Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 3 (1.5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4904101-5441815-5443015--1841-4905832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 32 - Religio» neben der christlichen ein göttliches -Taseinsreckn, eine besondere Gabe nnd Aufgabe im Geistesleben der Menschheit verlieben ist. kann nur engherziger Konse'sionalismuS leugnen. „Tem Judentum iji von der Vor'ehung die Bestimmung zuge.vie'eil irorden, ein Zeuge und Wächter des rinnen Monotheismus, des Glaubens an den einigen nnd einzigen Schöpfer und Erhalter aller Tinge zu fein. Taft der Monotheismus in der chrinlichen Kirche nicht immer jicher verwahrt gewe'cn ist. zeigt ein Blick m ihre Togmengeschichie. Tie andere providentielle Aufgabe des Judentums bestell darin, das elbische Element in dem geistigen Gorte-glauben zu betonen und zu wahren. Zu den unvcrbrüchliche.i Bestandteilen feiner religiösen Gedankenwelt gehört auch die Vorstellung von der sittlichen Le üständigkeit des Menschen, von dem Eigenwert seines frommen .Handelns nnd der starke Akzent, der auf die Fäbigkeil des menschlichen Willens zum Guten ge- , Wohl wenige Bereinsjubiläen sind unter so herzlicher und allgemeiner Anteilnahme aller interessierten Mreife gefeiert worden, wie das Jubelfest anläßlich des 75.-jährigen Bestehens des.«ran kenunterstützungsvereins. Schon vor dem eigentlichen Festlage waren zahlreiche Glückwünsche zulegk wird. Wir sehen hierin ein berechtigtes Gegengeivicht gegen die Gefahr des Quietismus, eines die sittliche Willenskraft des Menschen lähmenden Bauens und SichverlassenS auf die alles wirkende Gnade Gottes, gegen eine Gefahr, welcher so manche Erscheinungsformen christlicher Frömmigkeit unterlegen find. „Biele Christen gehen an den Synagogen der Juden in der Meinung vorüber, daß hier einer zur Mumie ansgetrockneten Religion gedient werde. Aber die Ergebnisse der neuzeitlichen Religionswissenschaft machen es uns zur Pflicht, neben den« überzeugungsvollen Fest- und Wert halten des eigenen Glaubens anzuerkennen, daß der religiöse Genius auch außerhalb des Christentums edle Blüten und Früchte gezeitigt hat." Tas ist ein Bekenntnis von imponierender sittlicher Größe, durch das sich Lamparter einen Ehrenplatz in der Geschichte des jüdischen Religion errungen hat. - In seiner Festpredigt ging er von dem Sabbathschriftwort aus .galtet Israels Kinder von aller Unheiligkeit fern, daß sie nicht sterben, indem sie mein Heiligtum in chrec Mitte entweihen." Er beantwortete die viel erörterte Frage nach dem eigentlichen Wesen des Judentums dahin. er nicht ein, da diese in der Festschrift eingehend und sachkundig dargestellt worden sei. Bürgermeister Tr. Klein überbrachte hierauf die Grüße und Glückwünsche des Oberbürgermeisters und des Gemeinderates und sprach dem Verein den herzlichen Tank der Stadtverwaltung aus. Ueberaus sympathische Worte widmete Frl. Tr. Kämen im Namen der Zentralleitung für Wohltätigkeit dem Vereine. Hierauf sang Frau Irma Flegenheimer, die Frau Schmuckler- H e ß am Klavier feinsinnig begleitete, mit tiefem Empfinden und vollendeter Künstlerschast Mozarts Kantate. Tann erschienen vor den Augen dev Festteilnehmer die Bilder der Männer und Frauen, die seit der Begründung des Vereins bis zur Stunde die Bereinsideale vorbildlich be. tätigt. Tr. Emil Sander begleitete die Lichtbildervorführung mit entsprechenden liebenswürdigen Erklärungen. Beim hierauf folgenden Festmal sprachen für die Landesversammlung deren Präsident, I u - l i u s Rothschild, für den vberrat Regierungsrak Tr. Nördlinger, für das Gemeindevorsteheramt Arthur Essinger,für.dieWohlfahrtsverein« Kommerzienrat Adolf Wolf, Tr. Gunzenhauser, Religionsoberlehrer Adler- Cannstatt und Leopold Levi. Louis Hirsch und Adolf Kops dankten allen denen, die den Verein geehrt und erfreut. Besonders begrüßt wurde die Mitteilung, daß fast 9000 Mark an Spenden und Ehrengaben dem Vereine anläßlich seiner Jubelfeier gestiftet worden sind. Während des Festmahls sang Frau Irma Flegenheimer zwei Lieder von Strauß und fand für ihre vollendete Darbietung begeisterten Beifall. Am Sonntag vormittag fand dann die 76. Mitgliederversammlung deS Vereins statt, in der Louis Hirsch sein Amt als Vorsitzender aus Gesundhettsrücksichten niederlegte. An seine Stelle wurden der bisherige Schriftführer Adolf Kops zum Vorstand und Leopold Sontheimer zum Schriftführer gewählt. Die Versammlung ernannte unter höchst anerkennenden Worten für seine beispielgebende Wirksamkeit Louis Hirsch zum