Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 16 (16.11.1927)
- Date
- 1927-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4904101-5441811-5442986--1525-4905526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
lichkeit dik mittlere Linie, die keine Partei verletzt und es jeder ermöglicht, ihr religiöses Bedürfnis im Gottesdienst zu befriedigen. Ter Begriff der Gemeinsamkeit gehört sprachlich und sachlich zum Begriff der Gemeinde. In ibr hak das Lebensrecht, was in der Richtung der Gemeinsamkeit liegt, was sich geschichtlich in den Werdestrom jüdischen Tenkens und Erlebens rinordnen läßt. Bete jeder Einzelne, wann, wie und wo er will. Aber er mute es der Gesamtheit nicht zu-, sich ihm unterzuordnen. Tie Gemeinde bleibt die Grundlage des religiösen Lebens. Wer eine Atomisiernn r der Gemeinde verliüte» will, muß sich in sie einreihen. Damit ist der Individualäußerung des Einzelnen in der Religion die Grenze gezogen. Sie ist privat vollberechtigt, i» der Gemeinde ungerechtfertigt. Es nnnet jeden Bolljuden seltsam an, wenn in», erklärt wird, daß Herr A und Frau B am Gottesdienst der Gemeinde nicht teilnebmen „können", weil sie eine „eigene" philosophische Gortesanschauung haben, oder weil im Gottes dienst ein Gebet gesprochen wird, das sich mit ihrer angeblich untrüglichen Weisheit nicht ve^ einbart oder weil ei» Gesang im Gottesdienst ertönt, der ihrem persönlichen Geschmack nickt entspricht. Hier gilt vielmehr das alte Wort des großen Hillei: „Löse dich nickt von der Ge meinde!" Ordne deinen Einzelwillen in den Ge samtivillen der Gemeinschast ein. Wer die Ge meinde oejabl, und das werden wohl die mei sten Bernünskigen tun, wird sein Ich um der höheren Gemeinsckasl - .i'.'cn in.terordnen. klicke» in aber im Gottesdienst die Tnrannei des Am Kaarez, die Forderung des religiösen Analphabeten, sich nach ikm zu rick ren. llederal? sonst ist o : Anolvbabel bescheiden und ickweigiam. Seltsam, daß er im jüdischen Gottesdienst die entscheidende Stimme verlangt. Eine Reform aus religiösen Motiven ist sittlich gerechtfertigt; eine Reform aus höflicher Rücksicht aus solche, die religiös indifferent sind, oder denen der Wille fehlt, sich die religiöse Kultur anzueignen, ohne die jüdisches Leben undenkbar ist, ist ein Widerspruch in sich selbst. Man hat im Judentum stets den Amhaarez, den religiös Unkultivierten, den religiösen Analphabeten gutmütig verlacht. Aber eine Reform allein aus Rücksicht auf die, die zu träge sind, sich die Kenntnisse des Jüdischen anzueignen, hätte man stets und mit vollem Recht als eine Lächerlich feit gekennzeichnet. Wir brauchen im Judentu m weder einen Got tesdienst für die gebildete „Oberschicht", noch einen Gottesvienst für die ungebildete Unterschicht, sondern einen Gottesdienst für die Ge meinde, der sich nach Möglichkeit allgemein gültig, also überindividuell gestaltet. Tas ein zige Kriterium für die innere Sachlichkeit des Gottesdienstes ist, daß er allgemeingültig ist. Eine junge Frankfurterin, Fräulein Erna Hir schel, hat in der Frankfurter Aussprache das einzig Richtige gesagt: „Im Gottesdienst fordere ich den Blick auf das Ganze, die Liebe zum Ganze» und zur Tradition". Tas Alte soll gewiß nicht gedankenlos hingenommen werden, aber nur nach ernstester Prüsung verworfen werden. Taß es dem Einen oder Anderen nicht gefällt, ist durch aus gleichgültig. Ist es aus tiefstem mensch lickem Empsinden geboren und im jüdischen Emviinden verankert, dann ist es im Gottesdienst lebensberecktigt. Es ist zu bedauern, daß diese Selbstverstänv lickkeiicn in Frankfurt nicht ausgesprochen wor den sind. Besonders aber ist es betrübend, daß eine Tatsache hier ganz überhört worden ist: BERTHOLD AUERBACH'VEREIN Dienstag den 22. November, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33. Hths . abends S 14 Uhr 3. HEIMABEND Leitung: Rabbiner Dr. Cohn Ja«catu JL ürdumcml—: Die Bergpredigt Dienstag, den ifeTNovember, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33. Hths.. abends Sl4 Uhr spricht: nix Gdlloni über: „Saslav HiMrr, PcnMMftcii ■M Wert“ I Leo Adler singt anschließend Lieder von Gustav Mahler, u. a. aus dem Zyklus: „Lieder eines fahrenden Gesellen.'* Am Klavier: Max Gellhorn Eintritt frei! Elnladnntf an alle GemeindemliAUeder! Am Samstag, den 26. November 1927, abends 8 Uhr, sprechen im kleinen Saal des Gustav-Siegle-Hauses Proi. Dr. Engen Mittwoch- Berlin über aaftafecn an« TUüMell «es «Itr vcrdis «er deitsdwi Jade«.“ Dr. Mark Wisdmiizer-Berlln ober jDas Jl«ls<he WUrrdSw» wert ta Katlaad aa« «as Arten»' »ratraaha «es flilfsverclis «er dcalsrtt« laden.** Eintritt frei! msvertia «er «ealstfeca laden I