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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-04-01 · 1 (1.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
1 (1.4.1928)
Date
1928-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
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sämtlichen Kinder, ohne Unterschied des Geschlechtes zu sorgen. Vom zwölften Jahre ab erlangt das jüdische Mädchen volle Selbständigkeit, ’ die chm auch in der Ehe nicht verloren geht- Während nach der Auffassung des Korans die Frau eine „Kriegsgefangene" des. Mannes ist, sagt der Talmud, daß ,chem Manne kein Glück im Hause blühe als durch seine Gattin". Tie Frau soll wohl dem Manne in allen Tingen Stütze und Helferin sein - jeglich« Verbindung darf aber nur mit ihrer Genehmigung erfolgen. - Tie Mi sch na weiß in einer anmutigen Erzählung den Wert der Frau ins rechte Licht zu fetzen: Am 15. Av zogen die Jünglinge und Mädchen in die Weinberge und vergnügten sich durch Reigenspiel und Gesang. In poetischer Zwiesprache machten die Mädchen die Jünglinge hierbei auf die V o r z ü g e der Füau aufmerksam und empfahlen ihnen, diejenigen Jungfrauen zu ehelichen, die Schönheit, * Familienadel oder Frömmigkeit ihr eigen nennest konnten. Ehen, die des Geldes wegen geschloffen wurden, waren dagegen von Talmud streng verpönt. Tie talmudische Gleichstellung der Frau bezieht sich nun in erster Linie auf das Strafrecht. Richterin, Zeugin ustv. > durfte sie allerdings nicht sein. An diese Auffassung anknüvsend, verbreitete sich der Redner über das aktive und passive Wahlrecht der Frau- Während die Meinungen der Lrthodori' bezüglich des pafsiren Wahlrechts in ihrer Gesamtheit ablehnender Natur sind, gehen die Ansichten beim aktiven Wahlrecht auseinander- Tie Gründe für diese ablehnende Haltung liegen in der Meinung, daß der eigentliche Wirkungskreis der Frau das Haus ist und sie nicht in Versuchung kommen darf, ihre natürlichen Pflichten zu vernachlässigen. Tenn nach der Ansicht des Talmuds liegt das Glück nur in der Familie, und die Frau als der Mittelpunft die'es Lckenskrci>es, kann in erster Linie den Frieden und Froh inn erhallen. Ter Vorwurf, der Talmud sei gkgen die geistige Weiterbildung der Frau kann auch nicht aufrecht erhalten werden. Wenn der Talmud der Frau nur Beschäftigung mit der schriftlichen Lehre erlaubt, so liegt dies hierin begründet, daß das Studium der mündlichen Lehre den ganzen Menschen erfordert und durch Zeitmangel nicht unterbrochen werden soll. Ta di? Frau sich chrem Pflichtenkreis — 6 — aber voll und ganz widmen soll und auch nicht über die in talmudischrn Diskussionen erforderliche Konstanz der Meinung verfügt, darf sie sich nur mit der mündlichen Lehre beschäftigen, um ihre Pflichten kennenzulernen. Im Ueörigen hat der Talmud von der Intelligenz der Frau eine sehr hohe Meinung, was der Redner durch interessante Belegstellen be.vies. Rabbiner Tr- Bamberger besprach anschließend noch die Stellung der Frau als Mutter, W i twe und Greisin. Aus allen diesbezüglichen talmudischen Lehrmcinungen geh« hervor, daß sie in allen Lebensaltern und -Lagen hohe Achtung und auch im Alter volle Gleichberechtigung genießt. Mit einer Gegenüberstellung der verschiedenen Fähigkeiten der Frau in talmudifcher Auffassung schloß der interessante Vortrag. — Die sich anschließende rege Aussprache bewies, daß die vortrefflichen, auf tiefer Sachkenntnis beruhenden Ausführungen Rabbiner Dr. Bambergers erfreuliche Resonanz gesunden hatten. Tie zahlreichen Zuhörer dankten dem Redner durch langanhaltenden Beifall. 