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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-05-01 · 3 (1.5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
3 (1.5.1928)
Date
1928-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
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setz über „die össentlichcn Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen" erschienen sei. Lind wir Juden berechtigt, diesen Geburtstag zu feiern? Schon vor diesem Gesetz waren verschiedene Verordnungen wegen der Verhältnisse der Juden erlassen; die grundlegende Gesetzgebung war jedoch die von 1828, die aber den Juden nicht die erhoffte Gleichberechtigung brachte. Es bedurfte vieler Bemühungen, um das Gesetz so umzugestalten, daß man von einer Gleichberechtigung der Juden sprechen konnte. Tas Gesetz war ein reines Erziehungsgesetz. Es sollte den sogenannten Schacherjuden zum Bürger und Kaufmann bezw. Handwerker erziehen. Eine große Berufsumschichtung sollte in die Wege geleitet werden. Aber tatsächlich vermochte es das Gesetz infolge der herrschenden Verhältnisse nicht, die Juden zur Ergreifung von Handwerks-Berufen zu veranlassen. Tie damalige amtlich angegebene Zählung von *2600 Schacherjuden war völlig falsch, denn es gab damals in ganz Württemberg überhaupt nur 8000 Juden. Das Gesetz selbst zerfiel in 3 Abteilungen, in die Bestimmungen über die bürgerliche Stellung der Juden, über das Schulwesen und das Kirchcttwesen. Von großem Vorteil waren die Bestimmungen über das Schulwesen. Tas Kirchenwesen wurde geordnet und erfuhr dann seine Erweiterung durch die im Jahre 1841 erschienene Synagogenordnung, die zum großen Teil auch beule noch gültig ist. Weitere Ausführungen machte der Redner über die Zentralkirchenkasse, über die Bemühungen, die Verfassung zu revidieren und über die Austrittsbewegung in der Zeit von 1841 bis 19*27. Insgesamt sind seitdem aus dem Judentum in Württemberg 338 Personen ausgetreten. Tie größte Zahl der Austritte war im Jahre 19*21 mit *28 Personen sestzustellen. Tie Rcvisionsverhandlungen der Verfassung der Juden führten erst im Jahre 1912 zu einem Erfolge, denn durch die neue Verfassung wurde ein „Weiterer Rat" gebildet und die Staatsaussicht über die Religionsgemeinschaft wesentlich gemildert. Turch die Verfassung vom 18. März 1924 wurde die Trennung von Staat und Kirche vollzogen. An den Schluß seiner Ausführungen stellte der Redner wieder die im Anfang gestellte Fragje: „Sind wir berechtigt, die'en Tag als Geburtstag zu feiern?" Er kam zu dem Schluß, daß die Lichtseiten des Gesetzes die Schattenseiten übertreffen, und daß durch das Gesetz der Jude in den Staat eingegliedert worden ist. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine wertvollen Ausführungen. (-chluß foipt.j Aus der Welt des Judentums. Der Reichsarbeitsminister gegen die Ausschließung sabbathhaltender Arbeitsuchender von der Arbeitslosenunterstützung. Ter Preußische Landesverband gcsetzestreuer Snnagogengcmeinden, Sitz Halberstadt, gibt bekannt: Es ist in letzter Zeit häufig vorgekommen, daß jüdischen Arbeitslosen, die eine Arbeit am Sabbath aus religiösen Gründen ablehnen, die Arbeitslosenunterstützung entzogen wurde. Ter Reichsarbeitsminister hak nunmehr auf eine Eingabe geantwortet, er werde zur Vermeidung weiterer Schwierigkeiten beim Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung anregen, daß bei Arbeitsvermittlungsdnsuchen orthodoxer Israeliten soweit als möglich versucht wird, sie in solchen Stellen unterzubringen, in denen am Sabbath keine Arbeit verlangt wird. Staatsanwalt Iacoby ist nicht Jude. In einem Teil der antisemitischen Presse sind Andeutungen enthalten, daß der in Verbindung mit dem Prozeß gegen Bergmann und Genossen verhaftet gewesene und vor einigen Tagen aus der Haft entlassene Berliner Staaleanwaltschaftsvat Tr. Walter Iacoby jüdisch sei. Ter JTA.-Vertreter hat sich zur Klärung dieser Frage an den Verteidiger des Staatsanwaltschaftsrates Jachby, Rechtsanwalt Tr. Klee, gewandt und von ihm folgende Auskunft erhalten: „Es ist unrichtig, daß der Staatsaniwaltsschaftsrat Iacoby jüdisch oder jüdischer Abstammung sei. Er stammt aus einer Lchrer- und Theologenfamilie, der Konfession nach ist er evangelisch. Sein Vater, der zuerst in einer märkischen Stadt Gymnasialoberlehrer war, war später ordentlicher - 40 - Professor der evangelischen Theologie an der Universität Königsberg in Preußen. Auch die Gattin des Herrn Rat Iacoby stammt aus deutscher evangelischer Familie und zwar aus landwirtschast lichen Kreisen. Offenbar werden Nachrichten, daß Herr Iacoby jüdischen Ursprungs sei, aus tendenziöser Absicht uird vielleicht im Interesse der Wahlpropaganda verbreitet." Wedgewood fordert die Amwandlung Palästinas in einen britischen Teilstaat. Im Berlage der englischen Arbeiterpartei ist unter dem Titel „Tas siebente Tominium" ein Buch über den Zionismus erschienen, dessen Verfasser der bekannte Zionistenfreund Wedgewood, der Arbeiterführer und Minister im Kabinett Macdonald, ist. Wedgewood stellt vor allem fest, daß England als Träger des Palästina-Mandates verpflichtet ist, den Aufbau des jüdischen Palästina materiell und moralisch zu fördern. Tie englisch« Verwaltung darf nicht, wie bisher, untätig mitanschcn, wie sich die Juden unter den schwersten Verhältni sen aürackern und engli'che Beamte ihnen noch Hindernisse bereiten. England als Mandatarmacht hat die Pflicht, seine Macht, seinen Einfluß und seinen KrÄit in den Timst der Sache des Aufbaus zu stellm. So legt Wedgewood die Pflicht Englands fest. Tann aber spricht er vom Rechte —i-- HEILBRONN Damen- und Herrenfriseurraume, Parfümerie in L. RUOFF Inh.i EUGEN BONN Kalsarstr. IO / Par Gofflleö riarbaa/Beilbronn Bldhaaeref and Gribtldnleidi Kft am neuen Friedboi Anfertigung von Grabdenkmälern feder Art Reichhaltige* Lager im fertigen Qrsb-Denkmälern Figuren u. Reliefs Sfdterer’sdie Apotheke LUDWIG SÜNDER Heilbronn a. N. 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