Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 5 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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- 59 — verstehen, daß es den ehrlich Strebende» von heute um mchr gcht als um da» Auffangen flüchtigen Eindrucks. Sie streben wahrhaft, das, was in schwankender Erscheinung schwebt, mit dauerndem Gedanken zu befestigen. Aus Form und Farbe suchen sie, ohne den gefährlichen Umweg des problematischen: Zerdenkens, das Wesen von Menschen und Dingen zu erfassen. So weiß Zichler eine Winterlandschaft oder nasse Dächer, lauter schlichte Borwürfe, mit einer Wesenhaftigkeit z» erfüllen, die über das StimmungSmäßige weil hinausgeht und sich, bei aller Großzügigkeit, ja Derbheit des Pinsrlstrichs, einer, man möchte sagen, neuen Klassik nähert, im Sinn einer klaren, schlichten Bewußtheit. Zieglers stärkste Seite ist das Bildnis. Er legt die Menschen, die er wieoergidt, nicht endgültig fest und holt doch das Entscheidende aus chren Zügen. Meisterhaft versteht er Kops und Figur in den Raum zu stellen. Durchaits malerisch gehalten, kommen seine Bilder durch die Farbe zur Form: Der sicher hingesetzte Farbton wird von selbst Begrenzung oder Auflösung des Linearen. 1. Ter Name der jüdischen Mystik, K abb a l a h, bedeutet Ueberlieferung und bezeichne: im Talmud alles Religionsgut außer den Mosebüchern. Erst vom 10. nachchristlichen Jahrhundert ab umschließt dieser Namen auch die angeblich aus mündliche Ueberlieferungen beruhende geheime jüdische Gottesweisheit. 2. Ihre Entstehung führt etwa in die Zeit, in der sich auch die ersten Ursprünge des Christentums bemerkbar machen. Schon die Mischna kennt eine Geheimlehre, die sich an die biblische Schöpfungsgeschichte und an die Berufungsvision des Ezechiel mit ihrer Schilderung des göttlichen Thronwagens anrankt. Auch Philos Lehre von den aus Gott entströmenden, zu selbständigen Wesen sich gestaltenden Urkräften und seine Anschauung von der personifiziert gedachten, göttlichen Weltvernunft gehörten zu den Gegenständen jener Grübeleien, ebenso wie der Glaube, daß durch rechte Anwendung des wunderkräftigen Gottesnamen, die die Welt durchflutenden Äotteskräfte beeinflußt werden können. In dem alten mystischen Schrifttum (Daniel, Henoch, das Buch der Jubiläen) treten die Engel stark in den Vordergrund und aus den verschiedenen von heidnischen Einflüssen bedingten Spekulationen der Ziegler hat in einem Jahrzchnt unermüdlicher Arbeit eine staunenswerte Zahl bedeutender Werke geschaffen.- Er war ursprünglich Schüler von Professor Jank an der Münchener Akademie. Bon Leibl hat er sich weniger unmittelbare Anregungen als künstlerische Grundsätze geholt. Im Jahre 1915 errang er unter zweihundert Bewerber» das Mettingsche Reisestipendium. Um weniges später wurde bei einer Ausstellung im Münchener Kunstverein neben zwei Bildern von Deftegger und Stuck sein „Bildnis eines Unteroffiziers" gekauft, und zwar von keinem andere» als Altmeister Defregger selbst, der das Bild neben einem Leibl in seinem Hause zu hängen würdig fand. I» ftüheren, der Kunst freundlicher gesinnten Tagen hätten solche Erfolge eines Zwanzigjährigen nachhaltigste Wirkung