Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 20 (16.1.1928)
- Date
- 1928-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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Prophetenwortes: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der allmächtige Herrgott". Tagegen ist Rathenau Realist, das von ihm gezeigte Ziel ist die selbstgewählte und geforderte Berantwortlichkeit eines jeden Menschen der Allgemeinheit gegenüber. Noch tiefer geht der Unterschied der religiösen Weltanschauung der beiden Staatsmänner. Tic ist allerdings bei beiden aus den ersten Blick als jüdisch zu bezeichnen. Aber Rathenau ist zuerst Westeuropäer und dann Jude, Tisraeli ist nur Jude. Während der als dreizehnjähriger Knabe getaufte Tisraeli im Judentum verwurzelt blieb, ist Rathenau, der die Taufe leidenschaftlich ab. gelehnt hat, kaum noch als positiver Jude am zusprechrn. To seltsam cs klingen mag: Tisraeli hat versucht, seiner Zeit, die sich weit von aller Religion entfremdet hatte, eine neue religiöse Zielsetzung im biblischen Judentum zu schassen. Er lebt und atmet im Alten Testamente, Ra thenau schwelgt in Zitaten aus dem Evangelium, so daß seine neueste Biographin Etta Federn >tohlhaas von ihm sagen darf, daß er die ererbte Weltanschauung des Judentums mit der erwähl len des Christentums verband. Wohl empfand Rathenau die gesinnungslose Unehrlichkeit der Tausc als sittlich untragbar. Er blieb Jude, weil das Judentum keine Kirche gebildet, weil cs undogmalisch geblieben und dar 612 — um die weiteste Denk- und Glaubensfreiheit gewährt hat. Er hatte auch in setnetn Aussatz „Staat und Judentum" (1911) den Religionswechsel eines Juden deshalb als Charakterlosigkeit gekennzeichnet. Gewiß hatte er immer die Leistungen der'Juden anerkannt. „Verdankt nicht England seine Jmperialpolitik einem Juden, des sen Standbild vor der Westminsterkirche steht? Haben nicht Frankreich, Italien, Rußland, Oester reich und sogar Preußen ein paar ganz tüchtige Minister jüdischen Blutes gehabt?" Religiös aber stand er dein Judentum gleichgültig gegenüber. Ganz anders Tisraeli. In seinem religiös politischen Testament, dem Roman Tancred, spricht er es offen aus: „Halb Europa verehrt heute einen jüdischen Gott, die andere Hälfte eine jüdische Göttin, aber der Materialismus und das moderne Leben haben diesen Glauben untergraben und ihm seine aufbauende Kraft geraubt. Und doch kann nur dieser Glaube, der Glaube an die alten biblischen Werte, die moderne Mensch heit heilen". Allerdings muß das Christentum seinen Irrweg eingestehen: „Christentum ist Ju dcntum fürs Volk, aber es ist noch immer Judentum". Ter Jude ist der Schenkende, der Christ der Empfangende. Leider will der Beschenkte nichts von seinem Wohltäter wissen, sondern verachtet ihn, versehmt und verfolgt ihn seit 2000 Jahren. „Warum dies alles?" fragte die Jüdin Eva den SCHAUSPIELHAUS Kleine KSnigsir. 7 / Fernspredier SA. 224 SS 2 Gastspiele des Moskauer flebrfilsdien Kflnstlerthealers „HABIMA" Donnerstag, 26. Januar 1928, abends 8 Uhr; D Y B U K Dramatische Legende in drei Akten von An-Ski Regie: E. Wachtangow / Musik: J. Engel Bahnenbild: N. Altmann * Freitag, den 27. Januar, abends 8 Uhr: GOLEM Dramatische Dichtung in drei Akten u. einem Prolog von G. L e I w i k / Regie: B. Wersdiilow Musik: M. Milner / Bühnenbild: L.Nlwinskl Kartenverkauf an der Kasse des Schauspielhauses ab Montag, 16. Jan., täglich 11-1 Uhr u. 5-8 Uhr. SchriftL u. teleph Bestellungen werden schon vorher entgegengenommen. / Preise d. Plätze: M. 2.50 — 8.- BERTHOLD AUERBACH'VEREIN Dienstag, den 17. Januar 1928, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33, Hlhs.. abends' 8 ’ 4 Uhr spricht Rabbiner Dr. Kroner (Bopflngen) aber „Nalmonides und der Islam“ * Dienstag, den 24. Januar 1928, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33, Hths , abends 8 % Uhr Ordcnilichc Generalversammlung Anträge hierzu wollen bis zum 25. 1. 28 schriftlich an Herrn Obersekretär W1 s s mann. Neue Weinsleige 18. gerichtet werden. * Dienstag, dep 31. Januar 1928, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33, Hths., abends 8!4 Uhr BeztlalionS'Abend von frl. EISC Rothschild ccamislall).