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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-07-01 · 7 (1.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
7 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
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kische Einheit zu betrachten. Es ist natürlich richtig, daß die Juden bis vor etwa zweitauseich Jahren eine Art Volkstum besessen haben. Aber selbst dieses Volkstum kann mit den Gemeinschaften anderer Völker nicht verglichen werden. Tie völkische Judengeschichte hat mit dem Jahre 586 v. Ehr., also mit der ersten Zerstörung des Tempels ausgehärt. Bereits das israelitische Judentum in Assyrien und das judäische in Babylonien haben alle völkischen Bindungen verloren. Tie Restauration in Kanaan durch Josua und Serubbabel ist ebenso wie die durch Esra und Nehemia rein religiös. Ihre Maßnahmen unb Gesetze bezwecken lediglich die religiöse Wiederherstellung und ihr Zentrum, den Tempel. Auch die Erhebung gegen die Syrer unter Mathathias ist ursprünglich keine nationale, sondern eine religiöse. Die Konsolidierung der Verhältnisse und die politische Unabhängigkeit ermöglicht für ein Jahrhundert das Entstehen eines nationalen Kö nigtums. Tieses letzte Jahrhundert der jüdischen Geschichte bis zur Zerstörung des zweiten Tempels ist aber'eine seltsame Mischung religiöser und politischer Strömungen. Auch der Aufstand Barkochbas muß mehr als messianische Bewegung, denn als nationaler Aufstand bewertet werden. Aber selbst wenn inan das Judentum bis dahin als Nation betrachten will, ist jedenfalls seitdem di« Geschichte des Judentums eine nur religiöse, wenn auch da und dort Ansätze und Versuche zu einer neuen nationalen Ausgestaltung auftreten. Tas war Grund sür den ersten Historiker des Judentums, den Christen Basnage, sein fünsbändiges Geschichtswerk Histoire de la Religion des Juifs depuis Jesus-Christ jusqu^L present (1707—1711) zu nennen. Auch Graetz hat sich wohl gehütet, sein Werk als eine Geschichte des jüdischen Volkes zu bezeichnen. Erst der zionistischen Ideologie ist diese neue Namensgebung zu verdanken. Fast gleichzeitig erschienen zwei christliche Darstellungen der jüdischen Geschichte: 1908 F. Hemans (Basel) „Geschichte des Jüdischen Volkes seit der Zerstörung Jerusalems" und 1909 bis 1910 Ludwig Albrechts (Bremen) „Geschichte des Volkes Israel von Mose bis auf die Gegenwart." Beide Werke erscheinen gegenwärtig in neuer Bearbeitung: Ludwig Albrechts Buch erweitert im Verlag der evangelischen Buchhandlung von P. Ott (1926, in Leinen gebunden 12.— Mark) und F. Kemans Geschichte in gekürzter Form, herausgegeben vom Leipziger O. v. Harling (1927, Calwer Vereinsbuchhandlung, Stuttgart, 12.— Mark). Ta sich beide Werke nach ihrer eigenen Angabe nach Quellen und Stofs aus Graetz gründen, und sich im übrigen Heman auf Dubnow Neueste Geschichte, Albrecht auch auf dessen Weltgeschichte des jüd. Volkes berufen, so bedeuten beide eigentlich keine Bereicherung der Wissenschaft. Wenn sie trotzdem hier besprochen werden, so geschieht das 196 — lediglich um ihrer Stellungnahme willen zu den Fragen des Judentums. Mbrecht will „die ganze Geschichte Israels von Mose bis auf die Gegenwart übersichtlich und allgemeinverständlich erzählen, sodaß sür den Leser der Ratschluß Gottes mit dem alten Bundesvolk ins Licht tritt". Für ihn ist Jesus, „der Mittelpunkt und das Ziel der ganzen Geschichte Israels." Er will also vom kirchlich-christlichen Standpunkte aus im engen Anschluß an die Bibel die Geschichte Israels darstellen. Er verwirft die moderne Textkritik der Bibel vollständig (S. 311 bis 321). Um so merkwürdiger ist es, daß die drei Patriarchen in seiner Darstellung nirgends erwähnt werden. Allerdings will er ja nur die Geschichte Israels von Mose an schreiben. Demzufolge füllt die Tarstellung der biblischen Zeit die Hälft« seines Werkes. Es erübrigt sich also, auf geschichtliche xind theologische Unrichtigkeiten in seiner Tarstellung einzugehcn, vor allem auf seine biblische Chronologie, in der er die Inschrift Salmanassars über seinen Sieg über Ahad von Israel 854 absichtlich übergeht (S. 244). Tie sogenannte Jsraelsstelle des Merneptah wird fälschlich auf Israel bezogen, während sie von »Lesreel, das verwüstet ohne Feldfrucht ist," redet. Daniel wird zum Zeitgenossen des Ezechiel gemacht (S. 256), die Einheit des Jesaiabuches wird vertreten (S 264) usw. Besser ist die Darstellung der nachbiblischen Geschichte. Taß es bei ihr nicht ohne eine gewisse Wilkür der Tarstellung abgeht, ist durch die gebotene Kürze der Darstellung erklärlich. Trotzdem bleibt es eine arge Lücke, daß z. B. Raschi in dem Buche überhaupt nicht erwähnt wird. Nur selten einmal fällt Albraht ein hartes Upteil über die Juden. Erst auf den l etzten Seiten enthüllt er seine Meinung, daß Nichtchristen im christlichen Staaten im besten Falle nur geduldet werden können. Er erklärt nichts weniger als daß ,chie volle Gleichberechtigung der Juden mit den christlichen Bürgern ein Unding ist. Sie können in einem christlichen Staate nur als Gäste angesehen werden. Ein Gast ist aber mit den Miedern der Familie, die er besucht, nicht gleichberechtigt (S. 617)." Andrerseits aber ist es die Pflicht aller Hausgenossen, den Gästen stets freundlich und liebevoll entgegenzukommen und ihnen den Auftnthalt im Hause so angenehm als möglich zu machen. Durch die bürgerliche Gleichstellung der Juden haben die europäischen Staaten ihren christlichen Charakter verleugnet und sich als religionslos bekannt (S. 618). Was aber schlimmer ist: Die Juden sind seitdem die Hauptträger des Atheismus und Materialismus. So wirken sie zersetzend im politischen, sozialen und geistigen Leben der Völker. Darum sind die Juden in der Tat ein Fluch der ganzen Menschheit geworden (S. 622)." Ueber de» christologischen Endzweck der Ge-

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