gehabt. Unftre spröde Zeit verlangt ein täglich neues, unermüdliches Ringe» um den Erfolg, den sie freilich denen nicht auf die Dauer versagen kann, die chn durch Fleiß und großes Kümmernis erzwingen. Dr Eugen Roth. sog. gnostischen Kreise, drang auch in manche Schichten des Judentums dir Neigung, neben Gott im Stile des Philonichen Logos (Weltvernunft) einen Engel Metatron als göttliche Persönlichkeit zu stellen, und so eine Lehre von zwei göttlichen Personen herauszubilden. Mit aller Schärfe wenden sich die jüdischen Schriftgelehrten, di« in Mischna und Gemara zu Worte kommen, gegen diese Trübungen des reinen jüdischen Eingottglaubens: „Wer über vier Gegenstände forscht, wäre besser nicht geboren: wer da fragt, was droben ist, und was vor der Welt war, und was nach ihr sein wird (Chag 12 a) und verbietet öffentliche Lehrvorträge über theosophi'che Lehrgegenstände. Sie verfehmen die Schriften jener zum Bruch mit dem Gesetzt führenden theosophischen Ketzer (Minim), gegen deren Treiben man sogar im öffentlichen Gebete Einspruch erhob. Tiefe gottvermenschlichende Mystik, wie sie im Buch von den göttlichen Maßen sich in grotesker Bildhaftigkeit ausspricht, wurde von den babylonischen Hochschulhäuptern Saadia, Scherira und Hai! (900 -1000) als eine schwere Berirrung gebrandj markt und schließlich nennt MaimonideS den, der Gott verkörpert, einen Abtrünnigen vom Judentum. I Mit-allen diesen Gedanken verbinden sich in dem aus der Geonimzell stammenden Buche ,L ezira" Begriffe aus der späteren griechischen Philosophie, so die Sephirot, die mit den bewegenden Gestirngeistern der alten Philosophen einige Aehnlichkeit haben, dann aber auch als die 32 Grundpfade aller Wesen (die zehn ersten Zahlen und die 22 Buchstaben des Alphabets), die Grundstoffe aller Wesen darstellen. Erst im 12. Jahrhundert gelangt der bisher unterirdisch strö mende Fluß der Kabbalah an die Oberfläche. Die vernünftelnde Philosophie und der Streit um die Schriften des großen ^Aufklärers Maimonides wie die formstrenge Frömmigkeit der Talmudisten bewirkten als ihr Gegenstück die Erstarkung der Mystik. Zwei Quellströme speisten den Fluß der Kabbalah. Ter eine, spanisch-provenzalische, brachte den Glauben an die Seelenwanderung (gilgul) und an das Unendliche (en sof), dessen Licht sich in zehn Farben oder „Sephirot" bricht. Di« Welt ist gleichsam ein Riesenbaum, der in den Sephirot, die den Inbegriff der göttlichen Herrlichkeit bilden, seine Lebenswurzeln hat. Die Erfüllung der Ritualvorschristen bewirkt aus magisch gcheimnisvolle Weise, daß aus den Sephirot Segensströme in die Welt fluten. Der zweite Quellstrom der Kabbalah ist deutschen Ursprungs. Ihr Wesen bestand aus Zusammensetzungen von Buchstaben zu wunderwirkenden Gottesnamen und aus geheimnisvollen Andeutungen in Schriftworten (reines). 