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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-11-01 · 15 (1.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
15 (1.11.1927)
Date
1927-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
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— 454 — glaubt wird, daß alles zur Verwirklichung der Toleranz getan worden sei und man andererseits in ibr eine Art Humanitätsdusel sieht, dessen man sich nicht mehr sür würdig hält. In seinen weiteren Ausführungen süßt der Redner aus der Forderung, daß Toleranz eine sittliche Selbstverständlichkeit sei, und formuliert drei Behauptungen. Erstens: von Natur aus ist der Mensch intolerant. Beweis: die überaus krasse Ablehnung wesensfremder Umgebung durch das Kind. Zweitens: die Toleranz folgt der Linie der inneren Entwertung. Beweis: der Antisemitismus des neunzehnten Jahrhundert» wird tolerant gegen die vorher bekämpfte jL bische Religion, wird intolerant gegen die südiicbe Rasse. Tie Bewegung ist also die, daß, als die Religion in der Kultur geschickte der Völker ihre Kampfstellung ver lieri, ibr gegenüber Toleranz geübt wird, und daß die Erkenntnis der Unwcrrigkeit der Raffen ibeorie die gleicht Erscheinung nach sick zieht. Tritten-:-: Macht ist intolerant, Ohnmacht ist tolerant. Beweis: eine Minderbeirsgruppe sor derk sür sich Toleranz, gerät sie zur Herrickmir übt sie Intoleranz. Bros. Tr. Goldstein kommt dann zu einem geschichtlichen Ueberblick. Ter PolnlKeismus der Völker des deidnischcn Altertums und die Menschen der primitiven Gesellschaftsformen ken nen keine religiöse Toleranz. sie pflegen eine Art religiöse Solidarität, weil in ibrem Glau den die feste Vorstellung verwurzelt iü, daß die Ge>amlkeii sür die religiösen Uedenreiungen des Einzelnen bestraft wird. Tieie Kollektiv Ver aniworiung macht eine Toleranz unmöglich. Und wenn diese Völker die Götter fremder Stämme anerkennen, indem ne zulassen, daß Gefangene und Fremde ihren eigenen Göuern Üpser brin gen, so geschieht es nur aus Furcht vor der Macht und dem Zorn fremder Gottheiten^ Ter Monorheismu s . das Judentum also, kennt nur einen einzigen Gon und neben ibm nichts Gleichwertiges. In dieser Lehre von dem einig einzigen Gott ist die Stellungnahme des Juden rums gegenüber der Toleranz verankert. Tas Christentum verlangt in seinem Anfangsstadium Toleranz von den römischen Verfolgern, übt aber, unter Konstantin selbst staatsreligion geworden, konsequente Intoleranz, später bekennt sich die Kath. Kirche zu der Anschauung, daß zwar gegen das fremde Glaubensdogma Intoleranz geübt, der fremde Glaubensmensch aber toleriert werden müsse. Beim Protestantismus begegnet man der gleichen Erscheinung wie bei den Uranfängen des Christentums: es wird so lange Toleranz gefordert, bis der Protestantismus selbst Machtgruppe wird. Tas Ergebnis heftiger Religionskriege ist dann die Uebereinkunft, daß das Glaubensbekenntnis der Untertanen sich nach der Religion der einzelnen Fürsten zu richten habe („cuius regio eius religio",. Tie Toleranz als staatliche Macht tritt zum ersten Mal in England in Erscheinung, als infolge eines Gesetzes den Geistlichen anders gerichteter selten die staatskirche die Amtsausübung untersagt, zweitausend abgesetzte Geistliche ihr Amt verlieren und man wohl oder übel die weitere Amtsführung dieser inoffiziellen Geistlichkeit tolerieren muß. Hieraus machen die Philosophen eine Toleranztheorie. Ter Redner betrachtet endlich noch die Stellung der Toleranz in unserem Zeitalter und verleiht seiner Meinung Ausdruck, daß sie nur genährt wird durch die Gleichoerteilung der Mächte. Er weist darauf hin, daß Toleranz keine Toleranz der skepsis fein dürfe, daß alle äußere Toleranz inhaltslos sei und daß nur die Toleranz des Herzens, die wirkliche Ehrfurcht des Menschen vor dem Menschen, die Empfindung des Gemeinsamkeitsschicksals mit dem Mitmenschen elbische Werte in sich trägt und daß gerade die Jugend durch Wahrung der Toleranz des Herzens unserer Zeit und der Zukunft neue Perspektiven geben könne. Tie formvollendeten, mit starkem Impuls und überlegener Rethorik vorgciragcnen Ausführungen fanden den reichen Beiiall einer aufmerksamen Zuhörerschaft, die den saal völlig gefüllt hatte. Ter Berrhold Auerbach Verein darf den Abend als glänzend gelungen betrachten, und hofft mit seinen wei- Restaurant und Cafe Kamelhaardecken , MERKUR Wolldecken Steppdecken Königstrafte 10, nächst dem Hauptbahnhof Autodecken GUT BÜRGERLICHE GASTSTÄTTE Reisedecken etc. Qualitätsbiere der Unbedingte Qualitätsware Brauerei Wulle Billigste Preise /feüAä.?ütiagsu. Abendkarte KÖCHER «fc Co. Jm Cafi täatidi Konzert Decken - SpesielgetdtSfl Eigene Konditorei STUTTGART, BreUeitr. 2b

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