Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 3 (1.5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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Wir tun'S — wir hörcn'S — die Brudertat in der ein Mensch seinem Nächsten naht, sie schuf das Ball und, daß es vernahm, von wannen ihm Ruf und Auftrag kam. Und was es einmal getan und vernommen ist von Bätern zu Söhnen und Enkeln gekommen: nur dies, nicht Turm noch Wall noch Mauern ließ e i n Volk alle Völker überdauern. Und immer wieder dem Ruf sich beugen und immer neu im Dienst bezeugen: wir tun's — wir hören's — nur dies allein heißt Jude sein und ist ein Adel, der verpflichtet. — Tie«: Dienst am Menschen, aus Gott gerichtet Dies: dienender Bruder Mensch zu sein — Ties: helfend nach Lohn und Tank nicht fragen zu jedem Leid sein Mit-Leid tragrn: — dies ist eines jüdischen Lebens Sinn, dies ist eines jüdischen Lebens Gewinn. Wer solchem Dienen seine Tage weiht, der zahlt den rechten Zoll an seine Zeit und bringt der Welt durch Wirken, nicht durch Sagen, die Botschast, die ihm an sie ausgetragen. Antisemitismus im neuen deutschen Reich seit 1870. Vortrag von Geh. Rat Prof. Dr. Waller Götz-Leipzig Ter Leipziger Historiker, Prof. Dr. Walter Götz, gehört zu der Gruppe deutscher Hochschullehrer, deren Urteil nie durch politische Bindungen getrübt wurde. Schon in Tübingen, wo er früher eine Professur bekleidete, stellte er stets seine Kräfte in den Dienst des öffentlichen Lebens und erwarb sich den Ruf eines ausgezeichneten, für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfenden Gelehrten. Am 19. März ds. Js. sprach nun Professor Tr. Götz im Stadtgartensaal über das Thema: „Der Antisemitismus im Deutschen Reich seit 1870." Zu diesem, im Rahmen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus stattsindenden Bortrag, hatte sich eine große Hörerschar aus allen Kreisen eingefunden, die mit größter Spannung den interessanten Ausführungen des BERTHOLD AUERBACH. VEREIN Dienstag, den A. Mal 192A, Siatl|tr< - Lode, Colwerstrabe 33 Hihs^ abend* Uhr «prkhi Dipl.-Ingenieur Piawner Ober „Das heutige Pallslina tan Lldile des leduükcrs“ Dienstag, den 13. Mai 192A, Stuttgart-Loge, Colwerstrabe 33 Ulk., abend* A \ \ Uhr *prldit Dr. med. S. säender Ober „Das Wunder von KonnersreallT EINTRITT FREI! Nadi 4Jähriger CStigkeit als Assistenzarzt der dermatologisdien Untversit&ts - Klinik Berlin (Direktor: Prof. Dr. Arndt) habe Uh midi in SMldarf. UMzietstrMe 1. ei* Fadiarzt t Hanl« n. Harnkrankheflen niedergelassen. — Spredistunden t Werktags 9—11 Uhr und 3—7 Uhr. Samstags 9— 11 Uhr. / Femspr. 22061. Dr. med. Martin Krön M2LW Nadi mehitghriger FedMosbUdung als Assistenzarzt am Kaiserin Auguste Viktoria-Hans. Rel&sansialt in Berlin-Chartottenborg (Direktor: Professor Dr. Langstein) und an der Kinderklinik der medlrinlsdwn Akademie ln Düsseldorf (Direktor: Gebeimrai Prol Dr. Schlotmann) habe Id» mkh In CaansfalMilHderarzt niedergelassen Stuttgart-Cannstatt Dr. IN«I. S. Sdimal KSaigltr. 