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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-05-16 · 4 (16.5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
4 (16.5.1928)
Date
1928-05-16
Page
[Seite] (sequence 3)
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- 47 mannigfaltigster Art, die einerseits in unserem Schevabentum, andererseits in unseren jüdischen Religionsgesetzen wurzeln, lassen sich dafür aufzählen. „Gehört die jüdisch« Mutter mit dem tiefen Begreifen und Berstehen ihres Kindes" wirklich der Bergangenheit an? Innerstes und Feinstes im Wesen der jüdischen Frau bäumt sich gegen diese Berkennung chrer Persönlichkeit auf. Vieles hat sich in der Form geändert, weil diese Form in einer sich wandelnden Epoche versagte. Unser« Großmütter saßen noch in der Postkutsche, wir fliegen an unser Ziel. Wer sind wir deshalb in unserem innersten Kern anders geworden? Es wäre Blick an die Oberfläche, dies zu glauben. Die geistige Struktur der jüdischen Frau, chrc Beweglichkeit und ihr Anpassungsvermögen befähigten sie, den Berwandlungsprozeß rasch zu durchlaufen, obgleich es an konservativen Elementen nicht schlt. Diese Mütter, denen äußerlich vielleicht häufig die Attribute fehlen, die man ihnen einst als selbstverständlich zuschrieb, wissen nicht weniger von chren Kindern, als die früheren. Falsche Berzärtelung in der Kinderstube, die mit Recht gerügt wird, ist seltener geworden. Sie entsprang häufig unbewußtem Selbstschutz einer bedrohten Rasse und ist heute durch den Sport in andere Bahnen gelenkt. Es gibt nicht weniger innige Bande zwischen jüdischen Müttern und Kindern, als jemals zuvor. Diese jüdischen Mütter aber sind nicht stehen geblieben, sondern sie haben Schritt mit ihrer Zeit gehalten. Ihre Häuslichkeit konnte nicht mehr ihr ganzes Leben umspannen, aber selbst in Anbetracht der schwierigen Wohn- und Bermögensverhältnisse in einem mit dem Bersaitler Vertrag belasteten Lande zeigt sie selten weniger Gepflegtheit als vor dem Kriege. Diese schwäbisch-jüdischen Mütter wissen, daß ihre Kinder einst in wildem Lebenskämpfe stehen werden. Sicherungen, die sie ehedem besaßen, gingen verloren. Sie wollen ihre Kinder zu selbstverantwortlichen und selbständigen Menschen heranzirhen. Sie kennen die Seelennot chrer Kinder — eine Rot, die letzten Endes zum organischen Wachstum gchört und niemals ganz derschwinden wird — und sie teilen sie in ihrem Herzen. Sie durchkämpfen sie mit chren Kindern, obgleich sie sich wohlbewußt sind, daß sie die ganze Arbeit nicht leisten können. Die Schul« und ihre Erzieher müssen chnen zur Seite stchen. Lchrende mit weitem menschlichem Begreifen und fortschrittlichem Geist müssen sich das Vertrauen der Zugend erwerben. Nirgends ist sinnvolles Zusammenwirken dringender vonnöten, als bei der Lösung dieser wichtigsten Zukunstsaufgabe. - * Die sicher gut gemeinte Verteidigung „aus Kreisen des jüdischen Frauenbundes" ist ein Zeugnis mehr für die von mir so oft tief beklagte Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse in einem nur zu großen Teile unserer jüdischen Familien. Es ist eine Berkennung der Tatsachen, daß mir erst der Bortrag der Frau Dr. Zadik Veranlassung zu meinem Leitartikel gegeben. Seine Ursachen liegen in furchtbar ernsten Erfahrungen innerhalb der Stuttgarter Gemeinde, denen gegenüber jüdische Mütter eine beschämende Ratlosigkeit, wenn nicht gar Unverständnis offenbarten. Ich hatte hiesigen Mitgliedern des jüdischen Frauenbundes auf Anfrage lediglich mitgeteilt, daß ich das harte Urteil über einen Teil der jüdischen Mütter gerade einer Beröffentlichung des Frauenbundes als der berufenen Vertretung der jüdischen Frauenwelt entnommen, aber wesentlich gemilmildert habe. Ich weiß natürlichso gut wie Frau Tr. Zadik, daß es — Verzeihung, mein« Damen! auch außerhalb Schwabens noch echte jüdisch« Mütter gibt, und will mich freuen, wenn es die Mehrzahl ist! Es gilt von meinem Leitauffatz, der ein Notschrei aus tiefster seelischer Erschüterung ist, was Rabbi Mose Sofer von seinen Predigten sagte: „Ich meine keinen; wer aber meint, daß ich ihn meine, den meine ich." _ Dr. Rieger. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Der Liürtt. Landesverband für i s r. WohlsahrtspfäegeE.B. schreibt uns: Seit dem I. Februar 1926 besteht in Stuttgart die Zentralkasse für jüdisch« Wanderarmr als einzige Abfertigungsstelle für Württemberg. Der Besuch der anderen Gemeinden unsere« Lande« ist den Durchreisenden untersagt. Trotzdem mehren sich die Plagen der Gemeinde«, daß sie von Wanderarmen überlaufen werden, und erheblich« Mittel für sie bereitstellen müssen. Di« in den Gemeinden vorsprechenden Wanderarmen sind in der Hauptsache Elemente, die bi« Nachprüfungen der Zentralkasse scheuen und einer Unterstützung nicht würdig sind. Wir richten daher wiederholt den dringenden Appell sowohl an die Gemeindeverwaltungen al« auch a»z die einzelnen Gemeindemitglieder, die vorsprechenden Wanderarmen entschieden abzuweisen und an die Zentralkasse in Stuttgart zu verweisen, w» sie nach eingehender Prüfung chrer Berhältnisse ausreichend unterstützt und bi« zur nächsten Zentralkasse befördert werden. Nur so kann dem Unfug de« Wanderdettel« gesteuert und den berufsmäßigen Schnorrern da« Handwerk gelegt werben. Es wird sich sehr bald zeigen, daß die Zahl der Durchreisenden abnimmt, wenn dieses System von allen Gemeinden energisch durchgeführt wird. Diejenigen Gemeinden, die sich der Zentralkasse in Württemberg noch nicht angeschlossen haben, bitten wir dringend, die« baldigst zu tun und die Mittel, die sie sonst für Wanderfürsorge »»«gegeben haben, dem Landesverband für jüdäsch« Wohlfahrt«, pflege (LIW.) G.S., Stuttgart, H-spitalstr. 30, Postscheck-Konto 16 985, zukommen zu lassen, der die Zentralkasse für jüdisch« Wanderfürsorge in Württemberg vertritt. Nur so ist die Gewähr geboten, daß die Mittel in der richtigen Weise Berwendung finden und di« würdigen Elemente au«reichend unterstützt werden. Stuttgart. Ordentliche Generalversammlung de« Landesverband« Württemberg » H o h e n z o l l e r n im NeichSbund jüdischer Frontsoldaten. Zehn Ortsgruppen hatten ihre Delegierten zur LandeSversamm lung am 22. April nach Stuttgart geschickt, um mit den Kameraden vom Borstand und einer Anzahl Herrn von der Stuttgarter Ortsgruppe da« Geschäftsjahr 192?—28 noch einmal zu besprechen, außerdem einen ausführlichen Bericht über di« Berliner außerordentliche Hauptversammlung entgegenzunehmen und schließlich sich im Komeradenkrei« eingehend über alle derzeit aktuellen Fragen unsere« Bunde«, mit besonderer Berücksichtigung der bevorstehenden Wahlen, auSzusprechen. Al» Gäste wohnten der Tagung bei : R.-A. Mainzer II al« Vertreter de« LandeSauSschusse« de« llentral-Verein«, ferner B e n d a von der Ortsgruppe Berlin, zugleich al« Bettreter der Versicherungsgesellschaft Phönix RechtSanwalt Schloß, der Vorsitzende der Ott«gruppe Würzburg. E« ist hier nicht möglich, über die vielen Einzelfragen, welch« zur Debatte standen, Bericht zu erstatten; e« verdient aber besonder« hervoig«hoben zu werden, mit welcher Disziplin sich alle Versammlungsteilnehmer zu den großen Ausgaben de« Bunde«, in erster Linie naturgemäß zur Abwehr von Angriffen gegen unsere Ehre al« ehemalig« Frontsoldaten, bekannten, ftrner aber auch zu den Ausgaben' de« KameradcnbundeS, di« ja indirekt ebenfalls der Abwehr dienen, der Frage de« „Schild", der Siedlung, der sozialen Fürsorge für die Kameraden, der Stellenvermittlung usw. Auch di« Versicherung durch den Phönix, auf Grund de« im Januar abgeschlossenen Empfehlungsvertrages, macht in Württemberg gute Fortschtttte. . So bleibt nach der Versammlung da« Gefühl, daß sich die Geduld der Delegierten» di« sechseinhalb Berhandlung-ftunden -durchhielten, gelohnt hat und die hohen Ideale unsere« Bunde« von neuem in unserem engeren Boterlande fest »erankett wurden. Möchten doch die ehemaligen Frontsoldaten, welch« unserem Bunde noch ferne stehen, ebenfalldem