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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-04-16 · 2 (16.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
2 (16.4.1927)
Date
1927-04-16
Page
[Seite] (sequence 2)
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Augenblick, in dem sie di« vier Sederfragen der Mah nischthanna vortragen. Der Hausherr gibt die Antwort, wobei er durch den Midrasch an die Bibelstellen erinnert roirb, die es dem Hausvater zur Pflicht machen, an diesem Abend den Kindern vom Auszug aus Aegypten zu erzählen. Den pietätlosen Spötter, der mit überlegener Miene das zähe Festhalten an den uralten Ueberlieferungen belacht, soll der Hausherr besonders ernst daran erinnern, daß die Treue im Kleinen Israel erhalten. Hätten die Väter in Aegypten wie der Spötter gedacht, sie hätten, geblendet von der Kultur Aegyptens, ihre Eigenart mißachtet, das Vermächtnis der Väter verleugnet, das heilige Erbe der Vorzett preisgegeben und wären niemals zur Freiheit erwacht. Das kluge Kind wird besonders daran erinnert, daß wir mit dem Epikomon, dem Nachtischbrot, das Pessachmahl abschließen und nicht nach der Sitte der entarteten klassischen Völker ein Trinkgelage folgen lassen. Damit ist die Abendsfeier zu ihrem Kernstück gckaygt, der Auslegung der Verse 5—8 im 26. Kapitel des 5. Buches der Thora. Bei der Aufzählung der 10 Plagen wird der Finger in den Kelch getaucht, sodaß ein Tropfen auf den Boden fällt. Unserem Schicksalskelch sollen die Leiden Aegyptens fernbleiben! Das Schlußwort dieses Kernstückes stammt von Httlels Enkel, Rabban Gamliel dem Aelteren, und mahnt an die Pflicht, an diesen Menden vom Peßach, dem Festopfer, dem Zeugnis des Opfermutes und des Gottvertrauens der Väter, von Mazza, dem ungesäuerten Brot, und von Maror, dem Bitterkraut, zu sprechen. Jetzt ist die Feststimmung zur Höhe gediehen. Darum werden die ersten Hallelpsalmen 113 und 114 gesungen, und der Hausherr preist Gott beim zweiten Becher Wein für unsere und unterer Väter Erlösung. Tenn, das ist der Sinn dieses Dankspruches, wir fühlen und empfinden an diesen Abenden die Erlösung aus Aegypten so leb hast, so persönlich, als ob wir sie selber erlebt hätten. Nun waschen sich alle Tischgenossen die Hände, denn Gott soll für das Brot gedankt werden. Tann wird Charauß und Lattich und nach Hillels Vorbild Mazza mit Merrettich gegessen und das eigentliche Abendessen genossen, das mit dem Nachtischbrot endet. Beim dritten Becher wird das Tischgebet gesprochen und dann das große Hallet, Psalm 115—118 und 136, vollendet. Daran schließt sich der Lobgesang Gottes, Nischmas kol chaj, und zwei mittelalterliche Festgesänge, nach deren Vortrag der 4. Becher geleert wirbt Den Abschluß bilden drei Lieder: ein Hymnus an Gott, der den Tempel bald in unseren Tagen neu errichten möge, und zwei aus dem 16. Jahrhundert stammende Volkslieder, ein Zahlenlied, 40 - in dem der symbolische Sinn der Zahlen 1—13 gedeutet wird, und das in seltsamem Aramäisch verfaßte Lied vom Lämmchen, das der Vater für 2 Sus gekauft, das die Katze zerfleischt, die der Hund dafür totgebissen, den der Stock deshalb getötet, bis zuletzt der Herrgott selbst erscheint und den Todesengel niederstreckt, der den Metzger getötet, der den Ochsen geschlachtet, der das Wasser getrunken, welches das Feuer gelöscht, das den Stock verbrannt hat. Es ist das Lied von der allwaltenden Gottesgerechtigkeit, ein Trost für Israel, auszuharren, denn sein Schicksal ruht in der Hand des gerechten Weltenrichters. Das Zahlenlied: „Eins, wer sagt die Deutung an? Eins ich dir erklären kann. Eins ist Gott im Himmel droben, laß^bMHMAuf Erden loben", ist die hebräische WW^ung eines deutschen Volksliedes, daß gewiß vielen aus Peter Roseggers „Gottsucher" bekannt ist. Der hebräische Dichter hat zu der 12 die 13 hinzugeftigt als die Anzahl der göttlichen Eigenschaften, weil Echod (eins) im Hebräischen den Zahlenwert von 13 hat — aus Gott stammt alles, in Gott findet alles seine Einheit. Ebenso geht das Lied vom Lämmchen auf ein deutsches Volkslied zurück, das vor allem im Elsaß und in der Schweiz verbreitet ist. Tatsächlich wird das Lied nur im deutschen Ritus gesungen. Während sich aber im deutschen Volkslied alle Boten weigern, ihre Sendung zu vollziehen, sind sie im jüdischen Volkslicke gefügige Werkzeuge des göttlichen Wiflens. Das kleine Büchlein, die Haggada, die alles dies und noch mehr enthält, ist das nächst der Bibel meist gedruckte Buch der Weltliteratur. Es existiert in fast eintausend Auflagen und ist nicht selten in bildergeschmückten Handschriften erhalten. Auch die Stuttgarter Landesbibliothek besitzt eine solche kostbare Handschrift aus dem 15. Jahrhundert. Eine der schönsten ist die Darmstädter, die werwollste ist die 1894 in Sarajewo gefundene Haggada. Möge das Fest in ganz Israel in Freuden zum Segen gefeiert werden! Die Vorbereitung auf das Petzachfeft in diesem Jahre. Da diesmal der Rüsttag des Peßachfestes ein Sabbathlag ist, so findet das Fasten der Erstgeborenen bereits am Donnerstag statt. Das Suchen nach dem Gesäuerten (Bckikas Chomez) erfolgt am Donnerstag Abend. Das gefundene Chomez wick am Freitag um lOy* Uhr verbrannt. Man darf aber soviel Chomez zurückbehalten, als man für den Freitagabend und den Sabbath-Vormittag benöttgt. Das Verbot des Chomezessens beginnt am Sabbathmorgen um 914 Uhr. Nach dieser Zeit wird das am Frei-

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