Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 3 (1.5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
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— 41 Englands und wirft die Frage auf: Soll England das jüdische Palästina aufbauen auf die Gefahr hin, daß dieses mit seiner Hilfe geschaffene politische Gebilde von dritter Seite benützt werden kann, um England in seinen Stellungen in Asien und Afrika zu bedrohen? Wie kann eine Garantie geschaffen werden, daß dieses jüdische Palästina, auf einem für das britische Reich so lebenswichtigen Punkte gelegen, nicht in den Tienst der Feinde gerät oder sich in diesen Dienst begibt? Wedgewood gibt dazu die Antwort: Palästina muß ein Bestandteil des britischen Reiches werden, ein Teilstaat des britischen Imperiums, das siebente Dominium. Der radikal-zionistische Führer Overbaurat Ro bert Stricker veröffentlicht in der von ihm herausgcgebenen Wochenschrift „Neue Welt" unter der Ueberschrift „Farbe bekennen!" Bemerkungen zu dem Buche WedgewoodS. Die zionistische Bewegung, der treibenden Idee vom Judenstaat beraubt, nimmt immer mehr den Charakter einer (Keldsammlung für eine beschränkte Judenkolonisation an. Führende Zionisten, führende Blätter uud ganze Gruppen verlegnen den Judenstaat als Endziel, sprechen vom kulturellen Zentrum, von einer Kolonie, von einem arabisch-jüdischen, binationalen Heimwese». Damit macht man den Zionismus und die zionistisch« Politik zum Gegenstände berechtigten Mißtrauens. Schon vor einem halben Jahre habe Wedgewood in einer Rede seine These vom jüdisch-englischen Dominiuni ausgestellt. Das Ziel des Zionismus ist der Judenstaat, der selbständige, neutrale, den Satzungen des Völkerbundes entsprechende Judenstaat. Ist das Ziel aber ein englisches Dominium, ein Bestandteil Englands, dann können alle andere» Staaten den Zionismus innerhalb ihrer Grenze» unterdrücken und verbiete», daß Geld und Men scheu ins britische Dominium gebracht werden. Große Teile des jüdischen Volkes könnten oder müßten sich dann an Palästina desinteressiert erkläre». Tenn Palästina kann und darf nur jüdisch, es kann nicht englisch-jüdisch werden. Es kann nicht einer zweiten Macht, es kann nur dem Bunde der Kulturvölker dienen. Stricker fordert die Leitung der zionistischen Organisation dringend aus, diesmal Wedgewood eine unzweideutige Antwort zu erteilen. Er weist auf gewisse Andeutungen Herbert Samuels hin und meint, für Plaudereien und diplomatisch-neckisches Versteckenspiel seinen Zeit und Anlaß zu ernst. Jetzt heißt es, Farbe bekennen! (JTAV Neue Bücher. Heinrich Kurtzig: T o r s j u d e n. Ernstes und Heiteres von ostischen Leuten. M. Poppenlauer, Verlag, Berlin. Mark 2. . H e i n r i ch Ä u r tz i g, dessen unlängst erschienenes Buch Ostjüdisches Judentum" in weiten Kreisen Aussehen erregte und bei der Presse eine sehr günstige Aufnahme fand, wird sich durch sein vorliegendes Büchlein sicherlich neue Freunde werben. Wir Westdeutschen wissen ja in der Tat nicht viel von unseren „ostischen" Brüdern und Schwestern, und leider nur zu oft wird unser Blick durch Einzelerscheinungen so empfindlich getrübt, daß hierüber die objektive Betrachtung des Gesamtproblems verloren geht. Wie seinerzeit Joseph Roth in seinem hervorragenden Buche „Juden auf Wanderschaft", versucht nun Kurtzig, in Novellen und Skizzen den Typus des ostischen Dorfjuden zu schildern, der mit seiner Heimat eins geworden und unzertrennbar mit der dörflichen Scholle verbunden ist. Aber auch aus diesen schlichten Erzählungen klingt die geistige Not unserer Glaubensgenossen, auch auf ihre oft so ärmliche Existenz fallen düstere Schatten des Nichtverstandenwerdens und des Vorurteils. Und dennoch kleben sie mit bewunderungswürdiger Zähigkeit am Althergebrachten und bringen immer wieder die Kräfte auf, die ein schlveres Dasein erfordert. Doch auch an einem natürlichen, frischen Humor gebricht es den jüdischen Dörflern des deutschen Ostens nicht. Davon zeugen die Anekdoten und Skizzen, die der Verfasser von,,Reb Nechemje", dem Geschichtenerzähler, berichtet. Köstlich ist z. B. die Humoreske „Der Katzenkäufer", die beweist, daß zwei jüdische Hausierer auch dann noch zu einem obligaten Mittagsmahl kommen, wenn sie auf dem Lande nur „Reschoim" antreffen, die um keinen Preis den wegmüden Juden auch nur ein Ei abgeben wollen. An diesen Anekdoten erkennt man so recht, daß der gesmche, treffende Mutterwitz nicht das schlechteste Erbteil des ostdeutschen Juden ist, zumal seine Schlagfertigkeit ihm in vielen Fällen die Wege ebnet. — So hat dieses Büchlein nicht nur uns, sondern allen, die sich für die Seele der ostdeutschen Juden interessieren, vieles zu sagen und deshalb, ist ihm weiteste Verbreitung zu wünschen. H. St. lllp hier besprochenen Dfftdfla aus iUlt* liefert Buchhandlung 0»URM»Uö> J. HESS & Co. / STUTTGART Sdilohstrahe 10 (neben dem Ufapalesl); Telephon 28637 Stuttgart. Man schreibt uns: Bei der Bedeutung, die das F r i e d r i ch - L u i s e n - H o s p i z in dem auf der Höhe des Schwarzivalds gelegenen Solbad D ü r r h e i m für die jüdische Kinderhygiene in ganz Deutschland erlangt hat, dürfte nachstehender Auszug aus dem Bericht der Mannheimer städtischen Schularztstelle belr. Erholungssürsorge für jüdisch« Kinder im Jahr 1927 auch für die Leser der Gemeindezeitung von Interesse sein: „Es kamen 74 Kinder zur Entsendung, hiervon 38 »ach Dürrheim. Tie Zusammenarheit mit dem Heim in Türrheim vollzog sich stets reibungslos. Tie Kurersolge waren insgesamt zufriedenstellend. Ter Durchschniltsquotient von Ernährungszustand und Aussehen hat sich beträchtlich gebessert. Die Kinder befanden sich nach der Kur und drei Monate noch ihrer Rückkehr in sehr guter Allgemeinverfassung;, insbesondere waren bei den meisten die skrofulösen Erscheinungen zurückgegangen oder ganz geschwunden. Großen Wert wird man künftig daraus legen müssen, Kinder auch im Winter nach Türrheim entsenden zu können. Spart ist bi« Parat«. Bei dem bekannten Sporth a u s H a u g, Stuttgart, Leonhardsplatz 8, ist eine Broschüre kostenlos erhältlich, die, ergänzt durch ein hervorragendes photographisches Bildmaterial, sich mit den verschiedenen Sportarten beschäftigt. Besonderes Interesse verdienen die Ausführungen über das „Tischtennis", das sich in Deutschland immer mehr einbürgert, über „Das Wochenend« im. Faltboot" und die Bilder, die mit der richtigen Sportbekleidung bekanntmachen. Jedem Sportfieund wird dieses Büchlein ein vortrefflicher Berater sein. Schsaheitssalaa her Dtzme. Es dürfte für die Damenwelt von Interesse sein, zu erfahren, daß der bekannte Schönheitssalon der Dame, Stuttgart, König st r. 10AI, nunmehr ein« loesrntlichc Erweiterung seiner Räume durchgeführt hat. Das Institut ist aufs modernste eingerichtet und vermag die verwöhntesten Ansprüche zu befriedigen. Tie durchgehend in Rot und Lavendelblau gehaltene Innenausstattung schließt sämtliche Räume harmonisch zusammen und atmet wohltuende Geschmackskultur. Wir verweisen nochmals aus das Inserat in dieser Ausgabe, und empfehlen allen Dannen, die aus «in« individuelle, moderne Körperpflege Wert legen, sich an den Schönheitssalon der Dame zu wenden. I« geschästliche» »i« i« familiäre» Lebe« ist die Einholung von gewissenhaften Auskünften von allerguößter Tragweite. Um wirklich gut unterrichtet zu werden, ist es allerdings erforderlich, daß man sich an eine Auskunftei wendet, di« durch ein iveitoer« zweigtes Informationsnetz die Gewähr für sachgemäße Bedienung gibt. Wir verweisen daher aus das Auskunfts» und Detektivbüro Württember» g i a in Heilbronn, das allen Anforderungen gerecht wird und besonders für familiäre Auskünfte geeignet ist. S. Inserat. Stuttgart. Verlobte: 25. 4. 1928 Edith Ries mit Dr. med. Martin Krön, Neue Weinsteige 10 > Geburten: 16. 4 1928 Lore Isabella, Tochter des Kaufmanns Arthur Schloß und seiner Ehefrau Else, geb. Bär. Uhlandstraße 25. ULM SCHIRMEu. STÖCKE : beste Qualität, jjrößte Auswahl S Reparaturen aller Art rasch und billig * SchirmffabrikGöbel j nur Bockgassa •, Telephon 123 FRIEDRICH KRIEG HAFENBAD 21 . TELEPHON 987 Größtes und vornehmstes Spezlel-Heus für Parfümerien, Tolletten-Artlkei Kammu. Bürsten waren A. Stehle Malermeister Glöckler-Str. 28 Telefon Nr. 960 Ausführung sämtlicher Malerarbeiten bekannt solid und preiswert Aettcste Apotheke am Platie BctUxcr Max Hayn s. 100S «hnelUte Lleferuna In allen elnsdiMglgen Fallen HomOopathie und Allopathie ie In aetrennten Lokalen. 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