Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 1 (1.4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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ii'inaU, dann ntäro ich sicher <M daran bei ibm! denen hilft er, wo er kann!" „Weißt du. wie ichs mache? Wenn ich merke, das; ich bei einem der Herren nicht viel weiß, in irafli' ich irgend etwas, was auf das Thema Bezug hat: mein fällt der gelehrte Examinator pünktlich darauf hinein, und er erklärt, doziert wie vor dem wifsensdnrstigen Schüler und nntee- ' def.en läilst die Zeit ab, ehe man sichs »erficht! Frage Hebel über beöräi'cke Poesie: ich wette HK) gegen 1, das; er dir darüber einen langen Porirag hält, denn das it fein Steckenpferd so gut wie die alenianische Tichtnng und die bnkoliiche:, Olefjnge des Theokrit " „Wenn er uns aber die - Propheten oder das Gesciz dnrchnimmt?" „Ach du munt dir nur zu Helsen wissen: du bin merk' tvürdig scliüchtern und dumm geworden, seitdem wir von Tnrlach aiisgehroch.it find, iüener» aceud, als wir noch im Hechten faßen und uns ans den heniigen Tag stärkten, tatest du so ge'cheii und übermächtig, Uebrigens vernhige dich nur. Man sagt im geheimen. Hebe! sc,der sei in der Prüfung beim erneu Mal dnrchgefallcn, ich weiß' nicht, obs w'abr in! Aber wer selber schon einen faulen '.’t»fei hat essen müssen, wird einem Gaste keinen vorti'chen. Und fällst du etwa durch und schmeißt inan dielt hinaus, io machs ivie jener Handelsinde, der, trenn man ihn vorn im Hanse weg, tagte, hinten bieder he.e.itkam Man darf ja das liraim’it wiederholen," „We.chec Handelssnde tvar das?" lief; itch eine fistelnde stimme' von hinten her hören, „Hab ich gehört recht, so haben die Herren gesprochen von meinesgleichen! Tarf ich wissen den Oinujb?" Tie Kandidaten kehrten iiw tim, der allbekannte, IN seiner Ae.tßerlichkeit vor hk'tt littb den Menschen vernachlässigte Ab vraham Tcheihler folgte ihnen und sch los; sich mir nichts dir nichts, ihnen an „Tn hau geint'chtert, Abraham' wie das Weib deines Tianimvaiers. als er Botschaft von den Engeln bekam", fragte der Kandidat Haas. „Ich kenn dielt! tüehn ans Ünndschast ans? Wir können di.1: jetn nicht brauchen, „Wie heißt, ihr nix brauchen? Aber ich könnte was brauchen, habt ihr keine abgetrageneit Kleider dabeim, zahl doch den Höchsten Preis dafür! Zunge Leute brauchen immer Hf.lö!" „Wenn tü> mein Hebräisches Examen behebe, Abraham. verkauf ich dir meine Hebräische Wrattt - matik und meinen Mantel", rief Herr Foß, „Werd ich brauchen Ihre hebräische Grammatik, llarli Pfarrer, hab ich nicht als Büblein schon gelernt hebräi'ch, kanns beute noch . ," ertviderte der kleine verkrüppelte Lutnpensammler. „Aber der Mantel wird schon recht sein- Isis der, den Tie anhaben?" Er griff darnach, den Stoff zu fühlen, aber der Theologe drängte ihn weg mit den Worten: „Geh' deiner Wege, Abraham und lasse uns allein!" Aber Tcheibler lieh sich so - I.stcht nicht abweiscn, „Tie gehen ins hebräische Examen? Merk ich nicht, daß Tie haben Angst", ' bemerkte er wiegt zudringlich und doch auch wieder mitleidig, .„gönnte ich Ihnen geben mein Hebräisch ans meinem Kopf wie etwa diesen Ttock ans meiner Hand, ich täts Ihnen leihen auf ein paar Sund,"'„Zu wieviel Zins", lachte.Haas, „Bin ich auch unr armer Jud? Aber ich gäbs umsonst", ereiferte sich de: Ge'oppte und zog etliche £ stcrsladen aus feinem schmierigen Tack, nahm ein Ttück in den Mund und verteilte den >Heft an Jos; uitö Haas,; „Ich schenkte Euch mein Hebräisch wie diese guten Mazzcn", sagte er, „wenn's wär möglich- Ihr habt gewiss .Hunger und seid früh aufgestanden? Ttärkt Euch zum Examen: wenn der Magen ist leer, ist cs meist auch der Kopf und schon Talomo hat gesagt: „eine lässige Teele wird Hunger leiden," Haas biß tüchtig hinein und fragte nur, ob er nicht auch Butter und Eingemachtes zu den Fladen habe; Foß würgte ein ganz kleines Stückchen hinunter, — Tie Examensangst drückte ihm Tchlund und Ächte zu — und schob den angebissenen Rest in seine Tasche, „WaS pressierst du so?" wandte