3* / Telepb.,, 9*3 Sprcdutonden: H Samstags 1>1. / Röntgenuntersuchungen. - 33 - Redners folgte. Ter Liberalismus, jene fortschrittliche Bewegung des 19. Jahrhunderts hatte in allen seinen Phasen mit Antisemitismus nichts gemein. Jeder, der an der Befreiung des Vaterlandes Mitarbeiten wollte, war ihm willkommen. Ausgesprochen judenseindliche Strömungen gab es überhaupt nicht und keinem Menschen siel es ein, die Juden, oder irgend einen Bolksteil für die vorausgegangenen Kriege verantwortlich zu machen. — Auch die sogenannte Gründerzeit, jene gewaltige Wirtschaftskrise der siebziger Jahre, wurde überall als eine in sich begründete ökonomische Sondererscheinung angesehen, an der niemand direkt Schuld trug. Es waren sogar j ü - d i s ch e Abgeordnete, die als erste gegen die Auswüchse dieses Gründertums Front machten und Abhilfe forderten. Doch 1874/75 traten die ersten einzelnen Ankläger auf, die den Juden für die Zerrüttung der Wirtschastsverhältnisse die Schuld in die Schuhe schieben wallten. Aber dieser mehr literarische Antisemitismus fand weder im breiten Volke noch in der Presse Resonanz — und, trotz Zunahme des judenseindlichen Schrifttums, konnte nirgends von einer antisemitischen Bewegung gesprochen werden. Erst durch das Auftreten des Hofpredigers Stöcker, der 1878 wagte, in einer von Tausenden besuchten sozialdemokratischen Versammlung gegen die inarxistische Ideologie zu sprechen und einen „besseren", christlichen Sozialismus zu predigen, wurden die Grundlagen für den späteren antisemitischen Generalangriff geschaffen. Tie Wirkung dieser Stöcker'schen Diskussionsrede bestand darin, daß aus den Kreisen der Arbeiter- und Handwerkerschaft an Stöcker die Aufforderung erging, eine neue Partei zu gründen. Als diese, die „Christlich-soziale Arbeiterpartei", immer größeren Zuwachs erhielt, wurde sie, zusammen mit der Sozialdemokratischen Partei, durch das Sozialistengesetz von 1878 verboten. In der gegen \ben Sozialismus nun allgemein einsetzenden. Hetze sah Stöcker auch feine Leute immer mchr schwinden und nun sammelte er andere Elemente um sich, kleine selbständige Handwerker, Berliner Kleinbürger usw. und schuf die „C h r i st l i ch - s o z i a l e P a r t e i". Mit dieser Neuorientierung bekam Stöckers Politik ausgesprochen antisemitischen Charakter. Tenn diese Leute glaubten alle, daß die Juden allein an ihrer wirtschaftlichen Notlage schuld seien und sahen in Stöcker den Befreier aus allen Nöten. So entstand die große „Berliner Bewegung", die unter Stöcker und Liebermann von Sonnenberg weiteste Kreise des Berliner Kleinbürgertums im Haß gegen die Juden zusammenschloß. Auch die Konservativen, die in Berlin die Hochburg des Freisinns erblickten, hofften mittels dieser Bewegung den Liberalismus und seine mächtige Presse aus den Angtln heben zu können. Ganz besonders zündete der Antisemitismus aber in der akademischen Jugend. Studenten, Angestellte, Jugendvereine wollten mit Stöcker ein neues Teutschland errichten, da der Liberalismus dieser Zeit ihnen nichts mehr zu sagen hatte. Tie Arbeiter dagegen schwenkten nun ganz ins Lager des Sozialismus ab. Für sie, die vor allem um Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage kämpften, war Stöckers Manchester-Politik bedeutungslos geworden. Allein es zeigte sich bald, daß die „Berliner Bewegung" doch nicht so innerlich gefestigt war, als sie erschien. Bor allem tat ihr die unfreiwillige Loslösung Stöckers von der Konservativen Partei schweren Abbruch, dann aber verlor sie durch die Niederlage