8.8t. Das jüdische Schwesternheim Stuttgart. Tie 3 Grundpfeiler des Judentums sind: Tie Lehre, der Gottesdienst, die Werke der Nächstenliebe. Lehre und Gottesdienst sind den meisten unserer modernen, insbesondere der weltlichen Glaubensgenossen recht fremd geworden, wenn auch anerkennenswerte Bestrebungen die Beschäftigung mit der Lehre neu zu beleben im Gange sind. Besser steht es mit den Wecken der Nächstenliebe.- Es muß anerkannt werden und kann auch von unfern Feinden im Ernste nicht bestritten werden, daß unsere Glaubensgenossen auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege Hervorragendes leisten, auch solche, die sich sonst dem Judentum entfremdet haben. In den kleinsten Gemeinden bestehen Vereine zur Unterstützung der Armen und Kranken. Eine Reihe von Landesvereinen auch in unserem kleinen Lande Württemberg widmet sich der Wcchlfahrtspflege, an ihrer Spitze das Waisenhaus in Eßlingen, der Asylverein Sontheim und der Landesverband für jüdi'che Wohlfahrtspflege. Im Jahre 1900 hat di? Stuttgart-Loge einen Ausschuß bestellt, der die Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen für Württemberg bezweckt«. Aus dem Ausschuß wurde im Jahre 1905 der BereinJüdi^chesSchwesternheim als Schöpfung der Stuttgart-Loge. Hervorragende unvergeßliche Verdienste hat sich um die Gründung und die Fortentwicklung der langjährige frühere Vorstand desselben, Dr. G. Feldmann, erworben, der leider im Jahre 1923 dieses Amt niederlegte und aus dem Berwaltungsrat des Vereins ausschied. In den Jahren 1913—14 wurde dann durch Spenden und Lickesgaben, die ein schönes Zeugnis vom Gemeinsinn unserer Glaubensgenossen und vor allem der Mitglieder der Stuttgart-Loge oblegen, das eigene Heim des Vereins in der Dillmannstraße errichtet und eingerichtet. Durch den Ausbruch des Weltkriegs wurde für die folgenden 5 Jahre das Schwesternheim seinem eigentlichen Zweck entzogen. Das Heim wurde als Lazarett eingerichtet. Die Schwestern und als ihr Führer, der damalige Vorstand Tr. Feldmann, widmeten sich der Psiege der Verwundeten und Kranken draußen im Felde. Erst seit April 1919 ist das Schwesternheim für die eigenen Zwecke des Vereins eingerichtet. Tie Zahl der Schwestern konnte allmählich wieder vergrößert werden. Elf Schwestern unter Leitung einer Oberschwester sind zur Zeit in den schönen und behaglichen Räumen des Hauses untergebracht und versehen den Liebesdienst der Kranken- und Armenpflege bei hiesigen und auswärtigen Kranken und Armen ohne Unterschied der Konfession. ES gab im Anfang manche Kritiker und Nörgler, die bchauptet haben, daß die Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen nicht erforderlich )«, die sogar glaubten, das bedeute wieder eine Separierung und Isolierung für uns. Die Zeit hat wohl alle Zweifler eines besseren belehrt- Es ist nicht nur eine Dankes- und Ehrenschuld, daß auch junge Damen aus jüdischen Kreisen sich diesem schönen Berufe widmen und ihrerseits an dem Liebeswerk Mitarbeiten, welches vorher nur von nichtjüdischen Schwestern und Dmkonissinen verrichtet wurde. Es ist auch eine Wohltat für unsere Glaubensgenossen, von Schtvestern in der Stunde der