Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 5 (1.6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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Es war nötig, Anleihen aufzunehmen, zu deren Tilgung viele Jahrzehnte erforderlich waren. Aber der staunenswerte Optimismus unserer Väter ist von den großen Zahlungen nicht zurückgeschreckt — sie haben auch auf ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten unb Kräfte Vertrauen gehabt. Es muß anerkannt werden, wie fleißig in dieser jungen Gemeinde gearbeitet wocken ist, mit welcher Rührigkeit und Tüchtigkeit man damals den Grund gelegt hat zu wirtschaftlicher Bedeutung und Größe- Da waren Kaufleute, Fabrikanten, Akademiker, die ihrem Berufe zur Zierde gereichten. Unsere Väter waren strebsam und sparsam, rastlos und anspruchslos, fähig und bescheiden. Freilich nehmen wir auch hier keine Sonderstellung ein, sondern teilen das Schicksal des deutschen Volkes, zu dem wir gehören. Es handelt sich um die Zeit, da es überhaupt in Deutschland vorwärts ging, wo Handel und Industrie blühten, wo die Arbeit ihren Lohn und reichen Segen fand- Nur das Tempo unserer Gemeinde war vielleicht besonders rasch, weil sie eben jung war und ihre frischen Kräfte nützen konnte. Aber wie ist es heute? Deutschland ist verarmt, der Krieg und die Nachkriegszeit haben schwere Verheerungen angerichtet, der Wohlstand ist geschwunden, es gilt, mühsam weder aufzubaucn. Wer die VerhÄtnisse kennt, weiß, daß auch unsere Gemeinde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, davon sehr empfindlich getroffen worden ist. Gleichzeitig ist die Sparsamkeit ihres Wertes entkleidet worden, die Einfachheit der früheren Zeit ist dahin, die Ansprüche an das Leben sind gewachsen. So tun wir uns heute schwer, auch nur die nötigsten Steuern aufzubringen, und wenn wir auch glauben, daß wir uns allmählich wieder herausarbeiten werden — so wie die Verhältnisse liegen, steht wohl fest: So gut wie früher wird es uns wirtschaftlich nicht wieder gehen, eine solche stürmische Austvärtsbewegung wie vor Zeiten, werden wir nicht wieder erlcken. Die Synagoge, die unsere Väter mit gutem 135 — Geschmack und künstlerischem Verständnis gebaut haben, ist eingefügt in das Heilbronner Stadtbild und kann davon nicht mehr getrennt werden. So hat man 1877 auch empfunden, daß unsere jüdische Gemeinde sich rasch hier eingelckt habe und für immer zu Heilbronn gehöre. Man war in unseren Kreisen überzeugt, daß die Zeiten endgültig vorbei seien, wo der Jude als rechtlos oder minderen Rechts behandelt und mißhandelt worden war. In der Verfassung stand, daß es für die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte auf das Glaubensbekenntnis nicht ankomme, und wir hatten damals das Vertrauen, daß die im Recht begründete Gleichstellung, soweit sie uns von der Verwaltung noch nicht gewährt wurde, sich allmählich durchsetzen werde. Man lebte der Hoffnung, daß die gegen uns noch bestehenden Vorurteile nach und nach schwinden und daß auch die gesellschaftliche Zurücksetzung schließlich aufhören wecke. Aber es sind nicht alle Blütentväume in Erfüllnug gegangen, mancher Frost und Wetterrückschlag hat unsere Fluren getroffen, immer von Neuem hat der Judenhaß die Atmosphäre vergiftet und wir haben uns um unser Recht und unsere Geltung in zäher Arbeit -wehren müssen. Dann kam der große Krieg. In jenen Augusttagen des Jahres 1914 war aller Hader vergessen, man scharte sich einmütig um das bckrohte Vaterland und brachte ihm willig Gut und Blut zum Opfer. Und wir Juden glaubten plötzlich, den unverwüstlichen Optimismus unserer Väter verstehen zu können, und wir teilten ihn. Wir waren, davon durchdrungen, daß das gemeinsame Erlebnis im Schützengraben alle Zäune entfernen und alle Schranken niederreißen werde. Es ist anders gekommen. Ich will die Freude, dieser festlichen Stunden nicht trüben, indem ich hier breit ausmale, was wir alle schaudernd erlebt haben. Es ist ein hartes Schicksal, wenn man den Sündenbock abgeben soll für die Schuld anderer, es ist ein schlimmes Verhängnis, wenn man das ItraeL Männerverefn für Krankenpflege und Leldbenbestattung Ntcrnp aron Der Einzug der noch rückständigen Mitgliederbeitr&ge f. 1927 erfolgt im Laufe der nächsten Wochen, Wir bitten dringend / . " \ Harry Kronenberg Lene Kronenberg, geb. Manussow Vermählte Gustav Schmulewitz Eva Schmulewitz, geb. Manussow v Vermählte jr um Einlösung der Quittungen. Für wiederholtes Vorzeigen mühte jeweils eine Gebühr von JOdlsAcs Kinderheim 20 Pfg. für den Gang in Anrechnung gebracht werden. Dagegen steht es Minderbemittelten LUflnrtrf Annans« Linie Stuttgart-NOrdüngen — Wiedereröffnung 1. Juni frei, einen ermäßigten Deitrag zu leisten. Streng rituell — Erstklassige Referenzen — Prospekt Der Ausschuß. Leiterin: FrL Lina Nager Juni angen. ErhoL-Aufenth. für junge Mädchen .