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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-04-16 · 2 (16.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
2 (16.4.1928)
Date
1928-04-16
Page
[Seite] (sequence 3)
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- 21 - das „ewige Licht" vor der heiligen Lade entzündete. Nach den drei Umzügen um den Almemor wurden die Thorarollen in die heilige Lade gestellt, worauf der Stadtrabbiner das Ge bet für Heimatland und Heimatstadt, für die Gemeindeorganisationen des Landes und die Gemeinde selbst sprach. Nachdem die heilige Lade geschlossen worden, hielt der Stadtrabbiner die eigentliche Weiherede, in der er anschließend an die drei Namen des Gotteshauses „Stätte der Versammlung", Bethaus und Heiligtum die dreifache Bedeutung eines jüdischen Gotteshauses darstzellte und wünschte, daß das neue Bethaus seinem Namen entsprechend ein Linas Hazcdek, „eine Heimstatt der Frömmigkeit, der Nächsten liebe und der Sittlichkeit", werden möge. Aus die Weiherede folgte das Nachmittags- und das Freitagabendgebet, die von Oberkantor Schreiber aus Berlin überaus wirkungsvoll und künstlerisch vollendet vorgetragen wurden. Ter erste Sabbathgottesdienst am Samstag, den 31. März, wurde ebenfalls gesanglich und durch eine Festpredigt besonders ausgezeichnet. Der Stadtrabbiner schloß sich in seiner Festrede eng an das verlesene Schriftwort des Sabbathtages an: „Haltet die Obhut des Ewigen, dann werdet ihr nicht sterben, denn so ist mir geboten worden." Er schilderte in seiner Rede die Ausgabe der Ostjuden, den heiligen Bäterbrauch der Heimat aus deutschem Boden zu erhalten und so die ererbte Religiosität auch in der Fremde treu zu bewahren. Auch diese Feier war von zahlreichen Vertretern der Hauptgemeinde sowie der veligiösen Organisationen des Landes besucht. Ter gesangliche Teil lag auch am Samstag wieder in den Händen des yberkantors Schreiber. Tie Weiheftier hat auf -eilt Anwesenden einen tiefen Eindruck gemacht. Hoffentlich findet der Snyagogenverein recht viele Freunde, die ihn in seinem ernsten Vorhaben, hier einen würdi gen ostjüdischen Gottesdienst zu erhalten, auch finanziell unterstützen. Ohne diese Hilfe wird es dem Verein nur sehr schwer möglich sein, seinen schönen Plan durchzusühren. Helfe jeder bei dem guten und würdigen Werke! Oie Offenbacher Haggadah. Von Dr. Otto Hirsch. Wer im vorigen Sommer Gelegenheit hatte, im Gewerbemusenm zu Tarmstadt die überaus anregende Ausstellung „Schrift und Handwerk" der von Professor Rudolf Koch geleiteten Offenbacher Schreiberwerkstatt zu sehen/ der wurde in besonderem Maß gefesselt von der jüdi'chen Abteilung. Sie bestand aus gottesdienstlichen Geräten, insbesondere für die Sederfeier, aus künstlerischen Hand- und Truckschriften, aus Grabplatten und dgl.; fast durchweg Arbeiten, die auf Anregungen des Rechtsanwalts und Notars Dr. Guggenheim in Osfenbach zurückgehen und größtenteils auch ihm gehören. Ihren Höhepunkt bildeten Wandteppiche, die wesentliche Teile des Tischgebets und der Sederfeier wiedergeben und, wundervoll in Material, Formen und Farben, in überraschend gelungener Weise die hebräischen und die deutschen Schriftzeichen vereinigen. In gewissem Sinn eine Fortsetzung dieser wertvollen Arbeiten stellt, hervorgegangen aus demselben Kreis um Dr. Guggenheim und Professor Koch, die „Offenbacher Haggadah" dar, die Guggenheim vor kurzem herausgegeben hat, ein wegen seiner typographischen und illustrativen Ausstattung hervorragendes bibliophiles Werk, darüber hinaus aber, wie mir scheint, berufen, künftig in manchem deutsch-jüdischen Haus die Grundlage Jsr. Krankennnlerstützungsverein S. B. Sonntag, den 22. April 1928,10 & Uhr 9!tt«0lft*6ercoerfaimttluns im Gemeindehaus, Hospitalstraße 36 n Tagesordnung: Jahresbericht Rechenschaftsbericht Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Ausschuß Bericht des Israelitische« Fürsorgeamtes über de» Monat Marz Das Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat Mär« 1928 unter Mitwirkung der angeschlossenen WohlrätigkeitSvereine folgende Tätigkeit entfallet: Laufende Unterstützungen.1098.80 Einmalige Unterstützungen.„ 675.85 Gesundheit»- und SrholungSfürsorge . . 143.— Aastaltsfürsorge. 191.70 Ausbildungsbeihilfen. 30.— Mazzenverteilung . .. 340.— Prßachgaben in bar. 652.— Durchreisende. 