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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-07-01 · 7 (1.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
7 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
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— 199 — Weihestuni^n, die ich in meiner Heimat als Kind in der Synagoge feiern durfte. Wäre ich ein Maler, ich würde die ehrwürdigen betenden Greisengestallen meiner Jugendtage auf die Leinwand zaubern. Einen Feiber Mayer, einen Mosche Löwe, einen Isaak Ullmann, «inen Kusiejl Ullmann und wie sie alle geheißen, die frommen Andächtigen. Und heute? Man geht auf dem Land noch häufig, fast regelmäßig zur Synagoge. Aber es ist Gewohnheit, Sitte — Kulthandlung — geworden. Es entspricht nicht mehr innerem Drang, seelischem Ruf, berufener Notwendigkeit. Dementsprechend sind auch die Bilder im Gotteshause: gähnende Langeweile, lachende, scherzende, plaudernde Gruppen. Alles andere — nur kein Gottesdienst. Da möchte man oft im prophetischen Eifer hineinfahren: „Warum zertretet ihr inÄne Höfe?" —„Was ihr tut ist nicht Gottesdienst, ist Gotteslästerung". Eines ist sicher: Der ländliche Gottesdienst ist nicht mehr das Ideal der Gottesverehrung. Andächtige Beter sinder man in den Synagogen der Städte, weil innerer Drang in sie führt, ein Suchen nach dem friedbringenden, trostverheißenden, versöhnenden Angesicht Gottes, ein Lechzen nach seinem Worte. Zur „Abodah" rechne ich auch Saftbatruhe und Enthaltsamkit. Wohl sind auf dem Lande am Sabbath und an jüdischen Festtagen die Geschäfte meistens geschlossen. Das ist aber nur noch Form. Ter Geschäftsgeist wacht. Man sieht und hört ihn am Sabbath in allen Häusern und auf Plätzen. So sieht der „Sabbath auf dem Lande" heute aus. Und die jüdische Enthaltsamkeit, die durch das Speisegesetz gekennzeichnet wird? Ich möchte am liebsten schweigen, wenn nicht die christlichen Hotels der Marttorte in Stadt und Land reden würden. Die Enthaltsamkeit der jüdischen Geschäftsleute auf dem Lande ist nicht größer als die ihrer Kollegen in dpr Stadt. Keinesfalls ist das Land geeignet, in der Hinsicht eine wesentliche Aendxrung im Lebensstil des derzeitigen Judentums herbejzuführen. Und was die Einfachheit und Mäßigkeit in Lebenshaltung anbelangt, so dürfte ein allzugroßer Unterschied zwischen Stadt und Land heute kaum wahrnehmbar sein. Vielleicht nur nach der Richtung hin, daß die ländlichen Genüsse viel sinnlicher als die der städtischen Bevölkerung sind. Wie steht es auf dem Land« um Gemilus- Chesed? Das Nahbeieinanderwohnen erzeugt Klatsch und häßliche Zänkereien. Alte Akten erzählen uns von diesem Erbfehler der ländlichen Judenheit. Die Sprichwörter: „Jeder Jude — ein Posthalter! Einer gäbe «in Auge darum, wenn der andere keines hätte" — reden eine nur zu deutliche Sprache. Das Nahbeisammenwohnen schafft aber auch eine gesteigerte Anteilnahme an dem Leid des Ncbenmenschirsii. Tie jüdische Wohltätigkeit auf dem Lande ist noch mustcrgiltig. Sie entbehrt nicht der persönlichen Note warimen Mitgefühls. In der Hinsicht sind unsere Landgemeinden heute noch vorbildlich, auch wenn sie sich in die neuen Formen der Wohlfahrtspflege nicht ,einstigen wollen. Aber befruchtend kann auch die ländliche jüdische Wohltätigkeit nicht mehr auf die städtische jüdische Wohlfahrtspflege einwirken, weil diese umfassender ist und neue Formen gefunden hat. Entsprechend dem alten Spruch: „,G«,mel naphschau isch chescd" (Wer seiner Seele wohltüt, ist ein Frommer), rechne ich auch das äußere Württembergisch-Hohenzvllerischer Landesverband de« Jüdischen Frauenbundes. An die Jüdischen Krane« in Württemberg und Hohenzollern Der Württb. Hohen;. Landesverband beabsichtigt, am Sonntag, den 3. Juli eine Zusammenkunft seiner Mitglieder zu veranstalten und zwar in Eßlingen. Hiezu sind alle Mitglieder der unserm Verband angeschloffenen Vereine herzlich eingeladen. Auch Gäste find willkommen. Programm: Uhr: Besuch im Jsr. Waisenhau«. Besichtigung desselben, Darbietungen der Kinder. 2»o uhr: Spaziergang in der Stadt. 4 Uhr: Gemütliche« Zusammensein im Hotel Füller, zur Post. Berichte auS der Arbeit de« Landesverbandes, anschließend Au«sprache, Anfragen. Wir bitten, unsrer Einladung recht zahlreich Folge zu leisten, da eine solche Versammlung Gelegenheit bietet zu persönlicher Aussprache und immer fruchtbare Anregung bringt. Witrtt Hohen, LandeSvbd.d.Iüd.Kranenbnndes Zur Verlobung Meyer-Sichel gratuliert herzlidiit Familie D. Horowitz lOdisdws Kinderheim LDiiknrort inikaiiscn Linie Siuitgart-Nöi düngen — Wiedereröffnung 1. Juni Streng rituell — Erstklassige Referenzen — Prospekt Leiterin: FrL Lina Nager Juni angen. ErhoL-Aufenth. für junge Mädchen Mcaler SMiacr-Maulttll t» Fraiaüal bei Besigheim. Schöne Zimmer m'l guter rit. Verpflegung zum Tagespreis von M. 4.30. Näheres zu erfragen bet Frau Blum, FrendentaL iiiiiiiimiiiiniimiiuiniunitaHiiiiimjuiiiiHiituiiBimiinmfliiiiiiiiiiMimiininimuuHiiinuiuiiiiri Junger Mann mit Kost und Logis. Angebote unter X 410 an die Expedition des Blattes. nirniiininiinnititiniiuiiininHninnfniHiiittiniiiiHiiMiunittitiiuiimiiiiHniiiiHmHiHfmiiiwHiii

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