Ehrenvorsitzenden und F r i e d r. L. Kiese, der seit dreißig Jahren Kassier des Vereins ist, und Sanitätsrat Tr. Sigmund Weil, der ebenfalls dreißig Jahre als Vertrauensarzt und Ausschußmitglied des Vereins tätig ist, zu E h - renmitgliedern. Tem Kassenbericht für 1927 war zu entnchmen, daß er mtt einem Abmangel von Mark 1132,62 abschließt. Der Verein hat ttotzdem im letzten Jahre über Mark 8000 für Kranke und Arme verausgabt. Von der Jubiläumsspende sollen sofort Mark 1500 an Arme und Kranke zur Verteilung gelangen. Der Verein hat auch im letzten Jahre seinen Aufgaben vollauf entsprochen und darf mit großer Zuversicht der Zukunft entgegenschauen. Borspruch zur 75jährigen Jubiläumsfeier de» Israelitischen Kranken-Unterstützung».Vereins <£. D. von Leopold Marx, Cannstatt. Warum ist das Leben? warum ist Leid? Wie war der Zeit Anfang? >vas wird sein am Ende der Zeit? Warum ist Laster? warum ist Not? Warum ist der Tod, und was ist hinterm Tod? — Warum muß der Mensch immer fragen und fragen? und — warum kann ihm keiner die Antwort sage»? Warum? . . . Fragt denn die Eich«, warum sie steht — die Wolke, warum sie im Wind vergeht — bi« MauS, wenn der Habicht zum Fraß sie krallt — das schwindende Licht, wenn die Nacht sich ballt? Rur der Mensch ist der ewige Sucher: Warum? Der Eine aber bleibt ewig stumm, der die Antwort weiß — und da» ist gut . . . doch daß er wirkt und die Aatwott tut» ist des Menschen gewährt' und gewiesenes Teil und ist ihm gelehrt zu seinem Heil. Wir tun'i wir hören'S — die Antwort getan —: so fängt eines LolkeS Geschichte an, s» klang eines Volkes Autwortrus ^an den Schöpfer, der sich's zum Dienst erschuf. i O Liebend von lint* njtS r«tite: Barl Bahn. 8anität«rat Df. 2tßm. Weil. Louis Hirsch lBorsitzender). 2radrradbiner De. Rteaer. Eduard Weil. Ärihur Roihschiid. sitzend non link« nach recht«: Hugo Baku. Friedr. L. Biele (Basfter>. Adolf Bop« lLchrijlsührer). Leovoid Lontheimer. (Ptzot. A. Hirriinger). meist in^iner für den Verein und seinen Vorsitzenden überaus ehrenvollen Form von Behörden, Gemeinden und Vereinen eingeiausen. Ter Innenminister Tr. Bolz, das Württemoergisch« Wirtschaftsministerium, Staatsrad Rau im Namen der Zeniralleitung für Wohltättgkeit in Württemberg, Tirektor AUKnger für das Wohlfahrtsamt Stuttgart, das Katharinenhospital, der Oberbürgermeister Tr. Lauienschlager für den Gemeinderat, der Lberrat der Israelitischen Religionsgemeinschast Württembergs, das Israelitische Vorfteheramt Stuttgart, dazu fast alle jüdischen Wohlsahrtsvereine der Stadt und der Nachoargemeinden, schließlich die jüdische Kinderheilstätte Kreuznach hatten in Zuschriften und Ehrenurkunden dankbare Anerkennung dem Verein ausgesprochen und ihm weitere Blüte zum Heile der Kranken gewünscht. Tie eigentliche Feslfeier fand ihre würdige Einleitung durch, einen Feslgotlesdienst in der festlich erleuchteten und reich geschmückten Gemeindesynagoge am Morgen des 21. April, an der neben zahlreichen Vertretern hiesiger und auswärtiger Wohlsahrtsvereine Ministerialdirektor a. D. Präsident Tr. von Bälz, der Präsident dev ehemaligen Israelitischen Oberkirchenbehörde, teilnahm. Bereits im Gemeindegebet gedachte der Stadtrabbiner des festlichen Anlasses. daß es Gcsinnungsreligion sei, die durch die läuternde LittwStah die Heiligung der Menschen bewirken will. Als Religion der tatgewordenen Gesinnung hat das Judentum die romantische Phrase als unwahrhastig aogelehnt und dafür die Einheu won Tat und Gesinnung als die einzige Lösung des religiösen Pricklems erkannt und gepredigt. Ein Zeuge dieser echten jüdischen Leoenserfassung sei der festfeiernde Verein. Seine Geschichte ist eine stille Legende von helfender Liebe aus seelischem Bedürfnis. Der Redner schilderte die echt religiöse Wirksamkeit des Vereins und pries die Gegenwart, die vor der Vergangenheit nicht zu erröten braucht. Mit Gebet und Segen für den Verein und seine führenden Männer schloß er feiJte Darlegungen, die von künstlerischen Gesangsdarbietungen (Solo Frau Tr. Reif) umrahmt waren. Ter Festabend im Oberen Museum wurde durch einen schönen feierlichen Borspruch von Leopold Marx eingeleitet, den Life Ein st ein ansprechend zum Bortrag brachte. In seiner Festrede gedachte der Bereinsvorstand, Louis Hirsch, der Gründer des Vereins und dankte den Behörden, Vereinen und Instituten, die dem Vereine stelss wohlwollende Anteilnahme bewiesen und zu seiner Entwicklung wesentlich beigetragen haben. Auf die Geschichte des Vereins ging Oie Jubelfeier des Israelitischen Kranken~Uniersiüizungsvereins.