222.70 An 23 Erwachsene und 5 Kinder wurden insgesamt 106 Kleidung»« und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt da» Fürforgeamt Ml. 681.80 von: Frau Berta Rofenfeld, Purünfpende, Herrn und Frau Jfidor Rothschild, Peßachspende, Kau Max Schneider, Jahrzeltspende, ferner von 3 nicht genannt sein wollenden Gebern. des TederabendS zu bilden*). Herausgewachsen aus dem von Großeltern und Eltern übernommenen, in langen Jahren selbständig fortgebil- < deteir Hausgebrauch Guggenheims, verbindet sie, ähnlich wie die schöne Seligmann'sche Haggadah mit dem ehrwürdigen überlieferten Text, von dem nur wenige Stücke weggelassen sind, eine Fülle von ernstem und heiterem erläuterndem Stoff aus Lehre, Legende und Leben und wird in ihrer natürlichen, Frömmigkeit schon bei einsamem Lesen, wieviel mehr gewiß bei gemeinsamer Feier, eine Quelle zugleich demütiger und stolzer Freude und Erbauung. Aus dem Text sei hier nur eines angeführt, was sichrer nur wenig bekannt doch vielfach Interesse finden wird. Von der im Germanischen Museum in Nürnberg verwahrten Haggadah-Handschrist aus dem Jahr 1492 wird berichtet, daß der deutsche Schreiber Joel den Rabbi Simon hinter die Worte „leschono habooh biruscholojim" (nächstes Jahr in Jerusalem! die weiteren geschrieben habe: „oder zu Brünn". Ter Schreiber sei wohl bei der Vertreibung der Juden aus Brünn im Jahre 1454 mitvertrieben worden und habe nun seiner Sehnsucht nach der Heimat, die er in der Jugend verlassen mußte, im Alter diesen rührenden Ausdruck gegeben. Tieseloe Verbundenheit *) Das Buch, von dem insgesamt nur 300 Exemplare für den Handel bestimmt sind, ist von Rechtsanwalt und Notar Tr. Guggenheim in Osfenbach A» dem angesichts de» (Gebotenen billigen Preis" von RM. 60.— ftu beftiehen. jsrof. Jtarl 2Bien, 6tnttaart Jt|L SraamittaM m ZS. Msrz 1928 von Glaube und Heimat, von der ja übrigens die Haggadah selbst durch die Aufnahme des mittelalterlichen deutschen Volkslieds vom Lämmchen (Chad gadjo) 'Zeugnis ablegt, von altem Gut und wertvollem Neuen, von Jüdischem und Teutschem atmet das ganze Werk, ein wahrhaft „erworbenes Erbe" im Sinne des Schiller'schen Wortes. Ter Lebendigkeit des Inhalts entspricht die Bewegtheit der äußeren Erscheinung des Buchs, das in überaus glücklicher Mischung dcutsche und hebräische Typen, Schwarz- und Rotdruck verwendet, eine formal und sachlich besonders zu begrüßende Bereiche rung durch eine große Anzahl in den Text eingestreute Noten für den gesanglichen Teil der häus lichen Feier enthält und außerdem durch 10 ganzseitige farbige Holzschnitte geschmückt ist. Sic scheinen mir nicht alle in gleicher Weise gelungen. So stört mich z. B. die Verwendung von moderner Kleidung bei der. Illustration zum Lied vom Lämmchen. Tie Zurückführung der Herzen der Väter zu den Rindern und der Kinder zu den Vätern, die nach dem in der Haggadah wiedergegebenen Wort Maleachis das Werk des Propheten Elijahu sein wird, läßt sich wohl mit Mit teln der bildenden Kunst überhaupt nicht darstellen. Vortrefflich aber sind z. B. der vor dem brennenden Tornbusch knieende Moscheh, die Weisen zu Bne Brak und die beiden in altertümlicher Art mit figürlichen Zutaten versehenen Karten des heiligen Landes und der Sinai-Halbinsel. Alles in allem ein Musterbeitrag für die noch so vielfach zu vermissende würdige Gestaltung jüdischer Werke, die sich seit einiger Zeit die verdienstvolle „Soncino-Gesellschast der Freunde des stk. Mo-Uitmtit2uii:iM E.«. Samstag, den 21. April 1928 begeht unser Verein sein 75 jähr. Bestehen durch einen feierlichen Gottesdienst in der Synagoge um 9 Ühr und durch einen Fest-Abend im OberenMuseum um 20 Uhr Zu dieser Veranstaltung laden wir die Mitglieder der Isr. Religionsgemeinden Stuttgart und Cannstatt herzlich ein. Der Verelnsaussdiuß Der Jubiläumsausschufi BERTHOLD AUERBACH« VEREIN Dienstag, den 17. April 1928 Stuttgart-Loge Calwerstrafie 33 Hths., abends 8 % Uhr 5. Heimabend Leitung: Rabbiner Dr^Cobn „Die sittlichen Pflichten des Einzelnen nach den Lehren des Judentums“ « Dienstag, den 24. April 1928~Stuttgart-Loge Calwerstrafie 33 Hths.. abends 8 % Uhr, spricht Icmisuwall INr. Gnnzenhautcr über 41 „Spinoza » Dienstag, den 1. Mai 1928 Stuttgart Loge Calwerstrafie 33 Hths., abends 8 \\ Uhr, spricht LaMUcrldifsdlrcldor Stern über „Die Geschichte der Juden in Spanien“ (mit Lichtbildern)

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