Körper- und Seelennot betreut zu werden, die enger mit chnen fühlen und denken, die ihre Le- Jubiläum des Isr. KranKen-Cnlerslfllzunös-Vereins t V., Siniutari ....imiiiiiiiiiiiiiiiiii.. Demnächst werden es 75 Jahre, seitdem die älteste der Stuttgarter jüdischen Wohlfahrtsorganisationen, der Isr. Kranken-Unterstützungs-Verein, gegründet wurde. Jahrzehnte hindurch erachtete jede hiesige jüdische Familie es als ihre vornehmste soziale Pflicht, den Wohltätigkeits-Anstalten der Israelitischen Gemeinde und so auch dem Israelitischen Kränken-Unterstützungs-Verein anzugehören und auf diese Weise dazu beizutragen, den Ärmsten der Armen, den unbemittelten Kranken zu helfen. Selbstlose Führer konnten trotz größter Schwierigkeiten während und nach den Kriegsjahren durch opferbereite, arbeitsreiche Tätigkeit dem Verein die ihm gebührende, hervorragende Stellung im Gemeindeleben und in der Krankenfürsorge wahren. Aber im letzten Jahr mußten zur Erfüllung der vielfachen und dringenden Aufgaben die Bescheidenen Restbestände des entwerteten Vorkriegsvermftgens herangezogen werden, und wenn die Vereinskasse in kommender Zeit nicht kräftiger bedacht werden sollte wie bisher, so müßte die Vereinsleitung die größte Sorge-um die Erfüllung ihrer Pflichten gegen die unbemittelten Kranken empfinden. Wir unterbreiten diese Sachlage in aller Öffentlichkeit dem Gewissen unserer Gemeindegenossen als Notschrei im Interesse der hiesigen Kranken und wenden uns mit der dringenden Bitte an jeden einzelnen, uns je nach seiner Kraft eine Jubiläums>Spende zukommen zu lassen, damit wir in der Lage sind, unsere bedürftigen Kranken in diesem Jubeljahr angemessen .zu bedenken und auch fernerhin den gesteigerten Ansprüchen der Wohlfahrtspflege entsprechen zu können. Helft uns, damit wir anderen helfen können! S t u 11 ga r t, den 23. März 1928. Der Ausschuß des Isr. Kranken-Unterstützungs-Vereins: Louis Hirsch, Vorsitzender Friedr. L. Kiefe, Kassier Adolf Kops, Schriftführer Hugo Kahn > Karl Kahn Stadtrabbiner Dr. Rieger Arthur Rothschild Leopold Sontheimer Eduard Weil Sanitätsrat Dr. Sigmund Weil Spenden erbitten wir auf das Postscheckkonto Nr. 869 Kiefe 4 Co., auch ist jeder der Unterzeichner gerne zur Empfangnahme bereit. Der Jubiläums-Aussdiuß: Arthur Essi nge r Frau D. A. Gutmann Ministerialrat Dr. Otto H i rsch Mäx Osterberg Konsul MaxStraus Kommerzienrat Adolf Wolf Frau Kommerzienrat Moritz Wolf Die Jubiläumsfeier findet Samstag, den 21. April 1928, abends V't Uhr im Oberen Museum statt Isr. Männerverein f. Krankenpflege und Leichenbestaitung < _sgrnp sron_i SamStag. ken 7. April 1928, abends 8 Uhr im Restaurant Blach. Calwerstraße; Generalversammlung : TageS-Ordnung: Bericht des Vorstandes Rechenschaftsbericht d. Kassiers Neuwahlen * Verschiedenes * Zahlreiche Teilnahme erbeten.; Der Ausschuß. * BERTHOLD AUERBACH* VEREIN Dienstes, den S. April 1928, abends 8 % Uhr. Stuttgart-Loge, Cal» er Str. 33 Hths. Rezitations-Abend von FH. Hilde Fischer a. I. Wemen tn liiner Naila UlKe Donnersteg, den 3. April 1928, abends 8 Uhr Im Hotel Westheimer, Rolesirafee 2 SEDER -ABEND mit anschließendem Essen Leitung: Rabbiner Dr. Cohn u. Oberlehr. Adler Beitrag für jeden Teilnehmer RM. 1.30 Sofortige Anmeldung bei ObersekretSr Wlgmann, Reinsburgstrabe 19» . Telephon 63153, erforderlich.

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