er sich an Haas. „Wir komigen ja viel zu früh an. stamm, sitzen wir dort ein wenig ab, mir ist halb übel . Er hustete und wurde kreidckleich und erbrach die „jüdischen Lfterfladen wieder. ' „Ich habe sie doch selber gemacht", sagte Tcheibe- - ler und machte sich stille davon, ehe der arme würgende Foß ihn am stragen nehmen und nach dein näheren Rezept seiner Fladen fragen konnte. Am nächsten Brunnen wusch Haas seinem schwachen Freunde tüchtig den stopf, körperlich und seelisch und gab ihm das klare, morgenfrische Raß zu trinken, dann wars aber höchste Zeit, sich ins Ministerium zu begeben . . Mit zehn anderen Leidensgeiiossen standen Foß und .Haas vor ihren Examinatoren, Hebel als der erste und oberste musterte sie und traf Auswahl für sich und die andern Herren. Und ist es verwunderlich, daß er gerade den immer noch bleichen standidaten Foß zuerst antippte und für sich aus die Teile stelltL? Gegensätze ziehen sich doch immer an, sagt man. Tie Berteilung ist getan; auf der einen Teitc stehen die Professoren und Geheimräte, ihnen gegenüber ihre Opfer, die standidaten. Hebel hält eine kleine Ansprache und ermuntert sie, mit ihrer Weisheit uitd Gelehrhcit nicht znrückzuhalteu und erst Angst zu haben, wenn dieses Examen vorbei her. denn erst nachher käme t die eigentlichen großen Prüfnngen des Lebens. Wie Hebel alsdann vor seinen standidatett Foß tritt, um ihn vor allem, mit sich an ein besonderes Tifchlcin zu nehmen, da bricht dem noch nicht geprüften Ttudenten der Angstschweiß aus der Ttirnr irud er will eben fein Taschentuch ziehen, ihn abzntrockncn. Aber er zieht zugleich die Ostersladeu I Abrahams heraus, und sie fallen gerade Hebel I vor die Füße. Er guckt und lächelt etwas verschmitzt, denn er übersieht die Lage sogleich und meint nicht nur den Grund, des Schweißes zu wissen, sondern auch die Bedeutung dieses ihm wohlbekannten Judengebäcks. „Tie scheinen mir ja ein eingefleischter Hebräer zu sein, Herr Kandidat", sagte er zu dem verblüfften Studenten? „Und ich vermute, wer solche Telikatessen jüdischer stochkunst in der Tasche hat, hat wohl auch die Finessen der hebräischen Sprachkunst im stopfe! Meine Herren" — damit wandte er sich an seine Kollegen, die andern Examinatoren - „ich meine, wir können diesem mazzenliebenden Theologen das Hebräische schenken, denn ich fürchte, er weiß als besserer Hebräer vielleicht mehr als wir!" Alle winkten ihm gütig und lachend zu so kam es, daß di: Mazzen des Juden Abraham Tchcibcler den standidaten Föß tischt nur zum Brechen reizten, sondern auch glücklich über die großen stlippcn des theologischen Examens hinübcrbrachten. Und zum Tanke dasür hat der neugebackene Herr Pfarrer dem alten Juden nicht nur seine hebräische Grammatik geschenkt und den Mantel verkauft, soichern ihm auch den Rat gegeben, er möge auch in Zukunft den Examenskandidaten feine hebräischen Brocken anbieten, denn „dem Examinand brechen sie den Magen und dem Examinator das Herz auf", sagte er. Stuttgarter Veranstaltungen. Palästinensische Wirklichkeit. Bortrag von Gerda Arlosoroff, Jerusalem. „Während man in Teukschland und anderswo noch uiü die Ideologie des Zionismus streitet und dabei vollkommen übersieht, daß diese Bewegung schon in eine Phase eingereten ist, die cine Tiskussion über das „Toll man, oder Toll man nicht" überhaupt nicht mehr zuläßt, steht Palästina im Zeichen eines unennvegten, zukunftsfreudigen Ausbaus, mitten in einer lehensdurchpulsten, nationalen Wirtlichkeit . ." Mit diesen Worten ungefähr leitete Frau Gerda A r l o s o r o f s, Jerusalem, die von der Ortsgruppe Ttuttgart der Zionistischen Bereinigung für Teutschland zu einem Bortrag gewonnen war, ihr am IN. des letzten Mts. gehaltenes Referat ei». Auf Grund eines reichen Tatsachenmaterials, gestützt auf die in Palästina selbst gemachten langjährigen Ttudien und Erfahrungen, entwarf die Rednerin von bfr wirtschaftlichen Lage des Landes ein umfassendes Bild, ohne auf die notwendige zionistische Eigetttritik zu verzichten. Rach langen Jahren theoretischer Tiskussion ist man in Palästina eichlich dazu übergegangen, alle koloniätorischen, sozialen und kulturellen Fragen aus der Praxis heraus zu lösen, nachdem man sich durch umfa'sende Untersuchungen die notwendigen Vorbedingungen geschaffen hatte. Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß die Nichtjuden sich viel schneller und voraussetzungSloser mit dem zionistischen Problem und seiner gegenwärtigen Lösung vertraut machen, als die Juden selbst. Tie ersten sehen in dem neuen jüdischen Ttaatsgebilde eine Sache, die da ist, während die anderen sich immer noch mit der ideologischen Seite des Problems abzufinden haben und deshalb auch nur mit Mühe zu einem objektiven Urteil gelangen können, — Vom Kolonisieren als solchem verstehen nun einmal die Juden nicht viel, seit 2000 Jahren haben die Juden nicht mehr gesiedelt — und da die palästinensische Aufbauarbeit eine durchaus grundlegende Neukolonisation darstellt, sind auch die gewöhnlichen Maßstäbe an sie nicht anzulegen. Wo auch die Kulturstaaten, England vor allem, fremde Länder wirtschaftlich zu erschließen suchten, überall war ein Menschenmaterial hierzu nicht nur vorhanden, sondern für solche Pionierarbeit auch qualifiziert. In Palästina dagegen ging man mit Kaufleut e u und Akademikern an den Aufbau heran, Menschen mit Galuth-Berufen, und nur ab und zu brachte ein kleiner ostjüdischer Handwerker das manuelle Rüstzeug mit ins Land. Aus diesen Leuten nun mußten Sickler gemacht werden und es ist auch gelungen. Ties ist ein gewichtiger Aktivposten in der zionistischen Bilanz, deren positiver Gipfelpunkt in der Schaffung einer konzentrierten jüdischen Volkswirtschaft erblickt werden muß. Vor 40 Jahren erkannte man in den Rothschild'schen Kolonien noch nicht, daß es aus das Geschick der Hände vor allem ankomme. Erst im Laufe der Jahre sah man immer mehr ein, daß der Schwerpunkt des SiedlungSprÄblems in der Qualifikation der Siedler selbst liege. Im Jahre 1907 erst kamen Leute mit zionistischer Ideologie nach Palästina, Menschen, die wußten, auf was es ankam. Tas Budget des folgenden Jahres war nicht höher wie 800 engl. Pfund. Heute dagegen verfügt die zionistische Exekutive über einen VecbrauchsfondS von 800000 Pfund und über ein organisiertes Arbeitecheer von 32 000 Mann, die etwas von der Sache verstehen. Tas ist ein weiterer Aktivposten der palästinensischen Aufbauarbeit. Tas zentrale Problem der letzten Jahre war nun die Arbeitslosigkeit, die auch in zionistischen Kreisen lange Zeit als wirtschaftlicher Einzelfaktor angesehen wurde. Nun aber ging man dazu über, Palästina als Wirtschastsganzes zu betrachten und nach seinen ökonomischen Perspektiven zu beurteilen. Tie ganze Frage der Arbeitslosigkeit wird zwangsläufig nur aus der wirtschaftlichen Konsolidierung Palästinas zu lösen sein. — Hierbei hat man auf die Struktur der palästinensischen Wirtschaft zu achten. In Palästina unterscheidet man zwei Arten von Kolonien: die privaten und die nationalen. Tie ersten sind Unternehmungen rein privatwirtschaftlicher Natur, die anderen existieren aus den Mitteln des Keren Hajessod und der Exekutive. Tie privaten Siedlungen bergen reiche Möglichkeiten und haben, besonders auf dem Gebiete des Orangen-Anbaus, große Erfolge zu verzeichnen. Tie Jaffa- Orange vermochte sich nach und nach auf dem gesamten kontinentalen Markt durchzusetzen, Uckerhaupt eröffnet die palästinensische Orangen- Kultur höchst erfreuliche wirtschaftliche Perspektiven, zumal es kaum noch Kolonien gibt, die nicht jüdische Arbeiter beschäftigen. Vor wenigen Jahren stellten noch die Araber das Arbeiter- Material in erster Linie. Es kann aber nicht geleugnet werden, daß die absolute Anreicherung dieser Plantagen mit jüdischen Ackeitskräften noch ein Problem ist, dessen Schwerpunkt in derLohnftage und dem Gemeinschaftsgefühl liegen. Für die Beurteilung der nationalen Kolonien ist die Konstanz der Produftionsvergrößerung entscheidend. Im Großen und Ganzen kamen die nationalen Sicklungen gut voran und auch sie