte, wie die einer Tiberüberschwemmung, wirkliH.ein 'trafen, wuchs auch bei Christen sein Ansehen Aber die Inanisition streckte die Fangarme nach ihm. Er ward in den Inquisitionskerker geworfen, und .vunderöarerweise gelang es ihm, zu entkommen. Run vereinte er sich mit Reubeni, und beide begaben sich zum .'ia.iei nach Regensburg. Beide so erzählt man sich batten den verwegenen Gedanken, den Herrscher >u bekehren. Salomo wurde nieder der Inauifilion übergeben und starb den . fslemmentod f ü t seinen Glauben, lieber das 6»de seines Freundes ist nichts sicheres be kan ni. Zweite Blütezeit der Kabbalah. ifiti Hanviorr kabbalistischer Grübeleien war ' Zas« i» Palästina. Hier trat etwa 156>» Isaak X'urja aui. wegen seiner deutschen Abstammung auch Aschkenasi genannt. In seiner Jugend harre er als Einsiedler in Aegnpten gelebt. Tann hielt r. in Laser Predigten, die ibm begeisterte Iün ger zusübrten. Jede Seele, so iührie er aus, sei ein Funke der llcseele. Turch Geber, Fasten und Kasteien, besonders aber durch rechte Straft sung der Gedanken aus gewisse Gottesnamen trete die Seele mit der llrseele und durch sie mit dem llrgeiste in Berührung. Ten Sinn der -^Zerstreuung der Juden über die Länder si'od bagaluk siebt er darin, daß fromme Iudenseelen sich mir den Seelen nichtjüdischcr Menschen ver binde», um sie zur Gemeinschaft mit Gott en. irrzusüyren. Isaak Lurias treuer Jünger Chajim Bital Ealabrese, in seiner Jugend wohl Alchimist der Meister bemerkte einst scherzend: Auf deiner Stirne leuch tet das Bibelwort: Gedanken zu sinnen und zu schaffen in Gold und Silber (2. Mos. 35, 32) - .- verbreitete des Meisters Lehren mündlich und schriftlich, und bald drangen die kabbalistischen, Reformen als Tikkunim „Verbesserungen" oder kanwanot „Gedankenansiannungen" auf bestimmte Gottesnamen beim Gebete und als Aenderungm des Gebetswortlautes in die Gemeinden ein. Tas Zählen der Tage zum Lffenbarungsfeste ward mit besonderer Weihe umkleidet, der Hoschanarabbotag des Hüttenfestes als 2. Jomkip pur auSgebaut und Sabbatmahlzeiten — der Sabbat war das „Feld der Apfelbäume", unter deren Schatten die Seelen ihren gottseligen Träu men sich hingeben mit ausgezeichneter Heiligkeit umwoben. TaS bekannte Sabbateingangs lieb „lecho dodi" hat hier seine Heimat. 6. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erreichte die messianische Schwärmerei ihren Höhepunkt in Saöbatai Zwi. Am 3. Ab wurde Sabbatai Zwi in Smyrna geboren. Im Jahre 1648, das der „Sohar" lange vorher schon als das Jahr der Erlösung bezeichnet hatte, offenbarte sich Sabbatai seinen Jüngertt. Uebcrall gewann er Anhänger, die von den Wundertaten des Messias berichteten. In Jerusalem war der Boden für die Erlöseridee besonders günstig. Am Neujahrsfeste 1665 offenbarte er sich der versammelten Gemrinde unter Schofarklängen als der von Gott gesandte Messias. Ein Taumel der Freude erfaßte alle. Tie wenigen Zweifler an der Sendung Sabbatais wurden von der leidenschaftlichen Masse gesteinigt. Rur wenige bewahrten sich in diesem Taumel ihre Besonnenheit. Namentlich Jakob Sasportas, Rabbiner in.Amsterdam, Hamburg und London, suchte seine Glaubensgenossen über daS gefährliche Treiben Sabbarais aufzuklären. Tie betörte Menge kam aber nicht zur Besinnung. Sabbatai wurde immer kühner. Ja, er bereitete sich vor, nach Konstatinopel zu ziehen, um die von Gott sür ihn bestimmte Krcne dem Sultan vom Haupt zu nehmen. Tie Herrschaft über die übrigen Reiche hatte er bereits unter sein: Getreuen verteilt- Tie türkische Regierung befürchtete von der l Ankunft des Messias in der Hauptstadt den Ausbruch von Unruhen und ordnete sofort seine Verhaftung an. Bei seiner Landung wurde er in's Gefängnis geführt und später in das feste Tardanellenschloß Abydos gebracht, wo er einem Könige gleich residierte. Nehemia Hakohen, der in Lemberg die Ankunft des MeffiaS