Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 10 (16.8.1927)
- Date
- 1927-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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abzuwehren. Da war der „große Schmul" einer der Hauptkämpser im Streit, aber sein Ruhm wurde noch übertroffen von dem „kleinen Schmul", der es allein mit einem halben Dutzend von Gegnern aufnahm, und der überall da in die Bresche sprang, wo der Kampf am heißesten tobte. So haben unsere Alten in ihrer Jugend Sport getrieben ohne Statuten und Vereinsbeiträge, ohne Tagungen und ohne Probleme. Aber diese Jugendwettkämpfe taten dem friedvollen und harmonischen Zusammenleben der christlichen und der jüdischen Bevölkerung keinen Eintrag. Man war zusammen ausgewachsen, hatte sich ab und zu auch geschimpft und geschlagen, aber dabei lebten Christen und Juden gut zusammen; sie kannten sich und achteten gegenseitig ihre religiösen Bräuche. Hatte es lange geregnet und kamen die jüdischen Feiertage, dann begannen die Bauern wieder zu hoffen, denn „wenn de Jude Feschttag hent, no wurd 's Wetter schö". Am Vorabend des Versöhnungstages, bei den Christen der „lange Tag" genannt, versammelte sich ein großer Teil der christlichen Dorfbewohner vor der Synagoge und im Vorraum, um "sich den seltsamen Gottesdienst anzusehen und zu hören; Störungen kamen dabei nicht vor. Am Peßach durften wir Kinder allen guten Bekannten unter den Bauern des Ortes die Mazzen zum Versuchen bringen. Es war ein begehrter, weil gewinnreicher, Botengang, denn der Botenlohn wurde gleich in 2 bis 5 Eiern eingeheimst, die man in jedem Hause erhielt, und so sammelten wir um diese Zeit einen recht beträchtlichen Eiervorrat von weißen oder gar rot, braun, blau und grün gefärbten Eiern an; die letzteren waren natürlich die wertvollsten. Was aber geschah damit? Aus einer kleinen Anhöhe unseres Gartens wurde eine Holzrinne auf 2 kreuzweise im Boden steckende Pflöcke aufgelegt, und dann ließ man die Eier auf ihr bergab I rollen. Wurde ein Ei von ein!em andern berührt, so gehörte es dem Besitzer des letzteren. So konnten wir Kinder an einem Nachmittag in einem xannrngsrollen Eierrou^ettespiel alle unsere aufgesparten Schätze verlieren oder auch noch mehr dazu gewinnen. Am Sukkos begann das Nüssespiel, doch nicht auf grünem Rasen wurde es ausgetragen, sondern auf einer etwas abgelegenen Straße, wo man besser auf die in langer Reihe aneinandergereihten Nüsse zielen konnte. Damals störte noch kein Fahrrad und noch keine Autohupe. Gar herrlich aber war sür die Kinder die Chanuktazeit, denn da versammelte sich die Jugend jeden Abend in einem anderen Haus zum Chanukkaspiel, und keine Hausfrau wollte sich nachsagen lassen, daß die Reichhaltigkeit ihrer Bewirtung und die.Güte ihres Schnitzbrots, der Lebkuchen und Springerle denen der Nachbarin nachstehe. Das Schönste war fedoch die Vorbereitung auf die Festtage; eifrig suchten wir zur Herbstzeit an allen Hecken weit und breit die Hagenbutten, die an langen Ketten aufgereiht die Sukkoh schmückten. Die gründlichsten Vorbereitungen aber erforderte das nahende Peßachfest. Denn die Gemeinde war in meinen Kindheitstagen schon so klein geworden, und das Chömezseuer durfte nicht kleiner sein als in alten Zeiten. Da fuhr wochenlang die jüdische Dorfjugend mit einem kleinen Wägelchen von Haus zu Haus, und wo sich altes Holz in Stall und Höfen vorfand, forderten wir es zur Beute. Auch die Bauern mußten uns den verlangten Tribut entrichten; und wenn die Gabe nicht willig gereicht wurde, holten wir sie kühn in günstigen unbewachten Augenblicken. Dann aber mußte mit dem verweigerten alten Besen auch sein dabeistehender jüngerer Kollege mit uns wandern, dem Feuertod entgegen. Eines Tages schenfte uns die Gemeindeverwaltung aus alten Beständen zum Chömezseuer die Betpulte aus Bericht des Israelitischen Fürsorgeamtes' -der de» Monat Juli. Das Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat Juli 1927 unter Mitwirkung der angeschloffrnen Wohlfahrtsvereine folgende Tätigkeit entfaltet: Lausende Unterstützungen.K 951.84 Einmalige Unterstützungen. "363.73 Anstaltsfürsorge. 256.80 GesundheitS- und ErholungSfürforge . . „ 583.95 Durchreisende.* 223.10 AuSgegebene Darlehen . 300.— An 17 Erwachsene und 5 Kinder wurden insgesamt 68 Kleidungs- und Wäschestücke abgegeben. Frau Thekla Levi spendete zam Andenken an Herrn Karl Levi Mk. 50.— Das Israel. fdrsorgeamt bittet um Zumclsung gutcrhultener getragener Kleider, insbesondere mannerkteldcr. Bereitgelegte Gegenstände »erden auf Wunsch nach telephonischer oder schriftlicher Mitteilung I» Hause abgeholt. Gesuch« wird Pension . für einen kleinen Waldorfschüler in gutem jfld. Hause. Größt. Wert wird auf liebev. Pflege gelegt. Offerten erbeten enter K DDO sn die Expedition ds. Blattes. JfldtMhes Kinderheim Lsfflmrort inOMOMn Linie Slottgarl - Nördllngen Streng rituell — Prospekt Leiterin: FrL Lin« Nager SuuMsdnle ln WrtleaMIlfd _ Kleine Klassen. Rituelle Verpflegung. / Das ® S Wintersemester beginnt Montag, 10. Okt. 19X7 X