des Rektors Ahlwardt, der das preußische Kriegsministerium der Korruption verdächtigt hatte, sehr an Prestige. Äuch im Lande roar_ die politische Umstellung Stöckers vom christlichen Sozialismus zum Antisemitismus nicht unbemerkt geblieben und man sah immer mehr ein, daß die Bewegung mehr von persönlichem Ehrgeiz als von wirklicher Sozialpolitik getragen wurde. Als gar fegen Ende der achtziger Jahre junge christliche Akademiker unter Friedrich Naumanns Führung sich mit wissenschaftlichem Ernst und praktischer Erfahrung an die Lösung der brennenden sozialen Fragen machten, als Paul G ü h r e seine Schrift „Drei Monate Fabrikarbeiter'" zur Diskussion stellte, da wurde es weitesten Kreisen klar, daß nur die Unkenntnis der sozialen Verhältnisse Stöcker aus das Glatteis des Antisemitismus geführt hatte. So scheiterte die Bewegung vor allem an ihrem Gründer selbst, der dem Proletariat das Evangelium predigte, während es doch nach lebendem Christentum hungerte. Bon der anfangs so mächtigen Bewegung war beim Ausbruch des Weltkrieges nichts mehr zu verspüren. Allein nach dem verlorenen Kriege überflutete eine neue antisemitische Welle das Reich, die von den gleichen sozialen Schichten wie in den achtziger Jahren ausging und dieselben Führer, Methoden und Ziele austvies. Für das unglückliche Ende des Krieges machte man^die Juden verantwortlich und wars ihnen die unglaublichsten Dinge vor. An Stelle der republikanisch-demokratischen Ideen wollte man die eigene völkische Ideologie pflanzen und die Grundlagen für ein neues, in Kultur und sozialer Struktur germanisches Reich schaffen. Aber auch diese zweite Bewegung ist im gegenwärtigen Zeitpunkt schon wieder bedeutungslos geworden. Tie Gründe hierfür liegen wiederum in der politischen und wirtschaftlichen Unwissenheit der Führer, die nicht aus dem Boden der Tatsachen stehen und mit Utorcrdi zar Unterst«tzaag hiesiger ud ivdrelmlcr lsr. Iran (Israel, Ortsarmenverein) Einladung zur Ordentlichen Generalversammlung Sonntag, 6. Mal, vorm. 10', i Uhr im Gemeindehaus, Hospilalstrabe 36 Tagesordnung: Rechenschaftsbericht. Satzungs- Änderungen. Wahlen. Der Vorstand: Stephan Straub.^ liiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiifliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiniiiiiiiii | Neuerscheinungen aus | | der jüdischen Literatur | EDUARD LAMPARTER: | Das Judentum In seiner kullur- und W rellglonsgeschichllfchrn Erscheinung, gj Leinen Mk. 10-- jf HERMANN COHENS: ( Schriften zur Philosophie u. Zeitgeschichte. W Band I und II Mb. 23.- W braellllstker Liidtt Uil' ml Halerstfltzaags-Vereia i«r Württemberg LT. Mitgliederversammlung findet am Sonntag, den IO. Mai 192A, vorm. lO'.'iUhr Im Gemeindehaus in Stuttgart statt. Tagesordnung $ I Verwaltung*- und Kassenbericht, Entlastung. 0. Neuwahlen. Ul. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen ist dringend erwOnscht. Der Ausschub Bad Töte Kurarzt Dr.Levi HANS B R A N D : | Der Siaai und die Juden W Broschiert Mk. 2.» f§ HERMANN KURTZIG: | Dorfjuden. Broschiert Mk. 2.« Z MYRIAM HARRY: Das kleine MSdchen von Jerusalem. Roman. Leinen Mk« 6«> Buchhandlung J.Hess&Co. / Stuttgart Schlofrsir. 10 (neben d.tifapolasi) / Telef. 2S637 iromiwmitBawmHiwjiiiBnBWBmwniiHffiuiiitumnBmffiiiiwaaiiimiHaaaai