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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-01-01 · 19 (1.1.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
19 (1.1.1928)
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
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- 580 - ebensoweit von jedem Standesdünkel entfernt. Als Lehrerssohn haßre er die sinnlosen Streitereien zwischen Lehrern und Rabbinern, durchdrungen von der Ueberzeugung, daß beide für einander einzutreien verpflichtet sind. Nicht weniger ver haßt war ihm alles pfäffische Gebühren. Er verlangte wohl von seinen Berufsgenossen Selbstachtung, sonst aber galt chm für seine Amts füyrung die Losung Homo sum, bumani nil alienum a me puto (Ich bin ein Mensch, nichts menschliches ist mir fremd». Seine Stellung zum Bäterglauben und sein Verhältnis zum Deutschtum hat er in seinem letzten Willen kerichast und schmucklos ausgesprochen. In dem vollen Verantwortlichkeitsgefühl vor dem Richrerstuhlc Gottes bekennt er sich hier zur Wahrheit seines Glaubens und zur Lieb/ zum deutschen Volk und Vaterland. Er selbst war ja in seiner Person die glücklichste Verbin düng zwischen Judentum und Deutschtum, nach religiöser Ueberzeugung ein begeisterter Jude, nach Charakter und Lebensform ein kerniger Schwabe. Tie wüntembergifche Religionsgemeinschaft hat in chm einen ihrer besten Vertreter, den hinge benden Lchrer, den vorbildlichen Seelsorger, deir idealen Juden verloren. Er wird in ihrer Geschichte neben chren besten Söhnen fortleben. „Tie Andere zur Erkenntnis geleitet, werden leuchten wie die Sonne am Himmelszelt, und die viele zur Frömmigkeit erzogen wie die Sterne für und für (Daniel 12)." * * * Ferdinand Straßburger war am 21. April 1881 in Buchau als Sohn des Bolksschullehrers Baruch Straßburger geboren. Nachdem er im Juli 1904 das Abiturienteneramen am Gymnasium in Schwäbisch Hall abgelegt besuchte er die Universitäten Straßburg, Berlin, Tübingen und Erlangen. Er legre die erste Tienstprüfung im Juli 1909 ab, promovierte am 18. Juli zum Doktor der Philosophie und beüand im November 1919 die zweite Tienstprüfung. Inzwischen hatte er sich im September 1910 in Wiesbaden, im Oktober desselben Jahres in Freiburg im Breisgau und im Januar 1911 in Bruchsal als Rabbinatsvikar betätigt. Am I. April 1911 übernahm er das Rabbinat in Hoppnälten (ehemaliges Herzogtum Birkenfeld), das er bis zum Jahre 1913 verwaltete. Be bereits am 13. Juni 1914 war er zum ständigen Rabbiner in Buchau ernannt worden, trat aber seine dortige Tätigkeit erst am 1. Juli 1913 an. Inzwischen war sein Bruder Rabbiner Tr. Jesaias Straßburger am Jomkippur 1913 in Ulm verstorben. Tie Utmec Gemeind.' wählte Ferdinand Straßburger zu feinem Nachfolger. Am 1. Mai 1916 trat er fein Amt an, das er nur 1l>-, Jahre verwalten durste. Tie Gemeinde Ulm wählte ihn zu ihrem Per treter im Weiteren Rat der ehemaligen Jsrae litischen Lberkirchenbchörde. Er hat dann als Ber lreter Ulms der Jsr. Landesversammlung bis zu letzt angehört. Seit mehreren Jahren gehörte er zum Ausschuß des deutschen Rabbinerverbandes. * * * Am Mittwoch, den 21. um 11*2 Uhr vorm., fand in der stimmungsvoll dekorierten Ulmer Synagoge die Trauerseier für den so jäh aus dem Leben abberusenen Rabbiner Dr. Straßburger statt. Tie Synagoge konnte kaum die Trauergäste aufnehmeu. Unter ihnen bejanden sich Vertreter der Stadl, des Oberamts, der Geistlichen der an deren Konfessionen und der Vorstand der höheren Schulen. Nach einem einleitenden Orgelsviel und dem Ehorgesang (Enosch Kechozir) hielt Rabbiner Tr. Tänzer-Göppingen als Nachbarkollege im Aufträge der Ulmer Gemeinde und der Familie dts Verewigten die Gedächtnisrede, in welcher er ergreifend die Größe des Verlustes darstellte, welche Gemeinde, Kollegenschaft und die Familie durch den Hingang des Verstorbenen erlitten hat. An diese Gedächtnisrede schlossen sich Ansprachen des Rechtsanwalts Gump, des Vorsitzenden des Ulmer Vorsteheramts für die israel. Gemeinde und die Vereine Ulms, in denen Rabbiner Dr. Straßburger gewirkt hat, und des Lehrers Kahn na mens des Vorstcheramts der Israelitischen Ge meinde Laupheim, deren Rabbinat Dr. Straß burgec seit der Aufhebung des Ortsrabbinatcs verwaltet hat. Hieraus legte Oberbürgermeister Tr. Schwammberger unter warmen Dankesworten für die Verdienste des Dahingeschiedenen im Na men der Stadt Ulm einen Kranz an dessen Bahre nieder. Er betonte nachdrücklich die große Men schenliebe Tr. Straßburgers, die er im Ehrendienst der Stadt in dessen Fürsorgeausschuß betätigt hat. Studiendirektor Dr. Schott widmete im Namen der Vorstände der höheren Schulen und der evangelischen und kacholischen Kollegen im Religionsunterricht dem Toten über aus anerkennende Abschiedsworte. Als Vertre ter des Oberrats der Israelitischen Religions gemeinschast Württembergs und zugleich im Na men des Vereins der württ. Rabbiner dankte Stadtrabbiner Tr. Rieger-Stuttgart dem vorbildlichen Beamten und treuen Kollegen. Namens der Landesversammlung der Israeliten übermit teile deren Präsident Julius Rothschild-Stuttgart dem Verstorbenen deren letzte Grüße. Nach wei teren Ansprachen des Rabbiners Dr. Schlesi» ger aus Buchau für die Heimatgemeinde des Rabbiners Tr. Straßburger und des Rabbiners Tr. Bärwald aus München für den deutschen Rabbinerverband, des Oberlehrers Rothschild Eßlingen für die israelitischen Lchrer Württem bergs und des Kaufmanns Julius Weil-Saulgau sür die Stuttgart-Loge schloß die Reche der Nachrufe Lehrer Adler-Ulm, welcher seinem Rab

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