3. Im 13. Jahrhundert hatte diese Gristesrichtung ihre erste Blüte. Ter Pseudomessias Abraham Abulafia lehrte eine Art Zehneinigkeit Gottes und wähnte, den Papst Martin zu dieser Form des Judentums bekehren zu können. Sein Gesinnungsgenosse Mose Leon, ein Wanderprediger, schrieb seine Reden in einer fortlaufenden, aramäisch abge faßten, erbaulichen Erflärung zur Tora nieder, nannte sein Werk S o h a r, d. h. Glanz, und gab als Verfasser den Mischnalehrer Simon bar I o ch a i aus. Zur Zeit der Renaissance und Reformation | gewann die Kabbalah auch in christlichen Kreij sen Freunde. So begeistert sich für sie Pico de la Mirandola und dessen Schüler Reuch lin, der Kardinal Egidio di Biterbo, dem der jüdische Sprachforscher Elija Levita die Geheimnisse des Sohars erschloß. Diese Kreise fügten manchem Sohardrucke Stellen ein, welche die Dreieinigkeit beweisen sollen, so z. B. jene Auslegung des Dreimal heilig": Der Werdegang der jüdischen Mystik. Von Bez.-Rabbiner Dr. Beermann-Heilbronn. Israel. Walsenn« Erzletaags-laslall WUhcfspllctt ln üssMaica Die MUgiledervenammliiiig findet am Sonntag, den 24. Juni, vorm, to Uhr Im Gemelndehau»e Stuttgart, Hospltalstr. 36, statt. Tagesordnung: 1. Vorlegung des Redienschaftsberldits und Entlastung des Kasslers: 2. Neuwahlen für die im Turnus aussdteidenden Mitglieder; 3. Verschiedenes. Oer Aossdmg FAr 15jäHrigerr Knaben mit RralschulbUbung wird ftuafm. Lehrstelle in der rertUbranche bei freier Station gesucht. Möglichst Sabbath frei. Angebote erbeten an Israelit. Allrsorgeamt, Stuttgart, Hospitalstrabe 36. Hilde Storiz / Dentistin bisher Kl. Königstr. 1, wohnt und praktiziert an 2t. Mal 1928 bi ■ngntlmslrate SSM M Hermamutrake, Hatten ttta Feomtea der Linien 2 xmd 21, mul Hadestette Retnsbargdrafie dar Linie Jl , ’ljt-'lt* n. '/•>-« Uhr, Bad Tölz Kurarzt Dr.Levi Eine sittliche Tat*) (Xela gagepaakt ift seine EtosteRaag »ar 4te»gi»a ft» Iafeatam» «ta »ekeaalai» »»a ioutoaitrtaf r» fittli«« Stile. (Semeindepg. f. Mt i|rttlitifd)tn (Btmrlnbfn ODSrttbg»., Stuttgart (V)** Buch-- gehört zu dt» Itidtt noch Immtr spStlicht», autgtjfitfinrttn Schriften chrlftlichtr (Stlthtitt »tutttt Zeit, Mt me» gttn »I» ritt Itichtn dtt Zrit und rintr Wendung zum Btfftrtn dtutrn mSchtt. Mittrllungr» dt» L»ndt»»dd». d. ifratlitifd). RtIIgI»n»gtm. tztfftn» (£• märt auf* dringrudftr zu »iiufchtn, daß Mtft« Buch-- »on Lhtistrn rbtnfa Bit vu» Jude» recht eifrig grlrfra mtrdt, um aittingtmur|fltf Boturttilt zu ferfritigtn und zur iantrtn BtftlrMguitg unhtiloalltt, unnttfül-nlich fchtlutndtt BrgrnlStzr iu unftttm Battrlaud dtizutragrn, um adtt auch dt« Iudtntum dir iangttfthnlr und fchmttzlich utrmiztt (Ürrrchtigdrit Bldttfahttn zu lafftn. 3kdifch-Iidtratt fitituug. *) Eduard Lamparter, Da» Judentum in seiner Kultur» und religionsgeschichtlichen Erscheinung. (Leopold Klotz Verlag, Gotha). Ml. 8.—. geb. Mk. 10.—. Buchhandlung 3» Hetz & Lo. / Stuttgart SchlOßstr. 10 (a*f. f. S|afal»|t) Fernsprecher Rr. 280 87 Derlag Max Osterberg & Lo. Stuttgart Demnächst erscheint: BergsträBer hnlzsdiniüe Von Richard Mager Herausgegeben von Hans Sternhcim unter literarischer Mitwirkung bekannter Heimatschriftsteller * Gedruckt von den Originalholzschnitten auf ff. chamois Kunstchuckkarton Stell broschiert R-M. 1.50 3n beziehen durch alle Buchhandlungen u. d. d. Bering Max Osterderg X La., Stuttgart aal liiderleii Liftlnnrt fliflnsn (Uale Stattfut-NarSHagca) Idyll, im Walde gelegen / / Sonnig und staubfrei Streng rituell / Proapekt / Erstfcl. Referenz. Fernruf Nr. 119 Amt Sopfingen In Württemberg