verkündete, aber Sabbatais messianische Sendung nicht anerkannte, durchschaute den Pseudomessias. Er beschuldigte Sabbatai bei der türkischen Regierung des Hochverrats, nnd diese wollte nun dem staatsgelfährlichen Treiben ein Ende machen. Da bekchrte sich Sabbatai zum Islam. Der feige Abfall des Messias öffnete vielen die Augen. Verarmt und vereinsamt beschloß Sabbatai sein bewegtes Leben. Weit über fein Grab hinaus wirkte die Becvegung Saobatais unheilvoll. Am heftigsten tobte der Kampf in Amsterdam zwischen der portugiesischen und deutschen Judengemeinde. Noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde einer der bedeutendsten deutschen Rabbiner (Jonatan Eibeschütz in Hamburg), der gegen Krankheit heilbringende Amulette anzusertigen pflegte, deS Sab batianism u S beschuldigt. 7. Tie messianische Schwärmerei lebte nochmals auf durch Jakob Frank in Polen. Er gab sich als den wiedergeborenen Messias Sabbatai Z.vi C aus. Seine Anhänger, die „Frankisten", verehrten ihn als den „heiligen Herrn". Sie. bekannten sich zwar äußerlich zum Katholizismus, waren aber insgeheim eifrige Kabbalisten und führten mit ihrem Messias in Wien, Brünn und Offenbach rin abenteuerliches Leben. Mit dem Tode dieses „Heiligen Herrn" hörte nach und nach der Messiaswahn auf. Auch der Einfluß der Kabbalah ließ nach, im Osten freilich führte sie zur Entstehung der Sekte der C h a s s i d i m. Ter Gründer dieser Bewegung I s - r a e l den E l i e s e r, ein schlichter Mann, trat im Süden Polens als Wundertäter auf und gewann schnell Anhang. Fröhlich, gesellig und selbstlos schuf er der jungen Bewegung in Miedziborz in Polen einen Mittelpunkt. An dem kabbalistischen Satz festhaltend: „Kein Ort ist frei von der Gottheit", drang er aus „stammende Andacht" und „Bruderliebe". Erfüllt vom sittlichen Feingefühl sagt er einmal: „Gott kann Isracls Gebete nicht erhören, wenn Nicht juden bei Abrcchnungen unredlich behandelt werden." Tein Nachfolger, der Prediger Tob B e r von Mizricz, „ein Schrein voller Kerzen, hie des entzündenden Lichtes harren", wie er ihn nannte, betonte besonders, daß die sittlichen Handlungen des Menschen die Geisteswelt beeinflussen. TaS gegnerische Judentum nahm besonders Pkoto KVilcLeTil»! w STUTTGART KÖN »rcmJ. STUTTGART KÖNIGSTA.10 amunKimnoiHimi SCHIEDMAYER Ptanofortofabrlk v. J. u. P. Sohlodmayar STUTTGART, Neckarstrasse 12, Eoko uirtobotreeoo FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM Kurhaus auf der Heid Neu renoviert — Besit/.er: E. WÖRWAQ Tel. 21724 jhihiiwii - ,niinn!iiiii!iiiHii!iir * ] Minute \uii iler Knd-iation <l«*r Linie 7 — Brächtiffe WaMlaffe \ ornehmos Hohenre^taurant mit eigener < onditorei u. Schlächterei — Im 1. Stock GepclLchafts^aal m. offener u.pe«chlop#enerTerra«se. Bei guter Witterung erstklassige Künstlerkonzerte Gminderlinnen derüosf. färb. licht, wasch- und tragecht zu Ml. 1.60 das Meter, stet« in 40 Farben «Ä'Hi Christian Pfleiderer zum Weißen Hau«, Hauptstätterstraße 52' » Ecke Torstraße nnnmuiiinnnnimiimniiiiMjiiiiiiiiiiiiiiiiiinminmiiinimMiiiiiiiiii mmiiiiiiiiiiituiiiiiiiiuiMHimiifiimmn^ MIETE TAUSOH STIMMUNGEN BEQUEME TEILZAHLUNGEN FamapreoTier aea 41/4S niiBiHiiiiiiHiiiNiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuaMnii’ Die feine Zigarre CIGARREN -H AIST HOLTKEITIAIIE II ■d GARTENSTRASSE 42 aaa arBIfaat ■ ■■■■ Bei Kidea Sonderpreise I Reparaturen Neuarbeiten Gelegenheitskäufe W. BLESSING J U W E L 1 ■ R Schmalestraße 91 ff V fert «ich vc {(Stempel-Baur, Stuttgart]! Alfred Baur Vv/T ks7m. Q>\^r Zentralerealbv 6»QlaHH<mt (rtan N«>frrl irtft ettrt Charlotten* träfe 1 / Schloß* tra£e 12 and am Haapthahnhot, Telefon SA. 26A63 Kenner tragen Gorndorf Schuhe Alleinverkauf für S'.uitgarti ALBERT SCHIEDEL Ecke Kromeauad Krlt|ibcf(dntc Telephon 280 IS empfiehlt sidi in Obst und Gemüsen Feinkost und Kolonialwaren ERNA HÖRRMANN, **. huchthausen /