Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 23 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Belongs to
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— 692 - gab es Väter und Mütter, Söhne und Töchter, die sich auch in dieser Zeit den Sinn für Familiarität zu erhalten verstanden haben. Sie haben es begriffen, ihren Kindern das Recht auf sich selbst nicht zu beschränken. Sie haben ihnen das Maß von Freiheit verstattet, das für den Gegenwartsmenschen Daseinsbedingung ist. Zugleich aber waren sie weise genug, die Fühlfäden, die geistigen Bedingungen, die innerlichen Beziehungen zu schützen, die für das reifende Kind richtunggebend, charakterbildend und fundamental sind. Statt des öden Schimpfens auf die angeblich entartete Jugend, statt des gedankenlosen Verdammens von Erscheinungen, die in der Zeit begründet sind, statt des gewaltsamen Unterorükkens des Verlangens nach einer gewissen Ellbogenfreiheit und nach Selbstbestimmung, die das gute Recht eines Menschen ist, der sich sein tägliches Brot selbst erwirbt, haben sie ihren Kindern die Freiheiten eingeräumt, die mit guter Sitte und innerer Vornehmheit vereinbar sind. Vor allem haben sie ihren Kindern die Freude am Elternhause, den Stolz auf die Familie und auf ererbte Ueberlieferung unaufdringlich anerzogen. Sie haben ihrem Hause den religiösen Sinn, die altfromme Innerlichkeit, die vergeistigte Intimität, die Feierstimmung religiöser und familiärer Festtäglichkeit gerettet, die so ernst eindringlich zu Kinderherzen spricht. Sie sind für ihre Kinder nicht nur die zufälligen Eltern, die Gelderwerber — sie tragen jene unsichtbaren Königskronen, jene vergeistigte Priesterwürde, mit der unsere verklärten Eltern in unserer Erinnerung fortleben. Unsere Kinder sehen ihre Eltern nicht beten, sondern nur arbeiten. Woher soll ihr Respekt stammen? Sie brauchen betende Eltern, zu denen sie aufschauen, Eltern, die für Ideen und Ideale mit ganzer Persönlichkeit eintreten, Charaktere, aber nicht Alltagsmenschen ohne innere Würde. Unsere Kinder haben ein Anrecht auf ein Elternhaus. Was wir ihnen bieten, mag ein boarding house sein, ein geeignetes Pensionat, ein Eltern Haus ist es nicht. Wir Juden pflegen uns diesen Zeitbildern gegenüber gern in die Brust zu werfen: bei uns ist es besser! Es war einmal besser. Daß der Familiensinn auch bei den Juden eine absterbende Erscheinung ist, beweisen die Mischehen. Sie sind nicht nur sozial als eine zwangsläufige Erscheinung der wachsenden Proletarisierung der Juden zu werten, sie offenbaren den ernsten Nieder gang des Familiensinnes. Menschen mit ausge prägtem Familiensinn und Selbstbewußtsein halten auf Familie und Religionsgemeinschaft und beweisen diese Selbstachtung bei der Wahl ihre Gatten. Wenn aber nach der deutschen Reichs statistik" für die Zeit von 1901 bis 1925 von Juden neben 93 661 reinjüdischen 29 904 Misch ehen geschlossen worden sind, also ein reichliches Viertel aller jüdischen Eheschließenden sich einen christlichen Ehegefährten gewählt hat, so beweist Kenner tragen Gorndorf Schuhe Alleinverkauf für biufigartr MLAMhArSCWnJWM. Lebende Forellen, Karpfen, Schleien Rheinsalm, Seezungen 1928er Gänse und Enten Hahnen, Poularden, Suppenhühner, Tauben KARL KRAUTH Friedriohsbau - Telephon 20241/42 und Cannstatts BahnhofstraBe Nr. 8 Eine sorgenlose Zukunft sichern Sie »Ich und Ihrer Familie durch den Abschluß einer Lebensversicherung bei der „VITA*' Lebensversicherung» A. G. In Zürich. Aul Grund außerordentlicher Kapitalkraft die denkbar gflnsftgsten Bedingungen. Beratung unverbindl. durch die General-Agentur f. Württemberg GUSTAV SIMON / Stuttgart-Vaihingen, Ober« Oaatarfaidstr. Vertreter an säen PUtxert gesadit! MAIER’s Butleru. KSse- SpezialgeschSft' fllberburgstr. 88 (Ecke Lindenspürstr.) ■r- TELEFOI 609is -an Lieferung frei ffsiif / Versand nach murw&ris 1