R.J.F. beitrtten und in der Betteidigung unserer Rechte und der Wahrnehmung unserer Pflichten zum Wähle und zur Beftiedung unsere« Batettandes und unserer jüdischen Gemeinschaft zusammenwirken I Stuttgart. Am 29. April fand die Hauptversammlung de« Verein« zur. Förderung de« Handwerk« und de« Gartenbau« unter den Israeliten Württemberg« unter der Leitung seine« Vorsitzenden, de« RechtSanwalt« Tr. , Heinrich Wolf, statt. Dem Geschäftsbericht war zu xgtnehmen, daß der Verein auch im letzten Jahre seine Tätigkeit. segensreich entfaltet hat. Er hat sieben jungen Leuten ermöglicht, eine gediegene AuSbildnng für ihren späteren Beruf zu erhalten. Zwei erlernen die Schlosserei, einer da« Liniergewerbe, je einer wird Monteur, Stahlgraveur, Schreiner und Mechaniker. Ein Lehrling hat im Laufe de« Jahre« »»«gelernt, zwei, ein Bäcker und «ine Kleidernähettn, sind neu angemeldet worden. Die Auskünfte über die Pfleglinge de« Lerein« lauten günstig, sodaß durch di« Hilfe de« Verein« ein tüchtiger jüdischer Handwerkerstand herangebildtt wird. Leider hat die Mitgliederzahl de« Verein« wesentlich nachgelassen. Ein bedauerlich großer Teil der Mitglieder ist im letzten Jahre au« dem Vereine auSgeschieden. Die Stunde ist bedrohlich nahegerückt, in der der Verein seinen Aufgaben nicht mehr voll entsprechen kann. E« kann nicht ernst und eindringlich genug aus di« Notwendigkeit hingewiesrn werden, ge^ rade diesem Verein die unentbehrliche Unterstützung zu leisten. Den Kassenbericht erstattete auch in diesem Jahre der um den Verein hochverdiente Sigmund Kallmann. Seinem Bericht war zu entnehmen, daß da« Vereinsvermögen 2463,69 Mark beträgt. Er hat im letzten Jahre 1042,49 Mark für ferne Pfleglinge »erau-gabt. Für da« neue Geschäftsjahr sind wesentlich« Erweiterungen der Vereinsaufgaben geplant. Aber diese können nur dann vollauf erfüllt werden, wenn alle Stuttgarter Gemeindegenossen sich dem Vereine anschließen. Der Mitglied «beitrag von jährlich mindesten« 3 Mark ist wohl von jedem aufzubringen. Helfe jeder, daß ein tüchtiger jüdischer Handwetterstand in Wütt« temberg herangebildet wird. Da« istzugleich die belle Abwehr judenseindlicher Angriffe. Stuttgart. Die ordentliche Generalversammlung de« Verein« zur Unterstützung hiesiger und durchreisender Armer (Israelitischer Ottlarmenverein) fand am 6. Mai statt. Ten Rechenschasttberichl eröffn«!« der Voffitzcnd« Stephan Sttauß Bericht des Äsraelttischeu Fürsorgeamtes über de» Monat April Sprechftrmde« der Fürsorgerin: Sonntag.^Mou^g.^Dien«tag, } „rm. 9^-11 Uhr Mittwoch, Freitag nachm, von 3—5 Uhr Das Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat April 1928 unter Mitwirkung der angeschloffenen Wohltättgkeitsvereine folgende Tätigkeit enffaltet: Laufende Unterstützungen.Ji 1147.95 Einmalige Unterstützungen.471.64 Gesundheit»- und ErholungSfürsorge . . „ 208.85 Anstaltsfürsorgr.„ 462.90 Dimhretseude. 247.70 An 12 Erwachsene und 7 Kinder würbet insgesamt 73 Kleidung»« und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhirll da» Fürsorgeamt Mt. 110.— von: Fra» Lina Uhlmann, sowie von 2 nicht genannt sein woNeuden Gebern. BERTHOLD AUERBACH* VEREIN Dteutal, den 22. Mal 192«, Stuttgart - Loge, Calwerstrafee 53 Hlh».. abend« 8% Uhr VL Heimabend »Die Siadtgarten'Verwaltung hat sich bereit crld&rt, bei einer Mindestabnahme von 20 Karten den Mitgliedern des B. A.V. eine 50*/» Erm&ftigung auf den Stadtgarten-Abonnementspreis zu gew&hren. Sofortige Anmeldung bei Herrn ObersekretSr WUrniM, Retasborgsir. 19 a, Teleph. 88258, dringend erforderUi. Zimmer m rituell. Pension möglichst mit Familien-Anschluß ln gutem Hau» von einer Studentin gesucht. Offerten an Hotel Wes iheimer, Zimmer Nr. 9. Persönlich anwesend 5-4 Uhr. WM..mm I Pflr PtsbOMdimli« und dß« I Fest-Tafel hervorragende Tateiu. Dessertweine d. Baron v. Rothschlld’schen Kolonien 10 Sorten Mk.27.« taipoH-<tes.-PalflstlM m.b.N. Berlin W. 35, F>otadameratraße Nr. 50

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